In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 28. Runde der tipp3-Bundesliga | Djuricin, Alan

Marko Djuricin - SK Sturm GrazIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 28. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Marco Djuricin (Sturm Graz) und Alan (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

 

 

SK Sturm Graz – FC Wacker Innsbruck 1:0, Marco Djuricin (48. Minute)

Sechs Bundesligaspiele in Serie war der SK Sturm Graz ohne Sieg. Am vergangenen Wochenende beendeten die Steirer allerdings diese Serie und gewannen gegen den FC Wacker Innsbruck mit 3:1. Matchwinner der Partie war dabei Marco Djuricin, der zweimal traf. Das erste Tor wollen wir uns genauer ansehen.

Sturm steht hier im 4-4-2-Pressing und ist dabei besonders auf Zugriff im Zentrum fokussiert, was man an den weit eingerückten Flügelspielern erkennt. Dennoch spielt der Ballführende einen Pass in die Mitte, was sich später als Fehler herausstellen sollte. Versprechender wäre ein Pass auf den nahen Außenverteidiger, Thomas Bergmann (rot), gewesen. Dieser orientiert sich nach außen, da die hohe horizontale Kompaktheit der Grazer die Seiten öffnet. Auch der rechte Mittelfeldspieler erkennt dies und lässt sich dorthin fallen.

Hier sieht man den Moment nach dem Zuspiel. Der entsprechende Sechser von Sturm ist sofort nach vorne gerückt und setzt den angespielten Tiroler bereits bei der Ballannahme stark unter Druck. Am oberen Bildrand sieht man zudem, dass sich Florian Kainz (schwarz) nach vorne orientiert um ein mögliches Zuspiel auf Bergmann zu verhindern bzw. im Falle eines Ballgewinns im Zentrum sofort nach vorne hin gefährlich zu werden.

Auch Bergmann drängt nach vorne, was sorgt dafür, dass der Ballführende ein Dribbling versucht. Wäre dieses erfolgreich, würde wohl ein Pass auf die Seite folgen, wo die Innsbrucker viel Platz nach vorne hätten. Allerdings verliert der Ballführende den Zweikampf und es ergibt sich die nachstehende Situation.

Der Abstand zwischen Kainz und Bergmann ist aufgrund ihrer gegenläufigen Bewegungen extrem groß, was im Verbund mit dem Hinterlaufen von Daniel Beichler (blau) dafür sorgt, dass Sturm in eine zwei-gegen-eins-Situation mit Innsbrucks rechtem Innenverteidiger kommt. Der ballferne Sechser hat einen zu langen Weg zurückzulegen und der zweite Innenverteidiger wird von Djuricin (gelb) im Zentrum gebunden. Auch der rechte Flügelspieler von Sturm sprintet dort hin.

Für die Innsbrucker Verteidigung ist der Angriff in diesem Stadium quasi nicht mehr zu verteidigen. Die einzige Möglichkeit, ihn abzuwehren wäre es, in dieser Situation die Hereingabe abzufangen. Allerdings erkannt man, dass Beichler zwei Möglichkeiten hat: entweder einen Pass auf das kurze Fünfereck oder einen Pass in den Rückraum. Die Verteidiger stecken dadurch gewissermaßen in einer Zwickmühle, was zusammen mit dem Tempo des Angriffs meist dazu führt, dass die falsche bzw. überhaupt keine klare Entscheidung getroffen wird.

Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 1:0, Alan (23. Minute)

Mit einem überzeugenden 5:0-Heimsieg gegen den SC Wiener Neustadt sicherte sich Red Bull Salzburg am Sonntag die Meisterschaft. Die Mozartstädter taten sich zwar vor allem in der ersten Halbzeit schwer, klare Chancen herauszuspielen, was mit dem mutigen Pressing der Niederösterreicher zusammenhing. Beim 1:0 durch Alan schlug dieses aber fehl.

Wiener Neustadt steht beim Einwurf zunächst sehr gut und kompakt. Die beiden tiefen Viererketten werden dabei von einem zurückfallenden Angreifer unterstützt. Interessant ist hier vor allem die für österreichische Verhältnisse untypische Weitsichtigkeit des Pressings. So wird nicht nur der Ballführende von zwei Spielern unmittelbar attackiert, auch einige andere wichtige Anspielstationen sind weitestgehend zugestellt.

Bei einem Pass zurück auf den Einwerfer würde der rechte Mittelfeldspieler von Wiener Neustadt sofort attackieren. Sadio Mane (weiß), der sich prinzipiell sehr gut zwischen den Linien in den Grauzonen positioniert – man erkennt dies vor allem an den Zuweisungsversuchen der Wiener Neustädter (unter anderem auch Coach Heimo Pfeifenberger) – wird vom herausrückenden Peter Hlinka (rot) einfach in den Deckungsschatten genommen.

Auch die hohe Pressingresistenz des Ballführenden, die sich in einem Ferserlzuspiel auf Kevin Kampl (schwarz) äußert, wird miteingerechnet, denn Christoph Freitag (grün) hat den Slowenen im Blickfeld und attackiert ihn sofort. Einzig Stefan Ilsanker (blau) ist in dieser Szene ohne direkten Gegenspieler. Genau diese Freirolle des 24-Jährigen nutzen die Salzburger und lösen sich über ihn vom Druck des Gegners. Zugute kommt ihnen dabei fraglos ihre hohe individuelle Qualität.

Die Pässe werden allesamt schnell gespielt und auch der Vorstoß von Ilsanker erfolgt mit dessen erstem Ballkontakt. Beim Einwurf hatte Wiener Neustadt Zeit sich zu ordnen, nun werden sie zu schnellen Reaktionen gezwungen, die nicht genauso sorgfältig gewählt sind wie jene davor. Die zuvor ballfernen Außenspieler rücken ein, bekommen dadurch aber keinen Zugriff, sondern öffnen die Passwege auf die Seiten. Alan (gelb) erkennt dies, weicht aus und bringt sein Team in Führung.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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