Der „Sparkasse & VGH Cup“ im deutschen Göttingen feierte dieses Wochenende ein Jubiläum. Seit mittlerweile 30 Jahren ist man ein Fixstern unter den Nachwuchs-Hallenturnieren.... Hallen-Cup in Göttingen: Austria-Nachwuchs sichert sich Rang 3

Der „Sparkasse & VGH Cup“ im deutschen Göttingen feierte dieses Wochenende ein Jubiläum. Seit mittlerweile 30 Jahren ist man ein Fixstern unter den Nachwuchs-Hallenturnieren. Gespielt wurde der U19-Cup wie gewohnt in der stets sehr gut gefüllten Lokhalle in Göttingen. Auch dieses Jahr hielt Austria Wien die österreichischen Fahnen hoch – und das mit Erfolg.

Viel Charme und „David gegen Goliath“

TuSpo Petershütte – Eintracht Frankfurt: 2-1

AZ Alkmaar – 1.SC Göttingen 05: 0-2

Diese zwei Zeilen oberhalb sind ein Mitgrund, warum das Turnier ein hohes Ansehen genießt. Teams aus der umliegenden Region haben einen großen Anteil am Teilnehmerfeld und sorgen immer wieder für Überraschungen. Gleich 16 von 28 Mannschaften sind ganz gewöhnliche Jugendteams, die in keiner Akademie trainiert werden und somit auch keinen finanzstarken Erstligisten als Geldgeber haben. Neben den Jugendauswahlen deutscher Bundesligisten und den kleineren Regionalteams waren auch folgende Nationen vertreten: England (Fulham, Manchester United), Belgien (Brügge), Niederlanden (AZ Alkmaar), Österreich (Austria Wien)

Deshalb ergeben sich schon in der Vorrunde reihenweise „David gegen Goliath“-Duelle. Dabei kann es schon einmal vorkommen, dass ein „Underdog“ ein den haushohen Favoriten am falschen Fuß erwischt. Der regionale Bezug ist auch für die Zuschauer vor Ort ein wichtiger Faktor.

Die Austria, die 2018 erst im Finale denkbar knapp an Manchester United scheiterte, ist in Göttingen im Laufe der Zeit zu einer Institution geworden. Als erstes Team konnte man das Turnier drei Jahre en suite gewinnen. Auch im taktischen Bereich leisteten die Violetten Pionierarbeit. Es waren nämlich die Wiener, die den „5. Feldspieler“ in Göttingen salonfähig machte. Bei dieser Variante wird bei Ballgewinn das Spielgerät beruhigt und in den eigenen Reihen gehalten, damit in der Zwischenzeit der Tormann per fliegendem Wechsel über die Bande hüpft, um für einen weiteren Feldspieler Platz zu machen. Mit diesem taktischen Kniff kann man den Spielaufbau durch die entstehende Überzahlsituation erheblich erleichtern. Mittlerweile greifen viele der Topteams auf dieses System zurück.

Die Austria mit eindrucksvollem Start

Am Donnerstag, dem ersten Turniertag, ging es für die Violetten gegen JSG Weper und die JSG Schwarz-Gelb. Beide Kontrahenten stellten keine Hürde dar und bekamen von den Wienern ein Veilchen verpasst – beiden Begegnungen konnten die Österreicher mit 6:0 klar und deutlich für sich entscheiden. Bei 13 Minuten Spielzeit pro Match.

Am darauffolgenden Tag kam es gegen Augsburg zum ersten wirklichen Kräftemessen. Man ging gegen den deutschen Gegner zwar früh mit 2:0 in Führung, musste in der Folge aber einen personellen Aderlass hinnehmen. Esad Bejic knöchelte um und musste auf der Stelle ausgewechselt werden. Es besteht der Verdacht auf Bänderriss. Das 3:0 für die Veilchen erzielte Stefan Radulovic. Der U-17-Nationalteamspieler Österreichs zeigte, dass er nicht nur verteidigen kann, sondern auch über einen außerordentlichen Offensivdrang verfügt. Neun Tore standen ihm am Ende des Turniers zu Buche. Auch seine Spielintelligenz und Stärke im Dribbling stellte er bei Pressing-Situationen regelmäßig unter Beweis. Schlussendlich bezwang man die Augsburger mit 4:2.

Noch am gleichen Tag traf man auf FC Grone. Mit dem Gegner machte man kurzen Prozess und feierte einen 10:0-Torreigen.

Auch am Samstag standen zwei Spiele am Programm. Die erste Partie gegen SVG Göttingen verlief ähnlich klar wie die Partie am Vortag. Ohne Probleme bezwang man den Lokalmatadoren mit 9:0.

Den krönenden Abschluss in der Gruppenphase feierte man gegen die Knappen aus Gelsenkirchen. Dieser Erfolg fiel allerdings wesentlich knapper aus. Erst nach neuen Minuten konnten die Violetten anschreiben. Aleksandar Jukic und Muharem Huskovic stellten auf 2:0, die Königsblauen konnten anschließend nur noch verkürzen.

6 Gruppenspiele – 6 Siege.

Zwischenrunde

Nach dem Gruppensieg ging es für die Veilchen in die Zwischenrunde. Dort hießen die Kontrahenten Hannover 96 und Mainz 05.

Gegen Hannover lief es zunächst alles andere als nach Plan, denn schon nach drei Spielminuten lief man einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Das ließen sich die Wiener nicht gefallen und drehten das Spiel zu einer 3:2-Führung (Austria-Tore: Mateo Tadic, Stefan Radulovic, Pascal Macher). Danach folgten Zwei-Minuten-Strafen auf beiden Seiten. Den Schlusspunkt setzte schlussendlich Aleksandar Jukic. Der 18-Jährige war bereits im Vorjahr mit von der Partie und wurde von Coach Cem Sekerlioglu mit der Position des oben angesprochenen „fünften Feldspielers“ betraut. Er tritt damit u.a. in die Fußstapfen von Sascha Horvath, Dominik Prokop und Niels Hahn. Jukic war somit der Taktgeber der Mannschaft. Vor allem sein intensiver Einsatz der Sohle und seine strammen Weitschüsse bleiben den Zuschauern noch länger in Erinnerung. Er konnte in Summe fünf Torerfolge verbuchen.

Auch das zweite Spiel in der Zwischenrunde war denkbar knapp. In einer Partie, in der keine der beiden Mannschaften auf Sieg spielen musste, war das Tempo nicht allzu hoch. In der letzten Minute konnten die Veilchen doch noch das Goldtor erzielen. Wieder war der Torschütze Mateo Tadic. Im Endeffekt sicherten mit diesem Ergebnis beide Teams das Weiterkommen.

Machtdemonstration gegen Manchester United

Jüngstes Team gegen zweitjüngstes Team. Manchester United vs. Austria Wien. So lautete der Viertelfinal-Kracher in Göttingen. Die Österreicher erwischten einen Traumstart. Stefan Radulovic tankte sich bereits nach zehn gespielten Sekunden durch und ließ dem englischen Tormann keine Chance. Danach trugen sich auch noch Mateo Tadic, Matteo Meisl, Armand Srmcka und Muharem Huskovic in die Torschützenliste ein. Letztgenannter Stürmer (Geburtsjahr 2003!) teilte sich mit Stefan Radulovic die teaminterne Torschützenkrone. Beide konnten im Laufe des Turniers 9 Treffer verbuchen. Der österreichische U16-Teamspieler (Anm. Huskovic) hinkte den meisten Gegenspielern zwar in physischen Belangen hinten nach, machte diese Defizite aber mit seinem ausgeprägten Torriecher wieder wett. Er ist eine der größten Aktien im Austria-Nachwuchs

Der Gegentreffer zum 3:1 tat der Freude keinen Abbruch. Die Veilchen besiegten den Giganten von der Insel schlussendlich mit 5:1!

Unglückliche Niederlage gegen Brügge

Im Semifinale traf man auf den belgischen Vertreter Brügge. Nachdem man in wenigen Sekunden einen 0:1-Rückstand auf 2:1 drehte, sah es zunächst gut aus. Beim Stand von 2:1 gelang Austria Wien-Tormann Fatih Bayram das Kunststück, den Ball per Abschlag ins gegnerische Tor zu bugsieren. Das sah der Schiedsrichter allerdings anders. Er gab den regulären Treffer durch den Latten-Pendler nicht. Diese Weitschuss-Versuche werden erst durch den 5. Feldspieler möglich gemacht, weil diese Variante einen Empty-Net-Spielstil fordert. Im Anschluss bewahrheitete sich die Fußballer-Weisheit „Die Tore, die man nicht schießt, kriegt man“. Brügge drehte das Spiel auf 4:2 und ging somit als Sieger hervor. Sie diktierten das Spiel über die meiste Zeit und attackierten bei Ballverlust sofort und sehr hoch. Die Austria schaffte es in diesem Spiel ob des hohen gegnerischen Drucks nicht, einen geregelten Spielaufbau mit Raumgewinn vorzunehmen.

Knapper Sieg im Spiel um Platz 3

Im Platzierungsspiel um den dritten Rang ging es für die Veilchen gegen einen alten Bekannten. Wie auch schon in der Vorrundengruppe hieß der Gegner Augsburg. Die Wiener sollten auch dieses Aufeinandertreffen für sich entschieden.

Aleksandar Jukic und Pascal Macher trafen dabei für die Veilchen. Auch ein Gegentor musste beklagt werden. Die Austria verabschiedete sich also mit einem 2:1-Sieg von den Zuschauern vor Ort.

Somit feierten die Wiener Violetten im Laufe des Turniers zehn Siege. Lediglich Brügge musste man sich geschlagen geben. „Punkteteilung“ war den Österreichern in diesem Turnier ein Fremdwort.

Man kann gespannt in die Zukunft blicken, denn auch beim 31. Hallencup in Göttingen werden die Veilchen ihre Zelte aufschlagen.

J.G., abseits.at

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