In der Südstadt tut sich jede Mannschaft schwer, doch für die Bullen müssen im Kampf um den Meistertitel auch hier drei Punkte her. Nach... Torfestival in der Südstadt: Darum endete das Duell zwischen Admira und RB Salzburg mit einem unglaublichen 4:4!

In der Südstadt tut sich jede Mannschaft schwer, doch für die Bullen müssen im Kampf um den Meistertitel auch hier drei Punkte her. Nach der Pleite gegen Rapid Wien war außerdem Wiedergutmachung angesagt und Trainer Roger Schmidt implementierte einige der Neuzugänge in die Mannschaft, um den Konkurrenzkampf anzufachen und frischen Wind in die Mannschaft zu bringen. Admira-Trainer Kühbauer wusste genau, dass die im Umschaltspiel herausragende Admira mit ihren Chancen besser umgehen müsste, wenn gegen die angeschlagenen Bullen aus Salzburg die drei Punkte behalten werden sollen.

Die Chancenverwertung passt dann auch – die der Gäste allerdings ebenso und es entwickelte sich ein denkwürdiges Spiel, welches mit acht Treffern und einem Unentschieden endete. Beide Trainer können in Anbetracht der Umstände mit der Leistung ihrer jeweiligen Elf zufrieden sein, welche je einen Punkt gegen eine der besten Mannschaften in der Liga holten.

Aufstellung der Hausherren

Wie üblich trat die Admira im 4-4-2 auf und versuchte die Passwege der Gegner in das Mittelfeld zuzustellen. Auf den Seiten hatten sie dann mit zwei Außen und den engen Viererketten sowohl vertikale als auch horizontale Kompaktheit, welche in Ballgewinnen und schnellem Umschalten resultieren sollte. Diese Spielweise machte sich bezahlt gegen die Salzburger, welche bereits im Aufbauspiel einige Fehler hatten und dadurch auch bald in Rückstand gerieten. Mevoungou und Schachner sicherten das Zentrum und den Raum vor der Kette, während die Flügelspieler im Mittelfeld mit den Außenverteidigern die Gegner auf der Seite unter Druck setzten und schnell nach vorne gingen.

Admiras Umschaltspiel

Bei diesem Aufrücken und Umschalten gingen auch die ballfernen Spieler mit. Sie sollten möglichst dynamisch nach vorne kommen und diagonal in die Mitte gehen. Das Ziel war es, dass sie sowohl für Breite im eigenen Offensivspiel als auch für höhere Anforderungen an den Gegner sorgten. Diese blickten Richtung Ball und mussten schnell reagieren, wenn ein Gegner von der Seite kam, der außerhalb ihres Sichtfelds startete und sie deswegen stark unter Druck setzte.

Desweiteren spielte die Admira mit einer unterschiedlichen Tiefenstaffelung: die Spieler verteilten sich immer in der Höhe leicht versetzt im Raum und hatten bei diagonalen Pässen der gegnerischen Außenverteidiger mehr Zugriff. Der Gegner konnte nie einen einfachen diagonalen oder horizontalen Pass finden und oftmals mussten sie ungewünscht und übertrieben schnell nach vorne spielen, obwohl ihre Anspielstationen besetzt waren.

Hinzu kam noch die Rolle Thürauers, der sich oft fallen ließ und bei Bedarf ein 4-4-1-1 oder gar 4-2-3-1 bildete. Im Offensivspiel ging er dann auf die Seiten und auch Hosiner bewegte sich viel, weswegen die Konter der Admira extrem gefährlich waren. Sabitzer zieht von außen nach innen und überlädt weitere Räume in den Halbpositionen, was letztlich für die defensivere Rolle der Salzburger Außenverteidiger sorgte. Problematisch war dies beim Übergeben bei gegnerischem Angriffsverlauf, welches kommunikativ extrem anspruchsvoll ist und einige Male nur unzureichend klappte.

Ein weiterer Aspekt war, dass die Salzburger mit Mannorientierung der Außenverteidiger auf die Flügelspieler agierte und sich einige Male aus der Position ziehen ließ. Thürauer ging dann auf die Seiten und weite Bälle in diese offenen Halbräume sorgten für gefährliche Situationen. Hosiner machte in der Mitte Betrieb, seitlich war Thürauer frei von gegnerischer Deckung und das 3:0 fiel exakt auf eine solche Art und Weise. Die Innenverteidiger mussten rausschieben, der Außenverteidiger war obsolet und ohne Raumzuteilung, nachdem er ausgespielt wurde.

Salzburgs neues System

Bei den Bullen gab es in der ersten Halbzeit auch ein neues System zu bewundern, welches nur unzureichend funktionierte. Die defensiven Außenverteidiger Schiemer und Hinteregger waren einige Male zu steif und auch offensiv ineffektiv, während es zentral an der Kompaktheit mangelte. Mendes da Silva als einziger wirklicher Sechser konnte einfach zugestellt werden, weswegen weder der zentraloffensive Spieler Valon Berisha noch Soriano und Nielsen an vorderster Front Bälle erhielten. Vergleichsweise ruhig blieben natürlich ebenfalls Hierländer und Zarate auf den offensiven Flügelpositionen. Durch die mangelnde Unterstützung von hinten und das gegnerische Spiel mit zwei Viererketten sowie bewusstem Leiten und Attackieren des Gegners auf der Seite hatten sie wenig Raum und wurden stark bedrängt. Zwar bewegten sich Nielsen und Soriano viel, sie ließen sich fallen und gingen auf die Flügel, doch es ergab sich daraus relativ wenig Nutzen. Nielsen spielte dabei eher horizontal, um von der Seite wieder in den Strafraum zu kommen, während Soriano mit einer vertikalen Rolle das Aufbau- und Umschaltspiel unterstützen wollte.

Diese Formation sollte nur zum 3:1-Anschlusstreffer in der ersten Halbzeit reichen. Die individuelle Leistung der Innenverteidiger, insbesondere beim Spielaufbau, sowie der Außenverteidiger im Vorwärtsgang und die generell fehlende schnelle Arbeit gegen den Ball nach Ballverlusten schienen Schmidt besonders zu missfallen. Nach dem Seitenwechsel packte er deswegen ein sehr offensives und riskantes System aus, welches beinahe mit dem Sieg belohnt worden wäre.

Salzburg nach den Wechseln

Nach dem Seitenwechsel wurde ein 3-4-3 gespielt, in welchem Hierländer die rechte Halbposition übernahm und diese offensiv interpretierte. Dafür ließ sich Mendes dann in die Lücke fallen und sicherte ab. Es gab dann im defensiven Umschaltmoment eine gependelte Viererkette, im Normalfall blieb es jedoch bei der Dreierkette mit Mendes im defensiven Mittelfeld als Sechser und Hierländer rechts auf dem defensiven Flügel. Linksaußen war es dann Hinteregger, der neben Schiemer die anderen beiden Positionen der Dreierkette besetzte.

Vorne wurde mit Maierhofer ein Zielspieler für hohe Bälle und damit zur Überbrückung des Mittelfelds eingewechselt, Nielsen und Soriano wirbelten dann um ihn herum. Nielsen profitierte davon, er hatte nun mehr Raum und er traf drei Mal in dieser Partie – einmal nach einer schönen Ablage Maierhofers, welcher sogar zum zwischenzeitlichen 4:3 traf.

Rechts und links gab es mit Jantscher und Zarate zwei Spieler, welche die Flügel beackerten und mit ihrer Dribbelstärke nach vorne kommen sollten. Das 3-4-3 passte gut und durch die drei Spieler im Aufbauspiel taten sich die Admiraner mit der Balleroberung, dem Zustellen der Passwege und den Kontern deutlich schwerer, als es in der ersten Hälfte noch der Fall war. Eine denkwürdige Taktik, welche dieses Spiel perfekt umschreibt: spannend, unüblich, attraktiv.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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