Sportlich schon in der Relegation, durch den LASK-Abstieg gerettet und nach Erhalt der Lizenz blieben die Gehälter aus. Es gab sicherlich schon angenehmere Halbjahre... Eine junge Bande will die Klasse halten – Der FC Lustenau im Preseason-Check

Sportlich schon in der Relegation, durch den LASK-Abstieg gerettet und nach Erhalt der Lizenz blieben die Gehälter aus. Es gab sicherlich schon angenehmere Halbjahre für den FC Lustenau 07. Die Konzentration aufs Sportliche fällt schwer, aber mit Damir Canadi werkt ein Mann, der tatsächlich etwas entwickeln kann.

Einer „dieser“ Trainer

Damir Canadi spielte ein paar Spiele in der Bundesliga, ein paar in der zweiten Spielklasse. Im Nachwuchs der  Austria groß geworden, gelang ihm nirgendwo der große Durchbruch, auch wenn er es unter anderem beim FavAC, dem VfB Mödling, der Vienna oder dem Wiener Sportclub versucht hatte. Der heute 42-Jährige begann seine Trainerlaufbahn bei Fortuna 05 und konnte 2003/04 den Titel in der Wiener Stadtliga auf die „Krottenbacheralm“ im 19. Bezirk holen. Er zog weiter zum FAC, den großen Entwicklungsschritt machte er aber, als er mit Raschid Rachimov und Alfred Tatar das Trainerteam von Lokomotive Moskau bildete. Nachdem Rachimov im April 2009 entlassen wurde, heuerte er wieder kurzfristig beim FAC Team für Wien an. Nach einem weiteren kurzen Engagement beim 1. Simmeringer SC erhielt er das erste Mal die Chance bei einem Profiklub Cheftrainer zu sein. Nach 14 Spieltagen waren die Lustenauer Letzter, der Wiener krempelte im Westen einiges um. Nachdem er im bestehenden System die Mannschaft psychologisch durch Erfolgserlebnisse – ein 6:1 zu seinem Amtsantritt war da ein deutliches Zeichen – aufgebaut hatte, nahm er Anleihen an Ried und installierte ein hoch fluides 3-3-3-1. Am Klassenerhalt scheiterte man trotzdem, am letzten Spieltag war die junge Elf dem Druck in Hartberg nicht gewachsen. Durch die Lizenzverweigerung beim LASK ersparte man sich aber auch die Relegation. Canadi ist einer dieser Trainer, die sich ohne große Spielerkarriere hochgearbeitet haben, nun muss er beweisen, was er drauf hat.

Ein junges Team

Nur der SKN St. Pölten setzt auf ein jüngeres Team, der Altersschnitt bei den blauen Lustenauern liegt bei unter 23 Jahren. Der FCL musste am Ende der Saison einige Abgänge verkraften, Andrey Lebedev (Vienna) Marcel Holzmann (SKN), Dennis Mimm (SCWN), Christoph Freitag (SCWN) oder Lukas Hinterseer (Vienna) verließen den Verein. Die wichtigsten Neuzugänge sind der defensive Mittelfeldspieler Matthias Hopfer (23) vom SCR Altach und Frukan Aydogdu (FAK II), die das Spiel im Mittelfeld anleiten sollen. Einer, der seit Canadis Amtsatritt zum Ende der Herbstsaison aufzeigen konnte, ist Stipe Vucur (20). Der Innenverteidiger ist Abgänger der Akademie von Red Bull Salzburg und kam über Seekirchen und Anif ins Ländle. Vucur, der in Salzburg geboren wurde und einen kroatischen Pass hat, ist sicherlich eines der größten Abwehrtalente. Ein weiterer wichtiger Mann ist Florian Zellhofer (23), der mit seinen neun Treffern maßgeblich zum sportlich vorletzten Platz beitragen konnte. Auffällig ist, dass Canadi sehr viele Spieler aus seiner Heimatregion im Osten Österreichs in den Westen holte.

Fluides Spielsystem

Um die Defensive des Abstiegskandidaten zu stabilisieren vertraute Canadi seit der Winterpause auf ein nominelles 3-3-3-1, das in der Abwehr ein massives 5-4-1 bildet. Mit dieser Defensive setzte es nur gegen den WAC (0:2) und Hartberg (0:3) hohe Niederlagen. In der Offensive kann das System von einem 3-6-1 in ein 3-4-3 umgewandelt werden. Genau auf diese spielerische Komponente legte der Coach in der Vorbereitung wert. Wenn das junge Team nahe zusammenrückt und das Spielerische in den Vordergrund stellt, wird man es sicher leichter haben, der Konkurrenz Punkte abzuluchsen. Wenn sich zwei Teams mit kämpferischen Mitteln belauern, entscheidet das Glück. Dieses kann aber durch Initiative erzwungen werden. Die Lustenauer waren in der Rückrunde defensiv eine harte Nuss, nun soll die Offensive auch durchschlagend werden.

Ist alles ausfinanziert?

Damir Canadi lässt mit jungen Spielern im Kollektiv agieren, das System wirkt zukunftsträchtig. Ob die Vereinsleitung nach den jüngsten Querelen aber vereinsintern auch für Ruhe sorgen kann, bleibt dahin gestellt. Thomas Fröschl, Christian Dobnik, Dario Baldauf oder Dennis Mimm beweisen, dass der FC Lustenau durchaus in der Lage ist, Spieler weiter zu entwickeln. Eine andere Möglichkeit hat einer von zwei Profivereinen aus einer Stadt mit etwas mehr als 20.000 Einwohnern ohnehin nicht. Es wäre schade, wenn diese Schule, die mit Canadi einen ausgezeichneten Lehrer an Land ziehen konnte, aufgrund finanzieller Troubles ihre Pforten im Profifußball schließen müsste. Der Klassenerhalt ist der jungen Bande zuzutrauen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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