Endlich rollt das runde Leder wieder durch die heimischen Stadien! Mit dem Frühjahrsauftakt zwischen dem LASK und der Wiener Austria kehrt die österreichische... Taktikanalyse: Austria beim LASK chancenlos

 

Endlich rollt das runde Leder wieder durch die heimischen Stadien! Mit dem Frühjahrsauftakt zwischen dem LASK und der Wiener Austria kehrt die österreichische Bundesliga gleich mit einem Kracher zurück aus der Winterpause. Dabei nahm dieser Auftakt für beide Teams gleich einen hohen Stellenwert ein, denn während der LASK mit einem Sieg die Teilnahme an der Meistergruppe fixieren konnte, hätte auf der anderen Seite die Austria mit einem Sieg näher an die zweitplatzierten Linzer heranrücken und ebenfalls einen großen Schritt in Richtung Teilnahme an der Meistergruppe machen können. Doch der Haussegen hing nach dem blamablen Ausscheiden aus dem Cup bei den Veilchen bereits frühzeitig schief, weshalb der Druck auf die Mannschaft und Trainer zunahm, eine passende Reaktion zu zeigen.

Austria und das Kick & Rush

Es gibt in der österreichischen Liga wesentlich angenehmere Gegner als den LASK. Die Linzer konnten sich mittlerweile als Nummer Zwei hinter dem Liga-Krösus Salzburg etablieren und das nicht von ungefähr. Das Team unter der Leitung von Erfolgstrainer Oliver Glasner zeichnet sich nicht nur über eine hohe Intensität aus, wodurch man basierend auf dem 5-2-3-Grundsystem den Gegner laufend unter Druck setzen kann und dank des eigenen starken Pressings Fehler des Gegners erzwingt, sondern mittlerweile verbesserte man sich auch in den Ballbesitzphasen und setzt öfter auf einen kontinuierlichen Spielaufbau. Für die Austria lautete daher die Frage: Wie können wir diese Aufgabe bewältigen und uns vor allem dem starken Pressing der Oberösterreicher entziehen?

Das Problem dieser Ausgangsfrage ist nämlich, dass die Abläufe und Automatismen im Pressing bei den Linzern auf einem sehr hohen Niveau anzusiedeln sind, wodurch man einerseits über die vordere 3-2-Staffelung (also ZM und Stürmer) das Zentrum sehr gut abdeckt und die Passwege zustellt, aber auch über die Flügel sofortigen Zugriff erhält, da die Flügelverteidiger der Linzer, sobald der Pass beim Gegner nach außen erfolgt, nach vorne schieben und die gesamte Mannschaft zum Ball mitverschiebt. Diese Praxis kann man beim ersten Bild ganz gut erkennen:

Austria in Ballbesitz, der LASK verteidigt im klaren 5-3-2, wobei die vordere 3-2 Staffelung den zentralen Korridor besetzt und die Passwege verschließt. Sobald dann der Pass nach außen erfolgt, rückt man geschlossen zum Ball, wobei hier der Flügelverteidiger (gelber Kreis) bereits „am Sprung“ nach vorne ist.

Lösungen dagegen zu finden, um sich aus dieser Umklammerung zu befreien, sind eine echte Herausforderung. Die Defensivabläufe der Linzer sind auf einem so hohen Niveau, dass sich selbst Meister Salzburg schwertut und ihnen strategisch alles abverlangt wird. Was konnte also die Austria für einen Ansatz wählen? Man entschied sich dafür, beim 4-4-2 zu bleiben und mit einer Doppelspitze aufzulaufen – und das natürlich aus einem bestimmten Grund. Probleme hatten die Linzer in der jüngeren Vergangenheit am ehesten gegen ein 4-4-2, wobei speziell die Spiele von Sturm unter Franco Foda noch in Erinnerung bleiben.

Warum gerade das 4-4-2? Mit dem 4-4-2 und der Doppelspitze ganz vorne, hat man zwei Zielspieler in der letzten Linie, die man mit langen Bällen füttern kann. Da das Pressing der Linzer nur schwer zu umspielen ist, klingt es strategisch wesentlich einleuchtender, diese Pressinglinien einfach hoch zu überspielen und direkt die letzte Abwehrlinie der Oberösterreicher zu attackieren.

Dadurch, dass etwa der Flügelverteidiger im Pressing mitaufrückt, kann es vorkommen, dass die Innenverteidiger auf der ballnahen Seite Mann gegen Mann spielen müssen, was natürlich immer die Gefahr birgt, dass mal ein Ball durchrutscht. Und diesen Ansatz wählte auch die Austria, weshalb man mit Edomwonyi und Neuzugang Yateke zwei physisch starke Angreifer aufs Feld schickte, die die hohen Bälle verarbeiten und weiterleiten sollten. Und so war auch dann die Vorgehensweise für die erste Halbzeit in der Offensive der Austria rasch erklärt: Lange Bälle, lange Bälle und noch mehr lange Bälle.

Das Problem: Die langen Bälle wurden so plump und ohne Ziel gespielt, dass sie von den Linzern problemlos verteidigt werden konnten. Aus nahezu jeder Situation wurde der Ball nach vorne geschlagen, selbst wenn der LASK nicht höher presste oder man etwas Zeit am Ball hatte. Dadurch konnte der LASK diese langen Bälle auch relativ leicht verteidigen, da man meistens kompakt und eng zusammenstand und auf diese hohen Bälle lauerte.

Damit war das Offensivspiel der Austria im ersten Durchgang auch schon erzählt. Man brachte keinen Schuss aufs Tor, geschweige denn eine aussichtsreiche Situation in der Nähe des gegnerischen Strafraums zustande und nach etwas über einer halben Stunde hatte man eine Passquote von nur 44 (!) Prozent, was Bände spricht.

Doch auch im Defensivverhalten wirkte das Ganze nicht immer wirklich stimmig. Speziell im Anlaufverhalten hatte die Austria massives Verbesserungspotential. Mit dem 4-4-2 und der Doppelspitze vorne hat man grundsätzlich das Problem, dass man gegen die aufbauende Dreierkette der Linzer in Unterzahl ist, dies also sehr viel Laufarbeit für die Stürmer bedeutet und es für sie nur schwer möglich ist, diese Unterzahl auszugleichen. Daher rückte bei der Austria der ballnahe Flügelspieler meist in die Spitze und stellte kurzzeitig ein 4-3-3 her, um da Gleichzahl herzustellen. Das Problem dabei war, dass man dahinter alles andere als gut geordnet war, wie man das am nächsten Bild sehen kann:

LASK in Ballbesitz, aufbauende Dreierkette, die Austria verteidigt im 4-4-2, versucht nun ins Pressing zu gehen, weshalb Sarkaria seine Position verlässt, den ballführenden Halbverteidiger attackiert und Rechtsverteidiger Klein auf den Flügelverteidiger nachschieben muss. Allerdings hat jetzt Jeggo das Problem, dass er zwei Spieler zu decken hat, nämlich Joao Victor im Halbraum und Sechser Michorl, da die Austria nicht schnell genug nachschiebt. Dadurch kann sich der LASK aus dem Pressing der Austria befreien und mit einem anschließenden Seitenwechsel reißt man die Formation der Austria auf.

Durch diese Probleme im Anlaufverhalten und die vielen langen Bälle, konnte der LASK hohe Spielanteile verbuchen und seine Ballbesitzwerte bewegten sich im ersten Durchgang lange Zeit um die Zweidrittel-Marke. Die Linzer hatten die Partie absolut im Griff und beherrschten alle Phasen des Spiels. Dank einer soliden Strafraumverteidigung konnte die Austria zwar Schlimmeres verhindern, allerdings lud man dann den Gegner mit einem eigenen schweren Fehler ein – Goiginger nahm das Geschenk dankend an und traf zum 1:0.

Die Austria hatte auch danach sogar noch weniger entgegenzusetzen und schien verängstigt zu sein, weshalb die Passquote derart unterirdisch verblieb. Stattdessen hatte der LASK nach einem schönen Angriff die Chance auf das 2:0, jedoch verfehlte Ullmann nur knapp das Tor. So war für die Austria das Beste am ersten Durchgang nur das knappe Ergebnis, mit dem man trotz der desolaten Vorstellung in die Halbzeitpause ging.

Austria wacht auf und drängt den LASK etwas zurück

Nach dem Wiederanpfiff musste auf Seiten der Wiener natürlich eine Reaktion her, um doch noch irgendwie einen Punktegewinn zu ergattern. Und diese Reaktion fand tatsächlich statt, denn nun wurde nicht mehr jeder Ball ohne Verzögerung nach vorne geschlagen. Stattdessen versuchte man, das Spielgerät länger in den eigenen Reihen zu halten. Es war jedoch nicht so, dass man stark vom Matchplan abrückte, sondern vermutlich den eigentlichen Plan verfolgte. Dieser sah dann so aus, dass man durch das versuchte Aufbauspiel von hinten, den LASK ins Pressing einlud und die Linzer aufrücken ließ, um dann erst den langen Ball zu spielen. Das klingt zunächst nach keiner großen Veränderung, doch dieser kleine aber feine Unterschied hatte eine entscheidende strategische Auswirkung, nämlich auf den Kampf um den ersten und zweiten Ball.

Während in der ersten Halbzeit die Linzer hinten formiert und kompakt auf den langen Ball lauern konnten, da die Austria nahezu jeden Ball blind und unkontrolliert nach vorne katapultierte, rückten die Gastgeber jetzt durch das flache Aufbauspiel der Austria nach vorne und versuchten zu pressen, wodurch die Formation der Linzer etwas gestreckt und die Abstände größer wurden. Dadurch konnte die Austria den Kampf um den zweiten Ball offener gestalten und sogar leichte Vorteile im zweiten Durchgang erkämpfen, wodurch der Ball länger in den eigenen Reihen blieb.

Des Weiteren wurde man im Ballbesitz auch mutiger und versuchte zumindest vermehrt spielerische Lösungen zu finden und auch mal ein gewisses Risiko zu gehen, denn schlimmer als die erste Halbzeit konnte es nicht mehr werden. Dafür verstärkte man die Angriffsbemühungen vor allem über die rechte Seite, auf die man den Hauptfokus legte und versuchte Durchbrüche zu kreieren. Das ist am nächsten Bild auch recht gut zu erkennen:

Die Austria im Ballbesitz, man versucht die rechte Flügelseite zu überladen und Überzahl herzustellen, weshalb selbst der Innenverteidiger Madl (gelber Kreis) extrem weit aufgerückt ist und in der Nähe des gegnerischen Strafraums auftaucht, um den Angriff abzusichern.

Dadurch konnte man den LASK nun wesentlich öfter nach hinten drücken und zumindest etwas Druck aufbauen. Da der LASK nach Ballgewinn auch versuchte, schnell umzuschalten und auf lange Ballbesitzphasen verzichtete, stieg dementsprechend der Anteil bei der Austria und am Ende sollte er dann auch bei genau 50:50 zu liegen, nachdem er im ersten Durchgang noch klar auf Seiten des LASK lag.

Doch trotz der höheren Spielanteile vermochte es die Austria nicht, Lösungen gegen die starke Defensive der Linzer zu finden und man fand bis auf Flanken und hohe Bälle eigentlich keinen sauberen Weg in den gegnerischen Strafraum. Stattdessen fing man sich nach einem Konter einen weiteren Gegentreffer ein: Joao Victor brachte einen Abpraller im Tor zum 2:0 unter. Damit war das Spiel letztlich auch entschieden und die drei Punkte gingen verdientermaßen an die Gastgeber.

Fazit

Der LASK bleibt weiterhin erster Verfolger der Salzburger und unterstreicht diesen Anspruch mit einer starken Leistung gegen die Austria. Ausschlaggebend dafür war dabei vor allem der erste Durchgang, in dem man nicht nur im Spiel gegen den Ball extrem stabil wirkte und sich keine Blöße gab, sondern auch im Spiel mit dem Ball immer wieder Lösungen fand und sauber ins letzte Drittel vorstoßen konnte.

Im zweiten Durchgang zog man sich dann zwar etwas zurück, ließ aber dennoch nichts zu und lauerte dafür dann auf die Konterchancen, die schließlich auch zustande kamen. Eine davon wurde dann auch zur endgültigen Entscheidung verwertet.

Auf der anderen Seite folgt für die Austria nach dem Ausscheiden aus dem Cup der nächste Rückschlag. Dabei war vor allem die erste Halbzeit als katastrophal und einer Austria nicht würdig zu bezeichnen, denn man agierte verängstigt, mutlos und kopflos, ließ sich von den Linzern einfach völlig einschüchtern.

Erst in der zweiten Halbzeit fing man dann an am Spiel teilzunehmen und Fußball zu spielen. Doch trotz der kleinen Steigerung fand man keine Lösungen  gegen die starke Defensive der Linzer, weshalb man über 90 Minuten auch zu keiner einzigen Torchance kam. Daher verlor man das Topspiel auch folgerichtig und wurde dafür bestraft, nur eine Halbzeit mitgespielt zu haben. Damit brodelt es in Wien-Favoriten mal wieder gewaltig und am nächsten Wochenende muss gegen den direkten Kontrahenten Hartberg zwingend ein Sieg her, sonst könnte das Pulverfass in Violett endgültig überlaufen.

Dalibor Babic

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