Knappe zwei Monate nach dem letzten Pflichtspiel in den heimischen Stadien, rollt endlich wieder das runde Leder! Den Anstoß zur neuen Saison 2019/20 gibt... Analyse: Austria gibt sich im Cup keine Blöße

Knappe zwei Monate nach dem letzten Pflichtspiel in den heimischen Stadien, rollt endlich wieder das runde Leder! Den Anstoß zur neuen Saison 2019/20 gibt dabei die erste Runde des Uniqua ÖFB-Cups, wo sich die heimischen Proficlubs gegen unterklassige Gegner behaupten müssen. So auch die Wiener Austria, die zum Auftakt nach Kärnten reisen musste und auf den ASKÖ Köttmannsdorf traf. Dabei wurde dieser Pflichtspielauftakt bereits herbeigesehnt, war es doch die erste Bewährungsprobe für den neuen Cheftrainer Christian Ilzer und dessen neu implementiertes System. Letztlich ließ die Austria nichts anbrennen und dem unterklassigen Gegner nicht den Hauch einer Chance.

Zwei Überraschungen in der Startelf

Nach der durchaus vielversprechenden Vorbereitung, in der man bereits die Handschrift des Trainers erkennen konnte, war man nun auch gespannt, welche Mannschaft Christian Ilzer auf das Spielfeld schicken würde. Im Tor bekam dabei etwa Ivan Lucic den Vorzug, der damit den Kampf um die Nummer Eins gegen Patrick Pentz für sich entschieden haben dürfte. Darüber hinaus gab es zwei weitere Überraschungen: Einerseits bekam auf der linken Halbposition im Mittelfeld etwa Dominik Prokop gegenüber Neuzugang Cavlan und Ebner den Vorzug, obwohl dieser sich in den Testspielen nicht unbedingt aufdrängte, andererseits rückte Stürmer Christoph Monschein prompt in die Startelf, nachdem er Teile der Vorbereitung aufgrund einer Handverletzung verpasste. Beim System gab es dagegen keinerlei Überraschungen und Ilzer schickte seine Mannschaft mit einem rautenförmigen 4-4-2 auf das Feld.

Wie versuchte der Kärntner Landesligist den großen Favoriten aus der Hauptstadt in Schach zu halten? Zunächst begann Köttmannsdorf mit einem 5-3-2, wobei man im Mittelfeld zunächst eine 2-1 Staffelung wählte. Damit wollte man den zentralen Aufbau der Austria spiegeln, die unter Ilzer mit den zwei Innenverteidigern und dem Ankersechser Jeggo davor ein Dreieck bilden. Dabei verlagerte man die Pressinglinie kurz nach der Mittellinie und formierte sich somit kompakt in der eigenen Hälfte. Man schob sogar recht mutig mit der letzten Linie immer wieder nach vorne und versuchte so, die Abstände kurz zu halten und den Raum so stark es geht zu verknappen. Doch nicht nur in diesem Punkt bewiesen die Kärntner durchaus Mut, auch im Spielaufbau drosch man nicht jeden Ball einfach blind nach vorne, sondern versuchte beispielsweise die Abstöße kurz auszuspielen und spielerische Lösungen gegen die Austria zu finden. Man feierte auch immerhin einige wenige Achtungserfolge und konnte sich zwei- bis dreimal spielerisch aus der Umklammerung der Violetten befreien.

Austria und das Ziel der absoluten Dominanz

Doch das sollten letztlich nur einige wenige gelungene Aktionen sein, denn die Austria ging seriös und fokussiert zu Werke. Den Defensivplan der Gastgeber brachten die Wiener schnell durcheinander und so traten die Kärntner mehr oder weniger den Rückzug an. Von Anfang an machte die Austria keinerlei Anstalten, vom Gas runterzugehen und man schnürte den Gegner regelrecht hinten ein. Das hing vor allem damit zusammen, dass die Austria oft mit sieben Spielern teils sehr hoch aufrückte und sich so in der gegnerischen Hälfte festsetze. Die beiden Außenverteidiger gaben dabei konstant Breite und besetzen die Flügel (wobei sie auch immer wieder in den Halbraum einrückten), während sich die anderen offensiven Spieler auf den anderen Positionen verteilten. Dabei war auch gut ersichtlich, dass sich die Truppe von Ilzer auf den Gegner vorbereitete und gezielte Schwachstellen anbohrte.

So drückten meist konstant vier Offensivspieler der Austria die letzte Linie und das Mittelfeld des Gegners nach hinten und band sie damit sehr tief, wodurch man für die Vorbereitung der eigenen Angriffe im zweiten Spielfelddrittel Raum schaffte. Der Startpunkt für die eigenen Angriffsbemühungen waren dabei meist die tiefen Halbräume, wo speziell Jeggo und Prokop das Heft in die Hand nahmen. Prokop holte sich sehr oft tief die Bälle ab, kippte teilweise hinter Martschinko ab und trieb dann den Ball mit Tempo und Dynamik nach vorne. Aber auch Jeggo entzog sich immer wieder der Bewachung seiner Gegenspieler im Zentrum und kippte in den linken Halbraum ab, wo er dann das Spielgerät nach vorne brachte. Dabei versuchte man vor allem diagonal die Formation des Gegners aufzubrechen und suchte auch oft die Verlagerung auf den ballfernen Achter, der dann Tempo auf die letzte Linie der Kärntner aufnehmen konnte.

Exemplarisch für diese Vorgehensweise war der 1:0-Führungstreffer der Austria, wo Jeggo in den linken Halbraum abkippte und sich das Spielgerät abholte, folglich einen schönen Diagonalball auf Serbest spielte, der dann technisch höchst anspruchsvoll den Ball auf Prokop prallen ließ und dieser dann per Distanzschuss zur Führung traf. Auch in weiterer Folge klappte dieses herausgearbeitete Muster ein ums andere Mal und die Austria kam immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor. Vor allem der starke Prokop war dabei das Um und Auf im Spiel der Violetten, denn der Mittelfeldspieler tauchte überall auf dem Feld als Kombinationspartner auf, brachte immer wieder Dynamik und Tempo in die Angriffe und war für den Gegner kaum zu bändigen. Im Verbund mit Kapitän Grünwald und dessen Direktheit und Gefährlichkeit im letzten Drittel, sowie auch den beiden ausweichenden Stürmern Edomwonyi und Monschein, brachte die Austria viel Wirbel und Trubel in die gegnerischen Defensivreihen, wodurch man sich Chancen im Minutentakt erspielte.

Dabei waren vor allem die Struktur und das Positionsspiel der Violetten durchaus beeindruckend und recht ausgereift. Man bot dem Mitspieler oft zwei bis drei Anspielstationen, rochierte viel untereinander und besetzte die Positionen konstant, wodurch man das Spielgerät sehr flüssig in den eigenen Reihen zirkulieren lassen konnte und immer eine Lösung fand. Speziell die Diagonalität im Spiel der Austria wusste zu überzeugen und man merkte, dass die Spieler die ausgedachten Angriffsmuster verinnerlichten und umzusetzen wollten. Immer wieder spielte man nach dem Muster „Tief spielen – Prallen lassen- Tief spielen“ und brachte so einige schöne Kombinationen und daraus resultierende Treffer zustande.

Gegenpressing gibt dem Gegner den Rest

Doch nicht nur die spielerische Linie der Austria wusste zu überzeugen, sondern auch die Intensität im Spiel gegen den Ball. Nach jedem Ballverlust setzten die Violetten sofort nach und umzingelten den Gegner mit mehreren Gegenspielern, wodurch die Kärntner kaum aus der eigenen Hälfte rauskamen, geschweige denn über mehrere Stationen den Ball laufen lassen konnten. Durch die gute Struktur im Positionsspiel der Austria, bekam man auch gleich Zugriff nach Ballverlust und hatte so die passende Absicherung immer parat. In diesem Punkt zeigt sich auch der Vorteil eines guten Positionsspiels, denn sowohl mit, als auch gegen den Ball ist man damit auf alles vorbereitet und der Übergang zwischen den einzelnen Phasen geht fließend vonstatten.

Mit dieser Intensität war der Kärntner Landesligist schlicht überfordert und konnte dem übermächtigen Gegner auch wenig entgegensetzen, wobei man vor allem aufgrund der Hitze körperlich immer mehr an die Grenzen stieß und sichtlich leiden musste. Die Austria erzielte Treffer um Treffer, vergab aber auch Chance um Chance, weshalb es letztlich „nur“ beim 9:0 Sieg der Wiener blieb. Beinahe hätten die Köttmannsdorfer quasi mit dem Schlusspfiff noch ein Erfolgserlebnis eingefahren, doch der Kapitän der Kärntner scheiterte mit einem Elfmeter an Austria-Keeper Lucic, der seine weiße Weste nicht hergeben wollte und die Null hielt.

Fazit

Zusammengefasst hat die Austria ihre Aufgabe gegen den Kärntner Landesligisten äußerst ernst genommen und daran in keinem Moment einen Zweifel gelassen. Von Anfang an brachte man eine hohe Intensität auf das Spielfeld, strahlte Spielfreude aus und gab bis zur vorletzten Minute Vollgas. Beeindruckend war dabei nicht nur die gute Struktur und das saubere Positionsspiel, mit dem die Austria agierte, sondern auch die Umsetzung und der Eifer der Spieler, die bis zum Schluss nicht aufhörten nach vorne zu spielen und hungrig nach weiteren Toren blieben. Auch das war bei der Austria schon mal anders und bei hochsommerlichen Temperaturen ist das nicht selbstverständlich, weshalb man auch in puncto Mentalität Fortschritte vernehmen kann, die Cheftrainer Christian Ilzer in die Mannschaft brachte.

Dennoch war es letztlich nur ein unterklassiger Verein und der erste Härtetest wartet am kommenden Wochenende, wenn es gegen Aufsteiger Wattens geht. Gegen die destruktiven Tiroler werden ähnliche Attribute gefragt sein und da muss die Austria dann beweisen, wie weit sie in der Entwicklung ist und ob man die Spielidee von Trainer Ilzer schon verinnerlicht hat. Mit einem Sieg in Tirol hätte man dann eine weitere Bestätigung und wäre gerüstet für die kommenden harten Wochen in der Meisterschaft und dem Europacup.

Dalibor Babic

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