Der ÖFB steht dieser Tag stark in der Kritik aufgrund der eher zähen Vorgehensweise bei der Teamchefsuche. Dabei gerät nahezu in Vergessenheit, dass es... Die Vermarktung des ÖFB-Cups: Ein typisch österreichisches Fußballdrama

Der ÖFB steht dieser Tag stark in der Kritik aufgrund der eher zähen Vorgehensweise bei der Teamchefsuche. Dabei gerät nahezu in Vergessenheit, dass es nicht nur das Nationalteam gibt, sondern der Verband auch für die Abhaltung des nationalen Pokalbewerbs verantwortlich ist, wo jüngst die zweite Hauptrunde absolviert wurde. Doch auch hier kann man über den ÖFB keine lobenden Worte verlieren, denn die Vermarktung des Bewerbs ist nach wie vor mehr als nur mangelhaft.

Sonntag 24:00 Uhr, Mittwoch 0:35 Uhr. Wer sich für die Zusammenfassungen des ÖFB Cups interessiert, muss zu diesen nicht geraden prominenten Uhrzeiten den Fernseher einschalten, um dann erst recht nicht die Highlights aller Spiele sehen zu können. Die erste Runde des Cups wurde heuer im Rahmen des Sportbilds abgehandelt, die zweite zur Geisterstunde in ganzen 14 Minuten und vor 63.000 hart gesottenen Zuschauern, die aber auch nicht in den Genuss aller stattgefundener Spiele kamen, so fiel etwa Mattersburgs Pleite im Elfmeterschießen bei den Red Bull Juniors durch den Rost – warum auch immer.

Weiz – Sturm zeitversetzt…

Ein Livespiel gab es in der ersten Runde gleich gar nicht, in der zweiten war immerhin das Duell zwischen der Admira und Parndorf auf ORF Sport+ zu sehen, weiters Weiz – Sturm Graz (Beginn 19:00 Uhr) zeitversetzt um 20:15 Uhr geplant. Aus 20:15 Uhr wurde wegen einer auf TW1 übertragenen Parlamentssitzung jedoch schlussendlich 23:07 Uhr, was noch ganze 4.000 Zuschauer vor den Bildschirm lockte.

ÖFB sorgt nicht für Professionalität

Will man Highlights aller Spiele sehen, muss man sich schon auf eine Ochsentour über die Webseiten diverser regionaler Zeitungen und die Homepages der Vereine selbst begeben, die teils in Eigenregie für bewegte Bilder sorgen. Dass dies dann auf maximal semiprofessionellem Niveau geschieht muss in Kauf genommen werden und wird hier auch nicht als Vorwurf formuliert, denn für eine ordentliche Abwicklung der Produktion sollte der ÖFB sorgen, der dieser Aufgabe jedoch nicht nachkommt.

Existiert ein TV-Vertrag?

Wer ist nun zuständig für das jämmerliche Bild, das der Cup in den Medien abgibt?
Für die Vermarktung der Fernsehrechte zeichnet die Agentur Sporteo verantwortlich. Jedoch ist es für die Öffentlichkeit (im Gegensatz zu den Bundesligarechten) völlig unklar, ob bezüglich des Cups überhaupt eine Art TV-Vertrag existiert, wie lange dieser läuft und wie hoch die Summen sind, die der ÖFB daraus lukriert.

Wie am Bazar

Der ORF hat allem Anschein nach ein Erstwahlrecht und kann sich somit pro Runde ein Livespiel aussuchen, alles andere läuft dann wie am Bazar ab, so dass Sporteo etwa in der letzten Saison das Spiel zwischen den Austria Amateuren und Rapid an Puls4 verkaufen konnte, das Viertelfinale zwischen Ried und Sturm war hingegen bei ATV zu sehen.

Landesverband griff ein

Dieser nicht gerade professionelle Zugang hat jedoch den gewaltigen Nachteil, dass keinerlei vertragliche Verpflichtungen bestehen (wenn man davon absieht, dass der ORF offenbar ab der zweiten Runde ein Spiel zeigt), denn so wäre um ein Haar das Semifinale zwischen Kapfenberg und Austria Lustenau gar nicht zu sehen gewesen. Den Privatsendern war es zu unattraktiv und der ORF entschied sich erst wenige Tage vor der Partie, es auf Sport+ zu zeigen – der Intervention des Landestudios Vorarlberg sei Dank.

„Verhabertes“ Business-Verhältnis

Ein weiteres Problem ist die ganz offensichtlich amikale Beziehung zwischen ÖFB und ORF. Man tut sich nicht gerne weh, wie man immer wieder bei Herbert Prohaskas „Analysen“ zum Nationalteam erfahren muss, im Gegenzug gibt es dann TV-Rechte ohne Ausschreibung, wie jene zu allen Nationalmannschaften bis inklusive 2013. Dass die immer stärker werdenden und dem ORF Zuschauer und Werbeeinnahmen raubenden Privatsender auf so eine Vorgehensweise nicht gerade erfreut reagieren ist wenig überraschend. Puls 4 teilte zum Beispiel mit, man sei künftig nicht daran interessiert, Spiele des Cups zu zeigen, da der Verband es nicht einmal für notwenig hält, die Nationalteamrechte auszuschreiben, sondern diese direkt an den ORF vergibt.

Rundherum kreieren

Wie kann nun ein Weg aus der aktuellen Situation gefunden werden? Man darf nicht so vermessen sein und von einer Regelung wie in Deutschland träumen, wo Sky sämtliche Pokalspiele live überträgt (dies aber wohl auch nicht mehr lange, da finanziell nicht rentabel). Jedoch wäre eine Inszenierung der Spiele wie bei ARD und ZDF mehr als wünschenswert und würde den Zuschauer von der derzeitigen Wurschtelei befreien. Dazu würde auch eine Sendung mit Highlights gehören, die nicht zu nachtschlafender Stunde ausgestrahlt wird und auch wirklich alle Spiele beinhaltet. Gerade der Cup bietet mit Spielen David gegen Goliath so viele Möglichkeiten, um ein spannendes Rundherum zu kreieren.

Fünf mögliche Abnehmer

Der ÖFB wäre gut beraten, den Bewerb möglichst breit aufzustellen, das heißt mehrere Sender an den Spielen partizipieren zu lassen, wie das ansatzweise bisher schon gelungen ist. Aktuell gibt es mit dem ORF, ATV, Puls 4, Servus TV und Sky fünf Anstalten, die Interesse an Sportübertragungen haben. Allerdings sollten die allfälligen Vereinbarungen auch vertraglich festgehalten werden, so dass man nicht wieder darum bangen muss, ob ein Semifinale übertragen wird. Anbieten würde sich hier beispielsweise eine Ausschreibung unterschiedlicher Rechtepakete, aus denen die Sender dann je nach Interesse wählen können. Auch eine bessere Aufstellung der Onlinerechte ist dringend notwendig, derzeit gibt es nicht einmal einen offiziellen Liveticker.

Spinnweben in der ÖFB-Struktur

Kennt man jedoch die Vorgänge im ÖFB und die (seit Jahrzehnten) dort handelnden Personen, die sich geistig noch im Medienzeitalter der 1980er befinden, kann man davon ausgehen, dass sich kaum etwas zum Besseren wenden wird und man weiterhin auf die dürftigen Übertragungen und ein paar Highlightschnipsel angewiesen sein wird. Etwas Hoffnung gibt hier der neue Cupsponsor Samsung, der zweifelsfrei als medienaffin angesehen werden muss und über die derzeitige Aufbereitung des Bewerbs wohl auch nicht gerade erbaut sein wird – Stichwort Werbewert.

Sich auflehnende Vereine notwendig

Aber auch die Vereine darf man keineswegs aus der Pflicht nehmen, profitieren doch sie von einer besseren Vermarktung. Warum hier seitens der Clubs nicht mehr Druck auf den Verband ausgeübt wird, ist nicht wirklich verständlich. Auch wenn es an der Bundesliga selbst viel zu kritisieren gibt, so hat sie es zumindest geschafft, dass selbst aus der Ersten Liga jedes Spiel live übertragen wird und sei es Grödig gegen Hartberg. Davon ist der ÖFB Lichtjahre entfernt.

OoK_PS, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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