Wie abseits.at bereits vor ein paar Tagen berichtete, kam die Lizenzverweigerung für den LASK für Insider nicht unerwartet. Martin Sigl von seit1908.at ist ein...

Wie abseits.at bereits vor ein paar Tagen berichtete, kam die Lizenzverweigerung für den LASK für Insider nicht unerwartet. Martin Sigl von seit1908.at ist ein Insider und findet im Gespräch deutliche Worte.

Die Lizenzierung wurde vom unbeliebten Präsidenten Peter Michael Reichel zur Chefsache erklärt. „Dass der LASK als einziger Profiklub in Österreich in die zweite Instanz geht, ist halt an Peinlichkeit nicht zu überbieten“, so Sigl. Unter dem medialen Druck veröffentlichen die Athletiker Zahlen, da möglicherweise ein falscher Eindruck über die Finanzen in der Öffentlichkeit entstanden ist“.  Werden für das Geschäftsjahr 2011/12 noch Kosten in der Höhe von 3,1 Million Euro veranschlagt, so sind für die folgende Spielzeit nur noch etwas mehr als 1,5 Millionen Euro budgetiert. Das negative Eigenkapital wird um ungefähr 300.000 Euro auf eine Million Euro am Ende der kommenden Saison gerechnet. Bei diesem Sparkurs wäre der LASK in gut drei Jahren schuldenfrei. Laola1.at bezweifelt allerdings eine weitgehende Gesundung, da Sponsorenverträge erhofft werden würden und noch gar nicht unterzeichnet sein sollen. Das dürfte laut Sigl auch mit ein Grund sein, warum es dem LASK finanziell trotz großen Potentials sehr schlecht geht: „Entweder Präsident Reichel hat Recht und der Senat der Bundesliga hat was gegen uns – was ich jedoch nicht glaube – oder aber die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind wirklich so drastisch. Wenn man sich die Entwicklung der letzten paar Jahre bei den Sponsoren ansieht, wäre zweitere Variante wahrscheinlicher.“ Immerhin dürfte in den eingereichten Unterlagen einiges unklar sein.

Eins zum anderen

Ein weiteres Problemfeld ist die Außendarstellung: „Dass der LASK massive Probleme mit den Finanzen hat, ist mehr als offensichtlich und das schon seit geraumer Zeit“, so der Insider, denn „wenn niemand mehr den Klub unterstützen möchte, ist das ja auch kein Wunder.“ Es ist eine sich nach unten drehende Spirale. Nach dem Einstieg der Investorengruppe rund um Reichel dauerte es sieben Jahre, bis der Verein 2007 zunächst wieder in die Bundesliga zurückkehren konnte. Doch die vielen Trainerwechsel und viele Verpflichtungen von teuren Routiniers auf der einen und ebenso teuren Legionären auf der anderen Seite fraßen Löcher in das Budget. Angesichts dessen stellt Sigl klar, dass „das Budget gekürzt werden ‚muss’, denn das scheint mir eigentlich plausibel, wenn ich mir die Gesamtsituation ansehe.“ Es ist wohl Reichel selbst zuzuschreiben, die sehr guten Möglichkeiten, die durch Politik und Wirtschaft geschaffen wurden, nicht genutzt zu haben. „Da gab es Vorfälle, die man nicht beschreiben kann – da wurde mit Personen, die diese Möglichkeiten geschaffen haben, verfahren, dass es einer Sau graust.“ Billig ausnutzen wollte das seit1908.at auch wieder nicht: „Wir sind kein Boulevardblatt, das dies breitgetreten hat – auch auf Wunsch der Betroffenen.“

Katharsis

Es gibt kaum ein besseres Wort als eine Reinigung, als die Situation bei vielen LASK-Fans – vor allem auch in der oberösterreichischen Wirtschaft und Politik – zu umschreiben. „Die Leute sehen einfach keine andere Möglichkeit mehr, als dass sie ‚ihren’ LASK quasi aushungern lassen“ so der Experte. Gespräche habe es mit dem Präsidenten gegeben, Investorengruppen standen bereits Gewehr bei Fuß. Aber Reichel, der mit kolportierten 835.000 Euro das Budget durch Kapitaleinlagen stützen soll, verlange einen zu hohen Preis: „Die verlangte Summe war aber – so haben wir es gehört – unverschämt.“ Darum sehe man zwei mögliche Szenarien: Entweder den LASK unter der gegenwärtigen Führung mehr oder weniger sterben zu lassen und im Unterhaus neu anzufangen – dieses Bild zeichnete Reichel vor einem Jahr schon selbst und wischte es als „Scherz“ beiseite. Oder er würde zurücktreten und „der Klub von Wirtschaft und Politik sicher wieder besser gestützt werden.“

Bereitschaft zu kämpfen

Sigl stellt klar, dass die Fans nach wie vor hinter dem Verein stünden: „Bei all dem berechtigten Unmut der bei den Fans herrscht und den wir natürlich auch teilen, sind wir trotzdem alle Fans des LASK!“ Aber: „der Verein hat in all den Jahren kaum einen Deut auf die Fans gehalten. Es besteht keine gesunde Basis, sowie auch keine Verbindung zwischen den Fans und der ‚Firma LASK’“. Der Schlüssel zu einem neuen LASK, der sein Fanpotential auch wirklich ausschöpfen kann, liegt in den 835.000 Euro, den „Rangrücktrittserklärungen“. Die Familie Reichel bekommt die Summe erst dann zurück, wenn kein negatives Eigenkapital mehr vorhanden ist. Sprich: Bis die eine Million plus die Investition von Reichel abbezahlt wären, würde es bei der derzeit angedachten Reduzierung der Schulden mit jährlich 300.000 Euro noch gut sechs bis sieben Jahre dauern, ehe der Einfluss des Präsidenten zu Ende gegangen sein wird.

Die Rechnung ist einfach: Erst wenn das negative Eigenkapital weg ist, kann auch Reichel gehen. Wer mit dieser Summe in einem Verein steckt, hatte möglicherweise gute Gründe, sie zu investieren. Sie aber nicht mehr wieder zu bekommen, erscheint töricht. Der LASK befindet sich im finanziellen Teufelskreis.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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