Bei kaum einem anderen Klub werden Fans wegen einer Serie von missglückten Spielen, Verfehlungen in der Personalpolitik oder sonstigen peripheren Problemen so schnell nervös... Fankurve | Rapid – Verein nur für Übergeduldige

Bei kaum einem anderen Klub werden Fans wegen einer Serie von missglückten Spielen, Verfehlungen in der Personalpolitik oder sonstigen peripheren Problemen so schnell nervös wie bei Rapid. Im Austrian Soccer Board, Österreichs größtem Fußballforum, wird jeder einzelne Aspekt des Vereins Rapid penibelst von den Fans auseinander genommen. Der User „holybatman“, selbst ein etwas routinierterer Fan des Rekordmeisters, versucht die Gesamtsituation bei Österreichs ungeduldigstem Verein auf den Punkt zu bringen:

Wenn man sich hier im Forum die Suderei samt ihren Akteuren so ansieht, kommt man auf einen positiven Punkt. Nämlich dass scheinbar die Zeit gekommen ist, wo sich die Spreu vom Weizen trennen wird und all jene, die Rapid als eine Art Event sehen, sich wieder anderen „coolen“ Dingen zuwenden werden.

Und als Ergebnis dieses natürlichen „Reinigungsprozesses“ blieben all jene über, denen der Verein wirklich am Herzen liegt und die die Situation, in der wir uns in Wahrheit schon seit Jahrzehnten befinden, realistisch sehen können.

Kurz zusammen gefasst: es gibt viele „Fans“ (nicht nur im Austrian Soccer Board), die jedes Jahr einen Titel sehen wollen und die bereits enttäuscht sind, wenn wir nicht jedes Jahr zumindest die Gruppenphase der Europa League erreichen.

All jenen sei ins Stammbuch geschrieben, dass sie sich einmal ein wenig mit der jüngeren Vergangenheit (also meinetwegen die letzten 20 Jahre) auseinander setzen sollten.
Ein Blick ins „Rapidarchiv“ wird nämlich verraten, dass dieses ständige Up and Down unser ständiger Begleiter über Dekaden ist.
Dann sollte man sich auch ein wenig vor Augen führen, dass verschiedene Entwicklungen im europäischen Fussball dafür sorgen, dass ein Verein aus einem Fussballentwicklungsland (und als solches muss man Österreich seit einigen Jahren auch ohne jegliche Polemik sehen) eben gezwungen ist, kleine Brötchen zu backen.

Ab und an passiert es, dass sich in Österreich ein Gönner für einen Verein findet und dieser Verein dann für österreichische Verhältnisse die Liga dominiert.
Da dieser Weg aber nicht nur von unserem Präsidenten, sondern auch von einem Großteil der Anhänger nicht gewünscht ist, muss man sich eben der Realität stellen.

Und die sieht so aus, dass wir eben ab und an das Glück haben, einen Ausnahmefußballer in Hütteldorf für kurze Zeit bewundern zu können. Und wir eben alle paar Jahre das Glück haben, über eine funktionierende Mannschaft zu verfügen, die dann einen Titel zu holen in der Lage ist.

Nur als Erinnerung an all jene, die aufgrund ihres Alters noch nicht die Möglichkeit hatten, Rapid über einen längeren Zeitraum – und damit meine ich NICHT drei oder vier Jahre – verfolgen zu können:

Wir haben es im Laufe unserer Geschichte zweimal geschafft, in ein Europacupfinale zu kommen. Und jedesmal wurde die erfolgreiche Mannschaft im Jahr darauf einem Ausverkauf unterzogen. Einem Ausverkauf, der einfach nicht aufzuhalten war, da der Erfolg eben finanziell potentere Vereine hellhörig gemacht hat.

Und unabhängig davon, dass wir von solchen Erfolgen eben zumeist nur träumen können, waren die Vorzeiichen in den 80er und 90er Jahren auch in Europa noch andere und kleinere Vereine hatten es ein wenig leichter, sich international zu etablieren (drei statt wie nun zwei Bewerbe, kleineres Teilnehmerfeld, etc.)

Und auch das Spielermaterial, dass wir damals zur Verfügung hatten, war von vornherein keineswegs als so qualitativ hochwertig anzusehen, als dass man einen internationalen Erfolg vorhersehen musste.

Denn Spieler wie Kühbauer, Stöger, Jancker, Stumpf (in den 90ern) oder Brucic, Kranjcar (in den 80ern) wurden damals bei ihrer Verpflichtung genauso argwöhnisch betrachtet, wie es sich heute bei einem Hoffer, Maierhofer, Korkmaz, Jelavic oder Boskovic gestaltet hat.

Dazu als Erinnerung: Stöger kam aus Innsbruck und nicht nur die Medien fragten sich damals, was das soll, dass man zum Spielgestalter Kühbauer noch einen Spielmacher holt. Damals wurde spekuliert, dass man Kühbauer eventuell loswerden will, denn Kühbuaer UND Stöger kann doch niemals funktionieren.

Und wenig charmant wurde auch gefragt, was man denn mit einem hölzernen Piefke will, der außer groß nichts ist. Und dann holt man einen „Büffel“ aus Linz dazu, der genauso mit dem Ball per Sie ist.

Der Rest ist Geschichte und genannte Spieler sind heute Hütteldorfer Legenden …….

Ich darf zum Abschluss noch eine Statistik bemühen, die unseren „jüngeren Fans“ ein wenig die Augen öffnen sollte:

In der Nachkriegszeit, also seit 1955 holte Rapid in 56 ausgespielten Meisterschaften 13 (!!!) Titel. Und dabei gab es zwischendurch – zwischen 1967/68 und 1981/82 einmal eine „Wartezeit“ von 14 (!!!) Jahren.

Mich würde interessieren, was die geschätzten User, die sich jetzt so groß aufplustern, damals gemacht hätten. Selbstmord mit Anlauf? Fliegender Wechsel des Fandaseins von Rapid zu Innsbruck oder auf den Verteilerkreis? Oder gar Wechsel der Sportart von Fussball zur rhythmischen Sportgymnastik?

Deshalb also mein Tipp und vor allem meine BITTE an all die vielen Ungeduldigen da draussen im Universum:
Werdet euch bewußt, für welchen Verein ihr euch entschieden habt und versucht einfach nur, ein wenig objektiv zu sein. Sudern und fluchen und toben kann man im Spätherbst auch noch. Und selbst, wenn sich bis dahin noch kein großartiger sportlicher Erfolg eingestellt hat, so ist trotzdem Geduld gefragt.

Denn selbst die Jahrhundertmannschaften von 1985/86 oder 1996 wurden nicht wahllos zusammengekauft, sondern brauchten auch ihre Zeit, sich zu finden.

„holybatman“, abseits.at/austriansoccerboard.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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