Am sechsten Spieltag der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria den SV Mattersburg aus dem Burgenland zum Duell vor der Länderspielpause. Dabei wollten die... Analyse: Austria beißt sich die Zähne an disziplinierten Mattersburgern aus

Am sechsten Spieltag der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria den SV Mattersburg aus dem Burgenland zum Duell vor der Länderspielpause. Dabei wollten die Violetten die nächsten drei Punkte in der heimischen Arena einfahren, um nach dem 0:0 in St. Pölten den Anschluss nach oben nicht zu verlieren und Selbstvertrauen zu tanken. Anders dabei die Lage im Burgenland, wo es die letzen Wochen turbulent zuging und seit wenigen Tagen – nach der Entlassung von Gerald Baumgartner – mit Klaus Schmidt ein neuer Trainer das Zepter schwingt. Daher war man auch gespannt, wie dieser sich bei seinem ersten Auftritt bei diesem schwierigen Auswärtsspiel präsentieren wird und ob man die Negativfahrt endlich stoppen kann.

Mattersburg mit gut durchdachtem Matchplan

Unverhofft kommt oft, heißt es für den Neo-Mattersburg Trainer Klaus Schmidt. Nachdem es in Altach für ihn nicht weiterging, blieb er nicht lange ohne einen Job und darf sich nun bei einem zweiten Bundesliga-Verein beweisen, dass er die Qualität für die höchste Spielklasse hat. Allerdings blieb nur wenig Zeit, um die Mannschaft optimal auf den nächsten Gegner vorzubereiten und vor allem die eigenen Spieler besser kennenzulernen. Klaus Schmidt entschied sich letztlich für ein 5-3-2/5-2-1-2 System, ohne klassischen Stürmer, dafür mit zwei schnellen Flügelspielern, die die vorderste Zone besetzen sollten, weshalb man neckisch auch von einem 5-5-0 sprechen könnte. Interessant war dabei das Defensivkonzept und die Vorgehensweise der Burgenländer gegen den Ball.

Man analysierte die Austria augenscheinlich sehr genau und versuchte sich passend auf das 4-3-1-2 der Veilchen einzustellen. Im ersten Auftrag ging es strategisch für Mattersburg darum, den Spielaufbau der Austria zu erschweren und zu unterbinden. Das wollte man so bewerkstelligen, indem man mit zwei recht breitstehenden Stürmern und dazwischen mit dem etwas dahinter versetzt stehenden Salomon agierte, der den gegnerischen Sechser Ebner in eine Manndeckung nehmen sollte. Dadurch entstand quasi eine 2-1 Staffelung und man spiegelte damit den zentralen Aufbau der Austria, mit ihren beiden Innenverteidigern und Sechser Ebner. Die beiden Stürmer der Burgenländer standen deshalb etwas breiter und oft in der Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidiger, um die Außenverteidiger der Austria in den Deckungsschatten nehmen zu können und dann im Bogen die Innenverteidiger anzulaufen, damit die Veilchen nicht über die Außenverteidiger das Spiel aufbauen konnten, was sie ja sehr gerne tun. Diese Praxis der Mattersburger kann man im ersten Bild ganz gut erkennen:

Die Austria im Ballbesitz und den Spielaufbau über die Innenverteidiger, die beiden Stürmer der Mattersburger stehen sehr breit und in den Schnittstellen zwischen Innen- und Außenverteidigung, um im Anschluss die Gegenspieler im Bogen anzulaufen (schwarzer Strich als Bewegungsablauf) und die Austria weg vom Flügel ins Zentrum zu drängen.

Diese Vorgehensweise hatte das Ziel, die Austria vom Flügel fernzuhalten und ins Zentrum zu drängen. Dann hatte man den Gegner quasi genau in jener Falle, die man vorbereitete. Das ist recht ungewöhnlich für die Veilchen, denn normalerweise ist es genau umgekehrt und viele Gegner möchten die Austria auf den Flügel zwingen und dort festsetzen. Doch die Mattersburger wählten diesen Plan aus gutem Grund. Im Zentrum agierten die drei zentralen Mittelfeldspieler der Burgenländer nämlich sehr mannorientiert und markierten ihre Gegenspieler recht eng, wodurch quasi keine freie Anspielstation vorhanden war, was man auch auf dem Bild recht gut erkennen kann. Und man muss auch sagen, dass dieser Plan vom Grundgedanken strategisch sehr intelligent und gut durchdacht war. Denn durch diese Vorgehensweise band man de facto mit fünf eigenen Spielern, sieben Gegenspieler der Austria (5vs7) und hatte in der letzen Linie nicht die Gefahr aufgerissen zu werden und in Unterzahl zu geraten – verfügte da also über ausreichend Stabilität.

Anders wäre dies gewesen, wenn z.B. die Flügelverteidiger Lercher oder Höller auf Klein oder Cuevas herausgerückt wären. Dann hätte man natürlich als Verbund nachschieben müssen und es hätten sich tendenziell Löcher ergeben, wenn dies nicht perfekt ausgeführt worden wäre, wie es z.B. dem SKN letzte Woche oft gelang. So hatte man der Austria bereits eine nette Denkaufgabe mitgegeben, an der sie zu knabbern hatte. Die Pressinglinie wählte man dabei etwas höher und die Stürmer liefen auch mal früher an, wobei man sich vordergründig darauf konzentrierte die Passwege abzudecken, statt hohen Druck auf den Gegenspieler auszuüben.

Wie reagierte die Austria auf diesen Umstand? Sie tat sich recht schwer. Nur selten konnte man die linienbrechenden vertikalen Zuspiele ins Mittelfeld anbringen und wenn es doch gelang, konnten die zentralen Mittelfeldspieler den Ball oft nur wieder nach hinten prallen lassen, da ihre Gegenspieler sie eng markierten. Die Veilchen versuchten es zunächst mit vielen Positionswechseln und Rochaden, die jedoch kaum Auswirkungen und Löcher in den Defensivverbund der Burgenländer rissen, da die Übergabe der Gegenspieler und die Kommunikation gut funktionierte. Man passte auch den Aufbau bei der Austria etwas an und Matic ließ sich kaum mehr nach hinten fallen, agierte allgemein recht breit in seiner Positionierung und wich oft auf den linken Flügel aus. Stattdessen übernahm Kapitän Grünwald quasi dessen Aufgabe und versuchte vom rechten Halbraum heraus mit Abkippbewegungen anspielbar zu sein und das Spiel dann über das Zentrum nach vorne zu tragen. Das klappte allerdings selten, da die Gegenspieler oft in dessen Nähe waren und Grünwald keine Möglichkeit gaben, das Spiel nach vorne zu tragen, wie man es beim nächsten Bild auch gut sehen kann:

Austria im Spielaufbau, Matic steht höher, während  Kapitän Grünwald sich in den Halbraum zurückfallen lässt, um sich anzubieten. Schoissengeyr spielt Grünwald auch an, allerdings wird der Kapitän von zwei Seiten attackiert und kann den Ball nur wieder retour spielen.

Daher musste man sich etwas einfallen lassen. Linksverteidiger Cuevas bewies in dieser Situation seine Spielintelligenz und ließ sich bereits früh recht tief fallen, weshalb er weder für Stürmer, noch Flügelverteidiger in diesen Situationen zu greifen war und per Spielverlagerung angespielt werden konnte. Allgemein griffen die Veilchen zu vielen Spielverlagerungen und versuchten so die erste Pressinglinie zu durchbrechen. Ansonsten musste man sich oft mühsam nach vorne spielen und landete in der gegnerischen Hälfte sehr oft auf dem Flügel, wo man es mit vielen Hereingaben versuchte. Gelegentlich waren aber auch Überladungsversuche auf der rechten Seite zu sehen, wo Prokop und Edomwonyi immer wieder auswichen und mit Klein und Grünwald versuchten zu kombinieren. Doch richtig Durchschlagskräftig wirkte das Ganze dennoch nicht, man spielte sich sehr oft fest und verlor den Ball, hatte verhältnismäßig recht kurze Ballstafetten und man brachte den Abwehr-Block der Mattersburger kaum in Bewegung. Das lag auch daran, dass man es oft mit dem Kopf durch die Wand probierte, statt zu versuchen die Seite zu wechseln und die Ketten des Gegners in Bewegung zu bringen. Vor allem horizontale Passoptionen gab es zu wenige, weshalb man kaum in der Lage war das Spiel zu verlagern, höchstens über Rückpässe zu den Innenverteidigern (wie bereits erwähnt), die dann lange Seitenwechsel spielten. Dadurch war vor allem Matic oft isoliert, da sich aufgrund der Überladungsversuche auf rechts sich viel in dieser Region abspielte und der Ball kaum den Weg zu dem Serben fand. Aber auch durch die Aufstellung von Schoissengeyr wurde diese Problematik mit Matic verschärft, der durch seinen rechten Fuß oft den Ball nach innen führte und so von Haus aus schwierige Passwinkel in den linken Halbraum von Matic hatte.

Mattersburg umschifft Austria-Pressing

Am gefährlichsten wurde die Austria daher nicht durch kontinuierliche Ballstafetten, sondern durch Ballgewinne im Mittelfeld und anschließendem schnellen Direktspiel in die Spitze, wo man einige gute Situationen kreieren konnte. Dass es zu diesen Ballgewinnen kam, hing nicht nur an den eigenen guten Gegenpressing-Momenten, sondern auch an der Spielanlage der Mattersburger. Denn anders als man es von einer qualitativ unterlegenen Mannschaft erwarten würde, versteckten sich die Burgenländer auch im Ballbesitz nicht und versuchten mutig spielerische Akzente zu setzen. Dieser Mut zeigte sich bereits im Spielaufbau, wo man trotz des Pressings der Austria versuchte, das Spiel flach aufzuziehen und sich aus dieser Umklammerung zu befreien. Und ob man es glauben will oder nicht, die oft als „Holzhacker“ verpönten Mattersburger machten das den Umständen entsprechend richtig gut. Im Spielaufbau fächerte man die Dreierkette auf, die Flügelverteidiger rückten sehr weit nach vorne und agierten quasi als Flügelstürmer und gaben Breite, während Jano vor der Abwehr den Ankersechser gab und von den beiden Achtern Hart und Salomon mit abwechselnden Fallbewegungen unterstützt wurde. Man bespielte dabei das mannorientierte Pressing der Austria recht intelligent, indem man mit den Flügelverteidigern aufrückte und dadurch die Viererkette der Austria am Durchsichern hinderte, aber auch die gesamte Breite des Platzes nutze und den Gegner versuchte zu strecken. Allgemein war es für die Mattersburger sehr wichtig, die Außenverteidiger der Austria am Nachrücken bzw.  Aufrücken zu hindern. Die beiden Stürmer wichen dafür oft nach außen aus und versuchten die Außenverteidiger zu binden, um dadurch Platz für die Mitspieler dahinter zu kreieren.

Die Veilchen passten recht früh ihr Anlaufverhalten an und wechselten gegen den Ball vom 4-3-1-2 zum 4-3-3 und Prokop rückte in die Spitze, um besseren Zugriff auf den Dreieraufbau der Burgenländer zu bekommen. Das Problem dabei, es änderte nur wenig an dem mangelnden Zugriff im Angriffspressing. Das Anlaufverhalten war sichtlich improvisiert und die Stürmer vermochten es nicht, die Mattersburger durch ihr Anlaufen auf eine Seite zu lenken und dort auch festzusetzen. Stattdessen lief man die Verteidiger einfach nur frontal an und die Burgenländer lösten das ganze Pressing oft mit einem einfachen Haken mehr oder weniger auf und spielten den Ball quasi wieder auf die andere Seite zurück, wo der Ball herkam. Mattersburg band Torhüter Kuster auch gut ein, weshalb man da durch die Vier gegen Drei Überzahl immer wieder den ballfernen Halbverteidiger freispielen konnte. Doch nicht nur die Stürmer verhielten sich nicht gut, auch das Mittelfeld rückte bis auf Grünwald oft nicht wirklich konsequent nach und vor allem Matic stand meist im Nirvana, weshalb sich immer wieder große Räume im Zentrum entblößten. Diese Problematik kann man bei der nächsten Bildstrecke gut erkennen:

Beispiel #1: Mattersburg im Spielaufbau, die Dreierkette fächert weit auf, die Austria steht mit ihrem 4-3-3 recht eng und versucht mittels direkter Manndeckung Zugriff herzustellen und Druck auszuüben, doch die Burgenländer locken den Gastgeber gut Richtung Ball und spielen dann über Torhüter Kuster die Verlagerung auf den völlig freistehenden Mahrer (gelber Kreis), wodurch man das Pressing der Austria relativ simpel auflöst.

Beispiel #2: Mattersburg erneut im Aufbau, Jano und Malic tauschen (!) die Positionen. Da Prokop Torhüter Kuster anläuft und sich nicht geschickt verhält und seinen Deckungsschatten nicht nutzt, muss Turgeman dadurch quasi Sechser und Halbverteidiger (gelber Stich) alleine decken und sich für einen der beiden entscheiden, was bereits problematisch genug ist, da in dem Fall klarerweise immer einer freistehen muss. Jano spielt anschließend Malic im Zentrum an und der lässt direkt auf die Seite zum linken Halbverteidiger Ortiz prallen…

..Ortiz, Jano und Salomon weichen auf links aus und kombinieren sich mit wenigen Kontakten durch, da das Pressing der Austria nur halbherzig praktiziert wird. Salomon reißt im Anschluss mit der Spielverlagerung die Violetten auf und fünf Spieler sind dadurch ausgespielt, wobei er alternativ auch das große Loch im Zentrum bespielen könnte.   

In der ersten Halbzeit gab es mehrerer solcher Szenen und die Austria vermochte es  eigentlich nie, die Mattersburger in solchen Situationen zum Ballverlust zu zwingen und das Spielgerät zu erobern. Der violette Gastgeber war sichtlich nicht auf dieses mutige Spiel der Gäste eingestellt und hatten mit dem Spielaufbau der Burgenländer vor allem gruppentaktisch große Probleme, wobei es auf der anderen Seite der SVM klug machte und die Problemzonen der Austria gut bespielte, sie entsprechend auseinanderzog und die Löcher gezielt attackierte. Das bedeutete für die Violetten wiederum viele leere Kilometer und sinnlose Sprints, die man durch das schlechte attackieren abspulen musste. Was den Mattersburgern fehlte, um noch mehr Kapital daraus zu ziehen, war die Präzision im eigenen Spiel bzw. in der gegnerischen Hälfte, wo man einige im Ansatz interessante Situationen durch technische Fehler oder Ungenauigkeiten leichtfertig vergab. So musste eine Standardsituation her, um in Führung zu gehen. Jano war nach einer unglücklichen Faustabwehr von Torhüter Pentz zur Stelle und erzielte das 1:0. Die Austria wurde nur selten wirklich gefährlich und wenn, dann waren wie bereits erwähnt meist Gegenpressing-Sequenzen der Ursprung, wo man im Anschluss den Gegner mittels Direktspiel attackierte.

Nach der Pause brachte Austria-Trainer Letsch mit Monschein für Matic einen zusätzlichen Stürmer und stellte endgültig auf 4-3-3 um, jedoch mit durchwachsenem Erfolg. Zwar konnte man zumindest den Spielaufbau der Burgenländer  wesentlich öfter unterbinden und besser kontrollieren, allerdings entblößten sich ballfern bei den Veilchen immer wieder große Räume, da die drei Stürmer sehr hoch standen und das zentrale Mittelfeld dadurch (zu) viel Raum abdecken musste, weshalb bereits nach wenigen Minuten Höller dadurch völlig frei zum Abschluss kam und auf 2:0 hätte stellen können. Die Austria tat sich durch die Umstellung zwar im Spielaufbau etwas leichter und man nutze nun die Außenverteidiger besser, um die erste Pressinglinie des Gegners zu umspielen, doch in höheren Zonen mangelte es oft an Ideen und an der Durchschlagskraft gegen die tiefverteidigende und massive Abwehr der Burgenländer. Der eingewechselte Monschein tat sich auf Rechtsaußen schwer Bindung an das Spiel zu finden, über das Zentrum ging wenig, da Grünwald und Prokop oft in klarer Unterzahl agierten und die Mattersburger das Zentrum dicht machten. Die Veilchen probierten es daher vermehrt über die Außenbahn und agierten da oft mit einem „Pärchen“ auf der Seitenlinie, um über die Außen den Block des Gegners zu knacken und nach innen zu kommen oder Flanken hereinzuschlagen. Die Austria musste dann auch noch verletzungsbedingt die spielstarken Cuevas und Turgeman vom Feld nehmen, was die Ausgangslage klarerweise nicht erleichterte.

Die gut organisierte Defensive der Mattersburger, mit der massiven Fünferkette und den drei zentralen Mittelfeldspielern davor, machte die Räume entsprechend eng und konzentrierte sich vor allem darauf, die wichtigen Räume im zentralen Bereich zu verschließen und die Schnittstellen in der letzen Linie geschlossen zu halten, um der Austria keine Einladung zu geben. Lange Zeit funktionierte dies auch sehr gut und bis auf viele Flanken gab es kaum Strafraumszenen für die Austria, doch eine Situationen reichte den violetten Gastgebern, um ihre Klasse aufblitzen zu lassen. Nach einem tollen vertikalen Pass in der Spieleröffnung von Schoissengeyr auf Grünwald, steckte der Kapitän den Ball mustergültig auf Stürmer Edomwonyi durch, der nur noch durch ein Foul im Strafraum gestoppt werden konnte und es so Elfmeter für die Austria gab. Den Ursprung wollen wir dabei etwas genauer unter die Lupe nehmen:

Die Austria im Ballbesitz, Schoissengeyr führt den Ball ins Mittelfeld und die Austria findet in dieser Situation eine gute Raumaufteilung vor. Die drei zentralen Mittelfeldspieler positionieren sich gut in den Schnittstellen des Mittelfelds, auf den Seiten geben Monschein und Venuto Breite und drücken die Flügelverteidiger nach hinten, aber auch Edomwonyi nimmt einen sehr wichtigen Part ein, indem er durch seine Positionierung zwei Gegenspieler bindet und diese nun nicht mehr so einfach ohne Hintergedanken herausrücken können und in diesem Moment auch zögern, um nicht den Raum hinter sich zu öffnen, wodurch erst der Raum für Grünwald freiblockt wird und dieser nun den Ball annehmen und durch die Schnittstelle spielen kann.

In dieser Szene zeigten die Wiener auch mustergültig, wie man mit gutem Positionsspiel den Gegner vor Probleme stellen kann. Leider waren diese Sequenzen insgesamt zu selten zu sehen, andererseits zeigen sie aber auch das Potenzial, welches vorhanden wäre. Daran kann man auch in Zukunft arbeiten und dieses Mittel noch gezielter anwenden. Der eingewechselte Venuto übernahm jedenfalls die Verantwortung und verwandelte vom Punkt zum 1:1 Ausgleich. Doch die Austria hatte nicht genug. Nachdem man es zuvor bereits oft von „Außen nach Innen“ versuchte, klappte nun auch dieses Muster und führte zum Führungstreffer. Edomwonyi leitete mit einem tollen Solo die Situation ein und Grünwald vollendete technisch anspruchsvoll mit einem Schuss ins kurze Eck den Angriff und drehte damit das Spiel in gerade einmal 90 Sekunden.

Mit der 2:1 Führung im Rücken zog sich die Austria zurück und versuchten das Ergebnis über die Runden zu bringen, weshalb nun die Mattersburger quasi den Part des anrennenden Gegners einnehmen mussten. Man stellte auch nochmal das System auf eine Viererkette um und brachte einen zusätzlichen Offensivspieler ins Spiel, jedoch hatte man nicht mehr genügend Saft im Tank, um nach dem laufintensiven und disziplinierten Spiel gegen den Ball nochmal nachlegen und den Ausgleich erzielen zu können. So brachte die Austria die 2:1 Führung letztlich über die Ziellinie und feierte einen wichtigen Heimsieg.

Fazit

Die Austria feierte also mit dem 2:1 Sieg über Mattersburg den dritten Heimsieg infolge und bleibt damit in heimischen Gefilden und in der neuen violetten Spielstätte weiterhin ohne Punkteverlust. Jedoch war dies ein hartes Stück Arbeit für die Veilchen und ein äußerst kompliziertes Spiel, denn die Mattersburger legten sich ein wirklich gutes Defensivkonzept zurecht und verlangten der Austria alles ab, was nur  die wenigsten im Vorfeld für möglich gehalten hätten. Die Violetten fanden dagegen lange Zeit keine richtigen Lösungen, um das massive Abwehrbollwerk der Burgenländer zu knacken und zu Torchancen zu kommen, waren aber auch in einigen Dingen vom Gegner einfach überrascht worden. Vor allem nach dem 0:1 Rückstand konnte man sich keine klaren Möglichkeiten mehr erspielen und es mangelte an konkreten Ideen und an der Durchschlagskraft im letzen Drittel. Erst gegen Ende hin drehte man das Spiel letztlich mit zwei guten Aktionen, wobei einmal mehr Kapitän Grünwald seine Wichtigkeit unter Beweis stellte und seine Mannschaft mit zwei tollen Szenen auf die Siegerstraße zurückbrachte. Auf die Austria und ihr Trainerteam wartet trotz des knappen Erfolges noch viel Arbeit, denn auch die gruppentaktischen Probleme im Spiel gegen den Ball müssen neben der stockenden Offensive in den Griff bekommen werden, auch wenn dies nach der Halbzeit zumindest etwas besser wurde und man vor allem auf die bärenstarke Innenverteidigung bauen konnte. Gegen stärkere Gegner kann man sich solche Nachlässigkeiten klarerweise nicht erlauben und mit den Spielen gegen Rapid, LASK und Sturm warten nun auch andere Hausnummern auf die Mannschaft der Austria.

Die Mattersburger hingegen können trotz der knappen Niederlage mit erhobenem Haupt ins heimische Burgenland zurückkehren. Man verlangte der Austria mit dem gut durchdachten Defensivkonzept auch alles ab und hätte mit etwas mehr Präzision nach der Führung auch gut und gerne ein weiteres Tor nachlegen können. Aber auch das eigene Ballbesitzspiel war speziell in der ersten Halbzeit mehr als in Ordnung und man konnte sich sogar  einige Male mutig aus dem Pressing der Austria befreien. Daher muss man auch ein großes Kompliment an den Neo-Trainer Klaus Schmidt und sein Trainerteam aussprechen, denn trotz der kurzen Vorbereitungszeit stellte man die eigene Mannschaft hervorragend auf den Gegner ein und gab ihr einen guten Matchplan auf den Weg, der über weite Strecken der Partien auch aufging. Man machte sich stattdessen diese Tatsache sogar zunutze und überraschte die Austria scheinbar in einigen Aspekten, wodurch man sich einen Vorteil verschaffen konnte. Es wird daher interessant zu sehen sein, ob die Mattersburger dieses gute Spiel in den nächsten Wochen bestätigen können und damit wieder zurück in die Erfolgsspur finden.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic