Vom Altacher Schnabelholz-Stadion auf die Felder im Süden von Salzburg-Stadt – Adi Hütter will mit dem SV Grödig oben mitspielen und so viele Siege...

Vom Altacher Schnabelholz-Stadion auf die Felder im Süden von Salzburg-Stadt – Adi Hütter will mit dem SV Grödig oben mitspielen und so viele Siege wie möglich einfahren. Dabei möchte er den Spielern auch seine Philosophie vermitteln.

Auf den ersten Blick etwas „Naja“

Die Bedingungen und die finanziellen Voraussetzungen des Klubs aus der ländlichen 7.000-Seelenstadt Grödig sind perfekt. Das ist möglicherweise etwas, was beim Blick auf das Stadion gar nicht so offensichtlich ist. Hinter der Kirche vorbei fährt man auf einer engen Straße zu den Feldern am Rande der Tauernautobahn, wo sich eine Landesliga- und eine Stahlrohrtribüne befinden. Doch für die Kicker bietet sich auf dem Gelände des nahen Olympiazentrums Rif eine tolle Trainingsinfrastruktur. Des Weiteren gilt Grödig als ein Verein, der bei Spielerverträgen absolut topp agiert, Präsident Anton Haas überweist stets pünktlich – leider keine Selbstverständlichkeit in der zweiten Spielklasse.

Lange Zeit durfte Heimo Pfeifenberger immer wieder zurückkehren, nun ist Adi Hütter (41) am Zug. Der Hohenemser wurde in Altach geschasst und durch Austria Lustenau-Legende Edi Stöhr ersetzt, weil der Aufstieg in Gefahr war – Altach war zu dem Zeitpunkt Zweiter. Hütters Vorstellungen von Fußball, mit Spiel am Boden und vielen Pässen vor das Tor des Gegners zu kommen, wurde im Frühjahr nicht mehr umgesetzt. Nun ist der ehemalige Weitschussspezialist wieder in dem Bundesland, wo er mit der Austria drei Mal Meister wurde, mit der Mannschaft, die 1994 gegen Inter Mailand im Finale des UEFA-Cups stand. Beim ab 2005 neu-gebrandeten Verein aus der Stadt Salzburg begann er, nachdem er zwei Jahre lang als Stütze bei den Juniors fungiert hatte, auch seine Trainerkarriere. Er absolvierte diese Schritt für Schritt: Zuerst als Co-Trainer der Amateure, dann als Cheftrainer, ehe er sich nach Altach wagte. Dort kam die Vereinsleitung mit dem Umstand, dass am 28. Spieltag, dem letzten, an dem Hütter auf der Bank saß, ein Klub besser war, nicht zurecht.

Ausgewogenheit

In alle Richtungen ausgelegt werden kann der Umstand, dass die Grödiger gerne Spieler verpflichten, die wo anders scheiterten oder ihre Karriere ausklingen lassen wollen. Im gegenwärtigen Kader befinden sich Akteure wie Ernst Öbster (28) oder Thomas Salamon (23), denen große Karrieren vorausgesagt wurden, nachdem Herwig Drechsel 2010/11 bei den Salzburgern kickte, wird nun Stefan Lexa (35) den Winter seiner Karriere beim Sportverein verbringen. Doch in Grödig laufen nicht ausschließlich ehemalige Talente und alte Herren am Feld herum, Peter Tschernegg (19) kam vor einem Jahr von Sturm Graz II und lieferte einige starke Partien im defensiven Mittelfeld ab. Lukas Schubert (23), der von den Juniors bereits 2008 nach Grödig kam, konnte mit sechs Treffern von der rechten Außenbahn aus aufzeigen. Im letzten Jahr konnte sich auch Sebastian Siller (23), der von der WSG Wattens gekommen war, in den Vordergrund spielen. Die Grödiger haben einen Mix aus älteren und jüngeren Spielern beisammen, die Zielsetzung des Klubs – Top 4 – dürfte damit nicht unrealistisch sin.

Vorarlberger Tiqi-Taka

Im Gegensatz zum altbackenen 4-4-2 des ehemaligen Trainers Heimo Pfeifenberger, das auf Konter und Standards ausgerichtet war, bevorzugt Neo-Trainer Hütter die feinere Klinge. In der Vorbereitung switschte er zwischen 4-4-2, 4-5-1 und 4-3-3, der Gegner soll durch flottes Passspiel dominiert werden, der letzte Pass soll zum Torerfolg führen. Was unter dem Hohenemser weniger zu erwarten ist, sind lange, hohe Bälle auf große Stürmer. Dazu braucht es aber eingeübte Laufwege und viel Kondition. Es wirkt erfrischend, wenn ein Trainer vor der Saison meint, er bräuchte noch mehr Zeit, um noch mehr Automatismen zu üben, die über Ball vordreschen und Standards üben hinaus gehen.

Wunschelf

Was ist drinnen?

Der SVG wird mit dem Abstieg nichts zu tun haben, das Ziel, im oberen Drittel zu landen, ist realistisch. Ein wichtiger Faktor wird sein, dass der Vorstand Hütter auch dann weiter arbeiten lässt, wenn Grödig ins Mittelfeld abrutscht. Das selbst auferlegte Ziel, möglichst viele lokale Talente einzubauen, offeriert nun einmal eine gewisse Schwankungsbreite in der Leistung. Was dem Kader bisher fehlte, ist der Plan, denn die engagierten Kicker waren sicherlich besser, als der siebte Platz in der vergangenen Saison vermuten lässt. Favoriten sind die anderen, die Nachzügler sollen dominiert werden und die Großen geärgert. Auch wenn ein Aufstieg aufgrund der geringen Fanbindung und des mauen Stadions definitiv zu früh kommen würde, sollte Hütters Elf viele schöne Spiele liefern. Der Tscheche Jiri Lenko soll ein Beispiel sein. Der Linksverteidiger, der 2004/05 für Rapid in der Bundesliga debütierte, kehrte diesen Sommer in die Bundesliga, zum SC Wiener Neustadt, zurück. Siller, Schubert und Co. können einen groß aufspielenden SV Grödig auch dafür nützen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

  • Stefan

    17.Juli.2012 #1 Author

    Adi Hütter ist ein waschechter Altacher! Nur weil man im Spital in Hohenems geboren wurde, heißt es noch lange nicht, dass man Hohenemser ist. 😉 Dann würde es ziemlich viele davon geben! *g*

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