Im Grunde genommen waren die Steirer vom TSV Hartberg schon weg. Erst der Lizenzentzug des LASK machte einen Verbleib im Profifußball möglich. Aber im...

Im Grunde genommen waren die Steirer vom TSV Hartberg schon weg. Erst der Lizenzentzug des LASK machte einen Verbleib im Profifußball möglich. Aber im Winter glaubten die Hartberger schon an einen Klassenerhalt, präsentierten Lopocasport als Namenssponsor.

 

Neuer Name, neuer Trainer

Am 17. Februar beschloss die Vereins-Mitgliederversammlung, dass der Internet-Gaming-Anbieter Lopocasport der neue Hauptsponsor werden soll, die lokale Sparkasse, immerhin gut 30 Jahre lang Unterstützer des Vereins, zog sich auf den Posten des Co-Sponsors zurück. Auch auf der Trainerbank tat sich einiges: Mit Kurt Garger wurde die Saison begonnen, am 28. Spieltag übernahm Walter Hörmann. Dieser konnte den Klassenerhalt, die Chance in der Relegation erhielt Hartberg erst am grünen Tisch, sichern. Hörmann wollte aber trotz intensiver Bemühungen nicht weiter an der Outlinie stehen, weswegen der TSV den ehemaligen Fürstenfeld- und Allerheiligentrainer Andreas Moriggl verpflichtete. Der 43-jährige bewies mit seinen bisherigen Vereinen, dass er aus wenig sehr viel machen kann, eine Tugend, die nun auch bei den Hartbergern zu tragen kommen soll. Mit neuem Sponsor und neuem Trainer sowie dem Ende großer Namen wollen die Steirer aus dem Abstiegskampf raus.

Kollektiv statt „Stars“

Luca Tauschmann, 21-jähriger Innenverteidiger, Joachim Parapatits (31), der aus Grödig kam, und Michael Tieber (23) vom KSV sind die größten Namen, die den Weg in die Steiermark gefunden haben. „Stars“ wie Andreas Dober oder Lukas Mössner wurden abgegeben, rund um Goalie und Kapitän Jürgen Rindler (26) möchte Moriggl ein Kollektiv aufbauen, das ohne Stars auskommt. Aus Allerheiligen hat er Innenverteidiger Patrick Stornig (23) mitgebracht. Talentierte Spieler, wie der rechte Mittelfeldspieler Daniel Rossmann (21) oder Daniel Gremsl (19), die einige Male schon ihr Können bewiesen, sollen an der Seite der erfahrenen Akteure aufblühen. Nachdem es in der Vorsaison Gerüchte über die Finanzen gegeben hatte, scheint auch hier ein Neuanfang gegeben zu sein, bis auf Parapatits kam kein großer Name und der neue Coach setzt bekanntlich auf die Jugend. Knackpunkt wird sein, der veränderten Mannschaft ein Wir-Gefühl zu vermitteln, eine Perspektive, die über den Abstiegskampf hinausgeht. In der kurzen Zeit zwischen Klassenerhalt und Start der neuen Saison ist das eine schwere Aufgabe.

Wunschaufstellung

 

 

 

 

 

 

Doppelsechs

Der TSV Hartberg verfügt weder über den Kader, noch über das Pouvoir, tatsächlich direkt offensiv zu agieren. Das muss der kleine Verein nicht, das Punktehamstern soll anders funktionieren. Mit einer Viererkette, die das Spiel schnell machen kann, möchte Moriggl das Mittelfeld überbrücken. Dieses besteht aus zwei Sechsern und Flügelspielern. Im Sturm wird er wechseln, Parapatits scheint gesetzt. Die freie Position neben oder hinter ihm wird dann den Ausschlag geben, wie offensiv tatsächlich agiert werden wird. Zwei Stürmer, ein Zehner oder ein zusätzlicher Mittelfeldspieler, der die Kompaktheit im Mittelfeld sichern kann, sind die Möglichkeiten. Die taktische Marschroute wird aber in allen möglichen Formationen so aussehen, dass in Ballbesitz schnell der Abschluss gesucht werden wird. Das klappte unter Moriggl schon in Fürstenfeld und vor allem in Allerheiligen. Es wird viel davon abhängen, ob die Chancenauswertung klappt, 38 erzielte Treffer waren deutlich zu viel. Die erhöhte Kompaktheit im Mittelfeld muss Tore verhindern. Denn sportlich war der TSV schon wieder in der Regionalliga.

Fehler abstellen

Alle müssen sich anpassen, finden und auf die Erste Liga einstellen. Die magische 40-Punktemarke, die den Klassenerhalt sichern soll, ist das Ziel. Das wird alles von der Stabilität der Defensive abhängen und ob die Spieler, die beim Verein verblieben sind, die Fehler der Vorsaison abstellen können. Das Cup-Halbfinale gegen Red Bull Salzburg bewies ein ums andere Mal, woran es hakte: Die Spieler traten motiviert auf, spielten freudig mit und ein Fehler zerstörte dann alles. Vor allem die Schnittpartien gegen die bekannten Abstiegskandidaten Vienna und FC Lustenau werden entscheidend sein, die eine oder andere Überraschung gegen Klubs aus dem Mittelfeld wird drin sein. Allerdings müssen die Fehler bereits zu Beginn der Saison abgestellt sein, die defensivere Ausrichtung nach dem Hopp oder Tropp zu Ende der Spielzeit 2011/12 muss hergestellt sein. Es wird ein hartes Stück Arbeit auf sportlicher wie auf wirtschaftlicher Ebene, aber es ist angerichtet. Will man nicht nur ewiger Abstiegskandidat sein und dann nach dem Eintreten des Ereignisses im Unterhaus versumpern, muss das Ziel dennoch gesichertes Mittelfeld heißen.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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