Am kommenden Dienstag startet die österreichische Fußballnationalmannschaft in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. In der Gruppe C trifft das ÖFB-Team dabei... Vorschau: WM-Qualifikation | Österreich – Deutschland

Am kommenden Dienstag startet die österreichische Fußballnationalmannschaft in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. In der Gruppe C trifft das ÖFB-Team dabei auf die Färöer, Kasachstan, Irland, Schweden und Deutschland. Als erste Hürde wartet gleich die Auswahl unseres Nachbarstaates, die als großer Favorit auf den Gruppensieg gilt. abseits.at bietet eine Vorschau auf das anstehende Duell mit dem DFB-Team.

Am ersten Spieltag, an dem die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller spielfrei war, siegte Deutschland 3:0 gegen die Färöer, während Irland in Kasachstan einen Last-Minute-Erfolg feierte. In der AWD-Arena in Hannover hatte die aktuelle Nummer zwei der FIFA-Weltrangliste keine Probleme mit dem Außenseiter von den Schafsinseln. Dafür, dass es kein höherer Sieg wurde, war Färöer-Keeper Nielsen verantwortlich, der zahlreiche gefährliche Schüsse entschärfte.

Wie anfällig ist Deutschlands linke Seite?

Im Auftaktspiel musste DFB-Teamchef Joachim Löw kurzfristig auf Linksverteidiger Schmelzer verzichten, der sich den linken Fuß prellte, und ersetzte ihn durch Badstuber. Sollte der Außenverteidiger von Borussia Dortmund für das Spiel am Dienstag im Ernst-Happel-Stadion aber wieder fit sein, spielt er. Löw schenkt Schmelzer für die restlichen Länderspiele in diesem Jahr das Vertrauen und hofft, dass er das Loch links hinten schließen kann. Kurz vor der Europameisterschaft wurde dem 24-Jährigen nämlich der in Aussicht gestellte Platz weggenommen. Die Stärken des ehemaligen Außenstürmers liegen im athletischen Bereich. Im Verbund mit seinem mehr als annehmbaren Stellungsspiel macht ihn das zu einem der besten Außenverteidiger in der deutschen Bundesliga. In der Nationalmannschaft bringt er jedoch die vorhandenen PS nicht auf die Straße, was seine Seite zur Bruchstelle in der ansonsten ausgezeichnet besetzten deutschen Elf macht. Es wäre jedoch blauäugig zu denken die ÖFB-Kicker könnten diese vermeintliche Schachstelle im Vorbeigehen ausnutzen.

Schaltet man Deutschlands Flügelpiel aus?

Es ist zu erwarten, dass Deutschland versucht das Heft in die Hand zu nehmen, unter anderem auch deshalb um die defensive Anfälligkeit auf der linken Außenbahn einzudämmen. Im Angriffsbereich ist die Mannschaft erstklassig besetzt, so dass selbst Spielern wie Götze oder Podolski die Ersatzbank droht. Auf dem linken Flügel will Löw Youngster Reus forcieren, was aus österreichischer Sicht nicht zu begrüßen ist. Der Dortmunder kann seine Qualitäten auch auf engem Raum ausspielen, Podolski und mit Abstrichen auch Schürrle fehlen die dazu nötigen technischen Voraussetzungen. Gleiches gilt für Müller auf der rechten Seite. Verengt man die Räume, sind die Flügelspieler praktisch aus dem Spiel genommen. Auf Österreichs linker Seite ist daher die zuletzt ausprobierte Variante mit dem Pärchen Suttner und Fuchs durchaus denkbar. Auf der gegenüberliegenden Seite spricht, nachdem Harnik wohl als Stürmer aufgeboten wird, vieles für das Tandem Garics-Arnautovic. Hier wird es vor allem darauf ankommen wie gut Arnautovic seinen Hintermann gegen den umtriebigen Reus und den nachdrückenden Schmelzer unterstütze wird. Die letzten Entwicklungen zeigen aber, dass der Werder-Legionär bereit ist weite Wege zu gehen.

Wie gut isoliert man Deutschlands Zentrum?

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt im Spiel gegen den Ball wird sein, dass man Deutschlands zentrales Trio energisch anbohrt und ihm die Wirkung nimmt. Gegen die Färöer bot Löw Götze als zweiten Spielmacher neben Özil auf und sicherte die beiden mit nur einem Sechser, Real Madrids Khedira, ab. Diese Konstellation scheint gegen das ÖFB-Team jedoch unrealistisch – ebenso, dass mit Bender ein zweiter „Zerstörer“ nachrückt. Nachdem Schweinsteiger nicht im Aufgebot steht, beschränkt sich die Auswahl auf zwei Namen: Kroos und Gündogan. Letzterer entspricht dem verletzten Schweinsteiger vom Spielertyp her am meisten. Der Dortmunder kann sowohl das Spiel aus der Tiefe heraus aufbauen, als auch mit seiner Dynamik ins Angriffsdrittel durchbrechen. Gegen ihn spricht jedoch, dass er kaum Erfahrung im Teamdress hat und Kroos bisher der nominelle Ersatz für seinen Klubkollegen war.

Der 22-Jährige Bayern-Akteur war allerdings zuletzt angeschlagen und ist eher statisch veranlagt. Im tiefen Spielaufbau fühlt er sich unwohl, seine präzisen Schnittstellenpässe spielt er lieber eine Ebene höher. Nagelt man Kroos hinten fest, fehlt der DFB-Elf eine wichtige Schnittstelle zwischen Abwehr und Angriff. Aufgrund der oben erwähnten technischen Schwächen der Flügelspieler ist es essentiell das Spiel auf diese umzuleiten. Wie macht man das? Indem man das Zentrum extrem kompakt gestaltet und das Trio konsequent anläuft – Portugal hat es bei der EM vorgemacht. Umso mehr schmerzt hier der Ausfall von David Alaba, der mit seiner Spielintelligenz Passwege und Räume sehr gut zustellen kann. Für ihn könnte Kavlak neben Baumgartlinger auflaufen, was zusammen mit Junuzovic davor ein sehr laufstarkes Zentrum bedeuten würde – also genau das, was es braucht.

Wer bildet die Innenverteidigung?

Im Abwehrzentrum hat Koller auch nach der Suspendierung von Scharner ein breites Spektrum an qualitativ hochwertigen Spielern, so dass selbst aufstrebende Talente wie Dibon oder Reifeltshammer keinen Platz im Kader finden. Pogatetz punktet ebenso wie Schiemer mit seiner kompromisslosen und aufopferungsvollen Spielweise, Prödl mit seiner Zweikampfstärke und Dragovic bringt die modernsten Ansätze mit. Auf deutscher Seite kann man mit Klose als Solostürmer rechnen – also ein Spieler, der sehr viel unterwegs ist. Die halblinke Position dürfte an Pogatetz vergeben sein, der sein Spiel stets sachlich runterspult und große Erfahrungswerte mitbringt. Vakant ist die Position neben ihn. Prödl hat beispielsweise im Eröffnungsspiel der deutschen Bundesliga gegen Borussia Dortmund gezeigt, dass er mitspielenden Stürmern, trotz der landläufigen Meinung er sei hölzern und unbeweglich, die Stirn bieten kann. Der Steirer isolierte Lewandowksi gut und verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Die Schwächen Prödls liegen im Spielaufbau. Setzt Koller also auf Dragovic so könnte das implizieren, dass der Schweizer das eigene Spiel mehr forcieren und nicht nur auf jenes der Deutschen reagieren will.

Das Spiel selbst machen oder auf Konter lauern?

Dieses ist wohl die entscheidende Frage und wird den Spielverlauf prägen. Mit Alaba fehlt zwar ein enorm wichtiger Baustein im Spielaufbau, dennoch zeigte man in den letzten Spielen, dass neben ihm weitere technisch beschlagene Spieler im Kader stehen. Die Quoten an erfolgreich gespielten Pässe der Deutschland-Legionäre ist durchaus beeindruckend: Arnautovic 80%, Baumgartlinger 89%, Ivanschitz 79%, Junuzovic 82%. Löw hat angekündigt künftig das Pressing offensiver gestalten zu wollen, also den Gegner bereits früh anzulaufen. Das könnte ein Problem für das ÖFB-Team werden, denn in den bisherigen Begegnungen hatte man durchgängig Schwierigkeiten wenn die gegnerische Mannschaft früh attackierte. Ungenaue Zuspiele, Befreiungsschläge und Unkonzentriertheiten bei der Ballannahme  waren keine Seltenheit. Wichtig ist daher eine gesunde Balance zwischen den offensiven und defensiven Anforderungen zu finden. Eine klar defensiv ausgelegte linke Seite mag zwar die Gefahr auf ein Gegentor eindämmen, nach vorne hin wird sie aber weniger durchschlagskräftig sein. Hier bietet sich die Möglichkeit des Duos Fuchs-Ivanschitz an. Fuchs agiert unter Druck wohl gelassener als Suttner, im Gegenzug hat man mit Ivanschitz einen ballsicheren Spieler für den Spielaufbau zur Verfügung. Auch gegen den Ball könnte der zentralorientierte Burgenländer wichtig sein. Khedira nimmt mittlerweile aktiver am Spiel seiner Mannschaft teil, durch situatives Einrücken und Attackieren von Ivanschitz könnte man den Druck auf ihn erhöhen.

Abschließend bleibt nur mehr die Bemerkung, dass es keinen Grund gibt die Flinte vorzeitig ins Korn zu werfen. Unter Teamchef Koller ist eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen und mit der entsprechenden Leistung und Einstellung scheint auch ein ansprechendes Ergebnis in Reichweite. abseits.at wünscht dem ÖFB-Team alles Gute für die Qualifikation zur WM 2014.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem