Der Haussegen hängt gewaltig schief in Wien-Favoriten. Schwache Leistungen in der Qualifikationsgruppe und nur ein mickriger Punkt aus den letzten vier Spielen – was... Kommentar: Die Austria ist in einer Sackgasse (2)

Der Haussegen hängt gewaltig schief in Wien-Favoriten. Schwache Leistungen in der Qualifikationsgruppe und nur ein mickriger Punkt aus den letzten vier Spielen – was mittlerweile auch zur Entlassung von Trainer Michael Wimmer führte. Doch nicht nur das, auch die Auftritte waren dabei teilweise völlig blutleer und ohne jegliche Leidenschaft, weshalb man sich die Frage stellen muss, wie so etwas passieren kann. Die Probleme brodeln jedoch schon länger unter der Oberfläche und treten nun allmählich zu Tage. Doch nicht nur die Spieler und der Trainer sind dabei in die Pflicht zu nehmen, sondern die sportliche Führung. Hier geht es zum ersten Teil des Kommentars!

Wie sich das Trainerteam nach der „Causa-Jukic“ selbst schadete

Blicken wir zurück in den Dezember und in die Woche vor dem letzten Spiel des Jahres auswärts gegen Klagenfurt. Die Austria befand sich zu dem Zeitpunkt in einer guten Verfassung und hatte in zwei Monaten nur ein Spiel in Wolfsberg recht unglücklich verloren, feierte dafür unter anderem einen Sieg gegen den wohl kommenden Double-Sieger Sturm Graz. Beim Abschlusstraining kam es dann zu einem Vorfall, der eigentlich einen eigenen Artikel verdient hätte, um die Ereignisse zu schildern, die uns von verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen bestätigt wurde. Was war passiert?

Das Training näherte sich dem Ende entgegen und man studierte unter der Leitung von Co-Trainer Ahmet Koc die letzten Standardsituationen ein. Cheftrainer Wimmer überließ dieses Thema wie erwähnt komplett seinem Assistenten und arbeitete währenddessen auf der anderen Spielhälfte mit einigen Spielern individuell. Jukic führte eine von Koc ausgetüftelte Eckballvariante aus, die jedoch in einer Abseitsstellung mündete. Der Co-Trainer ordnete daraufhin eine Wiederholung an und Jukic drehte sich in Richtung Cornerfahne um, um den Eckball erneut auszuführen – ironischerweise war das Resultat dieser Eckball-Variante auch im Spiel eine Abseitsstellung – siehe Spielminute 28:30 beim 2:2 Remis gegen Klagenfurt).

Daraufhin explodierte Koc und attackierte aus heiterem Himmel Jukic schreiend und fragte ihn, ob er denn morgen spielen wolle. Der verwunderte Jukic bejahte die Frage und Kapitän Fischer ging dazwischen und versuchte die Situation zu beruhigen, schickte Jukic zur Eckfahne, um es nicht weiter eskalieren zu lassen. Nach dem Training suchte Jukic das Gespräch mit Koc und beide reichten sich anschließend die Hand, da es scheinbar zu einem Missverständnis kam. Die Spieler machten sich im Anschluss bereit für die Abfahrt nach Klagenfurt und nahmen nach dem Duschen Platz im Mannschaftsbus, der nach Kärnten rollen sollte. Ein Akteur fehlte jedoch zur Verwunderung aller Spieler, nämlich Jukic. Dieser bekam nämlich kurz vor der Abfahrt von Cheftrainer Wimmer mitgeteilt, dass er nicht mitfahren dürfe, da Co-Trainer Koc ihm ein Fehlverhalten vorgeworfen hatte. Das verwunderte viele Spieler, die auf dem Trainingsplatz gar nichts davon mitbekamen.

Dadurch rätselten selbst im Normalfall gut informierte Quellen über die Ursache und bekamen kaum Hintergründe zu dem Vorfall, die erst rund um den Abgang von Jukic aufkamen, was natürlich die Gerüchteküche befeuerte. Der Kurier berichtete unter anderem fälschlicherweise, dass Jukic einen Mitspieler „umgemäht“ und danach einen Trainer beschimpft hätte. Kapitän Fischer und ein weiterer Führungsspieler, die die Szenerie mitbekamen, versuchten daraufhin zu intervenieren und suchten das Gespräch mit Wimmer, um ihm die Situation zu schildern und auf diesen einzuwirken, die Entscheidung zu überdenken. Doch vergeblich, Wimmer stellte sich auf die Seite seines Co-Trainers und vertraute auf dessen Aussage. Vor dem Bus trafen sich dann anschließend Jukic und Koc nochmal und bei der Nachfrage, was der Co-Trainer Wimmer erzählt habe, kam es zu einem Wortgefecht, bei dem beide Seiten emotional wurden und voneinander getrennt werden mussten.

Der Vorfall zwischen Koc und Jukic hätte nach dem Klagenfurt-Spiel intern in Ruhe aufgearbeitet werden können. Aufgrund der bevorstehenden Winterpause hätte es genug Zeit gegeben. Es bestand auch nicht die Gefahr, dass dies öffentlich wird, ging es doch für die meisten Protagonisten nach dem Spiel in den Urlaub. Doch Trainer Wimmer beging einen fatalen Fehler, indem er die ganze Sache öffentlich machte und in einem Interview mit „Sky“ auf Nachfrage den Vorfall mehr oder weniger bestätigte. So wie es die meisten Trainer auf der Welt vormachen, hätte man hier schlicht zu Protokoll geben können, dass der Spieler aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung steht und man dazu keine weiteren Auskünfte geben möchte. Dies geschieht im Profifußball öfter als man denkt und Spieler fehlen plötzlich „angeschlagen“ oder aus „privaten Gründen“, nur bekommt man die wahren Hintergründe selten mit.

Doch Wimmer war es in dem Moment wichtiger, die Wahrheit zu sagen und das eigene Gesicht zu wahren, als diese Sache ohne Aufsicht der Öffentlichkeit aufzuarbeiten. Vielleicht war er aber auch einfach überrascht und rechnete nicht damit, dass der Vorfall keine 24 Stunden später bereits öffentlich wurde und jemand die Information aus dem inneren Kreis an die Journalisten weitergab – eine Spezialität im Umfeld der Austria. So oder so, er hätte darauf vorbereitet sein müssen und erhöhte den Druck auf den Verein und sich selbst, hier Konsequenzen zu setzen, da nun jeder von einem „disziplinaren Vorfall“ Bescheid wusste und es auch nicht erste Vorfall war. Wie dieser nun wirklich aussah und dass dieser umstritten war, spielte in Wirklichkeit keine Rolle mehr. Das war ein fataler Fehler, der auch die restliche Amtszeit des Deutschen belasten sollte.

Das hatte nämlich in mehrfacher Hinsicht Konsequenzen. Jukic stand vor einer Vertragsverlängerung und galt als eine der heißen Aktien, da er zu den besten Spielern im Herbst zählte und in seiner neuen Rolle einen großen Anteil am Aufschwung hatte. Mit dieser Geschichte, die nun in der Öffentlichkeit publik wurde, zerschlug man auf einem Schlag einen möglichen Weiterverkaufswert und schwächte die eigene Verhandlungsposition, da nun Jukic endgültig das Image als „Badboy“ umgehängt bekam. Die sportliche Führung verabsäumte es in weiterer Folge hier auch, die beiden Streithähne an einen Tisch zu setzen und zumindest zu versuchen, das Problem aus der Welt zu schaffen.

Stattdessen gab der Cheftrainer den Forderungen seines Co-Trainers nach und Jukic wurde aus dem Kader geworfen. Die sportliche Führung der Austria versuchte daraufhin, Jukic loszuwerden und zumindest eine mittlere sechsstellige Ablösesumme zu lukrieren. Doch man musste recht schnell feststellen, dass man nicht mehr die beste Verhandlungsposition hatte und dass für einen Spieler, mit einem angeschlagenen Ruf und einem in sechs Monaten auslaufenden Vertrag die Vereine nicht gerade Schlange stehen, um eine angemessene Ablösesumme zu bezahlen. Am Ende wechselte Jukic für schlappe 50.000 Euro nach Russland zu Sotchi.

Undiszipliniertheiten im Kader nahmen zu

So hat man im Endeffekt einen violetten Eigenbauspieler und eine eigene Wertanlage mit dem eigenen Missmanagement entwertet, was dem Verein möglicher Weise mehrere hunderttausend Euro gekostet hat. Doch auch sportlich hinterließ dieser Abgang eine große Lücke, war doch Jukic einer der wenigen Spieler, die eine gewisse Dynamik mitbrachten, die im Kader bereits kaum vorhanden war. Noch dazu gab man mit Braunöder auch noch den eigentlichen Ersatz ab, womit man nun im zentralen Mittelfeld plötzlich unterbesetzt war und scheinbar darauf vertraute, verletzungsfrei durch die Rückrunde zu kommen. Der Abgang hatte aber nicht nur aus sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht Konsequenzen. Auch in der Kabine hinterließ diese Causa ihre Spuren und nicht gerade wenige Spieler waren erbost über den Umgang mit Jukic.

Vor allem die Personalie Koc und dessen Verhaltensweisen wurden von nun an argwöhnisch betrachtet und sorgten bereits auf der vereinseigenen Weihnachtsfeier für Misstöne, als dieser sich nur von einigen wenigen Spielern in den Urlaub verabschiedete und dem Rest kaum Beachtung schenkte. Das ist besonders problematisch, war doch dieser laut einem Interview von Michael Wimmer mit Viola TV in der Winterpause derjenige, der „für die Kabine zuständig ist und diese regelt“. Fakt ist jedoch, dass man nicht nur mit Jukic Probleme hatte, sondern auch mit weiteren Spielern. An die Öffentlichkeit drang nur die Causa rund um Polster, der sich mehrere Undiszipliniertheiten leiste, die aber bereits schon im Herbst ein Thema waren.

Blickt man dann auch noch auf die vielen Undiszipliniertheiten auf dem Feld, sei es die Roten Karten oder die Gelben Karten für Kritik, kommt immer mehr zum Vorschein, dass etwas in der Mannschaftsführung nicht stimmen kann. Entweder nehmen es die Spieler nicht an oder die Trainer dringen mit ihrer Aussage nicht durch. Doch so oder so, muss sich hier in Zukunft etwas ändern und braucht es klare Strukturen und Führungspersönlichkeiten, die das im Griff haben. Wenn man innerhalb der Mannschaft keine Persönlichkeiten vom Format eines Markus Suttner hat, dann muss umso mehr der Trainer die Zügel in die Hand nehmen und für Strukturen sorgen. Das ist aber offensichtlich auch hier nicht einwandfrei verlaufen, weshalb sich Cheftrainer Wimmer nun im Nachhinein betrachtet die Frage stellen muss, ob er hier die richtigen Entscheidungen war, dem eigenen Co-Trainer so viele Freiheiten und Einfluss zu geben.

Michael Wimmer ist noch ein relativ junger Cheftrainer und was für Spieler gilt, gilt auch für den Trainerposten. Man entwickelt sich mit der Zeit weiter und lernt aus den Erfahrungen. Wimmer gilt auch als selbstreflektiert und wie man aus dem Umfeld der Austria so hört, bereute er etwa auch die Situation und seine Handhabung um Jukic und dass ihm diese so entglitt, war doch der Mittelfeldspieler eigentlich eines seiner „Lieblingsprojekte“, dessen volles Potenzial er zur Entfaltung bringen wollte. Wimmer versuchte auch die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und anschließend die eigene Autorität zu stärken. Das hat man bei der Handhabung der Situation rundum Manuel Polster gesehen, bei dem Wimmer ein Zeichen setzte und den U21-Teamspieler gleich zwei Wochen aus dem Kader strich, nachdem dieser im Training eigene Mitspieler verbal beleidigte und sich respektlos verhielt.

Sportliche Leitung für die mangelhafte Kaderqualität verantwortlich

So gesehen gibt es natürlich auch berechtige und legitime Kritik, die man gegenüber Michael Wimmer vorbringen kann. Doch reicht es, um einen Trainerwechsel zu rechtfertigen? Nüchtern betrachtet muss man konstatieren, dass es den Alleinschuldigen für die aktuelle Situation nicht gibt. Und es stellt sich immer die Frage, welche andere Trainerkandidaten würden es unter diesen schwierigen Bedingungen besser machen? Da schaut es in punkto Alternativen in Österreich aktuell schon sehr düster aus und der vermutlich einzig interessante Name wäre in der Oststeiermark beim TSV Hartberg zu finden. Man darf auch nicht vergessen, dass man seit der Einführung des Playoffs und nach der Punkteteilung, mit 34 Punkten nie schlechter als auf dem fünften Tabellenrang gelandet wäre. Dieses Jahr reichte es nur für die Qualifikationsgruppe und Platz 7 – und das obwohl man in der Formtabelle seit Anfang Oktober auf den zweiten Tabellenplatz lag und der drittplatzierte LASK nur drei Zähler entfernt war. Das heißt, Wimmer hat auch bewiesen, dass er selbst mit dieser Mannschaft in der Lage war, erfolgreichen Fußball spielen zu lassen und über einen längeren Zeitraum war man auch leistungstechnisch konstant. Auch Krisensituationen wurden schon gemeistert und fand man Wege heraus.

Fakt ist aber auch, dass in der Winterpause zwei sehr gute Spieler abgegeben wurden, die prompt Leistungsträger bei ihren neuen Vereinen wurden und man und dafür keinen positionsgetreuen Ersatz geholt hat. Die Kaderqualität hat sich also insgesamt verschlechtert und das muss man fairerweise auch in die Bewertung der Gesamtsituation einbringen. Hier muss sich vor allem auch die sportliche Leitung hinterfragen, die in den letzten beiden Transferperioden die Kaderqualität nicht wirklich verbessern konnte. Vor allem in der Offensive hat man sich deutlich verschlechtert und der Abgang von Torjäger Haris Tabakovic hängt den Violetten nach wie vor nach. Klar ist es bitter, wenn der Top-Stürmer am letzten Tag seiner Ausstiegsklausel für läppische 500.000€ den Verein verlässt, aber war man darauf vorbereitet? Hätte man nicht unabhängig davon vorsorgen können? Selbst ein Nikola Dovedan wäre in dieser Offensive ein unangefochtener Stammspieler gewesen.

Vor allem wo sind die fehlenden Spielertypen, die zu Beginn des Artikels thematisiert wurde? Kreativität, Dynamik oder Dribbling-Fähigkeiten fehlen hier völlig. Und sollte man hier die Hoffnung auf Silva Kani gelegt haben, einem Spieler der aus der zweiten israelischen Liga kam, dann wäre das trotz seines Potenzials sehr optimistisch gewesen. Nicht jeder Spieler ist ein Mohamed Bamba und schlägt sofort ein, manchmal braucht es eine Eingewöhnungszeit oder ist der Sprung schlicht zu groß. Wobei auch bei Bamba die Austria zuschlagen hätte können und genauso ein Spielertyp eigentlich im Kader fehlte. Stattdessen landete der WAC den Coup und verkaufte den Stürmer in Winter für fünf Millionen Euro direkt nach Frankreich weiter.

Diese Umstände machten es für Michael Wimmer deshalb auch schwierig, erfolgreich zu sein und auch seine Spielidee zu verwirklichen. Wenn die Qualität innerhalb der Mannschaft da war, dann sah auch das Ergebnis auf dem Feld ansprechend aus. Er war nicht fehlerfrei und auch nicht frei von Schuld, wie in einigen Punkten bereits festgestellt, aber welcher Trainer kann das schon von sich behaupten? Und ganz zu schweigen von den ganzen Nebengeräuschen, die man als Trainer der Austria auch noch managen und aushalten muss.

Durch die aufgeblasenen Gremien im Verein, fühlen sich viele Leute bei den Violetten intern laufend bemüßigt, ihre Kommentare zu sportlichen Themen abzugeben und wird jede Entscheidung des Trainers laufend hinterfragt – ganz gleich, ob man überhaupt das nötige Fachwissen dafür hat oder nicht. Ganz zu schweigen von der finanziellen Situation und den vielen offenen Fragen in der anstehenden Kaderplanung. Das raubte Wimmer sichtlich einiges an Energie und war ihm das die letzten Wochen – im Verbund mit den ausbleibenden Ergebnissen – zunehmend anzusehen. Mit einer wunderbaren Metapher brachte zuletzt ein User Namens „fermin“ im Diskussionsforum Austrian Soccer Board die Situation um Michael Wimmer trefflich auf den Punkt:

„Michi Wimmer ist wie ein engagierter, mutiger (Anm. Lehrer) und fachlich hochkompetent reflektiert und brennend für seinen Beruf. In einem funktionierenden Schulbetrieb, mit motivierten und eigenständigen Schülern, würde er sicher aufblühen und sehr gute Ergebnisse liefern. Das Problem: Austria Wien ist seit Jahren eine runtergekommene Brennpunktschule, auf den Bänken eher schlicht strukturierte Vaserln, mit wenige Resilienz aber viel Ego, im Konferenzzimmer Intrigen ohne Ende und auf den Tafeln klebt der Kuckuck.  Dazu kommt ein Elternverein, der immer bei den Lehrplänen mitreden will und der Automechaniker der den letzten Maturaball gesponsert hat, interveniert immer bei der Benotung von den Gschroppen seiner Haberer. In so einem Umfeld, werden auch hochmotivierte Menschen schnell konfus, gefrustet und fehlerhaft. Möge Michi Wimmer ein Umfeld finden, wo er erfolgreich sein kann. Dass wir es aktuell nicht sind, spricht nicht gegen ihn.“

So gesehen verbleibt nun ein Gefühl, dass die Austria diese Entscheidung im Nachhinein bereuen wird. Nicht nur, weil die Fußstapfen groß sein werden und unter diesen Umständen es schwer sein wird, einen geeigneten Nachfolger zu finden, in dem Wissen, was für ein schwieriges Arbeitsumfeld auf einen Trainer zukommt. Sondern auch deshalb, weil Wimmer schon länger auf dem Zettel einiger Vereine steht und es unter anderem aus Kaiserslautern Interesse an seiner Person gibt. Aus diesem Grund könnte den Violetten nun eine potenzielle Ablösesumme entgehen, die man eigentlich gut gebrauchen könnte. Daher erscheint es auch aus dieser Perspektive recht kurzsichtig, den Trainer drei Spiele vor dem Saisonende zu beurlauben und auf eine Interimslösung zu setzen, die noch dazu aus dem bestehenden Trainerstab kommt. Ob man da wirklich so viele neue Impulse setzen kann?

Der Austria steht ein ereignisreicher Sommer bevor

Nun verlagert sich diese Kritik zunehmend auch auf das Werken von Sportvorstand Jürgen Werner, dessen Entscheidungen vermehrt hinterfragt werden. Natürlich ist es schwer, mit eingeschränkten finanziellen Mitteln einen adäquaten Kader zusammenzustellen, aber die letzte Transferperiode im Sommer kann man bestenfalls als durchschnittlich bewerten und das vermutlich auch nur, weil man mit einem Marvin Potzmann einen unerwarteten Goldgriff tätigte. Statt einem Schritt nach vorne in der Kaderentwicklung, machte man an manchen Stellen wie bereits erläutert eher einen Schritt nach hinten. Umso entscheidender wird nun die anstehende Sommerperiode für Werner, um seine Qualitäten zu beweisen und das Austria-Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Dann geht der Sportvorstand nämlich in seine offiziell dritte Transferperiode und ist zu erwarten, dass auch ein Umbruch bevorstehen wird.

Spieler wie Früchtl, Handl, Fitz oder Huskovic könnten vor dem Absprung stehen und wichtige Einnahmen in die maroden Vereinskassen spülen. Gleichzeitig hängen viele Entscheidung innerhalb des Vereines in der Schwebe, da der anvisierte Stadionverkauf noch immer nicht unter Dach und Fach gebracht wurde. Gelingt dieser vor Beginn der neuen Saison, eröffnet das natürlich auch in Kombination mit Spielerverkäufen ganz neue Möglichkeiten, um den Kader nach den eigenen Wünschen umzugestalten und aufzufrischen. Dieses frische Blut wird es auch dringend brauchen und neben möglichen Führungsspielern wie Dragovic, braucht es hier vor allem mehr Dynamik und Kreativität im Kader. Vermutlich kann man erst dann Jürgen Werner so richtig an dessen Taten messen und eine seriöse Bewertung vornehmen, da auch eine komplette Veränderung der Philosophie ein Prozess über mehrere Jahre ist und eine Entwicklung nicht linear vonstattengeht – sondern Höhen und Tiefen hat.

Die Austria steht jedenfalls vor interessanten Monaten und ist viel in Bewegung und in der Schwebe. Es wird in vielen Bereichen der Weg aus der Sackgasse gesucht und in einer solchen Situation gilt es nicht nur viele Entscheidungen zu treffen, sondern auch die richtigen. Vor allem muss man auch aufpassen, das wertvollste Kapital nicht zu verspielen, welches man sich in den letzten Jahren erarbeitet hat – nämlich den Zuspruch der Fans. Es ist eigentlich rational kaum zu erklären, dass trotz der durchwachsenen Leistungen der Zuspruch immer weiter anwächst und selbst in der Qualifikationsgruppe durchschnittlich über 11.000 Fans in das violette Stadion wandern. Den eigenen Anhängern ist man es schuldig, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen und vor allem Leidenschaft auf dem Platz zu zeigen. Die Fans können Niederlagen verzeihen, was aber unentschuldbar ist, dass man keine Emotionen oder unbedingten Siegeswillen erkennt. Man hat jetzt im besten Fall noch vier Spiele, um die Saison zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu bringen und zu beweisen, dass man die Qualität und das Format für die Austria hat. Das ist man den eigenen Anhängern schuldig.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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