Nachdem wir bereits den Verein KRC Genk und das Standing desselben in Belgien und Europa analysierten, werfen wir nun einen Blick auf die homogene... Durchwegs torgefährlich „trotz“ 4-4-2 mit Doppelsechs – das ist Rapid-Gegner KRC Genk!

belgienNachdem wir bereits den Verein KRC Genk und das Standing desselben in Belgien und Europa analysierten, werfen wir nun einen Blick auf die homogene Mannschaft des belgischen Tabellenvierten. Der niederländische Trainer Mario Been hat eine mehr als schlagkräftige Truppe zur Verfügung, die bekanntlich bereits Dynamo Kiev und den FC Thun besiegen konnte.

KRC Genk läuft unter dem dynamischen Niederländer Mario Been in einem 4-4-2-System mit Doppelsechs auf. Die Doppelsechs ist dabei jedoch sehr spielstark und torgefährlich, schaltet sich immer wieder gefährlich in Angriffe ein und lässt vor allem im offensiven Mittelfeld wenige Lücken aufkommen. Die seitlichen Mittelfeldspieler sind keine echten Flügelspieler, bilden aber in Vorwärtsbewegung oft eine Linie mit den Angreifern, von denen zumindest einer stets sehr gut antizipiert. In der häufigsten Angriffsvariation mit Vossen und De Ceulaer nimmt Letzterer einen hängenden Part ein und lässt sich häufig auf die Zehnerposition zurückfallen. Dadurch wird dem 4-4-2 auf der Zentralachse eine ausgezeichnete Staffelung verliehen. Aber alles der Reihe nach.

Der Torhüter

In der Vorsaison war der Ungar László Köteles noch phasenweise schwach und kassierte „Steirertore“. Doch heute ist er für die Genkis wieder ein sicherer Rückhalt, der durch gute Reaktionszeiten und starke Paraden auf der Linie auffällt. Bei Flanken ist Köteles auch aufgrund seiner „nur“ 185cm nicht fehlerfrei, aber dennoch sehr entschlossen. Seine größte Stärke sind jedoch die Elfmeter, bei denen der 29-Jährige oft zum Schrecken des Schützen mutiert.

Der Ersatzmann für Köteles ist mit dem 26-jährigen Kristof van Hout ein sehr interessanter Mann. Dieser ist nämlich, wenn auch derzeit ohne Chance auf ein Stammleiberl, der körperlich größte Profifußballer der Welt. Der Belgier misst 208cm und bringt über 100kg auf die Waage.

Die Innenverteidiger

Die beiden gesetzten Innenverteidiger Genks sind keine besonders guten Aufbauspieler, dafür aber gestandene Verteidiger, wie sie im Buche stehen. Der ältere der beiden ist der Senegalese Serigne Kara – und der sechsfache Teamspieler ist erst 23 Jahre alt. Kara kam im vergangenen Winter aus Tromsö, misst 192cm und ist vor allem durch seine körperliche Konstitution und seine gewaltige Kopfballstärke ein sehr wichtiger Spieler für den KRC. Zudem besticht Kara mit seiner Schnelligkeit auf den ersten Metern. Im Aufbauspiel ist Kara kein spektakulärer Kicker und begeht phasenweise unnötige Abspielfehler auf der Zentralachse. Zudem ist Kara auch bei offensiven Standards eine gefährliche Waffe für die Belgier.

Der zweite Innenverteidiger heißt Kalidou Koulibaly, ist französischer Staatsbürger und hat senegalesische Eltern. Der 195cm große Innenverteidiger ist ebenfalls enorm kopfball- und zweikampfstark, weist aber nicht dieselbe Grundschnelligkeit wie Kara auf. Schon im Alter von 19 Jahren war er Stammspieler beim FC Metz, ehe er vor mittlerweile knapp 1 ½ Jahren zu Genk wechselte. Der ehemalige französische U20-Nationalspieler ist passsicherer als Kara, kann auch als rechter Verteidiger aufgeboten werden und ist offensiv ähnlich gefährlich wie sein senegalesischer Abwehrkollege.

Alternativen: Torben Joneleit (26, GER, einstiger deutscher Juniorennationalspieler), Jeroen Simaeys (28, BEL, mit 193cm ein klassischer Innenverteidiger, in den Jahren 2008 und 2009 je ein Länderspiel für die belgische Nationalmannschaft)

Der rechte Verteidiger

Der 26-jährige Südafrikaner Anele Ngongca spielt bereits seit 2007 bei Genk. Zuvor kickte der 31-fache Nationalspieler für einen kleinen Verein in seiner Heimat. Ngongca ist ein flexibler Spieler, der auch auf zentralen Positionen eingesetzt werden kann, allerdings hat er seinen linken Fuß „nur zum Stehen“. Sein Offensivdrang ist durchschnittlich, defensiv ist er dafür ein äußerst lästiger Gegenspieler, den man oft zwei- bis dreimal umkurven muss, um an ihm vorbeizukommen. Er gilt als guter Zweikämpfer mit stets dynamischer Körperhaltung und ist trotz seiner 177cm auch in defensiven Luftduellen ein unangenehmer Gegenspieler.

Alternative: Sandy Walsh (18, NL, bisher erst ein Pflichtspieleinsatz)

Der linke Verteidiger

Der 24-jährige Derick Tshimanga wurde in Kinshasa, Kongo geboren, hält aber die belgische Staatsbürgerschaft und wurde auch schon einmal im Nationalteam eingesetzt (2011). Der Linksverteidiger, der auch im linken Mittelfeld aufgeboten werden kann, ist ein enorm explosiver und körperlich wuchtiger Spieler, obwohl er nur 176cm groß ist. Er setzt seinen Körper perfekt ein, führt jeden Zweikampf mit 100% und ist zudem pfeilschnell. Der Linksverteidiger ist einer der heimlichen Stars im Team, auch wenn er offensiv noch ein wenig die Effizienz vermissen lässt. Tshimanga ist durchaus ein Kandidat für einen Wechsel zu einem größeren Verein in den nächsten ein bis zwei Jahren.

Alternative: Brian Hamalainen (24, DK, ehemaliger dänischer U21-Teamspieler, aktuell ohne Chance gegen Tshimanga und auch kein möglicher Backup-Spieler für die rechte Seite)

Das zentrale Mittelfeld

Der defensivste Mittelfeldspieler ist mit Khaleem Hyland eine „Pferdelunge“. Der 24-Jährige stammt aus Trinidad & Tobago und spult einen großen Aktionsradius ab. Hyland spielte im Nachwuchs beim FC Portsmouth und kam danach über Zulte-Waregem zu Genk. Defensiv rückt er auf der Zentralachse immer wieder zwischen die Innenverteidiger und bildet so eine massive Zentralachse bei gegnerischem Ballbesitz. Auch offensiv schaltet sich der 186cm große 34-fache Nationalspieler gut ein und glänzt dabei mit recht hoher Passgenauigkeit. Den Abschluss sucht Hyland selten, aber zumal er mit seiner Feldposition die Feldposition der anderen Mittelfeldspieler vorgibt, gibt es ohnehin vor ihm Spieler, die dafür zuständig sind. Im letzten Ligaspiel gegen Lierse wurde Hyland geschont, weil er zuvor mit der trinidadischen Nationalmannschaft unterwegs war.

Den offensiveren Part in der Zentrale nimmt der Franzose Julien Gorius ein. Der 28-Jährige wurde bei Genk ein wenig umfunktioniert, denn während er bei seinen vorherigen Engagements bei Mechelen und dem FC Brüssel in 4-2-3-1-Systemen einen typischen Zehner abgab, ist er bei Genk eher ein Achter, der häufig auf einer Linie mit Hyland zu finden ist. Der Rechtsfuß ist in erster Linie ein bärenstarker Techniker, der zahlreiche Tricks auf Lager hat und vor allem über kurze Distanzen sehr genaue und scharfe Pässe an den Mann bringt. Außerdem ist er selbst enorm torgefährlich und ein toller Freistoßschütze. Für Genk erzielte er in 1 ½ Jahren neun Ligatore, für Mechelen waren es in vier Jahren sogar 43 Treffer.

Das Backup für diese beiden Positionen ist der einstige ghanaische Nationalspieler Bennard Yao Kumordzi. Der 28-Jährige ist ein verlässlicher Ersatz, der vor allem in die Breite sehr stark spielt und zwischen den Linien eine wichtige Position einnimmt. Rückt ein Stürmer bei gegnerischem Ballbesitz zurück, macht der giftige, kampfstarke Kumordzi zwischen den Linien seine Meter. Allerdings ist er ein zu ähnlicher Typ wie Hyland und kommt aktuell nicht am Trinidader vorbei. Der 188cm große Mittelfeldspieler ist in seiner Gesamtheit eine nicht zu unterschätzende Erscheinung auf dem Platz, der enorme Laufstärke mitbringt und kaum müde wird. Gesetzt ist er aktuell aber nicht.

Alternativen: Pieter Gerkens (18, BEL, DM), Mohammed Mert (18, BEL/TUR, ZM)

Das rechte Mittelfeld

Der routinierte Thomas Buffel ist im rechten Mittelfeld von Racing Genk absolut unumstritten. Der Ersatzkapitän von Genk spielte zwischen 2005 und 2008 für die Glasgow Rangers und war davor einer der Top-Offensivleute bei Feyenoord Rotterdam. Seit 2009 spielt der 32-Jährige wieder sehr erfolgreich für Racing Genk und stand sogar noch im Februar dieses Jahres für die starke belgische Nationalmannschaft auf dem Platz. Buffel ist ein starker Dribbler, der technisch große Sicherheit ausstrahlt und durch sein Spiel ohne Ball dauerhaft seinen Gegenspieler beschäftigen kann. Er ist mit allen Wassern gewaschen, büßte allerdings zuletzt an Schnelligkeit ein, weil er in seiner Schottland-Zeit immer wieder verletzt war. Beim „Einmal berühren“ macht Buffel kaum Fehler.

Alternativen: Ajub Masika (21, KEN, sehr talentierter und schneller kenianischer Nationalspieler, der jedoch zu inkonstant agiert, um Buffel zu gefährden)

Das linke Mittelfeld

Fabien Camus ist ein in Frankreich geborener Tunesier, der seit 2009 für Racing Genk spielt. Zu Beginn seiner Zeit bei Genk spielte er als zentraler Mittelfeldspieler im Stile eines Achters, doch unter Mario Been hat er eine andere Position inne. Er spielt auf der linken Mittelfeldseite einen grundsätzlich tief angelegten inversen Flügel und kommt phasenweise sogar als hängende Spitze neben Jelle Vossen zum Einsatz. Der 28-jährige Camus ist ein guter Techniker, der seine Stärken einerseits im Kurzpassspiel, andererseits aber auch im Abschluss – teils aus größeren Distanzen oder schwierigen Winkeln – hat. In der vergangenen Saison wurde er an Troyes verliehen, kehrte im Sommer wieder zurück nach Genk und hat nun erstmals einen Stammplatz inne. Er erzielte in der laufenden Saison nicht nur vier Pflichtspieltore, sondern steuerte auch noch acht Assists bei.

Alternativen: Jordy Croux (19, BEL, LM/LA/ZM), Anthony Limbombe (19, BEL, LA, enorm schneller Flügelspieler, der bereits mit 16 in der Kampfmannschaft von KRC debütierte), Steeven Joseph-Monrose (23, FRA, LA/RA, die offensivste Alternative, aber defensiv mit zu großen Mängeln).

Der Topstürmer

Der 24-jährige Jelle Vossen ist der unumstrittene Star im Team von Racing Genk. Der Angreifer kommt aus dem Genker Nachwuchs und hat noch Vertrag bis 2017. Mittlerweile wurde er mit jeweils 20 Treffern zweimal Vize-Torschützenkönig in der belgischen Liga und ist außerdem Kapitän seines Teams. Vossen ist ein relativ moderner Angreifer, der sich gut zurückfallen lässt (allerdings zumeist nur ein paar, dafür aber entscheidende Meter), den Ball gut abdeckt und vor allem über den nötigen Torriecher verfügt. Obwohl er wie am Fließband trifft spielt er weiterhin „nur“ für Genk und stand das letzte Mal vor elf Monaten für das Nationalteam auf dem Platz. In der laufenden Saison hält Vossen bei zehn Toren aus 16 Pflichtspielen, hinzu kommen drei Assists. Auch aus der Distanz ist der 182cm große Angreifer brandgefährlich. Manchmal hat Vossen Spiele, in denen er dauerhaft abtaucht, doch nicht selten ist er dann im entscheidenden Moment doch da.

Der zweite Angreifer

Aktuell ist der zweite Stürmer, der die defensivere Rolle als Vossen einnimmt, der 29-jährige Benjamin de Ceulaer. Er ist anders als Vossen kein Spieler, der die richtige Position ohne Ball sucht, sondern darauf bedacht ist, mehr mit dem Ball zu laufen. De Ceulaer ist ein guter Dribbler und vor allem sehr flink und wendig. Allerdings ist er bei weitem nicht so torgefährlich wie etwa Vossen oder auch Buffel und Camus. Phasenweise tauscht er mit Camus den Platz und weicht auf den linken Flügel aus, während Camus einrückt. Er rutschte zuletzt wieder ins Team, weil ein anderer Star derzeit verletzt ist.

Dieser andere Star und eigentlich mehr als nur der „zweite Angreifer“ wäre M’boyo Ilombe. Der 26-Jährige kam während der Saison um vier Millionen Euro von Gent und erzielte in seinen ersten sechs Pflichtspielen für Genk drei Tore. In der Vorsaison netzte der 26-Jährige gleich 18-mal für KAA Gent. Im Herbst 2012 absolvierte der gebürtige Kongolese zwei Spiele für die belgische Nationalmannschaft. Der kraftvolle Angreifer ist aber erst für das Rückspiel eine Alternative und selbst das ist noch nicht fix.

Alternativen: Kim Ojo (24, NIG, einstiger Torjäger von Brann Bergen, seit einem Jahr bei Genk, aber noch stark hinter den Erwartungen zurück), Siebe Schrijvers (17, BEL, belgischer U19-Teamspieler, bisher ein Spiel für Genk), Albian Muzaqi (18, ALB/NL, Neuzugang aus dem PSV-Eindhoven-Nachwuchs, bisher noch kein Spiel für Genk).

Chancen

Genk ist durch die Bank eine sehr dynamische, technisch gute Mannschaft, die zielgerichtet nach vorne spielt und durch ihre gute Mittelfeldstaffelung sehr kompakt ist. Wie so oft ist schnelles Umschaltspiel das Zauberwort, um gegen dieses Team Erfolg zu haben. Leicht wird es gegen den KRC aber so oder so nicht – auch weil die Belgier auf einer Erfolgswelle schwimmen und als enorm heimstark gelten. Unsere Prognose für das erste Aufeinandertreffen dieser Teams lautet daher 80:20 pro Genk.

Mögliche Aufstellung

Köteles – Ngongca, Koulibaly, Kara, Tshimanga – Buffel, Hyland, Gorius, Camus – De Ceulaer – Vossen

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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