Nach nur einem Jahr soll das „Missverständnis“ Arnor Ingvi Traustason schon wieder aufgelöst werden. Rapid sucht einen Abnehmer für den Isländer und auch dieser... Traustason: Warum es bei Rapid nicht klappte!

_Arnor Yngvi Traustason - SK Rapid Wien

Nach nur einem Jahr soll das „Missverständnis“ Arnor Ingvi Traustason schon wieder aufgelöst werden. Rapid sucht einen Abnehmer für den Isländer und auch dieser signalisierte bereits seine Wechselbereitschaft. Woran scheiterte das Wien-Intermezzo des 24-Jährigen?

Schon alleine aufgrund der stolzen Ablösesumme von zwei Millionen Euro kam Traustason mit Vorschusslorbeeren von Norrköping nach Wien-Hütteldorf. Alleine in seinen letzten 1 ½ Jahren beim IFK Norrköping erzielte der Mann aus Keflavík zehn Tore und bereitete 14 weitere vor, holte nebenbei noch einen historischen Meistertitel.

Guter Start in Grün-Weiß

Auch die ersten Schritte bei Rapid waren vielversprechend. Traustason hinterließ in seinem ersten Derby, seinem dritten Spiel von Beginn an, mit einem Supertor eine erste Duftnote. Zehn Minuten danach bekam er in einem Schnittzweikampf einen heftigen Schlag ab und erlitt eine Prellung des Schienbeinkopfes. Es war die erste von drei Verletzungen in Grün-Weiß, nachdem er zuvor praktisch verletzungsfrei war. Eine Innenbanddehnung und eine weitere Knieverletzung folgten im Frühjahr.

Trainingsideen und Positionsrochaden

Verletzungsbedingt versäumte Traustason insgesamt elf Partien. Er war einer der Spieler, die mit den Trainerwechseln nicht zurechtkamen. Einerseits wegen der unterschiedlichen Trainingsideen, aber auch weil er nie Positionsstabilität hatte. Nur knapp die Hälfte seiner Spiele bestritt er auf seiner angestammten Position eines Linksaußen. Häufig spielte er tiefer, etwa in der Dreierkettenära unter Canadi, dann sogar rechts, in der Zentrale und als hängende Spitze.

Die linke Seite funktionierte einfach nicht

Unterm Strich stehen 33 Pflichtspiele für Rapid, drei Tore und vier Assists. Wenn Traustason in der Liga von Beginn an spielte, gewann Rapid nur vier Partien. In vielen der besten Saisonspiele Rapids stand Traustason nicht auf dem Platz. Genau wie die anderen Akteure auf der linken Seite, war auch der Isländer Teil des Puzzles, das die linke Seite Rapids offensiv schwach und defensiv anfällig machte. Schrammel versprühte in der vergangenen Saison keinen großen Esprit, Traustason ebenso wenig, war zudem defensiv zu schwach. Auch Rapids Hoffnung, dass die Sommerneuverpflichtung von 2016 mutig in Eins-gegen-Eins-Duelle gehen und die Stürmer mit zahlreichen Hereingaben füttern wird, bewahrheitete sich nicht. Jegliches Gespann funktionierte rein gar nicht und die Verpflichtung des „Hybridspielers“ Boli Bolingoli-Mbombo für links eine logische Folge.

Zu lasch, nicht kämpferisch genug

Das größte Problem des 13-fachen Nationalspielers war jedoch über die gesamte Saison hinweg, dass er nicht über seine Grenzen ging. Man hatte stets das Gefühl, dass noch ein bisschen mehr ginge. In vielen wichtigen Duellen zog er zurück, agierte zu leichtfüßig, reizte fast nie seine Schmerzgrenze aus. Hinzu kam das fehlende Selbstbewusstsein durch den zähen Saisonverlauf. Und diese Kombination ist gerade bei einem Verein wie Rapid, dessen Fans speziell bedingungslosen Einsatz voraussetzen, tödlich. Als dies sogar Goran Djuricin, damals noch Interimstrainer, konstatierte, war klar, welche Stunde für den Isländer voraussichtlich geschlagen hat.

Ende mit Schrecken…

Arnor Ingvi Traustason und Rapid – das wird nichts mehr und muss als teures Missverständnis abgebrochen werden. Mittlerweile liest man bereits in anderen Medien, dass ein Wechsel des Offensivspielers im Raum steht, so etwa im „Kurier“. Statt Traustason soll ein schneller Angreifer kommen. Mit einem Millionenverlust muss Rapid trotz Traustasons Vertragslaufzeit bis 2020 rechnen. Und dennoch wäre eine zeitnahe Lösung für alle Beteiligten richtig und Rapid würde nicht den alten Fehler machen, zu lange an den eigenen Fehlentscheidungen hängen zu bleiben. Diese – am Ende unbefriedigende – „Lösung“ gab es auf dem Spielersektor in der Vergangenheit schließlich öfter.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen