Nach dem Ende in Köln übernimmt Peter Stöger nun das Traineramt bei Borussia Dortmund. Ein mutiger Schritt von beiden Seiten, der sich aber auszahlen... Peter Stöger übernimmt Dortmund: Es könnte klappen

Nach dem Ende in Köln übernimmt Peter Stöger nun das Traineramt bei Borussia Dortmund. Ein mutiger Schritt von beiden Seiten, der sich aber auszahlen könnte.

Nachdem der 1. FC Köln nach 14 Spielen keinen Sieg und nur drei Unentschieden vorweisen konnte, war es wohl unvermeidlich, sich von dem Trainer zu trennen, der die Geißböcke nach einer 25 Jahre andauernden Abstinenz zurück in den europäischen Wettbewerb führte. Offiziell wurde das Aus von Peter Stöger nach dem 2:2 auf Schalke verkündet. Inoffiziell war sein Abgang schon vor dem Spiel beschlossene Sache. Das ist erst eine Woche her. Und doch hat Stöger bereits einen neuen Job gefunden:  der 51-Jährige übernimmt ab sofort das Team von Borussia Dortmund. Sein Vertrag ist vorläufig bis Saisonende befristet.

Wie es danach aussehen wird, darüber äußerten sich beide Parteien während der Pressekonferenz nicht. Dortmunds Manager Michael Zorc machte dabei deutlich, dass Stöger erst einmal als Psychologe gefordert sein wird. Die Spieler des BVBs wirkten in den letzten Wochen komplett verunsichert und spielerisch labil. Stögers Vorgänger Peter Bosz bekam dies nicht in den Griff. Die Konsequenz: In der Bundesliga wartet man seit acht Spielen auf einen Sieg, während in der Champions League mit mickrigen zwei Punkten schon in der Vorrunde Schluss war. Die jüngste 1:2-Heimniederlage gegen Abstiegskandidat Werder Bremen besiegelte das Schicksal von Bosz.

Nun muss Stöger zunächst mentale Aufbauarbeit leisten und dem Team vor allem die zuletzt vermisste Stabilität einimpfen. Dass er das kann, hat er in vier erfolgreichen Jahren beim Effzeh bewiesen. Stöger hat es gemeinsam mit Manager Jörg Schmadtke geschafft, den notorisch unruhigen Verein zu befrieden und in der Bundesliga zu etablieren. Seine Mannschaften zeichneten dabei eben jene Stabilität und eine hohe taktische Variabilität aus. Zudem galt Stöger lange als einer der besten „In-Game-Coaches“ der Bundesliga, eine Fähigkeit, die nicht unbedingt zu den Stärken seines Vorgängers zählte. Auch auf der menschlichen Ebene kann Stöger dank seiner „empathischen Art“ (Zitat Zorc) eine Mannschaft zusammenschweißen, also eine Geschlossenheit erzeugen, die dem BVB zuletzt ebenfalls abging. Stögers sportlicher Auftrag ist dabei klar: er soll Dortmund wieder in die Champions League führen. Bosz hatte man dies nicht mehr zugetraut.

Nun ist dieses Arrangement aber für beide Seiten mit einem gewissen Risiko verbunden. Der BVB legt, um es pathetisch auszudrücken, sein Schicksal in die Hände eines Trainers, der bei dem abgeschlagenen Tabellenletzten entlassen wurde. Sollte Stöger in Dortmund nicht schnell die Wende zum Besseren gelingen, wird auch die Kritik an Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Zorc immer lauter werden. Stöger selbst wäre nach einem Scheitern seiner Mission als Feuerwehrmann wohl erst einmal „verbrannt“,  und würde sobald für keinen weiteren Job in der Bundesliga in Frage kommen.

Stöger wollte sich nach eigener Aussage jedoch diese sich bietenden Chance bei einem deutschen und internationalen Topklub als Trainer tätig zu sein, nicht entgehen lassen. „Für Sie [die Reporter] und für mich ist das eine überraschende Situation. Ich freue mich riesig darauf, Trainer bei dieser Mannschaft und diesen Spielern sein zu dürfen. Ich gehe diese Geschichte mit sehr viel Freude und vielen Emotionen an.“ Und weiter: „Sie haben mich bestimmt nicht geholt, weil ich mit Köln in dieser Saison nur drei Punkte geholt habe.“

Natürlich hat Stöger dabei zwangsläufig nicht alles richtig gemacht. Es gelang ihm bspw. nicht, seiner Mannschaft nach dem Abgang von Toptorjäger Anthony Modeste ein funktionierendes Offensivspiel zu verpassen. Aber er hatte in dieser Saison auch mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen. Da wäre zum einen die ungewohnte Zusatzbelastung Europa League, die in den letzten Jahren noch jedem Verein der Größenordnung Kölns Probleme bereitete. Hinzu kamen die teils langwierigen Verletzungen von Leistungsträgern wie Marcel Risse oder Kapitän Jonas Hector. Außerdem war wohl kein Team so häufig von den Unzulänglichkeiten des neu eingeführten Videoschiedsrichters betroffen.

Falls Stöger mit überzeugendem Fußball die Qualifikation für die Königsklasse gelingen sollte, könnte er in Dortmund vielleicht länger als ein halbes Jahr tätig sein. Zuzutrauen ist dies Stöger allemal. Die erste Aufgabe wartet am Dienstag mit dem Auswärtsspiel bei Mainz 05.

Ral, abseits.at