Das österreichische Nationalteam trifft nach dem 3:0-Sieg gegen Slowenien auf Luxemburg. Wir wollen auf die letzten Spiele des Großherzogtums blicken und euch den interessantesten... Ein Jungstar, zwei Debakel, eine Serie und viele Überraschungen: Das ist Luxemburg

Das österreichische Nationalteam trifft nach dem 3:0-Sieg gegen Slowenien auf Luxemburg. Wir wollen auf die letzten Spiele des Großherzogtums blicken und euch den interessantesten Akteur unseres heutigen Gegners näher vorstellen. Wir verraten euch zudem welche Serie Trainer Luc Holtz zu verteidigen hat.

Zwei Debakel und mehrere Überraschungen

Sieht man sich die letzten Ergebnisse von Luxemburg seit Juni 2017 an, ohne dass man weiß um welche Mannschaft es sich handelt, würde man wohl nicht darauf tippen, dass es sich hier um die Partien einer sogenannten „kleinen“ Fußballnation handelt. Die Mannschaft von Trainer Luc Holtz, der die Auswahl seit 2010 durchgehend trainiert, lief zwar zweimal in ein Debakel (0:5 gegen die Niederlande und 0:8 gegen Schweden), erwies sich ansonsten aber auch für stärker eingestufte Gegner als ernstzunehmender Kontrahent. Im Jahr 2017 feierte man nämlich Siege gegen Malta (1:0), Ungarn (2:1), Weißrussland (1:0) und Albanien (2:1) und remisierte gegen Bulgarien (1:1). Die mit Abstand größte Überraschung gelang allerdings am 3. September 2017 beim WM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich, als man sich beim ganz großen Favoriten ein 0:0-Unentschieden erkämpfte.

Systemumstellung

Beim 1:0-Auswärtssieg in Malta testete Coach Luc Holtz erfolgreich eine Dreier/Fünferkette, was auch ein österreichischer Spion von Franco Foda beobachten durfte. Allzu viele Rückschlüsse wird man für das heutige Länderspiel nicht machen dürfen, denn gegen die österreichische Auswahl wird eine Viererkette auflaufen. So wie Foda verlangt auch der Luxemburger Teamchef, dass seine Mannschaft mehrere Systeme umsetzen kann.

Serie ausbauen

In Luxemburg schätzt man Österreich als einen sehr gefährlichen Gegner ein, der sich nach dem Trainerwechsel auf einem guten Weg befindet. Man sieht sich zwar in der Rolle des Underdogs, will aber mit viel Teamgeist eine kleine Serie verteidigen: Zum ersten Mal in der Geschichte ist das Luxemburger Nationalteam seit drei Partien ungeschlagen, da man nach einem Unentschieden gegen Bulgarien die Freundschaftsspiele gegen Ungarn und Malta für sich entschied. Diese Serie will man nun auch gegen Österreich unbedingt ausbauen. Neben dem bereits oben zitierten Teamgeist gibt es einen Schlüsselspieler, den man vor der Partie gegen Österreich herausstreichen muss.

Bayern, Juventus, West Ham: Der Poker um Vincent Thill

Es gibt einen Nationalspieler aus Luxemburg, der es auch in den österreichischen Kader schaffen würde. Die Rede ist vom 18-jährigen Talent Vincent Thill, der momentan in der Ligue 1 beim FC Metz kickt. Thill debütierte mit 16 Jahren sowohl in der Ligue 1, als auch in der Nationalmannschaft. Zwei Monate nach seinem Debüt schoss er bei der 1:3-Niederlage gegen Nigeria seinen ersten Treffer für sein Heimatland und avancierte damit zum jüngsten Länderspieltorschützen in der europäischen Fußballgeschichte.

Der offensive Mittelfeldspieler hatte Ende 2016 angeblich ein hochdotiertes Angebot des FC Bayern vorliegen, das sein Berater und Thills Familie allerdings ausschlugen. Später sollen auch Real Madrid und Juventus großes Interesse an einer Verpflichtung gehabt haben, zurzeit bemüht sich allerdings Arnautovic-Klub West Ham United am stärksten um den jungen Luxemburger. Unabhängig davon wo es Vincent Thill hinziehen wird – der junge Spieler muss selbst den nächsten Schritt machen, denn seine Entwicklung geriet ein wenig ins Stocken. Mit 16 Jahren galt er als das vielleicht größte Talent Europas, momentan tut er sich aber schwer regelmäßige Einsätze beim Tabellenletzten der Ligue 1 zu bekommen. Dass sein Verein akut abstiegsgefährdet ist, ist für seine Entwicklung sicher nicht förderlich, da die Entwicklung von jungen Spielern wohl nicht an erster Stelle steht. Thill will deshalb den FC Metz unbedingt verlassen, obwohl er noch einen Vertrag bis Sommer 2019 besitzt.

Vincent Thill ist ein agiler offensiver Mittelfeldspieler, der alle Fertigkeiten mitbringt, die für diese Position benötigt werden. Er ist technisch sehr stark und verfügt über einen schnellen Antritt. Thill weiß, dass das Länderspiel gegen Österreich eine gute Möglichkeit ist Werbung in eigener Sache zu machen, zumal er bei seinem Klub nur selten eingesetzt wird. Wir wünschen dem jungen Mann nur das Beste für seine weitere Karriere, hoffen aber dass er andere Möglichkeiten als das heutige Länderspiel findet, um die Scouts von den Top-Ligen für sich zu begeistern.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger