Seit dieser Saison steht Gylfi Sigurdsson beim walisischen Klub Swansea City unter Vertrag. Nach zwei eher erfolglosen Jahren bei Tottenham will Sigurdsson die Fans...

Swansea City Wappen LogoSeit dieser Saison steht Gylfi Sigurdsson beim walisischen Klub Swansea City unter Vertrag. Nach zwei eher erfolglosen Jahren bei Tottenham will Sigurdsson die Fans im Liberty Stadium in Swansea erneut für sich begeistern – 2012 war er dort bereits als Leihspieler im Einsatz. Mit seinen 25 Jahren befindet er sich im besten Fußballeralter und nimmt in der Mannschaft von Garry Monk auch eine Schlüsselposition ein. Im nachfolgenden Artikel gehen wir näher auf die Spielanlage des Isländers im System der „Schwäne“ ein, analysieren seine Stärken und Schwächen und erklären, welche Gemeinsamkeit er mit David Alaba teilt.

Klassischer Spielgestalter mit vielen Freiheiten

Bei Sigurdssons erstem Engagement in Wales spielte er noch mit seinem nunmehrigen Coach Garry Monk zusammen. Knapp zweieinhalb Jahre danach vertraut der zum Cheftrainer aufgestiegene Innenverteidiger seinem Spielmacher voll und ganz und gewährt ihm auf der Position des Zehners jegliche Freiheiten. Sigurdsson ist der spielstärkste Akteur im Swansea-Kader, mit dem Südkoreaner Ki Sung-Yueng und Englands Neo-Teamspieler Jonjo Shelvey hat er ball- und kombinationssichere Mitspieler, die ihm den Rücken freihalten und ihn bei seinen Offensivaktionen auch unterstützen. Zudem harmoniert der Isländer äußerst gut mit den pfeilschnellen Flügelspielern Wayne Routledge und Nathan Dyer, die er mit seinen präzisen Zuspielen in die Schnittstellen immer wieder ideal bedient. Vor sich hat Sigurdsson mit dem Ivorer Wilfried Bony mit Sicherheit einen der körperlich stärksten und technisch besten Stürmer der Liga. Immer wieder lässt sich Bony während des Spiels etwas zurückfallen, um mit seinem kongenialen Mittelfeldpartner Doppelpässe zu spielen und so die gegnerische Abwehr aufzureißen.

Standardsituationen als größte Waffe

Schon als Sigurdsson noch bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag stand, war er für fast jeden Gegner ob seiner herausragenden Schusstechnik ein gefürchteter Eck- und Freistoßschütze. Ziemlich schnell zeichnete er für jegliche Standardsituationen verantwortlich und brachte beinahe jeden Ball mit viel Schnitt gefährlich vor das Tor. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Sigurdsson die isländischen Fans mit dem einen oder anderen Freistoßtreffer in der Nationalmannschaft zur Verzückung gebracht hat. Mit dem Ball dürfte er ohnehin per du sein, nicht selten versucht er auch mit seinem schwächeren linken Fuß aus der Distanz zum Abschluss zu kommen.

Auffallend ist insbesondere sein Überblick über die jeweilige Spielsituation: Bevor Sigurdsson den Ball von einem Mitspieler erhält, kennt er meistens schon den nächsten und übernächsten Pass und ist so seinen Gegenspielern einen Schritt voraus. Seine gute Ballbehandlung auf engstem Raum und seine Präzision in den Pässen kommen ihm dabei zu Gute.

Zweikampfschwäche und mangelhaftes Defensivverhalten als Schönheitsfehler

Dass Swanseas Spiel auf ihren isländischen Zehner zugeschnitten ist, dürfte auch den gegnerischen Teams nicht verwehrt geblieben sein. Oft lassen sich beide Sechser des Gegners in den Raum zwischen Abwehr und Mittelkreis zurückfallen, um so die Kreise von Sigurdsson einzuengen. Durch forsches Attackieren wird er dann dazu gezwungen, den einfachen Pass zurück zu spielen oder einen langen Ball nach vorne auf Bony zu schlagen. Der Hintergedanke ist klar: Wenn Sigurdsson seine Schnittstellenpässe hinter die Abwehr nicht spielen kann, hängen die Flügel in der Luft und Swansea kann wenig Gefahr erzeugen.

Beim Verhalten nach Ballverlusten offenbaren sich ebenso so manche Schwächen im Spiel des Isländers. Oft sind die beiden Außenspieler Dyer und Routledge weit aufgerückt, Sigurdsson muss sich dann zurückfallen lassen und das Zentrum mit Ki und Shelvey verschließen. Dennoch gelingt es den konterstarken Mannschaften relativ leicht, das Mittelfeld der „Swans“ mit schnellem Umschaltspiel zu überbrücken, da Sigurdsson – wohl auch aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen – nicht immer in die Zweikämpfe kommt und dadurch Löcher entstehen.

Sigurdsson ist Islands David Alaba

Bekannte isländische Fußballer sind im internationalen Fußball ohnehin eine Rarität – Sigurdssons Standing bei Swansea wertet jedoch sicherlich auch die Qualität der isländischen Nationalmannschaft auf. Nachdem er sich als 16-Jähriger der Jugendakademie des FC Reading anschloss und dort vom Nachwuchsspieler zum absoluten Leistungsträger entwickelte, führte ihn seine Karriere über den Umweg deutsche Bundesliga erneut auf die Insel. Bei den Swans hat er sich mit erst 25 zum Führungsspieler gemausert, was er auch zunehmend auf das Nationalteam umzusetzen versucht. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien scheiterten die Isländer erst im Play-off an Kroatien – Sigurdsson führte seine Teamkollegen dabei auf Gruppenplatz zwei hinter der Schweiz. Mit guten Leistungen und vier Toren trug der Mittelfeldspieler dabei ähnlich wie David Alaba bei Österreich enorm viel zu den tollen Auftritten der Nordländer bei. Allein in den letzten vier Jahren wurde Sigurdsson dreimal zum Fußballer des Jahres in Island gewählt, was seine Klasse unterstreicht.

Swanseas Erfolg hängt vom Isländer ab

In Englands höchster Spielklasse hat sich Islands Fußball-Aushängeschild bereits einen Namen gemacht – angesichts der starken Konkurrenz auf seiner Position eine ziemlich bemerkenswerte Tatsache. Mit insgesamt sechs Torvorlagen in sieben Saisonspielen liegt er knapp hinter Cesc Fabregas vom FC Chelsea auf Rang zwei der Assistwertung. Sigurdsson und Swansea, das scheint einfach zu funktionieren. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten werden in dieser Liga noch vielen Mannschaften Probleme bereiten. Sollte der Isländer seine tolle Form über die gesamte Saison halten können, ist seinen derzeit fünftplatzierten Walisern sogar die Qualifikation für einen internationalen Bewerb zuzutrauen.

Martin Roithner

Martin Roithner

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