Folge 3: Köln – Liverpool 1965 oder wenn sich nicht mal eine Münze so recht für einen Sieger entscheiden kann. Eine unglaubliche Geschichte über... Football at its best – die bemerkenswertesten, kuriosesten, legendärsten Fußballspiele aller Zeiten (Teil 3)

Folge 3: Köln – Liverpool 1965 oder wenn sich nicht mal eine Münze so recht für einen Sieger entscheiden kann. Eine unglaubliche Geschichte über ein wohl einzigartiges Duell in mehreren Akten.

Cup der Landesmeister 1965: 1. FC Köln gegen den FC Liverpool lautete eines der Duelle im Viertelfinale. Wie auch heutzutage wurde dieses Duell in Hin- und Rückspiel ausgespielt. Unterschied zu heute: Sollte nach 180 Minuten kein Sieger feststehen, würde es zu einem Entscheidungsspiel kommen. So weit kam es auch und es wurde ein bemerkenswertes Spiel. Aber alles der Reihe nach.

Hin- und Rückspiel ohne Tore

Köln ging als Außenseiter in das Duell mit den Engländern. Das Hinspiel fand in Köln statt, doch die Zuseher bekamen keine Tore zu sehen. Für das Rückspiel war weiterhin Liverpool der Favorit. Doch auch beim Spiel in Liverpool gab es keinen Sieger und keine Tore – Endstand 0:0. Eine Verlängerung im Rückspiel war damals noch nicht vorgesehen. Also kam es zu einem Wiederholungsspiel auf neutralem Boden.
Schauplatz Rotterdam

Dieses fand nun am 24. März 1965 statt. Als Spielort wurde Rotterdam auserkoren.
20.000 mit einigen Sonderzügen angereiste Kölner Fans unterstützen ihre Mannschaft in den Niederlanden. In diesem Spiel sollte nun endlich der Halbfinal-Gegner von Inter Mailand gefunden werden.

Endlich die ersten Tore

In der 23. Spielminute fiel dann endlich der erste Treffer. Liverpool ging mit 1:0 in Führung. Dieses Duell brauchte also drei Stunden und 23 Minuten für den ersten zählbaren Erfolg. Die Engländer erhöhten sogar noch in der ersten Halbzeit auf 2:0. Doch ebenfalls im ersten Spielabschnitt erzielten die Kölner noch den Anschlusstreffer zum 1:2.

Wadenbeinbruch und Ausgleich

Früh im Spiel hatte sich auch noch der Kölner Wolfgang Weber das Wadenbein gebrochen. Da zu dieser Zeit noch keine Auswechslungen erlaubt waren, musste der damalige deutsche Nationalspieler bis zum Ende spielen oder besser gesagt über das Spielfeld humpeln. Obwohl man praktisch nur mit zehn Mann spielte, schafften die Kölner in der zweiten Halbzeit mittels Weitschuss den Ausgleich zum 2:2.

5 Stunden und noch immer kein Sieger

Für das Wiederholungsspiel war nun eine Verlängerung vorgesehen. Doch auch in diesen 30 zusätzlichen Minuten konnte kein Sieger ermittelt werden. Nach drei Spielen und insgesamt fünf Stunden Fußball ohne Gewinner musste nun ein anderer Weg zur Ermittlung eines Siegers gewählt werden. Das Elfmeterschießen würde es nicht sein, denn dieses wurde erst einige Jahre später eingeführt.

Das Regelwerk sagt: Münzwurf!

Deshalb musste eine Entscheidung mittels Münzwurf her. Die beiden Kapitäne und der belgische Schiedsrichter Robert Schaut schritten nun zum Wurf mit der Münze, der über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden sollte. Wer nun glaubte, dass dieses Duell nach dem folgenden Wurf nun endlich zu einem Ende kommen würde, der irrte sich.

Die Physik mischt sich ein

Denn die vom Schiedsrichter geworfene Marke blieb hochkant im nassen Rasen von Rotterdam stecken. Selbst der Münzwurf benötigte also eine Wiederholung. Irgendeine höhere Macht schien etwas dagegen zu haben, dass es einen Sieger geben sollte. Erst beim zweiten Versuch landete die Marke flach auf dem Rasen. Und zwar mit der roten Seite nach oben – Liverpool war somit im Halbfinale. Nach drei Spielen und zwei Münzwürfen war nun endlich ein Halbfinalist gefunden.

Und hier gibt es das Video zum Münzwurf:

fußboller, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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