Bis zum 18. September war die rot-weiße Salzburger Welt noch in Ordnung. Trotz einiger Verletzter waren die Bullen in der Meisterschaft ungeschlagen, in der... Ricardo Moniz in Salzburg angezählt – der Feuerwehrmann kann keine Einheit bilden…

Bis zum 18. September war die rot-weiße Salzburger Welt noch in Ordnung. Trotz einiger Verletzter waren die Bullen in der Meisterschaft ungeschlagen, in der Europa League wurde die zu erwartende Niederlage in Paris mit einer engagierten Leistung eingefahren und im Cup der Regionalligist SAK Klagenfurt geschlagen. Seitdem konnten nur Slovan Bratislava (29. September) und der LASK (26.Oktober) geschlagen werden. Zahlen und Fakten machen Trainer Ricardo Moniz als Schuldigen aus. Eine Spurensuche.

In den letzten sieben Ligaspielen stellte Coach Ricardo Moniz ebenso viele verschiedene Mannschaften auf. Eklatant: Vor allem an der Hintermannschaft doktert der Niederländer herum. In den letzten sieben Partien lief nie dieselbe Abwehrreihe zwei Mal hintereinander auf. Im Allgemeinen gibt es trotz des großen Kaders keine Kontinuität.  Auf den so wichtigen Außenverteidigerpositionen wurde immer wieder gewechselt. Links waren das Andreas Ulmer, Dusan Svento, Martin Hinteregger und Jefferson. Rechts durften Christian Schwegler, Stefan Hierländer und Franz Schiemer ran. Auf der so wichtigen Sechserposition probierte der Trainer beispielsweise Ibrahim Sekagya, Rasmus Lindgren und Franz Schiemer aus. Alles Spieler, die für diese Position zu hölzern sind, so sie dort alleine spielen. Das passt beides nicht zum Bild des modernen Fußballs. Von Skurrilitäten an vorderster Front mal abgesehen.

Die Statistik des spielerischen Niedergangs

Die Offensive der roten Bullen ist ein laues Lüftchen geworden. Konnten in den ersten acht Ligapartien noch 13 Tore erzielt werden, waren es nur noch acht in den letzten sieben Runden. Auch die Defensive ist durchlässig. In den Runden eins bis acht netzten die Gegner nur drei Mal, seit der Niederlage bei der Admira am 25. September zappelte der Ball 16 Mal im eigenen Netz. In den letzten beiden Partien wurde nur jeweils sieben Mal auf das Tor des Gegners geschossen – wir decken den Mantel des Schweigens über die tatsächliche Nähe zum Tor: In dieser Statistik sind nur Schüsse, die in Richtung Tor gingen, relevant. Eine Gegenüberstellung von Ballbesitz und erspielten Torchancen ergibt, dass Salzburg in den letzten sieben Partien zwar nur zwei Mal weniger Ballbesitz hatte (46 % gegen die Austria, 42 % gegen die SV Ried), aber mit dem Spielgerät nicht wirklich etwas anzufangen weiß.

In Ermangelung einer Linie

Ricardo Moniz fehlt es an der einheitlichen Linie. Egal wie die taktische Grundausrichtung ist, zumeist wird zwischen 4-4-2 und 4-3-3 gewechselt, die Spieler schieben sich das Spielgerät mehr oder weniger planlos zu. Einerseits gibt es Spieler, die das Passspiel bevorzugen (Cziommer, Leitgeb), andererseits jene, die es gerne alleine versuchen (Svento, Leonardo, Zarate). Beobachter bemerken, dass, wenn Roman Wallner im Sturmzentrum aufgeboten wird, mehr geflankt wird, als wenn Stefan Maierhofer dort spielt. Ist der Sturmtank am Feld, werden vermehrt Spielzüge am Boden registriert – wohlwollend formuliert ist das nicht Maierhofers Stärke. Dass derzeit gar nichts funktioniert, liegt an den immer wieder unterschiedlichen Spielanlagen. Individuelle Stärken werden wenig forciert. Die Schusstechnik von Cziommer oder Jantscher, aber auch Hinteregger, wird nur auch nur allzu selten genutzt.

Bar jeder Form

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge dürfen manche Spieler zu spät zu Trainings kommen und auch sonst tun, was sie wollen. Namentlich spielen vor allem Leonardo, Zarate und Sekagya seit Wochen weit unter Niveau, aufgeboten werden sie aber trotzdem. Nicht zur Gänze fitte Spieler wie Cziommer, Leitgeb oder Schiemer werden ohne Umschweife ins kalte Wasser gestoßen. Früher als akribische Arbeiter bekannte Spieler wie Schwegler oder Ulmer sollen auf einmal jedwede profihafte Einstellung vermissen lassen. Auch Eddie Gustafsson ist nicht mehr der alte. Da stellt sich schon die Frage, warum ein 29-Mann-Kader Formschwankungen und Verletzungen derart schlecht auffangen kann.

Objektiv betrachtet: Trainer raus!

Es ist immer dieselbe alte Leier im Fußball: Wenn es nicht läuft, muss einer gehen. Da die Geschäftsführung aber wohl nicht den gesamten Kader rauswerfen kann, wird es Ricardo Moniz sein, der gehen muss. Im Endeffekt kann dem Niederländer nur noch eines den Kopf retten: Ein Sieg gegen Paris St. Germain. Selbst bei einer Niederlage daheim gegen Kapfenberg wird ihm wohl noch die Galgenfrist bis 1. Dezember gewährt werden.

Ricardo Moniz entpuppte sich als guter Feuerwehrmann, nicht als Stratege auf lange Sicht. Trotz vieler Transfers hat er es nicht geschafft, aus den roten Bullen endlich die Einheit zu formen, auf die schon seit langem gewartet wird. Moniz‘ Scheitern könnte Niko Kovacs Trumpf sein. Oder in Fuschl wird die Geldbörse wieder ganz weit aufgemacht und ein internationaler Fachmann der Marke Guus Hiddink geholt. Vielleicht wird auch das Downsizing fortgesetzt und das zur Verfügung stehende Geld bewegt sich auch einem Niveau mit den Wiener Großklubs. Denn die Höhe des Budgets ist im Herbst 2011 ungerechtfertigter denn je.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander