…das ist der WSC, das ist der WSC! Kennen sie nicht? Schade, denn der heute kleine Verein aus Dornbach gehörte vor allem in den... Dornbach – Asozial und kein Geld im Portemonnaie…

…das ist der WSC, das ist der WSC! Kennen sie nicht? Schade, denn der heute kleine Verein aus Dornbach gehörte vor allem in den 50er Jahren zum Besten, was der österreichische Fußball zu bieten hatte. 1958 und 59 wurde man mit nur 11 Remis und einer Niederlage bei 43 Siegen zwei Mal Meister. Auch das legendäre 7:0 gegen Juventus Turin fiel in diese Zeit.

SPORTLICHER NIEDERGANG

Um die heutigen Verhältnisse beim ehemaligen Arbeiterverein aus Hernals zu verstehen, muss man sich durch ein Wirrwarr an Auf- und Abstockungen der Bundesliga quälen, trifft auf einen versuchten Zusammenschluss mit dem Erzfeind Rapid Ende der 70er und eine windige Fusion mit dem SV Gerasdorf 1994, ein blindes Vertrauen gegenüber einem Geschäftsmann, welcher in einem weiteren Konkurs 1998 endete sowie der Abspaltung der 1907 gegründeten Fußballsektion als „Wiener Sportklub“ in der Spielzeit 2002 um einen der wenigen Allroundsportvereine Österreichs zu retten, sowie auf den Namen Herbert Dvoracek, den derzeitigen Mäzen der Vienna. Es kam so weit, dass die Fans sich um das Waschen der Dressen kümmern mussten, oder – so wie jetzt – um das Säubern der Tribüne. Denn es gibt für die Schwarz-Weißen aus Dornbach, die die letzte Spielzeit auf dem 6. Platz der Regionalliga Ost beendeten, nur noch eine Chance – die Rückführung des Wiener Sportklubs in den Wiener Sportclub.

RECHNEN IN HERNALS

In Mathematik haben einige Funktionäre in den letzten Jahrzehnten wohl leider nicht so gut aufgepasst, weil finanziell liegt der Verein brach. Um eine Rückführung in den WSC zu ermöglichen, wurde bereits einiges getan – von Fanseite gab es die Initiative „Come together – Kommt’s zam“, auf Funktionärsebene wurden Eitelkeiten, die eine Zusammenarbeit lange verunmöglichten, ausgeräumt. Die Spieler, allen voran die Publikumslieblinge Ingomar Szabo, Sertan Günes, Marco Perez und Michael Harrauer, müssen mit finanziellen Einbußen rechnen. Angeblich wurde auch angeboten, die Stelle des Zeugwartes von Spielern übernehmen zu lassen, damit gespart wird. Alles, damit die Fußballer wieder mit einem C statt einem K spielen. Nur so sieht man für den Verein eine Zukunft. Doch wie soll diese aussehen?

EIN GUTER MARKETING-SCHMÄH?

Der Sportklub ist ein Zuschauermagnet, meist tummeln sich 1500 bis 2000 Fans bei den Heimspielen, bis ins tiefste Burgenland folgen Hunderte ihrer „Liebschaft aus Hernals“. Genau darin liegt das Potential des Wiener Sportklubs: Die Fans. Während in Hütteldorf und Favoriten Chaoten die Vereine in Misskredit bringen, ist das Fantum in Dornbach ein anderes. Geht man zu dem Verein, weiß man, dass dieser positiven, kreativen Support im Stile des Mutterlandes des Fußballs bringt, dass Gegnerbeschimpfung verpönt ist und, dass Gewalt, Rassismus, Homophobie und Faschismus striktest abgelehnt werden. Während größere Unternehmen aufgrund der Negativschlagzeilen in Österreichs höchster Spielklasse sich Engagements mitunter zwei Mal überlegen, hätte ein Unternehmen in Dornbach die Chance, einen unglaublich positiven Werbepartner zu haben.

LESETIPPS FÜR VORSTÄNDE

Fußball ist ein Fest, das Menschen verbindet. Groundhopper aus aller Herren Länder bestaunen genau diese Atmosphäre auf Wiens ältestem Ground – immerhin wird hier seit 1904 durchgehend auf das runde Leder eingetreten. Ein honoriges Kuratorium um Altbundeskanzler Franz Vranitzky und die Bezirksvorsteher der Bezirke 16 und 17 kümmert sich seit Kurzen um die Renovierung des Platzes. Genau diese Atmosphäre würde sich mehr Relevanz in Fußballösterreich verdienen. Doch den Entscheidungsträgern fehlt es an den nötigen Visionen, um den Sportclub aus dem Dornröschenschlaf wach zu küssen. Die Nummer 4 in Wien verfügt über eine ausgezeichnete Nachwuchsarbeit, die den Verein finanziell mehr als sanieren könnte. Leider kann das vorhandene, unbestrittene Potential nicht ausreichend genutzt werden, da die Kicker individuell in der Regionalliga nicht genug gefordert werden. Zwar kann man Entschuldung und Spielbetrieb über Kleinsponsoren und zwei große Partner vorantreiben, um dem Ziel „First Division“, also zweithöchste Spielklasse, nahe zu kommen, braucht es aber Ambitionen, potente Werbepartner und dann wohl auch etwas Glück.
In Dornbach muss also endlich mit der Träumerei von vergangenen Triumphen aufgehört werden. Erst wenn man sich an einen Tisch setzt, die Köpfe zusammensteckt und einen großen Plan formuliert, kann man mit einem Aufstieg in die Heute-für-morgen-Erste-Liga und dem damit verbundenen Bezahlfußball die Basis für neue Erfolge legen. Damit die Schlüsselbünde bald wieder im ORF die Standardsituationen einklingeln und ein bisschen auch, damit die Friedhofstribüne wieder singen kann „Und die Vienna ist mal wieder hinter uns…“

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen