Nach der erfolglosen Saison 2016/17 und einigen unvorteilhaften Vertragssituationen war Fredy Bickel im vergangenen Sommer gezwungen einen kleinen Umbruch im Rapid-Kader zu erzwingen. Fertig... Zahlreiche Personalentscheidungen im Winter: Viel los beim SK Rapid!

Nach der erfolglosen Saison 2016/17 und einigen unvorteilhaften Vertragssituationen war Fredy Bickel im vergangenen Sommer gezwungen einen kleinen Umbruch im Rapid-Kader zu erzwingen. Fertig ist er gewiss noch nicht, auch wenn die Leistungen im Herbst deutlich besser wurden.

Im Winter soll sich das grün-weiße Transferkarussell weiterdrehen. Aber nicht nur ein neuer Knipser soll kommen, auch einige bestehende Kaderspieler dürften kurzfristig den Verein wechseln.

Malicsek soll St.Pölten kreativer machen

Bei Philipp Malicsek ist ein weiteres Leihgeschäft schon seit längerem absehbar. Beim 20-Jährigen kamen aber immer wieder Verletzungen dazwischen, zuletzt ein Muskelriss, der ihn monatelang außer Gefecht setzte. Nun soll der Ex-Admiraner leihweise nach St.Pölten wechseln, um das dortige Mittelfeld kreativer zu machen. Das Zeug dazu hat Malicsek definitiv: Auch wenn der Achter für Rapid erst neun Bundesligaspiele bestritt, wusste er dabei stets zu überzeugen und steuerte sogar zwei Treffer bei.

Kuen nicht stark genug

Vier Bundesligaspiele mehr hat Andreas Kuen für Rapid auf dem Buckel. Der 22-jährige Tiroler ist nun bereits seit 3 ½ Jahren beim SK Rapid, wurde nur kurzzeitig an den FAC verliehen, dann aber unter Damir Canadi wieder in die Kampfmannschaft der Hütteldorfer zurückbeordert. In einigen Ansätzen zeigte er, welch feiner Fußballer er ist – gleichzeitig hat Kuen, dessen Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, körperliche Probleme. Nicht nur wegen seiner zahlreichen Verletzungen, sondern auch wegen fehlender Robustheit.

Er soll nun nach Mattersburg verliehen werden, was wohl eher das Ende seiner Rapid-Laufbahn bedeuten wird.  Bei den Burgenländern etablierten sich auf den Außenpositionen zuletzt Red-Bull-Leihgabe Okugawa und der Oberösterreicher René Renner, der auch in seiner Grundhöhe auf einer sehr ähnlichen Position spielt wie Kuen. Dass der Rapid-Spieler wie unter Canadi als offensiver Linksverteidiger spielen könnte, ist aufgrund des recht starren Mattersburger Systems unwahrscheinlich. Wenn Kuen allerdings im Frühjahr bei seinem Leihverein nicht vollkommen explodiert, wird der Weg zurück nach Hütteldorf wohl verbaut sein.

Keles erfüllt die Erwartungen nicht

Zurück zu den Amateuren geht es für Eren Keles. Der 23-Jährige kam für Rapid auf neun Pflichtspiele, zeigte ansatzweise, dass er ein interessanter Käfigkicker ist und für Überraschungsmomente sorgen kann. Beim Flügelspieler gibt es jedoch zu viele Defizite, körperlicher und taktischer Natur. Im Frühjahr soll der türkisch-stämmige Wiener demnach der zweiten Mannschaft des SK Rapid im Aufstiegsrennen behilflich sein. Auch Keles‘ Vertrag läuft 2018 aus und sollte Rapid II nicht in die neue zweite Spielklasse aufsteigen, wird auch er sich mit Sicherheit nach einem neuen Verein umsehen (müssen).

Effizienter, aber technisch schwacher Prosenik muss gehen

Philipp Prosenik hat ebenfalls keine Zukunft bei Rapid. Der mittlerweile 24-jährige Angreifer könnte nach Altach wechseln, soll aber auch andere Angebote haben. Prosenik passt spielerisch nicht ins Offensivkorsett der Djuricin-Elf – das tat er noch nie. Gleichzeitig war er jedoch in Minuten gemessen stets recht effizient, was vermuten lässt, dass er woanders funktionieren könnte, wie er es einmal bereits in Wolfsberg bewies. Gegen den teureren und technisch talentierteren Kvilitaia hat Prosenik jedoch keine Chance – und das dürfte auch beim demnächst zum Thema werdenden neuen Neuner der Fall sein.

Überangebot im Mittelfeld als Auslöser für Alternativensuche

Auch einige Rückkehrer spielen bei den beschriebenen Abgangssituationen eine Rolle. Malicsek muss sich mit einem Leihgeschäft begnügen, weil mit Mocinic und Szanto gleich zwei Spieler zurückkehren, die jeweils auf seiner Position spielen können. Kuen und Keles fallen der neu gefundenen Flexibilität in der offensiven Dreierreihe zum Opfer. Berisha wird bei Djuricin weiterhin gesetzt sein, aber eher als Linksaußen oder Zehner. Murg und Schaub können jeweils sowohl mittig, als auch an den Flügeln spielen und Schobesberger ist – sofern fit – deutlich gesetzt. Das macht die Lage für Kuen und Keles praktisch unmöglich, lässt sie in keinem Fall dauerhaft Fuß fassen.

Top-Talent Müldür weiterhin ein Thema für erweiterten Kader

Ein Fragezeichen steht hinter einigen Defensivpersonalien. Noch ist unklar, wann Christopher Dibon ins Team zurückkehren kann. Maximilian Hofmann ersetzte ihn bis dato gut, reifte neben dem häufig überragenden Galvao. Sonnleitner tut sich gegen den Ball neben Galvao auch leichter, hat jedoch auf der allgemein spielschwächeren rechten Seite große Probleme im Aufbauspiel. Sollte Dibon doch noch etwas länger fehlen, wird der Eigenbauspieler Mert Müldür weiterhin ein heißes Thema bleiben. Der 18-Jährige saß bisher zweimal auf der Bank der Kampfmannschaft und ist aktueller türkischer U19-Teamspieler. Dem jungen Innenverteidiger wird großes Talent nachgesagt – in der Regionalliga reifte er bereits zu einem der Leader im Team und ist wohl aktuell allgemein das heißeste Eisen in Akagündüz‘ Truppe.

Wie entscheiden sich Schrammel und Pavelic?

Und auch für den einen oder anderen Außenverteidiger wird’s im Frühling schwierig: Ganz konkret geht es um Thomas Schrammel und Mario Pavelic, deren Verträge ebenfalls im Sommer auslaufen. Schrammel hat keine Chance am starken Bolingoli vorbeizukommen, Pavelic beißt sich derzeit am laufstärkeren und robusteren Auer die Zähne aus. An der Startformation wird sich demnach im Frühling nichts ändern – die Frage ist nur, ob sich einer der beiden vielleicht sogar schon für einen vorzeitigen Wechsel entscheidet. Was dagegen spricht ist die dünne Besetzung der Außenverteidigerpositionen in der zweiten Mannschaft des SK Rapid. Rechts ist Manuel Thurnwald natürlich ein Thema, aber häufig angeschlagen. Links wird es Ivan Leovac nicht in die Kampfmannschaft schaffen.

Petsos rutschte enorm ab

Und dann wäre da noch die Doppelacht. Schwab und Ljubicic sind gesetzt, mit Mocinic und Szanto kommen zwei Top-Leute zurück. Was passiert demnach mit Thanos Petsos? Der Grieche zeigte zuletzt gegen Altach eine schwache Leistung, nachdem er drei Tage davor gegen Salzburg mit dem Ball recht gut spielte, dafür gegen den Ball schwach war. Damit setzen sich die Probleme des 26-Jährigen fort: Gegen starke Gegner ist er einer, den man bringen kann und der für Ruhe sorgt. Gegen die vielen qualitativ Schwächeren, die das Spiel eher zerstören als mitgestalten wollen, setzt er zu wenige Akzente und ist zu langsam in seiner Entscheidungsfindung. Es ist sehr schwer vorstellbar, dass Petsos im Frühjahr zum Stammspieler bei Rapid werden kann – was auch für die Qualität im Rapid-Mittelfeld spricht. Petsos ist nämlich immer noch derselbe wie unter Barisic, büßte definitiv nichts an seiner grundsätzlichen Spielstärke ein. Dennoch rutschte er in der Kaderhierarchie seit seinem ersten Rapid-Gastspiel gute drei Positionen zurück…

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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