Im siebenten Anlauf soll es in der Ära von Red Bull für die Salzburger endlich mit dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League... Spätes Tor trübt Salzburger Dominanz – Bullen nach 2:1 gegen Malmö vor CL-Einzug

Peter Gulacsi - Red Bull SalzburgIm siebenten Anlauf soll es in der Ära von Red Bull für die Salzburger endlich mit dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League klappen. Im Playoff-Hinspiel gewann der amtierende Doublesieger gegen Malmö FF mit 2:1. Franz Schiemer und Jonathan Soriano sorgten vor knapp 30.000 Zuschauern für die Tore der Bullen.

Das knappe Ergebnis impliziert eine enge Ausgangssituation für das Rückspiel in Schweden. Dabei waren die Salzburger die meiste Zeit über dominant und hatten viele gute Möglichkeiten. Alleine Soriano traf dreimal Aluminium. In der 90. Minute sorgte allerdings ein Missverständnis zwischen Tormann Peter Gulacsi und Schiemer für den Anschlusstreffer.

Startelf ohne Hinteregger und Alan

Bullen-Chefcoach Adi Hütter musste gegen den schwedischen Meister auf Martin Hinteregger verzichten, da sich dieser im letzten Bundesligaspiel verletzte. Statt ihm spielte Schiemer in der Innenverteidigung neben Andre Ramalho. Ansonsten sah man weitestgehend die gewohnten Gesichter in der üblichen 4-4-2-Grundordung. Anstelle des an der Hand angeschlagenen Alan rückte allerdings Marcel Sabitzer ins Sturmzentrum. Er zeigte meist ausweichende Bewegungen, während Soriano für die Verbindungen über den Zwischenlinienraum sorgte, sodass die Grundformation am Ende auch als 4-2-3-1 aufgefasst werden konnte.

Malmö agierte in einer ähnlichen 4-4-2-/4-2-3-1-Grundordnung, die Rollen der einzelnen Spieler waren jedoch unterschiedlich. Während bei Salzburg die beiden Flügelspieler wie üblich oft einrückten, spielten Emil Forsberg und Simon Kroon deutlich positionstreuer und breiter. Die beiden Zentrumsspieler Markus Halsti und Enoch Kofi Adu agierten meist auf einer Linie. Zwischen Stefan Ilsanker und Christoph Leitgeb gab es hingegen eine klare Staffelung. Letzterer pendelte vertikal, während Erster mit horizontalen Verschiebungen absicherte.

Zentrumsüberladungen und Vertikalspiel gegen tiefes 4-4-2

In vielen Punkten glich diese Partie dem Rückspiel in der dritten Qualifikationsrunde gegen Qarabag Agdam. Malmö formierte sich nämlich ebenfalls in seiner defensiven Grundordnung sehr tief, allerdings nicht in einem 5-4-1 sondern in einem 4-4-2, bei dem gelegentlich ein Stürmer unterstützend zurückfiel. Wie schon Qarabag fokussierte sich auch Malmö darauf, das Zentrum komapkt zu halten und vor allem Pässe in den Zwischenlinienraum auf die einrückenden Flügelspieler bzw. Soriano zu unterbinden. Das nachstehende Bild zeigt zwei beispielhafte Szenen.

Wenn der Ball ins Zentrum vor die beiden Viererketten gespielt wurde, rückten die Sechser heraus. Sie versuchten dabei ihren Deckungsschatten über etwaige Anspielstationen im Zwischenlinienraum zu legen. Gleichzeitig rückten die Außenverteidiger ein, während die äußeren Mittelfeldspieler meistens am breitesten standen und sich zuweilen mannorientiert gegen die Außenverteidiger Red Bulls verhielten. Für den direkten Druck auf den Ball waren also lediglich zwei Spieler, die Sechser, zuständig.

Um diesen kompakten Block auseinanderzuziehen, versuchten die Salzburger immer wieder Adu und Halsti herauszulocken um dann vertikal durch den Defensivverbund hinter die Abwehr zu passen. Zielspieler für diese Pässe waren die Außenspieler, die diagonal in den Rücken der Abwehr stießen. Funktioniert hat diese direkte Spielweise jedoch kaum. Mane wurde von Malmö beispielsweise dreimal innerhalb kurzer Zeit ins Abseits gestellt.

Malmö kontert über Zwischenlinienraum und ausweichendem Stürmer

Nach vorne hin beschränkte sich Malmö, ähnlich wie Qarabag, auf schnelle Gegenstöße durch die Mitte. Das mag zunächst durchaus skurril anmuten, wenn man den Gegenpressing-Fokus von Red Bull Salzburg berücksichtigt. Tatsächlich kamen die Schweden, wie auch die Aserbaidschaner dadurch, zu der einen oder anderen guten Möglichkeit. Zum einen weil die Abwehr der Bullen wieder recht abwartend reagierte, zum anderen weil sich Malmö recht klug verhielt.

Zuerst spielten die Schweden einen verlagernden Pass auf die ballfernene Seite und anschließend versuchten sie sofort durch die Mittelfeldlinie der Salzburger in den freien Raum zwischen den Linien zu kommen. Im obigen Bild erkennt man dies. Salzburg schiebt nach dem Querpass sofort auf den Linksverteidiger Malmös, der hoch auf einen der beiden Stürmer spielt. Interessant und wichtig ist hierbei auch der Laufweg des zweiten Stürmers, Markus Rosenberg. Dieser bewegt sich von innen nach außen und zieht damit seinen Gegenspieler mit, wodurch Malmö die Möglichkeit bekommt die verwaiste, linke Salzburger Seite zu bespielen. In dieser Szene gelang ihnen das nicht, allerdings in der nächsten.

Wieder verlagerte Malmö nach links und der Außenverteidiger spielt einen direkten Pass in den Zwischenlinienraum – diesmal flach durch die Schnittstelle der Sechser. Rosenberg zieht wieder Ramalho aus dem Zentrum, wo eine zwei-gegen-zwei-Situation entsteht. Malmö behauptet den Ball und kann auf den freien rechten Flügelspieler spielen. Dieser bricht in der Folge auf seiner Seite durch und leitet die größte Chance für Malmö ein, die Gulacsi jedoch glänzend vereitelt.

Salzburgs Gegenpressing nach Führung stabiler

Dass sich auf der ballfernen Seite dermaßen große Räume auftun, ist der Salzburger Spielweise im Pressing geschuldet. Diese zeichnet sich durch eine hohe horizontale Kompaktheit aus. Der ballferne Flügelspieler – in den obigen Beispielen ist dies Mane – rückt sehr weit ein, wodurch der Druck auf den Ball sehr groß wird und auch ein Pass ins Zentrum keine Befreiung für den Gegner bedeutet. Will sich dieser vom Druck lösen muss er also schnell verlagern, was Malmö in den oben zu sehenden Szenen sehr gut machte. Sie schoben Salzburg zunächst auf eine Seite und spielten dann diagonal.

Als Absicherung für diese Diagonalpässe dienen meist die Sechser, was Salzburg erst im Laufe des Spiels in den Griff bekam – vor allem nach dem Führungstreffer konnte sich Malmö kaum befreien. Entscheidend dafür war, dass die Abstände zwischen Ilsanker und Schwegler geringer wurden. Dadurch konnte der Rechtsverteidiger, der gegen den Ball sehr hoch agierte, früher auf den Malmö-Linksverteidiger gehen. Zudem wurde das Pressing zusehends höher angesetzt. Malmö hatte also auch nach einem etwaigen erfolreichen Diagonalpass noch einen weiten Weg zum Tor. Man erkennt dies in den obigen beiden Bildern.

Unterm Strich war es eine sehr souveräne Vorstellung der Salzburger. Sie hatten zunächst, wie schon gegen Qarabag, Probleme mit schnellen Gegenstößen, reagierten aber sehr gut darauf. Nach der Führung kontrollierten sie das Spiel wie gewohnt mit ihrem Gegenpressing. Luft nach oben haben die Bullen für das Rückspiel aber vor allem im Kombinationsspiel. Denn das tiefe 4-4-2 konnten sie spielerisch nicht wirklich knacken. Es waren nämlich zwei Tore aus Standardsituationen, die die Partie entschieden – wie schon gegen Qarabag.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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