Die Doppelbelastung durch die Europa League wird nicht nur aktuell als Ausrede für schwache Leistungen in den darauffolgenden Ligapartien herangezogen. Aber ist der Faktor... Doppelbelastung: Wieso läuft es bei Rapid trotz makelloser Europacup-Bilanz nicht?

UEFA Europa League Logo_abseits.atDie Doppelbelastung durch die Europa League wird nicht nur aktuell als Ausrede für schwache Leistungen in den darauffolgenden Ligapartien herangezogen. Aber ist der Faktor Doppelbelastung wirklich so ausschlaggebend?

Zunächst muss klargestellt werden, dass nicht jedes Team gleich ist. Einige Spieler kommen mit vielen Spielen besser zu Recht als andere. Manche können mit Erfolgen oder auch Misserfolgen besser umgehen.

Wie stark ist die heimische Liga?

Ein extrem wichtiger Faktor, der herangezogen werden muss, wenn man das nächste Ligaspiel nach einem Europacupauftritt beleuchtet, ist natürlich die Stärke der nationalen Liga. Nun haben wir in unserer Liste zwar keine Gewichtung des Gegners vorgenommen, jedoch erklären die schwachen Gegner von Teams wie Celtic Glasgow, Dinamo Minsk, APOEL Nikosia oder Skenderbeu Korce die guten Platzierungen in unserer „Nach dem EC“-Tabelle, deren Platz ihr in der folgenden Tabelle ganz rechts seht.

Napoli und Rapid top

Zieht man alle 48 Europa-League-Starter heran, so ist Rapid derzeit das zweitbeste Team und neben dem SSC Napoli die einzige Mannschaft, die alle vier Partien gewinnen konnte.

Während aber Napoli in der Serie A immer gewann, nachdem man im Europacup erfolgreich war, holte Rapid nur einen 2:0-Sieg über die Admira, verlor danach gegen RB Salzburg, die Austria und Grödig.

Drei Viertel holten mindestens 50% der Ligapunkte nach EC-Spielen

Insgesamt holten drei Viertel aller Teilnehmer in den vier Spielen, die unmittelbar auf die vier bereits absolvierten Europa-League-Partien folgten, mindestens die Hälfte der möglichen Punkte: 36 von 48 Teams holten sechs Punkte oder mehr. Rapid liegt in dieser Wertung mit drei Punkten nur auf dem 44.Platz und kein Team holte weniger als drei Punkte. Aufgrund der besseren Tordifferenz setzt man sich derzeit gerademal gegen den FC Schalke 04 und Saint-Étienne durch, aufgrund mehr erzielter Tore liegt Rapid mit punkte- und tordifferenzgleich mit Liverpool und Partizan Belgrad, das aktuell noch mal deutlich mehr enttäuscht, als der österreichische Vizemeister.

In der Qualifikationphase stark, in der Gruppenphase nicht

Auch wenn Rapid nach den Europa League Partien mit Salzburg und der Austria die beiden stärksten Gegner zu Gast hatte, stehen diese Gegner in keiner Relation zu den Mannschaften, mit denen es andere EC-Starter zu tun bekamen. Außerdem konnte Rapid in der Qualifikationsphase drei Tage nach dem kräfteraubenden 2:2 gegen Ajax Amsterdam mit 2:1 in Salzburg gewinnen und die Austria acht Tage nach dem 3:2 in Amsterdam und nur drei Tage nach dem 2:1 gegen den WAC auswärts mit 5:2 besiegen. Dass die Saison nun schon länger dauert, sollte angesichts des mentalen Vorteils, den die Rapid-Spieler aus den erfolgreichen Europacuppartien mitnehmen müssten, keine wirkliche Ausrede für diese Kehrtwende in den Liga-Ergebnissen sein.

EL Pl.TeamEL SpEL SEL UEL NEL TDEL PtL Sp.L TDL PtPl.
1.SSC Napoli4400+15124+11123.
2.SK Rapid4400+4124-1344.
3.Borussia Dortmund4310+7104+4915.
4.Molde BK4310+5104+9124.
4.Lazio Rom4310+5104-2636.
6.Athletic Bilbao4301+794+4916.
7.Villarreal4301+594-2442.
8.FC Basel4301+494+37*26.
9.Sporting Braga4301+294+5821.
10.Schalke 044220+784-5347.
11.Lok Moskau4220+484+5914.
12.FC Sion4220+284+510*8.
13.Saint-Étienne4211+374-5348.
14.Tottenham4211+274+5822.
15.FK Krasnodar4211+174+-0731.
16.Slovan Liberec4211+174+3727.
17.AC Fiorentina4202+464+5913.
18.Olympique Marseille4202+264-1440.
19.Sparta Prag4130+264+13122.
20.FC Liverpool4130+164-1345.
20.Besiktas Istanbul4130+164+10107.
20.AS Monaco4130+164-2441.
23.FC Augsburg4202+-064-3443.
24.Partizan Belgrad4202-364-1346.
25.FC Midtjylland4202-564+4632.
26.Fenerbahce4121-154+2823.
27.Sporting Lissabon4112-144+9125.
28.RSC Anderlecht4112-144+1537.
29.Qarabag Agdam4112-244+3917.
30.Asteras Tripolis4112-344+31010.
31.Lech Posen4112-344-1635.
31.Dnipro4112-344+19*18.
33.Belenenses4112-544+-0919.
34.FC Brügge4112-644+-0633.
35.Viktoria Pilsen4103-134+6911.
36.Ajax Amsterdam4031-134+3728.
37.PAOK Saloniki4031-134+1730.
37.Gir. Bordeaux4031-134+2729.
39.AZ Alkmaar4103-434+-0634.
40.Skenderbeu Korce4103-434+5912.
41.APOEL Nikosia4103-634+15106.
42.Rubin Kazan4022-224+-0439.
43.Celtic Glasgow4022-324+15121.
44.Legia Warschau4013-414+3725.
45.Rosenborg BK4013-514+4724.
46.FC Groningen4013-514-3538.
47.FK Qabala4013-714+7820.
48.Dinamo Minsk4004-804+5109.

Legende:
EL Pl. : Platz in der Europa League (gesamt) | Team | EL Sp/S/U/N : Europa League Spiele/Siege/Unentschieden/Niederlagen | EL TD : Europa League Tordifferenz | EL Pt : Europa League Punkte | L Sp. : Spiele in der heimischen Liga, direkt nach einer Europa League Partie | L TD / L Pt. : Aus diesen Spielen erreichte Tordifferenz und Punkte | Pl. : Der Platz in den „Spielen nach einer Europacuppartie“ über alle 48 Gruppenteilnehmer der Europa League

Mit einem * sind die Schweizer Teams Basel und Sion versehen, weil sie einmal von vier Malen unmittelbar nach einem Europa League Auftritt ein Cup-Spiel bestritten und keine Ligapartie.

Runterkommen statt Hochhalten?

Die Gründe für das schwache Auftreten in der Liga sind mannigfaltig. Einerseits könnte Rapid ein Mentalitätsproblem haben, andererseits scheint man sich aus der „Doppelbelastung“ selbst keinen Vorteil zu basteln. Es ist eher so, dass Rapid nicht „on fire“ bleibt, sondern nach den nervenaufreibenden und an die Substanz gehenden Europacuppartien, versucht wieder runterzukommen, Kraft zu sparen, anstatt sie weiter aufzubauen.

Wer ist noch schwächer?

Von den besseren Teams der heurigen Europa-League-Saison sind nur Schalke und Saint-Étienne in der „Nach dem EC“-Tabelle schlechter platziert als Rapid. Villarreal hat einen Punkt mehr als die Grün-Weißen, musste aber am Wochenende zum FC Barcelona (0:3), was eine solide Statistik vermieste. Schalke musste nach den EC-Spielen unter anderem gegen Dortmund (2:3) und Gladbach (1:3) ran, also zwei Teams, die ebenfalls an Gruppenphasen teilnehmen. Saint-Étienne musste sich mit Lyon (0:3) und PSG (1:4) ebenfalls zwei CL-Teilnehmern geschlagengeben.

Kleine Teams gehen mit Druck sehr gut um

Dass es auch anders geht, zeigen Underdogs, die in ihren Ligaspielen unmittelbar nach dem Europacup sogar noch stärker herauskommen. Belenenses machte in der portugiesischen Liga erst 13 Punkte aus zehn Spielen, davon aber neun nach den EC-Auftritten. Augsburg ist Letzter in der deutschen Bundesliga und holte vier von sechs erreichten Punkten in der heimischen Meisterschaft nach Europacupspielen.

Celtic schießt sich den Frust von der Seele

Das speziellste Beispiel ist Celtic, die in einer enorm schweren Gruppe mit Molde, Ajax und Fenerbahce derzeit Letzter sind, dafür aber alle vier Ligaspiele nach dem Europacup deutlich gewannen. Die Schotten kommen offenbar gestärkt aus den schweren Europacuppartien und lassen ihre Wut und das größere Tempobewusstsein an den schottischen Ligakonkurrenten aus.

Zwischen Erfolgskonvertierung, „Jetzt erst Recht“ und Runterkommen

Doppelbelastung muss also nicht immer Belastung sein, wie viele der oben stehenden Beispiele zeigen. Manche Teams konvertieren ihre Erfolge in mentale Stärke und spielen danach in der Liga erneut stark, andere wandeln ihre Misserfolge in Wut und eine „Jetzt erst Recht“-Einstellung um. Weiterhin kommt es auf die Mentalität einer Mannschaft, sowie die richtige Balance aus Regeneration, aber auch bzw. vielleicht sogar vor allem Hochhalten der körperlichen Spannung an. Möglicherweise verlangt es die Doppelbelastung sogar, dass die Belastung der Spieler hochgehalten wird – wie gesagt ist aber jedes Team und jeder Spieler anders, weshalb sich diese These praktisch nicht allgemein gültig machen lässt.

Rapid erwartet Altach und Salzburg

Übrigens: Nach Rapids Auswärtsspiel in Villarreal geht es für die Grün-Weißen ins Heimspiel gegen Altach und drei Tage nach dem abschließenden Gruppenspiel gegen Dinamo Minsk treffen die Hütteldorfer auswärts auf den amtierenden Meister Red Bull Salzburg, ehe es in die wohlverdiente Winterpause geht – in der definitiv Regeneration angesagt sein muss.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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