Anstelle der erhoffen Playoff-Spiele für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bestritt die österreichische Nationalmannschaft zum Abschluss des Länderspieljahres 2013 ein Freundschaftsspiel gegen die USA....

Marc JankoAnstelle der erhoffen Playoff-Spiele für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bestritt die österreichische Nationalmannschaft zum Abschluss des Länderspieljahres 2013 ein Freundschaftsspiel gegen die USA. Im Ernst Happel Stadion schaffte die rot-weiß-rote Auswahl dabei einen 1:0-Erfolg. Siegtorschütze war Marc Janko.

Während der WM-Qualifikation zeigte das ÖFB-Team, dass es vor allem im Spiel gegen den Ball mithalten kann – auch gegen die besten dieser Welt. Musste man selbst das Spie machen, hatte man jedoch meist Probleme. Genau unter diesem Gesichtspunkt war das Testspiel gegen die USA zu sehen. Die Änderungen, die man im Trainingslager in Spanien vornahm, konnte man weitestgehend erkennen. Allerdings sind noch nicht alle Probleme behoben.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Grundformationen

ÖFB-Teamchef Marcel Koller schickte sein Team im Vergleich zur abgelaufenen WM-Qualifikation verändert auf das Feld. Zum einen gab es personelle Wechsel, zum anderen weichte auch die Grundformation vom bisherigen 4-2-3-1 ab. Lukas Hinterseer bekleidete anstelle von Zlatko Junuzovic die Position hinter Solospitze Janko. Der Innsbrucker ist ein anderer Spielertyp als der Werder-Legionär, spielte etwas höher, wodurch die Grundformation eher als 4-4-1-1 aufzufassen war. Weitere personelle Änderungen waren die Hereinnahme von Debütant Martin Hinteregger in die Innenverteidigung sowie Christoph Leitgeb im zentralen Mittelfeld. Eine andere Alternative für den verletzten Julian Baumgartlinger wäre Veli Kavlak gewesen. Der Besiktas-Legionär agiert vor allem im Passspiel vertikaler als Leitgeb, der das Spiel mehr ordnet.

Auch die USA begannen mit einer 4-4-1-1-ähnlichen Grundformation. Mit Jozy Altidore bot Jürgen Klinsmann im Sturm ebenfalls einen körperlich robusten Solostürmer auf. Der Sunderland-Angreifer ist allerdings kompakter und dynamischer als Janko, was die ÖFB-Innenverteidigung vor allem in puncto Schnelligkeit vor andere Aufgaben stellte als es bei den USA der Fall war. Im zentralen Mittelfeld gab es zum einen mit Michael Bradley einen ähnlichen Spielertyp wie Leitgeb, zum anderen mit Jermaine Jones einen Zerstörer-Typen. Die US-Außenverteidiger agierten wie jene des ÖFB-Teams unauffällig. Ein markanter Unterschied war hingegen die Spielweise der beiden hängenden Spitzen. Hinterseer agierte vertikal, Aron Johansson orientierte sich mehr in die Breite.

Manndeckung gegen Alaba im Aufbau

Österreichs Aufbauspiel steht und fällt mit David Alaba. Der Bayern-Legionär ist im Zentrum das Um und Auf. Genau diesen Punkt griffen die USA an und legten Alaba an die Leine. Es war jedoch nicht der aggressive Jones, wie man vermuten möchte, sondern Bradley, der ihn in erster Linie verfolgte. Dabei agierte der Roma-Mittelfeldspieler nicht als klassischer Kettenhund, der Alaba in regelmäßigen Abständen umgrätschte, sondern positionierte sich lediglich so nah an ihm, dass ein Anspiel ein hohes Risiko mit sich gebracht hätte.

Vor allem in der Anfangsphase hatte Alaba dadurch kaum Ballkontakte und das Aufbauspiel des ÖFB-Teams beschränkte sich meist auf lange Bälle nach vorne. Erst in höheren Zonen konnte Alaba Einfluss aufs Spiel nehmen, da die beiden Sechser in der Tiefe mehr raumorientiert agieren mussten. Zweimal trat Alaba dadurch gut in Erscheinung: zunächst bei einem Pass in den Rückraum, den er untypischerweise vertändelte, dann leitete er mit Seitenwechsel auf György Garics den Siegtreffer ein.

Hinterseer gut eingegliedert

Die Konsequenz dessen, dass Alaba im Spielaufbau zugestellt war, waren wie bereits erwähnt viele lange Bälle ins Sturmzentrum. Dort diente neben Janko auch Hinterseer als Anspielstation, da er ebenfalls zweikampf- und kopfballstark ist. Deshalb orientierte er sich schon früh nach vorne und stellte so situativ eine 4-4-2-Formation im Spielaufbau her. Spielt Junuzovic als Zehner, lässt er sich mehr nach hinten fallen. Je nach Höhe der Flügelspieler entspricht die Aufbauformation dann einem 4-1-4-1 oder 4-1-2-3. Im Offensivspiel ist Junuzovic ein weiterer Kreativposten, während Hinterseer aufgrund seiner Physis in erster Linie als Wandspieler zwischen den Linien agierte.

Vom Innsbrucker sah man kaum Dribblings. In einer Situation setzte er sich zwar gegen mehrere Gegenspieler durch und kam durchs Zentrum nach vorne, allerdings schüttelte er diese mehr dank seiner Zweikampfstärke ab als dank filigraner Technik. Das bedeutet allerdings nicht, dass Hinterseer einen schlechten Eindruck hinterließ. Im Gegenteil, es wirkte sogar so, dass er sich besonders schnell und gut integrierte. So kam er zu der einen oder anderen Halbchance und könnte aufgrund dessen, dass er ein anderer Spielertyp als Junuzovic ist, aber trotzdem als Zehner spielt, eine Alternative werden.

Veränderte Aufteilung auf den Außenbahnen

Die zweite große Veränderung im Spielstil des ÖFB-Teams sah man auf den Seiten. Der Vorstoß vor Garics vor dem 1:0 war einer der wenigen eines Außenverteidigers im ganzen Spiel. Vor allem bei Christian Fuchs kam dies überraschend, denn der Kapitän gilt als besonders offensivstark und schlägt gute Flanken. Mit Hinterseer hätte es dafür sogar neben Janko eine weitere gute Anspielstation gegeben. Auch die Bewegungen der Flügelspieler werfen zunächst ein fragwürdiges Licht auf diese Ausrichtung.

Martin Harnik und Marko Arnautovic zogen nämlich noch ein bisschen stärker in die Mitte als sonst. Erst gegen Irland wollte Koller mit Guido Burgstaller einen Spieler bringen, der mehr Breite anbietet. An den ersten beiden guten Möglichkeiten waren beide Flügelspieler beteiligt, jedoch jeweils auf der „falschen“ Seite. Zunächst überlud Arnautovic die rechte Seite und ging von dort aus in die Tiefe, wenig später stand Harnik bei seinem misslungenen Querpass auf Janko weiter links als der Stürmer.

Rhythmuswechsel bringt ÖFB-Team außer Tritt

Die Gründe für die verhältnismäßig tiefen Positionen der Außenverteidiger dürften im Umschaltspiel begründet sein. Dadurch, dass die Flügelspieler im Offensivspiel höher standen als die beiden Sechser – gemeinsam mit Hinterseer sah man phasenweise ein 4-2-4 -, hätten diese nach Ballverlusten die gesamte Breite des Platzes abdecken müssen. Da die Außenverteidiger aber nicht so hoch nach vorne schoben wie normal, konnten die Amerikaner dies mit Kontern über die Seiten nicht ausnutzen. Trotzdem waren sie nach dem Führungstreffer für Österreich das spielbestimmende Team, hatten in der zweiten Hälfte einige Ausgleichschancen.

Eigentlich hätte die Tatsache, dass der Gegner aktiver wurde und ballbesitzorientierter spielte, den Österreichern mit ihrem nominell starken Pressing in die Karten spielen müssen. Allerdings merkte man, dass aufgrund der personellen Änderungen die Abläufe nicht so funktionierten wie üblich. Dadurch verkam das Spiel für das ÖFB-Team mehr und mehr zu einer Abwehrschlacht. Unter Druck verlor man den Ball oder schlug ihn panisch weg. Dank großem Kampfgeist und einigen Klärungen im Sechszehner konnte man den Sieg allerdings über die Zeit bringen und das Länderspieljahr positiv abschließen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.