Die cleverere Mannschaft waren die Schweden – und trotzdem waren es am Ende verlorene Punkte für die österreichische Nationalmannschaft. Gerade in einer Gruppe, in... Schwache Flügel und Tempomanagement: Schweden bringt 1:1 gegen Österreich relativ locker über die Runden

Marcel KollerDie cleverere Mannschaft waren die Schweden – und trotzdem waren es am Ende verlorene Punkte für die österreichische Nationalmannschaft. Gerade in einer Gruppe, in der vier Teams Ambitionen auf eine EM-Teilnahme haben, darf man sich gegen einen insgesamt zahnlosen Gegner kein Heim-Remis erlauben. Jedoch war die ÖFB-Elf unterm Strich selbst zahnlos. abseits.at analysiert die Gründe dafür.

Es war eine kurze Phase, in der Eskisehirspor-Legionär Erkan Zengin Florian Klein um die Ohren lief und große Gefahr ausstrahlte. Der 29-Jährige traf ins Tor, die Latte und machte dem ÖFB-Team mit einigen Flankenläufen das Leben schwer. Aber das war’s auch schon wieder. Vorrangig kümmerten sich die Schweden darum, auf der Zentralachse kompakt zu stehen, Zielspieler Janko aus dem Spiel zu nehmen und die Flügel so tief zuzumachen, um Arnautovic und Harnik gar nicht erst in Dribblings kommen zu lassen.

Guter Beginn, schnell nachgelassen

Österreich fand nur in der Anfangsphase Mittel und Wege, im Spiel nach vorne die volle Breite des Spielfelds zu nutzen. So etwa vor dem 1:0, als Alaba seine „natürliche Zone“ verließ und über den Flügel für eine Hereingabe sorgte, die zum Handelfmeter führte. Mit Fortdauer des Spiels nahm die Gefährlichkeit an den Flügeln aber sukzessive ab, was unter anderem mit dem falschen Tempomanagement und auch mit mangelnder Variabilität im Spiel der Österreicher zu tun hatte.

Schwache Außenverteidiger

Diejenigen, die dem Defensivkonstrukt der Schweden die meisten Probleme machen könnten, sind allgemein die Außenverteidiger. Gerade, wenn die Schweden im eigentlich ungewohnten 4-3-3 auflaufen und mit Zengin und Durmaz an den Flügeln zwei Spieler aufbieten, deren Stärken nicht im Defensivspiel liegen. Doch sowohl Klein, als auch Fuchs waren am gestrigen Abend als Totalausfälle zu bezeichnen. Einerseits weil sie selbst nie effektiv an den Flügeln durchbrachen, aber noch viel mehr, weil sie das Tempo aus dem Spiel nahmen und falsche Feldpositionen wählten.

In falschen Situationen Tempo rausgenommen

Dadurch, dass die Außenverteidiger das Spiel verlangsamten und durchschnittlich zu defensiv auftraten, konnte Schweden das Konzept mit den zwei Abwehrketten durchziehen. Auf der Zentralachse hatte man durch das 4-3-3 ohnehin genug Spieler. Eine beherztere bzw. mutigere Darbietung der Außenverteidiger hätte das Auseinanderreißen dieser Ketten zur Folge gehabt. Aber stattdessen wirkten Klein und Fuchs so, als hätten sie im Falle von Ballverlusten Angst vor Gegenstößen durch die schnellen Zengin und Durmaz, wodurch sie im Spiel nach vorne äußerst vorsichtig agierten. Dies ist allerdings keine Entschuldigung dafür, dass sie in den falschen Situationen Tempo aus dem Spiel nahmen und zu häufig in die Breite spielten. Das machte dem schwedischen Defensivverbund das Leben leicht, denn die mussten nur mitverschieben und Anspielstationen im Zwischenlinienraum und in der Spitze zustellen.

Arnautovic und Harnik „kleben“, weil Klein und Fuchs keine Bindung herstellen

Gleichzeitig hatte das verhaltene Spiel der Außenverteidiger direkte Auswirkungen auf die Flügelspieler Arnautovic und Harnik, die in ihrer Spielweise nur selten variieren konnten. Gerade gegen die nicht immer sattelfesten Außenverteidiger der Schweden, hätte man mehr Läufe in die Schnittstellen suchen müssen, die aber nur in der Anfangsphase zustande kamen. Durch die defensiven Ausrichtungen von Klein und Fuchs, waren die Abstände zwischen den Flügelpärchen zu groß und so basierte bei Österreich vieles auf den Prinzipen Hoffnung und Zufall. Wenn die Flügel gefährlich in Szene gesetzt werden, dann durch Genieblitze aus dem zentralen Mittelfeld.

Junuzovic Österreichs Bester

Dort spielte übrigens der beste Österreicher: Zlatko Junuzovic überzeugte vor allem im Spiel ohne Ball und war der einzige Akteur, der konsequent und clever den Zwischenlinienraum bespielte und den Schweden durch intensives Laufspiel immer wieder die Ordnung nahm. Damit stach Junuzovic aus einer ohnehin ordentlich spielenden Zentralachse heraus. Auch Baumgartlingers Zweikampfführung und Hintereggers Fähigkeit bei schnellen Konterstößen der Schweden das Spiel zu lesen und zu antizipieren, sind hier herauszuheben.

Okotie-Einwechslung nahm die letzte Präsenz

Gegen Ende der Partie konnte Österreich den Druck nicht mehr aufrechthalten, was auch der Kaderauswahl und den Wechseln Marcel Kollers geschuldet ist. Okoties Einwechslung machte Österreich – erwartungsgemäß – von einem Moment auf den anderen handzahm. Der 1860-München-Legionär ist kein Spieler, der Offensivzweikämpfe annimmt und funktioniert, wenn der Gegner tief steht und in der Gefahrenzone mannorientiert agiert. Dass die Schweden dies tun würden, war aber zu erwarten und so stellen sich zwei Fragen: Wieso nahm Koller darauf bei seiner Kaderauswahl keine Rücksicht? Und wieso sorgte er nicht für mehr Variabilität im Spiel, indem er statt Janko einen frischen Flügelspieler brachte und stattdessen einen der beiden Flügel Harnik und Arnautovic ins Sturmzentrum stellte?

Nicht gut gewechselt

Fragen, die sich Koller im Nachhinein wohl selbst stellt. Denn diesmal hat sich der Schweizer in einigen Personalfragen verkalkuliert. So zum Beispiel auch bei den anderen Wechseln. Der starke Junuzovic – egal, ob völlig platt oder nicht – hätte sich ruhig noch bis zum Schlusspfiff aufopfern dürfen, wurde aber nach 77 Minuten durch Leitgeb ersetzt. Und das obwohl Harnik ab der 60.Minute nur noch über den Platz schlich und auch Alabas Kondition nach und nach schlechter wurde. Aus bereits beschriebenen Gründen wäre auch frischer Wind auf den Außenverteidigerpositionen für die letzten Minuten kein Fehler gewesen. Und sei es nur, um die Schweden auch am Ende des Spiels weit in ihrer eigenen Hälfte zu binden und durch neue Flügelpärchen den letzten, womöglich entscheidenden Druck zu erzeugen. Klarerweise bringt es jetzt nichts mehr, um Minuten zu feilschen und die Verfassung jedes Spielers minütlich zu analysieren – aber fast alles, was Koller von der Bank bringen konnte, steht im krassen Kontrast zu dem Konzept, das er über die letzten Jahre umsetzte. Die Alternativen, die Österreich hatte, waren einer Klassemannschaft nicht würdig und so musste man gezwungenermaßen erfinderisch sein, was gegen die cleveren Schweden, die sich längst an die ÖFB-Elf gewöhnt hatten, nicht funktionierte.

Schweden mit Fortdauer immer stressfreier

Und so hatte Erik Hamréns Truppe kein Problem das 1:1 nach Hause zu spielen. Der schwedische Teamchef wechselte gar nur zweimal, sah keinen dringenden Anlass die Zentralachse oder den Defensivverbund noch mehr zuzumachen, weil Österreich durch die schwachen Flügelbindungen, einige völlig geschlauchte Spielern und der Zahnlosigkeit in der „Zone der Wahrheit“ ohnehin keine Akzente mehr setzen konnte.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Teamchef

    9.September.2014 #1 Author

    Klein als schwach zu bezeichnen ist nicht richtig. Er hat eine sehr ansprechende Leistung geboten, sowohl offensiv als auch defensiv (den Fehler beim Gegentor vorne weg genommen). Das Problem auf der rechten Seite war eher das Zusammenspiel von Klein und Harnik, als eine Einzelleistung. Auf der linken Seite war Fuchs eindeutig zu schwach, da stimme ich mit dem Bericht überein. Die Wechsel sind auch für mich nicht verständlich, so wäre mit Sabitzer ein guter Flügelstürmer verfügbar gewesen, der dem Angriff sehr gut getan hätte. Lazaro braucht noch ein paar Jahre, Leitgeb ist kein Spielmacher und Okotie hat unter dem Mangel an Zuspielen aus dem offensiven Mittelfeld gelitten.

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    • WunderkindHarri

      12.September.2014 #2 Author

      endlich versteht mal jemand den Sport.. Klein war nicht so schlecht wie hier behauptet wird! Weimann wäre wohl eine Alternative wenn er seine Form konservieren kann… nach seinem ersten Tor im Nationaldress würde sicher ein Knoten platzen

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  • hubert

    9.September.2014 #3 Author

    klein als totalausfall zu betrachten find ich mutig….

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  • Peter

    9.September.2014 #4 Author

    „Die Alternativen, die Österreich hatte, waren einer Klassemannschaft nicht würdig“

    Und wem sollte man das jetzt zum Vorwurf machen?
    Wir haben halt leider Gottes für Pferdelunge Junuzovic oder Target Man Janko keine Alternativen zur Verfügung, die deren Rollen halbwegs einnehmen könnten.

    Das hat aber nichts mit den Einberufungen zu tun, denn Weimann und Hosiner durften auch schon beweisen welche Lüfterl sie als Solospitze sind, jetzt wissen wir es eben auch von Okotie.
    Und Lazaro mit seinem Tempo und seinen starken Weitschüssen hielt ich gerade gegen Schweden für sehr viel geeigneter als Ivanschitz – das Problem war nur, dass Koller zum wiederholten Male viel zu spät wechselte.
    Ich hätte gerne schon ab der 60. Minute Lazaro und/oder Sabitzer gesehen, die noch einmal ordentlich Gas geben.

    Kollers Nibelungentreue mag ja seine Vorteile haben, aber gerade bei Almer und Fuchs (im Gegensatz zu Janko, weil da kein Ersatz in Sicht ist) kann ich das nicht mehr verstehen. Beide sind durch ihre fehlende Spielpraxis mehr als deutlich verunsichert und machen haarsträubende Fehler. Almer putzte mehrmals unbedrängt und völlig ohne Not aus, Hinteregger musste defensiv quasi für zwei spielen. Mit Özcan (Stammtorhüter beim 2. der 2. Deutschen Bundesliga) und Suttner (bzw. besser noch: einem fitten Ulmer) hätte man wahrlich bessere Alternativen zur Auswahl.

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    • dasCeh

      10.September.2014 #5 Author

      Die Alternativen auf besagten Positionen sind einfach nicht vorhanden – so ehrlich muss man sein… Lindner und Suttner sind ein Schatten ihrer selbst… Özcan hat sich im Team auch noch nicht als sicherer Rückhalt erwiesen und ist neben so mancher Glanzparade auch immer wieder für richtige wilde Aussetzer zu haben.

      Auf der Torwartposition ist momentan halt Almer der Beste mit österreichischem Pass… Warum Lindner noch bei der Austria ist, weiß wohl auch nur er… so tritt er auf der Stelle und wird sich nie wirklich durchsetzen im NT…
      Ebenso gibt’s zu Janko in Kollers System noch keine brauchbare Alternative… meiner Einschätzung nach wäre Zulj von Fürth der logische Kandidat, und man wird sehen, ob er sich in der 2. dt. BuLi und nach dem U21-Aus in Richtung NT entwickelt…
      Auf der LV Position sehe ich Fuchs als Nummer 2 (solange Suttner seine Unform aufrecht erhält)… die Nummer 1 ist Ulmer, doch der ist leider (zu) oft verletzt…

      So bleibt mein Fazit vom Montag aufrecht… die erste Elf ist ganz gut, zu einer wirklich starken Truppe fehlt ihnen aber noch einiges… Was von der Bank kam, ging völlig unter… Dass Koller Sabizer keine Chance gab (bzw. den im Beitrag angedachten Wechsel mit einer Spitze Harnik oder Arnautovic durchführte), nachdem man schon gesehen hat, dass es mit einer großen, dafür eher statischen Spitze gegen die schwedischen „Lackln“ (spätestens) ab der 60. Minuten überhaupt nicht mehr klappte, finde ich auch sehr schade… trotzdem war es ein ordentliches Spiel einer ganz passablen Mannschaft gegen eine Mannschaft, die das Potential auf den Gruppensieg haben sollte…

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