Die Grazer empfingen zuhause den Außenseiter aus Kapfenberg. Im steirischen Derby ging es vor elftausend Zuschauern für die Gäste mehr um die Ehre. Ihr... Zu wenig individuelle Klasse: Kapfenberg verliert Steirer Derby gegen Sturm Graz mit 1:2!

Die Grazer empfingen zuhause den Außenseiter aus Kapfenberg. Im steirischen Derby ging es vor elftausend Zuschauern für die Gäste mehr um die Ehre. Ihr Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz war schlicht zu groß, um sich wirkliche Hoffnungen auf einen Klassenerhalt machen zu dürfen. Dennoch wollten sie das Spiel in der UPC Arena für sich entscheiden, die Grazer hatten hingegen deutlich mehr zu verlieren. Mit einem Sieg würden sie in Reichweite des Europa-League-Platzes bleiben, was für den amtierenden Meister sicherlich eine größere Motivation als der Derbycharakter dieses Spiels war. Ein Sieg war entscheidend, insbesondere da die Konkurrenz es nicht schleifen ließ.

Von Beginn an waren die Gastgeber überlegen und hatten deutlich mehr Chancen. Zwar spielten die Kapfenberger ihr 4-3-3 besser als die Ligakonkurrenten aus Innsbruck, allerdings fehlte ihnen die individuelle Stärke, um sich durchzusetzen. Die Grazer überluden die Seiten und kamen zu Chancen, alles in allem entwickelte sich jedoch ein eher mäßiges Duell. Nach dem Führungstor durch einen Distanzschuss Kochs gab es postwendend den Ausgleich durch Elsneg. Dieser hatte eine weite Flanke des rechten Außenverteidigers Pitter nutzen können, doch Hölzl sorgte mit einem weiteren Treffer außerhalb des Strafraums für das entscheidende 2:1 der Grazer in der 89. Minute. Sie setzten sich verdient durch und trotz eines höchstens soliden Auftritts waren sie die klar effektivere Mannschaft. Sie spielten sehr schnell nach vorne und konnten dadurch einige Chancen herausspielen, im Ballbesitz waren sie den Underdogs allerdings überraschend unterlegen. Den negativen Höhepunkt gab es in dieser Partie, als Kapitän Weber vom Platz musste. Ein Zusammenstoß sorgte für eine Gehirnerschütterung beim Grazer Mittelfeldspieler.

Die Aufstellung von Sturm Graz

Mit einem sehr interessanten 4-1-4-1 begannen die Grazer das Derby. Rubin Okotie spielte als vorderster Spieler an der Sturmfront. Diese Wahl war aus taktischer Sicht sehr passend, da der ehemalige Austrianer ungemein schnell ist und physisch präsent sein kann. Seine Fähigkeiten erlauben es ihm an einem guten Tag die gesamte Abwehrreihe des Gegners zu beschäftigen und auch auf dem Flügel auszuhelfen. Die Rolle als alleiniger Stürmer gehört in Zeiten der Raumdeckung und der dichten Mittelfeldreihen zu den schwersten im modernen Fußball. Es wird sehr viel Defensivarbeit erwartet,  allerdings ebenfalls, dass der Ball unter Druck kontrolliert und bei Luftzweikämpfen erobert wird. Werden diese Aufgaben unzureichend erfüllt, erlahmt das gesamte Offensivspiel, insbesondere bei aufrückenden Mannschaften.

Unterstützt wurde Okotie von zwei offensiven Spielern im Mittelfeld. Normalerweise spielten die Grazer mit einem 4-1-3-2-System, in welchem sich die beiden zentralen Spieler abwechseln und für Verwirrung sorgen. Einer sichert ab, der andere unterstützt die Angriffsreihe. Durch zwei offensive Spieler hatte der Meister mehr Spieler im Mittelfeld und die Rochaden wurden einfacher gestaltet. Die Kommunikation war nicht in diesem Ausmaß erforderlich, die Rochaden allerdings ebenso wenig. Denn oftmals rückten alle drei Spieler auf, die Viererkette schob nach und sie drückten die Kapfenberger in ihre eigene Hälfte zurück.

Auf den Seiten spielten Kainz und Bukva, besonders letzterer zeigte eine ansprechende Leistung. Diese zwei spielten nominell auf den Flügeln, hielten die Position jedoch unbeständig. Dies hatte mit den offensiven Außenverteidigern zu tun, insbesondere Standfest sorgte mit seinen Vorstößen für Gefahr. Er war auch einer der Gründe, wieso Bukva auffälliger war als Kainz. Dank Standfest konnte Bukva sich öfter seiner Gegenspieler durch das Hinterlaufen des Außenverteidigers entledigen, in weiterer Folge konnte er auch ins Zentrum gehen und aus einer Halbposition heraus operieren, was ihn näher ans Spielgeschehen brachte.

Kapfenbergs System

Mit einer 4-3-3-Formation wollten die Kapfenberger gegen Sturm agieren. Diese hatten sie wohl in einem 4-4-2 erwartet und hatten deswegen die Idee durch ein dichtes Zentrum die Wege nach vorne abzusperren. Da die Grazer jedoch mit einem 4-5-1 aufwarteten, gelang dies nicht. Zwar spielten die Kapfenberger ihre Variante des 4-3-3 relativ akzeptabel, die individuelle Unterlegenheit machte sich dennoch klar bemerkbar. Desweiteren hatten die Vorstöße der gegnerischen Außenverteidiger vollen Erfolg. Die Viererkette Kapfenbergs wurde auseinandergezogen und die Mittelfeldspieler agierten sehr defensiv, da sie die geöffneten Schnittstellen füllen mussten.

Dabei sollten sie eigentlich die Akzente nach vorne setzen. Elsneg und Babangida bewegten sich zwischen der Auslinie und dem Raum zwischen Innenverteidiger und Außenverteidiger, um das Offensivspiel etwas flexibler zu gestalten. Im Idealfall sollte ein Lochpass kommen, wenn sie in der Halbposition waren oder eine Kombination, wenn sie das Spiel breit machen. Die Außenverteidiger rückten in der Spieleröffnung etwas auf und der Sechser ließ sich ein bisschen zurückfallen. Zwar war keine spielmachende Variante eines sehr tiefen Sechsers wie so manchen Topklubs (bspw. Xavi oder Busquets beim FC Barcelona) erkennbar, die Grundidee war allerdings ähnlich, nur etwas defensiver ausgelegt. Die Außenverteidiger schoben nicht dermaßen hoch nach vorne und der Sechser hatte eher eine stabilisierende Aufgabe. Die beiden Achter bewegten sich und boten sich an, allerdings fehlte zuweilen die Bindung nach vorne.

Die gefährlichsten Aktionen entstanden deswegen nach Halbfeldflanken auf den langen Pfosten oder Einzelaktionen von Nathan und Babangida, welche sich in ferner Zukunft wohl als absolute Glücksgriffe für den Fast-Fixabsteiger herausstellen könnten.

Das 4-3-3 der Kapfenberger

Interessant war das Verschließen von Löchern in der Formation der Gäste. Die Auswärtsmannschaft sandte einen der Außenverteidiger auf den Flügel, um dort den Gegner zu stellen, während einer der Achter die Lücke füllte. Die Außenstürmer kamen nur zu Teilen zurück in das erste Spielfelddrittel, waren aber zumeist in der eigenen Hälfte und griffen sporadisch in die Defensivarbeit ein.

Der Sechser spielte sehr eng vor der Viererkette und füllte den Raum zwischen den Innenverteidigern, falls diese nachschieben müssten. Diese könnte beispielweise bei einem erfolgreichen gegnerischen Dribbling gegen den Außenverteidiger der Fall sein oder bei Gassenpässen in den Strafraum. Grgic als halbrechter Achter sicherte ab und übernahm nominell die Position des Außenverteidigers in einer engen Viererkette. Der ballferne Achter sicherte den Raum und positionierte sich ebenfalls sehr tief. Dadurch war diese Abwehrreihe sehr eng und schwer zu durchdringen. Allerdings fehlte es an einem einfachen und auf flachen Pässen basierten Umschalten sowie dem Bedrängen der gegnerischen Spieler vor dem Sechzehnmeterraum. Deswegen war es nicht überraschend, dass die zwei Tore ausgerechnet nach Distanzschüssen fielen.

Offensive Kompaktheit bei den Grazern

Da die Gäste teilweise eher flach spielten und sich kompakt formierten, taten dies die Grazer beim Angreifen dieses Defensivblockes ebenfalls. In dieser Szene sieht man einen typischen Angriff über rechts. Standfest hinterläuft und Bukva kann sich zentraler positionieren. Okotie hält sich auf einer Linie mit Standfest und will den Raum öffnen, damit er einen Flachpass dorthin erhalten kann. Zentral rücken die zwei offensiven Mittelfeldspieler der Grazer auf und unterstützen, dadurch wird eine Spielverlagerung mit schnellen Kurzpässen auf die andere Seite ermöglicht. Dort ist Kainz, welcher von Klem allerdings nur selten unterstützt wird. Der ballferne Außenverteidiger bleibt im Normalfall tief und deckt ab, die beiden Innenverteidiger stellen mit ihm zusammen eine Dreierkette hinter dem Sechser. Dieser rückt allerdings teilweise auf, falls die Räume vor ihm offen sind und die gegnerische Abwehr sehr tief agiert. So kam das 1:0 zustande, wo Koch einen schönen Treffer erzielte. Somit nutzten sie den Raum, der ihnen geboten wurde.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

  • mankmal Andy

    2.Mai.2012 #1 Author

    Bukva spielte aber nur anfangs auf der Außenbahn. Nach seiner Einwechslung hat Hölzl das übernommen, wobei natürlich etwas rotiert wurde. Grundsätzlich war das aber klar zu sehen – und auch logisch, schließlich spielt Bukva zentral viel besser als Hölzl und (sofern letzterer in Form ist) auch umgekehrt.
    Ist mir unverständlich, wie ihr das so anders gesehen habt…

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