Am dritten Spieltag der österreichischen Bundesliga stand zum ersten Mal ein großer Schlager im neuen 12er-Format am Programm. Meister Salzburg empfing im Heimspiel... Zu wenig offensive Entlastung: Meister Salzburg zeigt Austria die Grenzen auf

 

Am dritten Spieltag der österreichischen Bundesliga stand zum ersten Mal ein großer Schlager im neuen 12er-Format am Programm. Meister Salzburg empfing im Heimspiel die Wiener Austria und wollte auch im fünften Pflichtspiel der Saison die weiße Weste behalten. Die Gäste aus der Hauptstadt hingegen wollten nach der unerwarteten Niederlage in Wolfsberg Wiedergutmachung leisten und sich rehabilitieren. Man wollte aber auch mit einer mutigen Spielweise dem Liga-Krösus Paroli bieten und sich gegen den Meister nicht verstecken, sondern auch mit offenem Visier an diese schwere Aufgabe herangehen. Daher versprach das Duell zwischen den befreundeten Trainern Rose und Letsch auch Spannung in taktischer Hinsicht, da beide einander gut kennen und sich gegenseitig im Vorfeld mit Lob überschütteten.

Salzburg gegen Salzburg-Light 

Nach dem gelungenen Saisonstart hatte der Trainer der Gastgeber Marco Rose naturgemäß wenig Grund etwas an der eigenen Spielanlage zu verändern und schickte weitestgehend seine beste Mannschaft auf das Feld. Anders als zum Start der Bundesliga gegen den LASK, wo man im 4-3-3 auflief, agierte man gegen die Austria im üblichen 4-3-1-2-System, wobei mit Haidara, Minamino und Daka drei frische Kräfte in die Startelf rutschten. Auch auf der Gegenseite formierte sich der violette Gegner im gleichen 4-3-1-2-System, jedoch klarerweise mit unterschiedlichen strategischen Schwerpunkten. Austria-Trainer Thomas Letsch veränderte seine Startelf ebenfalls auf drei Positionen, brachte den Debütanten Cuevas auf der Position des Linksverteidigers, Edomwonyi für Friesenbichler und Demaku auf der Halbposition im Zentrum für Grünwald, der stattdessen auf die Zehn rutschte und Prokop auf die Bank verdrängte.

Mit diesem Wechsel zeigte man auch ganz klar, wo der Fokus der Veilchen in diesem Spiel lag. Mit Demaku auf der halbrechten Achter-Position sollte zusätzliche Aggressivität und Stabilität ins Mittelfeldzentrum gebracht werden, da man auf dieser Position in den ersten beiden Runden noch ab und zu Probleme im Spiel gegen den Ball hatte. Gegen den spielstarken Kontrahenten Salzburg konnte man sich solche Schwächen natürlich nicht leisten und es galt vor allem im Zentrum die Kontrolle zu erlangen. Der allgemeine strategische Fokus im eigenen Spiel gegen den Ball sollte dann auch gruppentaktisch auf das Verschließen des Zentrums gelegt werden. Dabei formierte man sich zu einem kompakten 4-3-1-2-Block mit klarer Aufgabenverteilung und wählte ein tieferes Mittelfeldpressing. In erster Linie sollten die beiden Stürmer Turgeman und Edomwonyi versuchen, den beiden Innenverteidigern die vertikalen und diagonalen Passwege mittels geschicktem Anlaufens abzudecken, während Kapitän Grünwald Sechser Samassekou verfolgen sollte. Dahinter formierte sich eine Dreierreihe, die sich mit losen Mannorientierungen begnügte und so zwischen Mann- und Raumdeckung wechselte. Das Abwehrverhalten der Austria kann man im ersten Bild gut erkennen:

Salzburg im Spielaufbau, die Austria formiert sich zu einem kompakten 4-3-1-2 mit einem klaren Schwerpunkt auf das Verschließen der zentralen Räume.

Durch diese strategische Vorgehensweise wollte man die Stärken der Salzburger in der Spieleröffnung so gut es geht nicht zur Entfaltung kommen lassen, die ja sehr gerne vertikale/diagonale Passfenster anvisieren, um so die gegnerische Formation aufzureißen. Sobald dann der Pass auf einen der beiden Außenverteidiger gespielt wurde, rückten die jeweiligen Achter auf diese heraus (z.B. Demaku auf Ulmer), während der Sechser Ebner und ein eigener Außenverteidiger nachschoben und versuchten den lokalen Raum zuzustellen. Das Zustellen des Zentrums klappte auch einigermaßen und die Frequenz an vertikalen/diagonalen Zuspielen in der Spieleröffnung nahm bei den Bullen merklich ab.

Doch die Austria kam vor allem in der ersten Viertelstunde kaum in die Situation, den Spielaufbau des Gegners zustellen zu können. Das hing damit zusammen, dass die Salzburger nämlich äußerst aggressiv und motiviert ins Spiel starteten und versuchten, die Austria bereits frühzeitig anzupressen und zum Ballverlust zu zwingen. Startschuss dieses Pressings war nicht etwa Torhüter Pentz, der ja mit seinen genauen Pässen auch mal ein gegnerisches frühes Attackieren aushebeln kann, sondern Abspiele zu den beiden Innenverteidigern der Austria, die als Pressingauslöser der Bullen dienten. Dann schob der ballnahe Stürmer im vollen Sprint auf den gegnerischen Innenverteidiger, Minamino nahm Sechser Ebner ins Visier, der heimische Achter auf den Außenverteidiger und der Rest der Mannschaft schob konsequent nach und stellte die Gegenspieler mannorientiert zu. Dies kann man auch beim nächsten Bild gut sehen:

Die Austria im Spielaufbau, Salzburg lässt Torhüter Pentz in Ruhe und die beiden Innenverteidiger bewusst offen, stattdessen konzentriert man sich zunächst darauf das Zentrum und Sechser Ebner zu verschließen. Pentz spielt nachfolgend den Ball auf Madl…

…und Madl wird sofort energisch von Dabbur attackiert, während Minamino und Junuzovic die ballnahen Passoptionen zustellen. Die Austria versucht es spielerisch zu lösen und Rechtsverteidiger Klein kommt an den Ball, allerdings ist sofort sein Gegenspieler Junuzovic da und lässt ihm keinen Raum zum Agieren und zwingt ihn zu einer unkontrollierten Aktion.

Durch dieses hohe Pressing schnürten die Salzburger die Wiener bereits in der Anfangsphase regelrecht ein und ließen dem Gegner keine Ruhe am Ball, weshalb die Austria kaum Ballbesitzzeiten aufweisen konnte, jeden Ball unkontrolliert nach vorne beförderte und quasi nur hinterherlaufen musste. Nach etwa einer Viertelstunde ließen die Salzburger die Zügel etwas lockerer und verlegten die Pressinglinie etwas weiter nach hinten. Durch diese Maßnahme kam die Austria etwas besser ins Spiel, da man nun den Ball zumindest etwas länger in den eigenen Reihen laufen lassen konnte und nicht jeden Ball quasi bereits nach wenigen Augenblicken wieder verlor. Doch auch gegen das Mittelfeldpressing der Bullen fanden die Wiener in Wirklichkeit keine echte Lösung, um dem Gastgeber gefährlich zu werden. Nahezu jeder Angriff folgte dem gleichen Muster und es wurden permanent „Longline-Bälle“ in Richtung der beiden Stürmer in Richtung Seitenlinie geschlagen, die jedoch eng von den beiden Innenverteidigern der Bullen markiert und problemlos verteidigt wurden.

Auf der anderen Seite taten sich die Salzburger zwar schwer, ihr übliches Spiel durch das Zentrum aufzuziehen, dafür zeigten sie einmal mehr ihre ungemeine Flexibilität und Anpassungsfähigkeit und den Grund dafür, weshalb sie so schwierig zu schlagen sind. Als erste gegnerspezifische Anpassung zog man im Ballbesitz Lainer  etwas weiter zurück und dieser stand im Spielaufbau oft beinahe auf einer Höhe mit den beiden Innenverteidigern, was man auf dem nächsten Bild gut erkennen kann:

Salzburg im Spielaufbau, Lainer lässt sich de facto auf eine Höhe mit den beiden Innenverteidigern zurückfallen und bildet damit quasi kurzfristig eine Dreierkette. Die Frage für die Austria lautet nun, wer rückt nun auf den Rechtsverteidiger heraus, sobald dieser den Ball erhält? (Turgeman blickt auch deswegen nach hinten zu Matic)

Die Salzburger nutzten diesen Kniff natürlich nicht ohne Hintergedanken. Das Kalkül dahinter war, entweder ein Übernahmeproblem zu kreieren und in weiterer Folge einen Spieler freizuschieben. Wenn Stürmer Turgeman herausrückte, wäre dann Ramalho frei und könnte das Spiel nach vorne eröffnen. Wenn Matic attackiert, würde sich Haidara in dessen Rücken schleichen und wäre womöglich anspielbar. Diese Maßnahme sorgte dann auch tatsächlich für einige Probleme bei der Austria. Ab und zu fühlte sich sogar keiner der beiden Austria-Spieler zuständig und Lainer konnte in weiterer Folge den Ball ohne Bedrängnis in die eigene Hälfte führen. Kein Wunder also, dass Lainer in diesem Spiel die mit Abstand meisten Ballkontakte auf dem Feld hatte.

Doch nicht nur in dieser Hinsicht sorgte man für eine gegnerspezifische Anpassung, man sah darüber hinaus ungewöhnlich viele Spielverlagerungen der Salzburger, die sichtlich versuchten die ballfernen Räume anzuvisieren und die eigenen Außenverteidiger freizuspielen. Dies war auch klug, denn sobald man die Seite wechselte, war es für den jeweiligen Achter der Austria ein weiter Weg, zum Außenverteidiger der Bullen zu eilen und diesen zu attackieren bzw. Zugriff herzustellen. Anders als bei den Bullen sind die Abläufe dabei bei den Veilchen noch nicht völlig automatisiert, denn bei den Salzburgern würde in diesem Fall der eigene Außenverteidiger sofort aus seiner Position herausrücken und den Gegner unter Druck setzen. Folglich bedeutete dies viel Laufarbeit für die Achter der Austria und verschaffte den Außenverteidigern der Salzburger wiederum immer wieder Raum und Zeit am Ball.

Doch obwohl sich die Salzburger einiges überlegten, speziell über rechts auf viele Positionswechsel zwischen Daka und Haidara setzten und auch Junuzovic auf links sehr weit außen stand und man dadurch das Spiel passend breit machte, man auch wenig Probleme beim Übergang aus dem Spielaufbau heraus in die gegnerische Hälfte hatten, so gelang es der Austria dennoch die Bullen ab Minute 15 gut in Schach zu halten. Das lag einerseits daran, dass man in der Defensive sehr aggressiv zu Werke ging und bereits nach knapp einer halben Stunde 11 Fouls verbuchte (hochgerechnet auf 90 Minuten wären das also über 30!) dadurch also das Spiel der Salzburger ständig mit Fouls bremste und man andererseits die Bullen quasi mit den eigenen Mitteln bearbeitete und auf ein intensives Gegenpressing setze, wie man anhand des nächsten Bildes gut erkennen kann:

Ballverlust der Austria, die violetten Spieler setzen sofort nach, gehen ins Gegenpressing und umkreisen den ballführenden Minamino, der unter dem großen Druck einen Fehler begeht und den Ball verliert.

Dadurch spielte sich viel zwischen den Strafräumen ab und es ging speziell im Mittelfeldzentrum heiß her mit vielen intensiven Duellen, wobei sich die Austria wie bereits erwähnt oft nur mittels Foulspiel helfen konnte. Das sorgte dennoch dafür, dass man kaum Chancen zuließ und die Salzburger vom eigenen Strafraum fernhielt. Nach knapp 40 Minuten war es dennoch soweit und der Meister ging plötzlich in Führung. Nach einem Abschlag von Torhüter Pentz, gewann Pongracic das Kopfballduell und Dabbur  kam folglich an den Ball, der geistesgegenwertig mit einem Pass in die Tiefe Daka wunderbar bediente und der alleine vor dem Tor per Lupfer das 1:0 besorgte. In dieser Szene zeigte sich mal wieder die individuelle Klasse der Salzburger und der Stellungsfehler der Austria wurde sofort eiskalt bestraft. Damit gingen die Veilchen auch mit einem 0:1-Rückstand in die Kabine.

Offensive der Austria ein laues Lüftchen

Nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit probierte es die Austria auch mit einigen Anpassungen im Spielaufbau, um den gegnerischen Block besser bespielen zu können und das eigene Ballbesitzspiel zum Laufen zu bringen. Sechser Thomas Ebner, der in der ersten Halbzeit quasi nicht am Spiel teilnahm und völlig abgeschnitten war, kippte nun nach hinten zwischen die Innenverteidiger und bildete eine Dreierkette. Damit wollte man wohl die erste Pressinglinie der Salzburger strecken und mehr Räume schaffen. Das klappte in der ersten Szene nach Wiederanpfiff auch sofort und es gelang sogar sich aus dem Pressing der Bullen kurzzeitig zu befreien. Doch das Problem dabei war, dass man die weitere Staffelung des restlichen Teams nicht anpasste und diese Adaption aufgrund mangelnder Verbindungen schnell verpuffte.

So spielten sich die Veilchen nach wie vor meist auf dem Flügel fest und die beiden Stürmer hingen dadurch vollkommen in der Luft, da sie meist in ausweglose Situationen entlang der Seitenlinie geschickt wurden und gegen die aggressiven Verteidiger der Bullen kein Land sahen. Von den beiden Achtern Demaku und Matic kam auch relativ wenig, wobei vor allem letzterer enttäuschte und kaum Akzente nach vorne setzen konnte, während der junge Demaku immerhin seine primäre Aufgabe gegen den Ball sehr gut erfüllte. Dadurch waren die Austrianer leicht ausrechenbar für die Salzburger, die allerdings die Räume auch gewohnt sehr eng machten und einen konstant hohen Raumdruck entfachten, weshalb viel Übersicht und Pressingresistenz gefragt wäre.

Auf der anderen Seite zeigten sich die Bullen sehr spielfreudig, wobei viel über die druckvollen Außenverteidiger bzw. speziell über Lainer ging, den die Austria kaum in den Griff bekam und der meist von hinten das Spiel antreiben konnte. Des Weiteren blühte der junge Patson Daka immer mehr auf und konnte seine Qualitäten noch stärker ins Spiel seiner Mannschaft einfließen lassen. So wirkten die Gastgeber in der Defensive überaus stabil und speziell das starke Innenverteidiger-Duo Ramalho/Pongracic räumte alles weg, was auf sie zukam.

In der Offensive konnte man immer wieder Nadelstiche setzen, aber auch für längere Ballbesitzphasen sorgen, wobei speziell die beiden Achter Junuzovic und Haidara sehr umtriebig und flexibel agierten, oft auf den Flügel auswichen und so die Formation des Gegners konstant von außen nach innen bespielten. Dennoch blieb es aufgrund der knappen Führung auch weiterhin spannend und mit einem Lucky Punch hätte die Austria das Spiel auch auf den Kopf stellen können. So dauerte es bis zur 77. Minute, ehe die endgültige Vorentscheidung in dieser Partie fiel. Nach einem Fehlpass von Turgeman fuhren die Bullen einen schnellen Konter und Junuzovic bediente Dabbur im Rückraum, der überlegt ins lange Eck abschloss und mit seiner letzen Aktion vor seiner Auswechslung auf 2:0 stellte. Mit diesem Treffer erkannte auch der Austria-Trainer Letsch die Niederlage an, veränderte das System mit der Einwechslung von Friesenbichler auf ein 4-2-3-1 und versuchte damit ein erneutes Debakel zu verhindern. Dies gelang dann auch und der Treffer von Dabbur markierte letztlich auch den Endstand.

Fazit

Die Austria muss sich also wieder einmal in Salzburg geschlagen geben und mit leeren Händen die Heimreise antreten. Zwar zeigte man in der Defensive durchaus gute Momente und konnte speziell dank des überragenden Igor viele Situationen verteidigen, jedoch reicht es gegen Salzburg nicht, sich nur hinten reinzustellen und auf die Null und den lieben Gott zu hoffen, sondern man muss auch selber aktiv werden und den Meister beschäftigen können. Was sich auch letztlich bewahrheitete.

Dies vermochte die Austria in diesem Spiel nämlich gar nicht und bis auf zwei Standards kam man nicht einmal in die Nähe des gegnerischen Tores, weshalb die Salzburger auch bedenkenlos ihre Angriffsbemühungen angehen konnten. In diesem Spiel zeigte sich also klar, dass das Niveau der Salzburger auch für die Austria (noch?) zu hoch ist und man mit dieser Intensität, Physis, individuellen Klasse und strukturellen Überlegenheit einfach nicht mithalten kann. Daher ist die Niederlage auch keine Schande, wobei man sich durch die Niederlage gegen den WAC nun in eine brenzlige Situation gebracht hat und man nun nächste Woche gegen die Admira bereits unter Druck steht.

Die Salzburger hingegen zeigten einmal mehr, dass sie nach wie vor das Maß aller Dinge in der österreichischen Bundesliga sind und nicht umsonst seit mittlerweile 29 Heimspielen ohne Niederlage blieben. Von Anfang an ging man diese Aufgabe mit höchster Seriosität an und machte dabei klar, dass man dieses Spiel vollkommen ernst nahm und keinen Zweifel lassen wollte, wer als Sieger den Platz verlassen würde. Ausschlaggebend dafür war zweifellos, dass man erneut mit der eigenen Flexibilität punkten konnte und statt stur nur das Zentrum zu bespielen, den strategischen Fokus einfach veränderte und mehr über die Flügel kam bzw. auf viele Spielverlagerungen setze, wodurch man den Gegner nach hinten drückte und laufend beschäftigte. Imposant war allerdings vor allem die Arbeit gegen den Ball, sei es das starke Gegenpressing, die nahezu perfekte Absicherung oder das gute Timing im Herausrücken und Durchsichern, in jeglichen Aspekten dominierten die Salzburger das Spiel gegen den Ball und ließen aus dem Spiel heraus quasi keine einzige Torchance zu. Und wenn man als Mannschaft so viele Phasen des Spiels so gut beherrscht, wird man auch in dieser Saison nur schwer zu besiegen sein.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic