Dem ÖFB-Team ist die Revanche für die 1:2-Auswärtsniederlage in der Ukraine geglückt. Ein Doppelpack von Marko Arnautovic und ein frühes Freistoßtor von Zlatko Junuzovic...

Dem ÖFB-Team ist die Revanche für die 1:2-Auswärtsniederlage in der Ukraine geglückt. Ein Doppelpack von Marko Arnautovic und ein frühes Freistoßtor von Zlatko Junuzovic bescherten Marcel Koller beim Wiedersehen mit dem EM-Gastgeber den zweiten Sieg im zweiten Heimspiel als Teamchef. Lange Zeit führte man am Innsbrucker Tivoli mit 1:0 ehe der Zwischenstand innerhalb von zehn Minuten auf 2:2 hinaufgeschraubt wurde. Letztlich war es die individuelle Klasse des sonst spielerisch schwachen Arnautovic, der die österreichische Nation in der Nachspielzeit jubeln ließ.

Wie schon im ersten Heimspiel von Marcel Koller als ÖFB-Teamchef waren es auch am Freitagabend in erster Linie individuelle Faktoren, die für das Endergebnis verantwortlich waren. Die erste Halbzeit bot bis auf den Freistoßtreffer von Junuzovic in der dritten Spielminute wenig Spektakuläres und auch die beiden Treffer von Arnautovic sind vor allem auf Einzelaktionen, als auf gruppentaktische Aspekte zurückzuführen. Dennoch gab es durchaus interessante Dinge, die in diesem Artikel beleuchtet werden sollen.

Ersatzspieler erfüllten ihre Aufgaben gut

Nach einer langen Saison musste Koller auf einige Stammspieler verzichten. Torhüter Almer musste aufgrund einer Oberschenkelverletzung das Teamcamp verlassen, dafür gab Lindner sein Länderspieldebüt. Der junge Austria-Schlussmann blieb ohne Fehler und behielt auch bei riskanten Rückpässen die Ruhe, putzte konsequent aus. In der Innenverteidigung fehlte Pogatetz, für den wie angekündigt Scharner in die Startelf rückte. Auch der England-Legionär machte seine Sache im Großen und Ganzen gut, rückte aggressiv raus um seinen Gegenspieler bei der Ballannahme zu stören. Allerdings haperte es in manchen Situationen an der Abstimmung mit seinem Nebenmann Prödl. Außerdem suchte er oft den Vorwärtspass und drang, wenn es die Situation zuließ, mutig mit dem Ball am Fuß ins Mittelfeld vor, wo er diesen jedoch häufig vertändelte. Links spielte wie zuletzt Suttner, da Fuchs wegen Adduktoren- und Knieprobleme passen musste, in die offensive Dreierreihe kam für den ebenfalls verletzten Harnik Werder-Legionär Junuzovic. Folglich rutschte Arnautovic auf den rechten Flügel hinaus.

Verbessertes Pressing…

Der Biss und Willen dieses für viele unbedeutende Testspiel zu gewinnen war den Spielern von Anpfiff weg anzumerken. Dies ließ sich nicht nur an dem frühen Führungstor festmachen, sondern auch am energischen Pressing. War es gegen Finnland noch das Problem, dass wenn der Gegner hinter die erste Pressingwelle kam, er dort viel Platz hatte, bekam die ÖFB-Elf dieses Problem gegen die Ukraine besser in den Griff. Alaba und Baumgartlinger unterstützen ihre Vordermänner besser, rückten weiter auf wenn Junuzovic und Janko die Verteidiger anliefen. Wenn die Ukrainer weiter vorne den Ball hatten wurden sie von den österreichischen Sechsern selbst unter Druck gesetzt, wodurch viele Rückpässe erzwungen wurden. Eine hundertprozentig durchgeplante und einstudierte Strategie, zum Beispiel das Ziel zu haben den Gegner auf einer Seite einzukesseln, scheint es aber nicht gegeben zu haben – Ansätze waren dennoch sichtbar. Zudem konnte das österreichische Team das Pressing nicht die gesamte Zeit über effektiv ansetzen. Nach etwa 20 Minuten hatten die Ukrainer den Dreh heraus und umspielten es immer öfter. Zudem wurden die Abstände zwischen den Linien gegen Ende hin immer größer, wirkte das Zusammenwirken zwischen den offensiven Spielern und der Hintermannschaft nicht harmonisch – aufgrund diverser Umstellungen und der fortgeschrittenen Spielzeit aber auch verständlich.

…aber Unordnung unter Druck

Waren diese Linien in der Schlussphase wegen der auseinandergezogenen Formation gut erkennbar, musste man bei ukrainischen Drucksituationen rund um den österreichischen Strafraum schon sehr genau hinschauen um sie auszumachen. Yarmolenko und Konoplyanka, beides hervorragende Einzelspieler und Dribbler, sorgten mit Einzelaktionen für Verwirrung in der Defensive. Diese wirkte nervös und überhastet, dadurch ging Ordnung verloren. Anstatt zwei saubere und enge Viererreihen vor dem Sechzehner aufzuziehen und nach Überspielen der ersten ein geordnetes Rückwärtspressing zu praktizieren, fand man oft viele Akteure an der Strafraumgrenze aufgestellt, die hauptsächlich darauf bedacht waren irgendwie einen Fuß in einen möglichen Schuss zu bekommen. Auch beim 2:2 orientierten sich alle Defensivspieler an Yarlomenko am Flügel, während Gusev im Rückraum aufgrund des fehlenden Rückwärtspressings, vor allem von Ivanschitz und Alaba, immensen Platz hatte.

Wenig Breite, kaum Flanken – die Probleme im Spielaufbau

Ein weiterer verbesserungswürdiger Punkt ist das Verhalten den Außenspieler. Arnautovic klebte an der Linie, hatte häufig keine offene Stellung zum Spiel, wenn er sich den Ball von hinten holte blieb er mit Dribblings allerdings an Gegnern hängen oder produzierte Fehlpässe. Auf der anderen Seite rückte Ivanschitz zwar oft ein, Suttner hinterlief ihn aber zu selten. Nachdem der Spielaufbau zunächst in erster Linie über die rechte Seite lief, hätten die beiden auf der linken sogar noch mehr Platz gehabt, doch entweder kam der Wechselpass nicht an oder Suttner stand – trotz recht hoher Spielanlage – in den entscheidenden Momenten zu tief um den Raum dort zu nutzen. Desweiteren hielt sich Janko im Sturmzentrum zumeist auf der ballfernen Seite auf, was ein Indiz dafür sein könnte, dass er auf Flanken gewartet haben könnte. Da aber, wie bereits erwähnt, die Außenverteidiger offensiv zu verhalten agierten und die Flügelspieler mit dem Ball am Fuß nach innen zogen blieben Hereingaben aus. Besser wurde dies in der zweiten Halbzeit. Janko verschob öfter zum Ball und war zum Beispiel in der 51. Minute auch an einer hochkarätigen Torchance beteiligt. Er kam dem ballführenden Alaba entgegen spielte einen Doppelpass mit ihm, den Querpass donnerte Garics aber leider am linken Pfosten vorbei. Auch dem 2:1 ging ein Vorstoß eines Außenverteidigers voraus. Nach einer Kurzpass-Kombination mit Alaba und Junuzovic schickte Suttner den Bayern-Legionär, der dann auf Ivanschitz zurücklegte. Einen günstigen Pressball später landete das Leder bei Arnautovic, der trocken abschloss.

Fazit

Nach diesen Ausführungen mag vielleicht der Eindruck entstehen, dass das ÖFB-Team viele haarsträubende Fehler beging und einen unverdienten Sieg einfuhr, dem ist aber nicht so. Die Koller-Elf ließ kaum Chancen zu und auch die oben dargestellte Konstellation, dass man sie unkoordiniert am Strafraum wiederfand, hatte Seltenheitswert. Die Rot-Weiß-Roten ihrerseits hatten zudem noch die eine oder andere Möglichkeit um frühzeitig zu erhöhen, so strich ein Alaba-Schuss eine Viertelstunde vor Schluss nur knapp am Ziel vorbei. Weiters ließ Referee Zwayer weiterlaufen, als Prödl von Mykhalyk im Strafraum zu Fall gebracht wurde. Unterm Strich steht also ein durchaus verdienter Sieg, der vor allem deswegen Auftrieb geben sollte, da viele dieser sogenannten Schnittpartien in letzter Zeit nicht positiv zu Ende gespielt wurden.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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