Der Linzer ASK schlägt den SCR Altach in einem Sechspunktespiel mit 3:2 (1:1) und bringt sich selbst wieder ins Aufstiegsrennen. Dass bei den Altachern... Altach verliert Spitzenspiel, LASK aber zu abhängig von Einzelnen

Der Linzer ASK schlägt den SCR Altach in einem Sechspunktespiel mit 3:2 (1:1) und bringt sich selbst wieder ins Aufstiegsrennen. Dass bei den Altachern aber viele Dinge auf lange Sicht besser laufen werden, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Noch bevor in der Lavanttal-Arena das Spiel des WAC/St. Andrä gegen den FC Blau-Weiß Linz angepfiffen wurde, war das Spitzenspiel der 22. Runde der Heute-für-Morgen Erste Liga ein geladenes. Ob die Spieler dann kurz vor Anpfiff gewusst haben, dass die Kärntner mit 2:0 gewonnen hatten, ist nicht überliefert. Unter Druck war aber vor allem der LASK, der sich im Winter nochmals verstärkt hatte und mit sechs Punkten Rückstand die Mission „Wiederaufstieg“, die der SCR im dritten Jahr schaffen will, sofort bewerkstelligen möchte. Die Zuschauer blieben über weite Strecken von einem Grottenkick verschont. Der Führungstreffer durch Rafinha (21.) resultierte aus einem Tormannfehler, das 1:1 durch Christoph Schösswendter aus einem Eckball – Dennoch zeigten beide Teams in Durchgang eins einen gefälligen, wenn auch wenig konsequenten Offensivkick. In der zweiten Halbzeit war dann lange das Feuer draußen, anscheinend hatten nun doch alle das Ergebnis aus Wolfsberg vernommen. In der 70. Minute bediente Florian Hart Rafinha, den Torschützen zum 2:1, kurz darauf flog ein Rebound nach einem LASK-Corner in den Strafraum, Harald Unverdorben passte Millimeter im Abseits stehend auf Abwehrspieler Kevin Wimmer, der schob aus nicht einmal zehn Metern unbedrängt ein. Der Elfmetertreffer von Tomi (82.) resultierte aus der Vorarlberger Brechstange, die Coach Adi Hütter nach dem 3:1 in der 73. Minute ausgepackt hatte.

Heimteam im gewohnten System

Die Linzer liefen, ganz Walter Schachner, im biederen 4-4-2 auf. Über die Flügel sollten Neuzugang Silvio Junior rechts und Leonhard Kaufmann links für Flanken sorgen. Die Stürmer Hannes Aigner und Neuzugang Rafinha teilten sich den Angriffsraum, agierten als echte positionstreue Stürmer. Die Doppelsechs sollte die Bälle auf die Flanken verteilen, dahinter dirigierte Rene Aufhauser gemeinsam mit Goalie Thomas Mandl die Verteidigung. Im Herbst entpuppte sich dieses System zumeist als zu statisch,  die drei neuen Legionäre sollten für Impulse sorgen.

Altach breit gefächert

Das Auswärtsteam aus dem Ländle setzte auf ein 4-5-1. Besonders auffällig war, dass Philipp Netzer einen Box-to-Box-Mittelfeldspieler neben Routinier Petr Vorisek geben sollte. Die Offensiven vier mit Mirnel Sadovic statt Topscorer Tomi hatten die Aufgabe, möglichst schnell und flach in die sich bietenden Räume zu stoßen. Die Abwehr war eine echte Verteidigung und die Außenspieler Harun Erbek und Andreas Lienhart mieden die gegnerische Spielhälfte. Im Gegensatz zum LASK bevorzugte Adi Hütter ein schnelles Flachpassspiel, welches die offensiven Vier, dirigiert von Netzer, aufziehen sollten.

Tendenz rechte Flanke, Altach unkonzentriert

Die Linzer nahmen die Rolle des Heimteams an und rissen das Spiel in der Anfangsphase an sich. Als wunden Punkt hatten sie den Linksverteidiger Erbek ausgemacht, der sich sogleich in den ersten paar Aktionen gegen Silvio Junior überfordert zeigte. Dennoch blieben die Gäste im Zweikampf konsequent und zumeist nah am Mann, weswegen die erste Chance in der vierten Minute nur ein Schuss von knapp hinter Mittellinie war. Die Athletiker waren gezwungen, das Spiel durch Doppelpässe schnell zu machen, was dank der beiden Brasilianer auch gelang. In den Kontersituationen, die sich boten, blieb Altach allerdings zumeist zu überhastet. Noch dazu übten die Hausherren ein sehr intensives Pressing aus, was einen geordneten Spielaufbau von hinten heraus erschwerte. Aus einer dieser Situationen fiel dann das erste Tor. Netzer hatte halbhoch zu Kobras prallen lassen, Aigner konnte den Tormann unter Druck setzen und Rafinha verwertete den vom Schlussmann vertändelten Ball. Auch wenn der Goalie dabei „patschert“ aussah, war der Treffer doch ein Ergebnis des konsequenten LASK-Pressings. Dem Mittelfeldmann fehlten durch das Zustellen der Passabnehmer die Optionen, der Tormann war die einzige Alternative.

Das Problem der Altacher Spielanlage war, dass sich die Linzer bis zum Tor nicht weit herauslocken ließen und diese taten es danach noch weniger. Die Offensivspieler versuchten zwar ein Kombinationsspiel am Boden, wählten aber zu oft den sicheren Pass zur Seite oder nach hinten. Wenn Pässe in die Schnittstelle kamen, waren sie ungenau. Die Vorarlberger änderten die Ausrichtung und setzten daraufhin nach gut einer halben Stunde auf Standards, frei nach dem Motto „Wenn’s aus dem Spiel heraus nicht läuft, dann eben aus ruhenden Bällen“. Die Verteidigung der Linzer wurde angebohrt und dann traf Schösswendter auch zum 1:1 (37.). Der LASK hatte seine Kontersituationen, auf die gewartet wurde, zu leichtfertig verspielt. Bei einem Freistoß aus über vierzig Metern, den Vorisek an die Latte gesetzt hatte, wären die Schachner-Elf fast noch vor dem Pausentee für ihre Passivität nach dem Führungstreffer bestraft worden.

Taktische Langeweile in Durchgang zwei

Beide Teams kamen aufgrund des Spielstandes unverändert aus der Kabine. Philipp Netzer versuchte das Spiel zu ordnen, war überall auf dem Platz zu finden. Die Teams versuchten, schnell eine Führung zu erzielen, ließen das aber schnell wieder sein, da die Abwehrreihen gut eingeteilt waren. Der LASK spielte hohe Bälle nach vorne, weil eben Netzer sein Fünfermittelfeld gut einteilte. An Altachs Offensivspiel änderte sich wenig. Der Führungstreffer resultierte dann aus einer guten Einzelaktion des eingewechselten Harald Unverdorben. Hart konnte den Ball flach von rechts an den Fünfer spielen und der Ex-Altacher im schwarz-weißen Dress drängte seinen Gegenspieler ab, so dass Rafinha einschieben konnte. Der 30-jährige Stürmer hatte all seine Routine ausgespielt, bereitete kurz darauf das 3:1 durch Wimmer vor.

Hütter reagierte und brachte Tomi statt dem zentralen Offensivmann Hörmann. Die Altacher ließen aber den Spielfluss weiterhin vermissen, droschen die Kugel eher weit nach vorne, wo im Sinne der Brechstange fünf, sechs Abnehmer warteten. Die Linzer wiederum stellten zu, was zuzustellen war und verhinderten so Gefahr. Eigene Gegenangriffe waren selten, da nicht notwendig. Der Elfmeter, den Tomi mit Glück verwandelt hatte, blieb Ergebniskorrektur.

Fazit

Adi Hütters Team muss sich den Vorwurf machen, das, was seine Altacher oft im positiven Sinne ausmacht, zu wenig konsequent zu Ende gespielt zu haben. Die Unkonzentriertheit, die Laufwege und Pässe betraf, war zu hoch. Die Linzer wiederum profitierten von einigen Genieblitzen, die zu den Toren führten. Das biedere 4-4-2 würde dann Sinn machen, wenn sich Hamdemir und Cardozo mehr ins Spiel nach vorne einschalten würden. Ein Verlassen auf die individuelle Klasse der brasilianischen Neuzugänge wird zu wenig sein. So ist zu sagen, dass die Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Weiterspielen bei den Altachern besser sind, da, ganz modern, im Team gearbeitet wurde.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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