Die Kugel rollt in der 1. deutschen Bundesliga. Mit Spannung gilt es zu beobachten, ob es dem BVB, Schalke, Bayer 04 oder den „Wölfen“... Ein Blick in den Tabellenkeller der deutschen Bundesliga

Hamburger SVDie Kugel rollt in der 1. deutschen Bundesliga. Mit Spannung gilt es zu beobachten, ob es dem BVB, Schalke, Bayer 04 oder den „Wölfen“ aus Wolfsburg gelingt, den Titelkampf offen(er) zu gestalten. Traditionell schwächeln die Bayern in Spielzeiten nach Weltmeisterschaften ein wenig. Welches Team mausert sich zur Überraschung der Saison 2014/15? Der Abstiegskampf verspricht ebenso hohen Unterhaltungswert und wird die eine oder andere dramatische Geschichte schreiben.

Roman Bürki bringt Leverkusen zur Verzweiflung

Roman Bürki, ein 23-jähriger Schweizer, hütet seit diesem Sommer das Tor der Breisgauer. Er folgte Oliver Baumann, Eigengewächs und sicherer Rückhalt der Freiburger, nach. Der ehemalige deutsche U-21-Keeper weckte Begehrlichkeiten und schloss sich schlussendlich der TSG 1899 Hoffenheim an.

Allzu viel Grund zum Jubeln hatte Bürki freilich noch nicht, belegt die Streich-Elf doch mit nur vier Punkten den Relegationsplatz und wartet noch immer auf dem ersten Saisonsieg. Die Freiburger kämpfen auch heuer wieder von der ersten Runde an gegen den Abstieg. Zuletzt meinte es der Fußballgott nicht wirklich gut mit den Elsässern, sowohl gegen Hertha BSC Berlin als auch gegen Hoffenheim musste Bürki in der Nachspielzeit hinter sich greifen. Zwei Siege gingen flöten, insgesamt vier Zähler durch die Lappen. In Berlin war die Nachspielzeit offiziell schon abgelaufen, in Sinsheim egalisierte Vestergaard den 2:3-Rückstand erst in Spielminute 94.

Dass der SC gegen Leverkusen nicht die dritte Saisonpleite hinnehmen musste, ist in erster Linie ein Verdienst vom Schlussmann. In Hälfte eins behielt er gegen Son die Nerven und nahm dem Südkoreaner den Ball vom Fuß. Der frühe, berechtigte Platzverweis von Bayers Emir Spahic spielte den Breisgauern natürlich etwas in die Hände, abgesehen von der großen Möglichkeit für Klaus wurden sie allerdings nicht wirklich zwingend. Stattdessen vergab die dezimierte Schmidt-Elf gute Gelegenheiten auf den Sieg: Reinartz und Bellarabi fanden im extrem souverän und selbstbewusst wirkenden ehemaligen Grasshopper-Keeper ihren Meister. Bei Bellarabis Hammer aus der Distanz hatte Bürki das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite: mit einer sehenswerten, sensationellen Parade konnte er den Ball gerade noch an die Unterkante der Latte lenken, von wo das Leder auf die Linie sprang, diese allerdings nicht mit vollem Umfang überquerte. Heu-Min Son scheiterte kurz vor Schluss nochmals am Querbalken.

Dank Bürki holen in der Offensive personell geschwächte Breisgauer einen wichtigen Punkt für die Moral. Mit solch starken Leistungen schickt sich der Schweizer an, zum Fan-Liebling zu werden und Oliver Baumann langsam aber sicher vergessen zu machen.

Werder und der HSV – im Tabellenkeller vereint

Wirft man nach sechs Spieltagen einem Blick auf die Tabelle, so erinnert das Ende des Feldes doch an die letzte Saison. Natürlich ist es nach sechs Runden viel zu früh, um ein Fazit zu ziehen. Dass auf beide Teams harte Zeiten zukommen werden, ist wohl unbestritten.

Die Bremer gingen im samstägigen Abendspiel gegen Wolfsburg zwar offensiv, forsch und engagiert zu Werke. Leider wirkte das Ganze aber auch ein wenig unkoordiniert und nicht homogen. Das Pressing wurde immer wieder nur von einzelnen Gruppen betrieben, sodass nur äußerst selten konstant hoher Druck auf den ballführenden „Wölfe“-Spieler ausgeübt werden konnte. Die Wolfsburger überspielten die extrem hochstehenden Gäste immer wieder mit schneller, geradliniger Zirkulation des Spielgeräts. Bedingt durch die höhere Sicherheit und einer gewissen Selbstverständlichkeit hatte die Hecking-Elf das Spiel stets im Griff, die Dutt-Schützlinge brachten sich durch unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung des Öfteren selbst in Bedrängnis und ließen eklatante Abwehrschwächen erkennen. So zum Beispiel auch vor dem 0:1, als der ehemalige Werder-Kapitän Hunt nach einer Ecke für die Bremer einen Schussversuch blockt, auf de Bruyne weiterleitet und dieser Außenverteidiger Rodriguez in Szene setzt. Der Schweizer prolongierte seinen Lauf und netzte zum vierten Mal in Folge.

Den bemühten Mannen von der Weser fehlte die Durchschlagskraft im Spiel nach vorne und die richtige, ausgewogenene Balance zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen. Dennoch kamen sie durch Busch zum glücklichen Ausgleich, ehe Haudegen Olic im zweiten Abschnitt die Kräfteverhältnisse wieder gerade rückte. Auch nach Seitenwechsel bot sich ein ähnliches Bild: Wolfsburg in seinen Aktion klarer, strukturierter und durchschlagskräftiger. Bei den Gästen blieb es zumeist bei bemühten, aber weitestgehend ungefährlichen Versuchen.

Lediglich die Nachlässigkeit der Hecking-Elf in punkto Chancenverwertung und Tormann Wolf verhinderten einen deutlicheren Erfolg. Der Schlussmann ist im Moment nicht wirklich zu beneiden – mit 15 Gegentreffern kassierte er, trotz passabler Leistungen, die meisten aller Torhüter. Der schlechteste Saisonstart des einstigen Spitzenklubs seit 44 Jahren ist perfekt – eine Reaktion gegen Freiburg unumgänglich.

Leistung stimmt – Piazon trifft HSV mitten ins herz

Wenn man unten drin steht, kommt zum fehlenden Glück bekanntlich oft auch noch Pech dazu. Piazon entreißt dem HSV per Traumfreistoß den bereits sicher geglaubten und für die Moral so wichtigen Punkt. Das Leder schlägt zwar ins Torwarteck ein, aber Drobny verlagert das Gewicht aufs falsche Bein, sodass er der Kugel nur mehr hinterherschauen kann, doch gegen diesen Strahl aus 32 Metern wäre ohnehin nur schwer etwas auszurichten gewesen. Der HSV zuvor von Beginn weg engagiert, endlich den ersten Treffer zu erzielen und den ersten Sieg einzufahren. Vor allem vom umtriebigen Lewis Holtby, der versuchte das Spiel an sich zu reißen ging Gefahr aus, doch unmittelbar vor der Halbzeit musste der HSV in einer bis dahin mäßigen Begegnung den ersten Nackenschlag hinnehmen: Seferovic trifft zum 0:1 für abwartend spielende Gäste.

Diese melden sich in der zweiten Hälfte komplett ab und überlassen dem HSV komplett das Spielgeschehen. Nach abgefälschter Flanke schaltet Holtby schnell, bedient Müller, der Wiedwald überwindet. Nach 508 endlos langen Minuten eine echte Befreiung – der HSV stellte so einen traurigen Bundesligarekord auf, denn noch nie zuvor war ein Team derart lange ohne eigenes Erfolgserlebnis geblieben.

Der HSV in der Folge tonangebend, aber nur selten wirklich gefährlich. Bei den guten Gelegenheiten steht Bundesligadebütant Wiedwald seinen Mann. In Minute 90 nimmt das Unheil seinen Lauf, der eben erst eingewechselte Jiracek mit dem Foul, Piazon holt per Traumfreistoß zum Lucky Punch aus. Schade für den HSV, der als besseres Team zumindest einen Zähler absolut verdient gehabt hätte.

David Kühhas, www.abseits.at

David Kühhas

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