In einem interessanten Spiel war die Austria lange Zeit unterlegen, konnte sich aber dennoch einen Punkt sichern. Dabei starteten sie furios in die Partie,... Viele Abschlüsse, aber zu flankenlastig: Porto beißt sich an der Wiener Austria die Zähne aus – 1:1!

FK Austria Wien Wappen Logo Champions LeagueIn einem interessanten Spiel war die Austria lange Zeit unterlegen, konnte sich aber dennoch einen Punkt sichern. Dabei starteten sie furios in die Partie, waren zu Beginn kurzzeitig sogar die bessere Mannschaft und führten plötzlich 1:0. Danach aber zeigte sich die kollektive und individuelle Stärke Portos, das das Spielgeschehen klar dominierte und der Austria immer weniger Konter erlaubte. Mit fortschreitender Spieldauer schien Porto dem Siegtreffer nahe, konnte diesen jedoch trotz guter Chancen nicht erzielen. Eine Ursache dafür war auch die Defensivformation des österreichischen Meisters.

Austrias Defensivformation

Austria - Aufstellung-10  Besonders auffällig war die recht gute Aufteilung der Austria bei gegnerischem Ballbesitz, wo sie die Mitte durchgehend gut besetzten und zusätzlich einige interessante formative Mechanismen hatten. Nominell spielten die Austrianer in einem 4-2-3-1/4-4-1-1, in welchem Roman Kienast als hängende Spitze hinter Philipp Hosiner agieren sollte. Doch bei Ballbesitz Porto ließ sich Kienast oftmals zurückfallen, orientierte sich eng ans Mittelfeld und teilweise entstanden sogar 4-1-4-1-artige Formationen.

Kienast orientierte sich sehr selten und eigentlich nur in der Anfangsphase neben Hosiner, um ein 4-4-2 herzustellen, ansonsten spielte er beinahe in einer vertikalen Linie hinter Hosiner, der vorne die Innenverteidiger voneinander isolieren sollte. Kienast unterstützte das Mittelfeld und neben dem schon erwähnten 4-1-4-1 war es oft auch ein 4-2-3-1 oder ein 4-4-1-1 in einer 4-5-1-Rollenverteilung. Damit konnten die Veilchen die Mitte gut versperren, Porto konnte selten den Ball in diese Zone spielen und hatte insbesondere Probleme im Angriffsverlauf das Spiel zu verlagern.

AngriffsrichtungenDas auf die Flügel gelenkte Spiel wollten sie mit sehr aggressiven und intensiven Manndeckungen auf den Seiten kontrollieren, was aber ein zweischneidiges Schwert war.

Portos Angriffsweise

Porto - Aufstellung-1Die Portugiesen griffen wegen der Ausrichtung sehr fokussiert über den Flügel an und taten sich hier schwer mit der Effizienz ihrer Angriffe. Eine Flanke ist immer enorm schwierig zu verwerten und bei Diagonalpässen von der Seite in eine sehr kompakte Mitte tut man sich oftmals schwer mit Abschlüssen, weil man schnell bedrängt wird. Porto versuchte es mit geduldigem Spielaufbau.

Zu Beginn hatten sie sogar gänzlich Probleme mit dem Angriffsvortrag, mit der Zeit öffneten sie die Außenbahnen aber besser und nutzten die Mannorientierungen der Austrianer. Sie lockten die Außenverteidiger heraus, spielten dann in die sich öffnenden Räume und gewannen die Laufduelle oder Dribblings. Insbesondere die schnellen Kurzpasskombinationen, das Einrücken der Außenstürmer und gelegentliche ausweichende Läufe der zentralen Akteure  sorgten für weit offene Räume auf den defensiven Flügeln der Veilchen.

Das Ballbesitzspiel Portos funktionierte dadurch – die Austria stand nun tief, sie konnten den Ball zirkulieren lassen, Fernando ließ sich, wenn nötig, zurückfallen und Porto wählte bedacht die Seite ihrer Angriffe aus. Über die Mitte kamen sie dennoch kaum, weswegen in der Halbzeit Silvestre Varela eingewechselt wurde.

Mit ihm sollte Porto mehr Dynamik und Beweglichkeit gewinnen, zusätzlich war er eine grundlegend offensivere Option für den Belgier Defour, weswegen Lucho Gonzalez zumeist eine Ebene nach hinten rückte und die schnelleren Akteure für die raumöffnenden Kombinationen verantwortlich waren.

Spätestens nach dem Ausgleich bzw. allgemein nach der Halbzeit kam Porto sehr gut in die Partie. Zuvor sah es noch etwas anders aus.

Wirkung des frühen Tores

In der Anfangsphase zeigten die Austrianer nämlich zehn Minuten lang durchaus Ansätze eines hohen und intensiven Pressings, welches beim Tor zum 1:0 schön zu sehen war. Hier setzte der Linksaußen den rechten Innenverteidiger Portos unter Druck und versperrte ihm die Passoption nach vorne, während Hosiner zentral abwartete.

Kienast hingegen stand etwas tiefer und erhielt den etwas panischen „halb Pass, halb Befreiungsschlag“ in der Zentrale, woraufhin er in den extrem offenen Raum der aufgefächerten Formation Portos dribbeln und von dort abschließen konnte. Nach der Führung stand die Austria tiefer, war aber nach Kontern sehr gefährlich. Portos Pressing war zu dieser Phase unkoordiniert.

Manchmal wirkte es wie ein 4-3-3-Pressing, hatte aber auch Ansätze eines 4-2-3-1 und eines 4-4-1-1, wodurch Porto einige gefährliche Situationen erzeugen konnte. Mal orientierte sich einer der Sechser nach vorne, dann positionierte sich Lucho wieder tiefer und gelegentlich sprinteten die Flügelstürmer nach vorne. Die gruppentaktischen Aspekte der Umsetzung sorgten aber für einige Probleme im Spiel Portos.

Diese Variabilität raubte ihnen manchmal die Kompaktheit, insbesondere beim Umschalten nach hinten. Hier waren beispielsweise die Flügelstürmer zu langsam, wenn sie sich zuvor vorne am Pressing beteiligt hatten. Ein weiterer Aspekt war das sehr ballorientierte Zusammenziehen und Verlassen von Positionen. Befand sich ein Austria-Spieler in der Formation Portos und erhielt den Ball, rückten oftmals zwei bis drei Spieler auf ihn. Aber dies wurde nicht aggressiv genug praktiziert, wodurch die Austria einige Male offene Räume bespielen konnte.

Zusätzlich waren die Bewegungen in den Mannschaftsteilen nicht harmonisch, die Verteidiger rückten nicht identisch wie die Mittelfeldspieler auf, außerdem waren die Staffelungen bei Standards oder bei eigenem Angreifen nicht ideal. All diese Aspekte wurden aber großteils korrigiert. Schon nach einer halben Stunde wurden die Konter der Austria trotz des sich sehr intelligent bewegenden Hosiner immer weniger.

Verteilung der SpielzonenPorto hatte eine bessere Staffelung, einer der Sechser hielt sich nahe an den beiden Innenverteidigern, die einzelnen Ketten harmonierten besser miteinander und mit dem verbesserten Angriffsvortrag musste die Austria ihre Konter auch tiefer starten. Im Verbund mit dem Ausgleichstor und Austrias nun ansatzweise wieder erhöhten Position übernahm Porto die Partie, konnte aber wegen Heinz Lindner und der bereits erwähnten Ineffizienz von Flanken den Sieg nicht mehr holen.

Fazit

Die Austria darf sich über diesen Punkt freuen. Sie waren die gesamte zweite Halbzeit unterlegen, ließen enorm viele Abschlüsse des Gegners zu und hätten eigentlich als Verlierer vom Platz gehen müssen. Allerdings gab es auch interessante und löbliche Punkte: Neben dem Kampfgeist und den guten Konteransätzen hatte auch die taktische Ausrichtung ihren Anteil an diesem Erfolg, denn trotz der immensen Anzahl an Abschlüssen Portos hatten diese relativ viele Abschlüsse aus ungünstigen Positionen oder Situationen. Flanken sind zwar einfach zu produzieren, führen aber nicht in derselben Einfachheit zu Toren – wie Porto leidlich erfahren musste. 26:3 Abschlüsse, davon 9:1 aufs Tor, reichten nur für ein Unentschieden.

Rene Maric, abseits.at

Statistische Grafiken von whoscored.com

Rene Maric

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