Im Rahmen unseres Fan-Interviews „Das ASB trifft“, das im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußball-Community stattfindet, beantwortete der Ersatz-Kapitän der Vienna, Jochen Fallmann, die... Jochen Fallmann im Interview: „Ich war immer davon überzeugt, dass die Vienna der richtige Schritt war und ist“

Im Rahmen unseres Fan-Interviews „Das ASB trifft“, das im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußball-Community stattfindet, beantwortete der Ersatz-Kapitän der Vienna, Jochen Fallmann, die Fragen der Fans. Der 33-jährige Routiner spricht über den „Herbst seiner Spielerkarriere“, St.Pölten, den LASK, Unterschiede zwischen Trainern und vieles mehr!

Zeugwart: Warum hat es Jochen Fallmann ausgerechnet zu der Vienna verschlagen und was ist sein Fazit nach einer halben Saison?

Fallmann: Die Vienna ist ein Traditionsverein und spielt in der zweithöchsten Liga, was vom sportlichen Niveau her sehr interessant ist. Das Fazit der ersten paar Monate: nach einem schwierigen Start haben wir eigentlich das Optimum aus der Halbrunde herausgeholt.

Marini: Auf mich ist der Eindruck entstanden, dass es im Team einen starken Zusammenhalt gibt. Wie siehst du das?

Fallmann: Ich glaube schon, dass man am Spielfeld sieht, dass wir eine Einheit geworden sind und das ist auch der Grund, weshalb wir auf Platz 8 überwintern. Aber wenn wir noch länger zusammenspielen, ist in punkto Zusammenhalt und gegenseitigem Vertrauen sicher noch einiges möglich.

Marini: Du hast einen Einjahresvertrag bei der Vienna unterschrieben. Wie stehen die Chancen, dass du auch nächste Saison noch in Döbling spielst?

Fallmann: Das muss man sich anschauen. Wenn es für beide Seiten passt, kann ich mir das durchaus vorstellen. Aber da ich schon im Herbst meiner Spielerkarriere bin, kann man sich das auch eher kurzfristig anschauen, da ist kein Stress.

Marini: Welchem von den jungen Spielern der Vienna-Amas, die zur Kampfmannschaft gestoßen sind würdest du am ehesten den Durchbruch (zB Wechsel in die Bundesliga) zutrauen?

Fallmann: Einen Durchbruch jetzt schon vorauszusagen ist schwierig. Beeindruckt hat mich Toni Berisha, der beinahe mitten in der Saison, nach einem Training mit der Mannschaft, plötzlich neben mir gespielt hat. Und wie er das gespielt hat, seine natürliche Art und sein Auftreten können ihm durchaus weiterhelfen.

Marini: Du hast bereits die UEFA A-Lizenz. Deutet das darauf hin, dass du schon langsam an ein Karriereende als Aktiver denkst, oder stehst du noch voll im Saft?

Fallmann: Ich glaub schon, dass ich noch voll im Saft stehe, aber ich habe die Lizenz schon seit 2008 und da einfach schon früh vorgesorgt, damit ein nahtloser Wechsel ins Trainergeschäft zumindest von dem her möglich sein kann. Außerdem ist es auch für einen Spieler in vielerlei Hinsicht hilfreich, wenn man ein breites Fachwissen hat, von dem man am Feld profitiert.

Marini: Wohnst du noch in St Pölten oder bist du mit dem Wechsel zur Vienna nach Wien übersiedelt?

Fallmann: Nein, ich wohne noch in St. Pölten.

Marini: Du hast bei St Pölten parallel zu deiner Rolle als Kapitän auch den U12-Nachwuchs trainiert. Gehst du dieser Tätigkeit noch nach?

Fallmann: Nein, geht sich zeitlich nicht mehr aus.

Luis Enrique: Du wirst ja in der letzten Saison mitbekommen haben, dass es bei der Vienna finanzielle Schwierigkeiten gibt und die Spieler nicht immer rechtzeitig ihr Gehalt bekommen haben. War das für dich nicht abschreckend vor deiner Vertragsunterzeichnung?

Fallmann: Nein, war für mich nicht abschreckend.

Michel: Bekommst du, oder besser gesagt die ganze Mannschaft, pünktlich das Geld?

Fallmann: Ich habe mein Geld immer pünktlich bekommen.

Michel: Hast du immer die Position gespielt wie jetzt oder wolltest du wie jeder Kicker Stürmer werden?

Fallmann: Im Nachwuchs spielt man alle Positionen, aber seitdem ich im Profibereich bin, ist meine Stammposition das zentrale Mittelfeld.

Michel: Wann warst du das erste Mal im Stadion auf der Hohen Warte?

Fallmann: Das muss Ende der 90er-Jahre gewesen sein, als ich mit der Admira gegen die Vienna gespielt habe.

Luis Enrique: Welche Unterschiede, z.B. hinsichtlich Training, Taktik oder Motivierung, siehst du zwischen Trainer Tatar und Trainer Scherb?

Fallmann: Ich glaube, dass Trainer Tatar sachlich, fachlich und analytisch ein absoluter Fachmann ist, und das in absolut jedem Training und bei wirklich jedem Wort, das er an uns richtet, auch beweist. Im Unterschied zu Scherb.

Luis Enrique: Nehmt ihr als Spieler wahr und ist es Thema bei euch, dass euch euer Trainer über die Medien – z.B. mit Aussagen wie „Mit dieser Mannschaft ist der Klassenerhalt nicht zu schaffen“, „Ein Sieg gegen Horn gleicht einem Wunder“ oder „Für St.Pölten wäre es eine Schande nicht gegen die Vienna zu gewinnen“ – regelmäßig die Qualität für diese Liga abspricht? Ist das deprimierend, schweißt euch das als Team zusammen und motiviert euch dem Trainer das Gegenteil zu beweisen, oder teilst du gar seine Ansicht? Anmerken möchte ich dazu, dass der Kader wohl unbestritten zu klein ist, Tatars Aussagen jedoch auch darauf schließen, dass er der stärksten Elf keinen Erfolg zutraut.

Fallmann: Ich glaube, dass unser Trainer immer sehr realistisch ist, und das nicht nur gegenüber den Medien, sondern auch intern. Und im Großen und Ganzen sehe ich den angesprochenen Punkt auch so.

Luis Enrique: Wie ist eigentlich grundsätzlich das Verhältnis zwischen euch Spielern und Trainer Tatar? Eher persönlich oder eher distanziert? Besprecht ihr auch beispielsweise solche Aussagen wie die oben genannten oder andere Kuriositäten die er des Öfteren im Fernsehen so von sich gibt gemeinsam mit ihm?

Fallmann: Das Verhältnis zwischen Trainer und Spielern ist sehr, sehr gut, und wie schon gesagt, gewisse Dinge werden natürlich auch intern angesprochen. Und das ist auch gut so.

Antoine Doinel: Dir gelangen zuletzt zwei Hebertore. Sind diese eine Spezialität von Dir?

Fallmann: Ich glaube nicht, dass das unbedingt eine Spezialität ist, aber ich glaube, dass ich diese Situationen gut erkannt habe. Natürlich gehört dann ein bisschen Glück dazu, aber es ist gelungen und ich bin froh der Mannschaft damit geholfen zu haben.

Antoine Doinel: War Dir bei Deiner Verpflichtung bewusst, dass eine ganz neue Mannschaft gebildet wird?

Fallmann: Mir war bewusst, dass ein großer Umbruch stattfinden wird, dass es die ganze Mannschaft betrifft, war dann aber doch ein wenig überraschend.

Antoine Doinel: Der Beginn war wohl aus vielerlei Gründen recht chaotisch. Dementsprechend schwach agierte auch die Mannschaft am Meisterschaftsbeginn. Sind Dir da jemals Zweifel an Deiner Vereinswahl gekommen?

Fallmann: Gezweifelt an der Vereinswahl hab ich nie, im Gegenteil, ich war immer davon überzeugt, dass die Vienna der richtige Schritt war und ist, aber trotzdem bin ich natürlich froh, dass wir im zweiten Viertel in die Spur gekommen sind und die Punkte geholt haben.

Antoine Doinel: Garger und Tatar erklären unisono, dass das Team in der derzeitigen Zusammensetzung zu schwach ist. Worin siehst du die größten Schwächen? Was zeichnet sie aus?

Fallmann: Genau dafür haben wir unsere sportliche Leitung, es steht mir nicht zu, darüber Urteile zu fällen.

Antoine Doinel: Hat die Mannschaft so etwas wie Hausaufgaben in den Weihnachtsurlaub mitbekommen?

Fallmann: Haben wir mitbekommen, an erster Stelle steht die Regeneration und der Kopf.

SKN-Fan: Was sagt Jochen Fallmann zur aktuellen Situation des LASK (war ja auch Kapitän dort)

Fallmann: Es ist sehr traurig, dass so ein Traditionsverein, mit diesem Potential nicht mehr im Profifußball vertreten ist. Ich bin aber davon überzeugt, falls sich in der Führungebene etwas ändert, dass der LASK wieder ins Profigeschäft zurückkehrt.

SKN-Fan: Wird dein Sohnemann eines Tages im St.Pöltner Dress zu sehen sein oder ist das seit Sommer 2012 ausgeschlossen?

Fallmann: Ich hoffe mein Sohn geht seinen eigenen Weg. Dort wo er spielt, wenn der denn überhaupt Fußballer werden will, soll er glücklich sein und dabei wird ich ihn unterstützen.

Antoine Doinel: Wie wirst du den Urlaub verbringen?

Fallmann: Zwei Wochen Urlaub in Ägypten mit Freundin und zwei Kindern.

Word-Rap von Fem-Fan:

Mein bitterstes Erlebnis als Fußballer? Ein Bandscheibenvorfall mit 14, durch den meine Karriere eine Zeit lang an einem seidenen Faden hing

Mein schönstes Erlebnis als Fußballer? Mein letztes Spiel am Voithplatz und die damit verbundenen Emotionen

Welchen Beruf hätte ich, wenn ich nicht Fußballer geworden wär? Polizist

Krankl oder Prohaska? Prohaska

Meer oder Berge? Meer

Wo sehe ich mich in 5 Jahren? Am Fußballplatz

Welchen Rat meiner Mutter befolg ich noch immer? Immer diplomatisch bleiben

Frauenfußball? Gewöhnungsbedürftig

Chaotisch oder ordentlich? Eher chaotisch 😉

Mit welcher Frau des öffentlichen Lebens (Politikerin, Schauspielerin, Sängerin etc.) würd ich gern Abendessen gehen? Sharon Stone

Bier oder Wein? Bier

Lieblingsverein international? FC Barcelona

Ich gehe nicht aus dem Haus ohne … einen Abschiedskuss

War dir das Austrian Soccer Board vorher auch schon ein Begriff? Ja

Mein Outfit am Sonntag ist …? Trainingsanzug

Und die beliebteste Frage: Welche 3 Dinge würd ich auf eine Insel mitnehmen? Fußball, Tor, Pumpe

 

Wir bedanken uns bei Jochen Fallmann und Niko Ostermann für das Interview!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen