Mit ihrem neuen Trainer Bert van Marwijk feiern die Hanseaten einen Kantersieg in Franken. Waren die Hamburger unter Ex-Coach Fink äußert schlecht in die... Neuer Trainer an der Elbe: Hamburg feiert ein 5:0 in Nürnberg – Ein Vergleich mit der Ära Fink

Bert van Marwijk (Niederlande, Holland)Mit ihrem neuen Trainer Bert van Marwijk feiern die Hanseaten einen Kantersieg in Franken. Waren die Hamburger unter Ex-Coach Fink äußert schlecht in die Saison gestartet (nur ein Sieg gegen Braunschweig), zeigten sie gestern eine ansprechende Leistung und gewannen verdient.

Der HSV der letzten Wochen und unter Fink allgemein

In der Ära von Thorsten Fink an der Elbe gab es immer wieder auftretende Probleme, die die Hamburger nie richtig in den Griff bekamen. Eines davon war, dass der HSV immer wieder Schwierigkeiten hatte, Verbindungen nach vorne zu schaffen. Oftmals agierte man mit Mittelfeldraute, aus der sich einer der Mittelfeldspieler zurückfallen ließ. Dieses Zurückfallen befreit normalerweise die Außenverteidiger davon tief zu bleiben und Breite zu geben. Sie können dann weiter aufrücken und es ist ein gern genutztes Mittel um die Mannorientierungen aufzuheben, die sich gegen ein 4-4-2-System ergeben. Beim HSV war es eher kontraproduktiv, weil dadurch eine Unterzahl im zentralen Sechser- bzw. Achterraum entstand und man nicht fähig war das Spiel über die Flügel nach vorne zu tragen. Dazu hing Badelj, der meist in solchen Situationen das Zentrum besetzte, in der Luft, was wiederum van der Vaart motivierte in den tiefen rechten Halbraum abzukippen, um das Spiel von dort zu gestalten. Die Folge war oftmals ein Loch zwischen Aufbauspielern und Sturmreihe und lange Bälle nach vorne. Eher eine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass man aufgrund des weiten Abstandes der Mannschaftsteile auch nur wenig Zugriff auf zweite Bälle hatte.

Weiters problematisch war, dass der HSV nie die richtige Balance zu finden schien. Vor allem in der Arbeit gegen den Ball wurde das deutlich. Oftmals war man passiv, sicherte lieber das Zentrum und den Sechserraum, und machte keinen Druck auf das gegnerische Aufbauspiel. In anderen Spielen, z.B. beim 2:9 in München, versuchte man den Gegner früh unter Druck zu setzen. Die Idee aus einer 4-4-2-Ordnung in ein 4-1-3-2 zu schieben, den Gegner in die Halbräume zu lenken und dann dort zu attackieren, mag gegen Bayern gut gewählt gewesen zu sein, funktionierte aber trotzdem nicht, weil der HSV oftmals die falschen Situationen heraussuchte um diese Strategie zu verfolgen. Nun aber zum gestrigen Spiel in Nürnberg:

Ordnung gegen den Ball: 4-4-2 / 4-4-1-1  

Bert van Marwijk schien die linke Seite der Nürnberger als deren Schwäche ausgemacht zu haben und dementsprechend war auch das Verhalten der Mannschaft gegen den Ball. In einer Mischform aus einem recht klaren 4-4-2 und einem 4-4-1-1 versuchte man die Nürnberger dorthin zu lenken und dort den Ball zu erobern. Beachtenswert war, dass Lasogga den Gegner sehr aggressiv und früh anlief, um ihn so zu lenken. Wenn das nicht klappte und Nürnberg tatsächlich einmal über die rechte Seite aufbauen konnte, rückte Calhanoglu nach vorne und es entstand ein asymmetrisches 4-3-3, das die Nürnberger dazu zwingen sollte wieder zu verlagern. Zoua spielte dabei auf seiner, der rechten Seite der Hamburger etwas tiefer, um diese Verlagerung zu provozieren und dann in Verbund mit den beiden „Stürmern“ van der Vaart und Lasogga auf den Ballführenden zu gehen.

Außerdem konnte man gut beobachten, dass der HSV besonders im zentralen Mittelfeld immer wieder Mannorientierungen einging, um Zuspiele in diese Zonen zu vermeiden. Besonderes Augenmerk galt dabei der Schnittstelle zwischen van der Vaart und Lasogga, die immer von einem der beiden Achter gedeckt wurde. Kam dann doch einmal ein Ball ins zentrale Mittelfeld, konnte der Gegner von den beiden Achtern sofort gedoppelt und in eine Richtung gelenkt werden. Der ballferne Außenverteidiger reagierte und schob weit zur Mitte, um diese zu sichern.

Passierte es doch einmal, dass die Nürnberger über die linke Seite nach vorne kamen, rückte Westermann aggressiv heraus um Plattenhardt zu stellen. Dabei rückte der ballnahe Sechser dann zum Doppeln heran, der ballferne ging etwas tiefer und sicherte ab. So war das Zentrum geschlossen – und trotzdem übte man genügend Druck auf den Ball aus.

Vertikale Mittelfeldspieler als Schlüssel gegen die Nürnberger Defensive

Im Spiel nach vorne agierte Hamburg vertikaler als sonst und schaffte es besser Verbindungen herzustellen. Entscheidend dabei waren die Bewegungen der Mittelfeldspieler:  Arslan und Badelj teilten sich die zentralen Rollen so auf, dass einer abkippte, und der andere höher schob um dem Spiel Tiefe zu geben. Van der Vaart orientierte sich dabei in den rechten Halbraum, und die Außenverteidiger schoben nach vorne. Jansen spielte nicht so breit wie Westermann und insgesamt gelang es dem HSV dann gut das Spiel über die Halbräume zu eröffnen. Wenn der Ball sich im Halbraum befand, schoben Badelj und Arslan unterschiedlich: Einer begab sich in eine absichernde Position aus der er das Spiel drehen konnte, der andere agierte vertikal und versuchte Lücken zu erzeugen. In Verbindung mit dem ebenfalls vertikal agierenden van der Vaart und Westermann als Breitengeber ergaben sich gute Kombinationsmöglichkeiten. Ein Paradebeispiel für  diese Wechselwirkungen war das 1:0 durch van der Vaart, als dieser von Westermann per Flanke bedient einschießen konnte.

Die absichernde Position einer der Sechser war wichtig für das Spiel und ließ es insgesamt gut balanciert wirken. Es war immer der Zugriff auf den Ball möglich und bei Ballverlusten konnte das Spiel des Gegners sofort gesteuert werden.

Weitere schöne Wechselwirkungen ergaben sich durch die ausweichenden Bewegungen von Lasogga. Er öffnete das Sturmzentrum indem er immer wieder nach links driftete, sodass vornehmlich  van der Vaart und Arslan, hin und wieder aber auch Badelj, nach vorne aufrücken konnten.

Fazit

Letztlich ist Sieg der Hamburger natürlich verdient. Sie zeigten sich sowohl personell, als auch aus taktischer Sicht verändert. Die Hauptprobleme, fehlende Balance und fehlende Verbindungen nach vorne, hat van Marwijk, zumindest gegen Nürnberg erst einmal lösen können. Man darf allerdings gespannt sein, wie der Weg des HSV weitergeht.

Tobias Robl, abseits.at

Tobias Robl