Folge 6: Bayern – Nürnberg 1994 oder das Spiel mit dem „Phantomtor“ des Thomas Helmer. Ein Bericht über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Teams, die in... Football at its best – die bemerkenswertesten, kuriosesten, legendärsten Fußballspiele aller Zeiten (Teil 6)

Folge 6: Bayern – Nürnberg 1994 oder das Spiel mit dem „Phantomtor“ des Thomas Helmer. Ein Bericht über eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Teams, die in die Geschichte der deutschen Bundesliga einging und welche Auswirkungen dieser Fehlpfiff hatte.

Wir schreiben den 23. April 1994. Im Münchner Olympiastadion treffen am 32. Spieltag der FC Bayern München und der 1. FC Nürnberg aufeinander. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag in die Geschichte eingehen sollte. Doch dies tat er und der große Leidtragende würde ein Mann namens Jörg Jablonski sein. Aber alles der Reihe nach.

Chancentod Helmer

Drei Spieltage vor Schluss: Der 1. FC Nürnberg kämpfte gegen den Abstieg, beim FC Bayern ging es mal wieder um die Meisterschale. Im 159. Bayern-Derby erzielten die Münchner beim Stand von 0:0 ein nicht alltägliches Tor. Es war die 24. Minute und es geschah nach einem Eckball. Der Ball fiel Thomas Helmer vor die Füße. Diesem gelang das Kunststück den Ball aus kürzester Distanz links am Nürnberger Tor vorbei zu stolpern. Was für eine Chance! Helmer half anschließend dem am Boden liegenden Nürnberger Keeper Andreas Köpke hoch und die beiden scherzten noch darüber, wie Helmer diese Chance vergeben hatte können. Die 22 Spieler und wohl auch alle Zuschauer im Stadion gingen von einer Spielfortsetzung per Abstoß für die Nürnberger aus. Doch einer hatte was dagegen.

Krasse Fehlentscheidung

Linienrichter Jörg Jablonski war überzeugt, der Ball hätte die Linie vollständig überquert und gab seinem Schiedsrichter das Zeichen für Tor. Die Fernsehbilder zeigten eindeutig, dass der Ball nie und nimmer auch nur annähernd hinter der Torlinie war. Doch Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers folgte der Entscheidung seines Assistenten und zeigte auf den Mittelpunkt. Die Bayern-Spieler jubelten und beglückwünschten Helmer zu seinem Tor. Die Nürnberger Spieler waren naturgemäß erbost und redeten auf den Schiedsrichter ein, er solle die Entscheidung zurücknehmen. Doch der Referee blieb dabei – Tor für die Bayern. Schlussendlich endete die Partie 2:1 für den FC Bayern. Die Nürnberger hatten noch dazu kurz vor Schluss einen Elfmeter vergeben.

Protest der Cluberer

Die Nürnberger legten nach dem Spiel Protest gegen das Ergebnis ein. Es gab keine Zweifel, dass die Entscheidung des Schiedsrichter-Gespanns falsch war. Aber eine Korrektur einer solchen Tatsachenentscheidung sah das Regelwerk der FIFA nicht vor. Dass es dennoch zur Neuansetzung des Spiels kam, lag daran, dass das deutsche Sportgericht einen Regelbruch des Schiedsrichters erkannt haben wollte.

Da der Haupt-Schiedsrichter bei seiner Torentscheidung sich nicht sicher war ob der Ball im Tor gewesen sei, habe er Blickkontakt mit seinem Assistenten gehalten, welcher ihm dann Tor signalisiert habe. Die dann unterlassene Kontaktaufnahme zwischen Schiedsrichter und Assistenten begründe einen Regelbruch. So jedenfalls die etwas konstruiert wirkende Begründung des Sportgerichts.

Rüffel von der FIFA und ein Kantersieg

Da bei einem solchen Regelbruch nun eine Neuansetzung des Spiels möglich war, gab der DFB dem Protest der Nürnberger statt und ordnete ein Wiederholungsspiel an. Die FIFA protestierte gegen diese Entscheidung und der DFB erhielt einen Rüffel vom Weltfußballverband. Doch es gab keine weiteren Konsequenzen und das Wiederholungsspiel fand statt. Dieses war dann eine klare Sache für die Bayern, die das Spiel mit 5:0 gewannen.

Die Leiden des Herrn Jablonski

Für Linienrichter Jörg Jablonski war die Bundesliga-Karriere mit dem Spiel mit dem „Phantomtor“ beendet. Zwei Jahre lang leitete er noch einige Spiele in der Regionalliga. Doch nach zwei Jahren gab er auf. „Die Häme der Zuschauer war so groß, dass ich dann doch aufhörte“, sagte er später in einem Interview.

Auswirkungen auf die Endtabelle

Am Ende der Saison krönte sich der FC Bayern zum Meister und Nürnberg musste in die
2. Bundesliga absteigen. Pikantes Detail am Rande: Hätte es das Phantomtor nicht gegeben und hätte es somit ein Unentschieden statt eines Bayern-Sieges gegeben, wäre Nürnberg nicht abgestiegen. Und der Meister hätte nicht Bayern sondern Kaiserslautern geheißen.

Und hier ein Video zum „Phantomtor“:

fußboller, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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