Wäre es nach den Altachern gegangen, wäre man nach drei Jahren Zweitklassigkeit im Mai 2012 in die Bundesliga zurückgekehrt. Doch es ist eben so...

Wäre es nach den Altachern gegangen, wäre man nach drei Jahren Zweitklassigkeit im Mai 2012 in die Bundesliga zurückgekehrt. Doch es ist eben so eine Sache mit den angesagten Revolutionen – sie finden nicht statt. Trotz des Mottos „3-2-1“ wurde der Aufstieg verpasst. 2012/13 wird der nächste Anlauf unternommen.

 

 

Sportverein und Wirtschaftsunternehmen

Knapp 6.400 Einwohner wohnen in der am dichtest besiedelten Gemeinde Vorarlbergs. In den 90ern nahm das Schiff Fahrt auf und ist nun seit 2004 fixer Bestandteil der Profilandschaft Österreichs. Maßgeblichen Anteil daran hat Karlheinz Kopf, der im bürgerlichen Leben seit 1994 für die ÖVP im Nationalrat sitzt und derzeit Obmann des Parlamentsklubs ist. Der selbständige Unternehme stand dem Verein schon von 1985 bis 1995 als Obmann und Präsident vor. Der ehemalige Tormann führte den Verein aus der Vorarlbergliga in die Regionalliga und 1991 in die 2. Division und trieb den Umzug vom Sportplatz Riedle, welcher seit 1950 als Heimstätte diente, in das Schnabelholzstadion voran. Seit 2009, dem Abstieg aus der Bundesliga, steht er „seinem“ SCR wieder als Aufsichtsratsvorsitzender vor, stellte den Verein neu auf und schaffte hoch professionelle Strukturen.

Die Altacher sind ein Vorbild für so manchen Verein, auf der offiziellen Homepage werden Einnahmenverteilung und Abgaben an Gemeinde, Finanzamt und Sozialversicherungsanstalt penibel genau aufgelistet. Darüber hinaus bauen die Vorarlberger auf den eigenen Nachwuchs, rund 250 Nachwuchskicker werden in 17 Mannschaften betreut. Darüber hinaus hat der Verein eine soziale Ader, unterstützt die Caritas und „Licht ins Dunkel“.

Über einen Umstand kann das alles aber nicht hinwegtäuschen: Der Rauswurf von Adi Hütter im Frühjahr 2012, weil der angepeilte Aufstieg aufgrund des holprigen Spiels der Mannschaft nicht klappte. Edi Stöhr wurde installiert, eine Legende beim zweiten großen Ländleklub, Austria Lustenau. Der Feuerwehrmann verpasste den Aufstieg. Hütter unterschrieb mittlerweile in Grödig, mit Rainer Scharinger wurde dieser Fehler aber korrigiert. Der Rangnick-Vertraute soll nun den Weg, den Hütter begonnen hatte – in Bezug auf den Nachwuchs und ein taktisch anspruchsvolles Spiel – weitergehen. Mit dem ehemaligen Hoffenheim-Co-Trainer und Aalen- und KSC-Headcoach soll die Tür zur Bundesliga wieder weit aufgestoßen werden.

Kaderreinigung

Mit Hannes Eder, Petr Vorisek und Mirnel Sadovic verließen einige routinierte Akteure den Verein, Thorsten Schick empfahl sich für die Bundesliga, unterschrieb bei der Admira. Rainer Scharinger hat eine junge Mannschaft zur Verfügung, nur Neuzugang Hannes Aigner (31), der aus Linz flüchtete, ist älter als 30. Für die Abwehr steht mit Aytac Sulu (26) noch ein erfahrener Innenverteidiger bereit, mit dem Scharinger schon bei Hoffenheim zusammenarbeitete und der zuletzt in der türkischen Süper Lig bei Gencerbirgli in Ankara unter Vertrag stand. Der neue Trainer brachte vom Karlsruher SC auch noch den zentralen Mittelfeldspieler Matthias Cuntz (22) mit. Philipp Netzer (26), der 2005 aus Vorarlberg zur Wiener Austria ging, hat einen Fixplatz. Seit er vor drei Jahren zurückkam etablierte er sich, ist auch im Torabschluss gefährlich. Ein ebenfalls wichtiger Mann ist Harun Erbek (26), der auf der linken Abwehrseite auf und ab wuselt. Ein interessanter Mann ist Felipe Dorta (16). Der junge Offensivmann ist der Sprössling von Alexandre Dorta, der bei Altach, dem Wiener SK und der Vienna in der Innenverteidigung abräumte. Sein Sohn durfte im Cup gegen den FAC bereits 15 Minuten bei den Männern schnuppern.

Rainer Scharinges deutsche Taktik

Das Grundgerüst ist ein 4-2-3-1 mit einer Doppelsechs. Cuntz und Netzer agieren dabei auch aufgrund der Favoritenstellung des Klubs weiter vor der Abwehr, nehmen viel am Spielgeschehen teil. Den klassischen Abräumer gibt es nicht. Ein modernes Flügelspiel mit Unterstützung der Außenverteidiger ist ebenfalls zu erwarten, mit Erbek und Lienhart in der Defensive ist dies auch gut umzusetzen. Mit Aigner gibt es einen Stürmer, der im Zweimannsturm genauso wie der Spanier Tomi aus der Tiefe heraus agieren kann. Die beiden können, wenn sie gemeinsam spielen, den Gegner ordentlich verwirren und ihre Positionen oft tauschen.

Wunschelf

Die Erwartungshaltung

Die Stimmung war nach dem verpassten Aufstieg im Keller, aber Kopf und Co. setzten die richtigen Schritte. Die Mannschaft wurde verjüngt und gut ergänzt. Wenn die Kicker nun auch noch am Rasen wieder das zeigen, was unter Adi Hütter begonnen wurde, ist ein Aufstieg sehr wahrscheinlich. Auch vom Gesamtauftreten des Vereins her wäre eine Erweiterung der Bundesliga in den äußersten Westen wünschenswert, die Kurzschlussreaktion, Edi Stöhr zu verpflichten, sollte der einzige Ausrutscher Richtung alte Verhaltensmuster im österreichischen Fußball bleiben. Allerdings hätte es auch weitaus schlimmer kommen können, als Stöhr. Somit verbleibt als Fazit nur ein „Weiter so!“ – allein von der Wahrscheinlichkeit her muss Altach bald wieder in der Bundesliga kicken.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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