Zum Start der UEFA Europa League trifft Österreichs letzter Europacupvertreter, der SK Rapid, am Donnerstagabend auf Villarreal. Die Spanier gelten als taktisch sehr sauberes... Neues Personal, unveränderte Ausrichtung: Das ist die Mannschaft von Villarreal

Spanien-Flagge_abseits.atZum Start der UEFA Europa League trifft Österreichs letzter Europacupvertreter, der SK Rapid, am Donnerstagabend auf Villarreal. Die Spanier gelten als taktisch sehr sauberes und ordentliches Team, sind in der Gruppe E der Favorit auf den Gruppensieg. abseits.at stellt die Mannschaft und Spielweise vor.

Red Bull Salzburg machte bereits letzte Saison mit dem Submarino Amarillo unliebsame Bekanntschaft, denn im Sechzehntelfinale verloren die Bullen beide Partien. Vom damaligen Team sind bei den Spaniern jedoch einige Spieler nicht mehr dabei. In der Offensive verlor man die fünf besten Torschützen der letzten Saison. Dennoch starteten sie gut in die neue Saison, holten sieben Punkte aus den ersten drei Ligaspielen und liegen aktuell auf Platz vier.

Kompaktes Verschieben im 4-4-2

In der letzten Saison überzeugte das gelbe U-Boot insbesondere mit seiner unglaublich hohen Ordnung im Spiel gegen den Ball. Nur drei Teams kassierten in der Primera Division weniger Tore. Aufbauend auf dieser Defensivstärke zeigten sie ein äußerst präzises und tödliches Konterspiel, das auch Red Bull Salzburg zu spüren bekam. Diese Strategie verfolgt das Team von Trainer Marcelino weiterhin und zeigt trotz der vielen Abgänge kaum Löcher, wie man im nachstehenden Bild erkennen kann. Die Abstände zwischen den Spielern sind nahezu perfekt und sie verschieben geschlossen.

Abweichungen von der zu sehenden 4-4-2-Ordnung sieht man gelegentlich im Angriffspressing, wo auch 4-1-3-2- und 4-3-3-Staffelungen möglich sind. Ansonsten zeigte Villarreal die an anderer Stelle bereits analysierten Abläufe: aus dem kompakten 4-4-2 rücken Spieler vereinzelt heraus und sorgen gemeinsam mit den sauber abgestimmten Verhalten des restlichen Teams für Zugriff und Balleroberungen. Im Kombinationsspiel stechen vor allem die einrückenden Flügelspieler ins Auge, während es im Umschaltspiel noch die eine oder andere Abstimmungsprobleme gibt.

Der Torhüter

Stammtorhüter von Villarreal ist Sergio Asenjo. Dem heute 26-Jährigen wurden einst große Chancen auf die Nachfolge von Iker Casillas eingeräumt, was jedoch nicht eintraf. Das lag weniger an seinen Anlagen, sondern vielmehr an seinen Verletzungen. Während bei seinem Ex-Atletico mit David De Gea und Thibaut Courtois zwei Weltklasse-Torhüter heranreiften, plagte sich Asenjo mit Meniskusproblemen und Kreuzbandrissen herum. Bei Villarreal schien es wieder bergauf zu gehen, ehe er sich Ende April zum dritten Mal das Kreuzbandriss.

Dementsprechend musste man sich um eine neue Nummer eins umsehen und verpflichtete mit Alphonse Areola von PSG einen aktuellen französischen U21-Teamspieler auf Leihbasis. Bereits während seiner letzten beiden Leihstationen in Bastia und Lens zeigte er konstant gute Leistungen. Der 22-Jährigen hat seine Stärken auf der Linie und ist immer wieder für gehaltene Elfmeter gut. Als Backup holte Villarreal zusätzlich den ablösefreien 31-jährigen Mariano Barbosa.

Die Innenverteidigung

In der Innenverteidigung fehlt – zumindest in Wien – der nominell stärkste Akteur. Mateo Musacchio zog sich Ende letzter Saison nämlich einen Wadenbeinbruch zu und stieg nach fünfmonatiger Pause erst vor kurzem wieder ins Training ein. Der 25-jährige Argentinier ist ein athletisch starker Abwehrspieler, der sehr mutig agiert und dessen Aktionen dadurch stets spektakulär wirken. Seinen Ausfall konnte Villarreal bisher jedoch recht gut auffangen.

Einerseits verpflichtete man Victor Ruiz, der bereits letzte Saison ausgeliehen war, aus Valencia fix: ein eher klassisch veranlagter Innenverteidiger, der vor allem damit überzeugt, dass er wenige Fehler macht und sehr sachlich spielt. Mit seiner Übersicht stellt er die Räume zu, während sein Nebenmann, Eric Bailly, oft herausrückt und viele Bälle erobert. Der 21-jährige Ivorer ist auch im Aufbauspiel auffälliger, leistet sich aber öfter Fehler als sein spanischer Kollege und greift öfter zu Fouls. In 15 Einsätzen für Villarreal sah er bereits siebenmal Gelb und einmal Gelb-Rot. Für das Spiel in Wien ist er gesperrt.

Hinter den beiden gibt es als Optionen einen jungen und einen alten Spieler. Der 34-jährige Daniele Bonera spielte für Brescia, Parma und Milan 321-mal in der Serie und lief 16-mal für die Squadra Azzurra auf. Bei Villarreal soll er eine verlässliche, routinierte Backup-Option geben. Im Kontrast dazu wird der 21-jährige Pablo Iniguez, der schon seit der Jugend bei den Submarinos ist, in der heurigen Saison wohl an die erste Mannschaft herangeführt.

Die Außenverteidigung

Die beiden Außenverteidiger dürften die einzigen Positionen sein, auf denen Villarreal mit den gleichen Spielern agieren wird, wie im Frühjahr gegen Salzburg. Links ist der 27-jährige Jaume Costa gesetzt. Er ist ein explosiver und technisch passabler Spieler, der mit Tempo die Angriffe seines Teams unterstützt. Er hinterläuft seinen Vordermann nicht nur stur, sondern zeigt auch passende diagonale Vorstöße. Darüber hinaus ist er überaus verlässlich im Defensivspiel und kann aufgrund seiner Dynamik ein unguter Gegenspieler sein.

Rechts spielt mit Mario Gaspar ein weiterer Akteur, der bereits als Jugendlicher zum Verein kam und ab und zu auch die Kapitänsschleife trägt. Im Vergleich mit Costa ist der 24-Jährige weniger spektakulär, sondern konservativ ausgerichtet. Ihm unterlaufen zudem selten schwerwiegende Fehler und was er macht hat stets Hand und Fuß, sodass er in letzter Zeit auch mit Wechseln zu größeren Klubs in Verbindung gebracht wird.

Die weiteren Optionen auf den defensiven Außenbahnen sind Spieler, die schon viel herumgekommen und erfahren sind. Links ist der 66-fache slowenische Nationalspieler Bojan Jokic, der auch schon in der Ligue 1 und Serie A kickte, der Ersatz für Costa. Rechts kommt Antonio Rukavina zu regelmäßigen Rotationseinsätzen. Der 31-jährige Serbe galt einst als Hoffnung bei Borussia Dortmund, wurde diesem Ruf jedoch nie gerecht und kam über 1860 München sowie Real Valladolid zu Villarreal.

Das zentrale Mittelfeld

Im zentralen Mittelfeld haben die Gelben einige interessante Spieler, allen voran Kapitän Bruno Soriano. Der 31-Jährige, der sämtliche Jugendteams durchlief, ist ein sehr spielintelligenter Sechser. Sein außerordentlich gutes Passspiel und seine intelligenten Bewegungen machen ihm zu einem Schlüsselspieler. Er baut das Spiel von hinten heraus auf, verteilt die Bälle auf die Seiten, kann aber auch gefährliche, öffnende Pässe zwischen die gegnerischen Linien spielen. Außerdem ist er ein guter Schütze bei ruhenden Bällen.

Nachdem er im ersten Saisonspiel die rote Karte sah fehlte Soriano die letzten beiden Spiele, sodass sich Manu Trigueros ins Rampenlicht spielen konnte. Bereits in der Vergangenheit hat er diesen einige Male sehr gut vertreten – unter anderem in den Spielen gegen Salzburg. Trigueros ist ebenfalls ein Spieler, der über ein variantenreiches Passspiel und gutes Bewegungsspiel verfügt. Er hat seinen Wirkungsbereich jedoch höher und ist etwas dynamischer sowie kleinräumiger. Gerade im hohen Pressing kann das für die Marcelino-Elf förderlich sein.

Der übliche Nebenmann von Soriano ist jedoch Tomas Pina, der technisch schwächste Zentrumsspieler. Er kommt vielmehr über seinen Einsatz und seine Zweikampfstärke. Nichtsdestotrotz zeigt der 27-Jährige immer wieder Vorstöße und balanciert jene seines Nebenmanns aus. Der größte Trumpf von Pina ist, dass er aufgrund seines Profils mit allen anderen Alternativen im Zentrum kompatibel ist und das Zentrum so in aller Regel äußerst sicher steht. Strebt Marcelino jedoch einen höheren Ballbesitzfokus an, dann muss er meist weichen.

Das war unter anderem in der zweiten Runde gegen Espanyol der Fall, als er für Jonathan dos Santos ausgewechselt wurde. Der Mexikaner, beim FC Barcelona ausgebildet, ist ein technisch und kombinativ starker Akteur, der zuweilen auch am Flügel zum Einsatz kommt. Bei Villarreal ist er ein klassischer Rotationsspieler, der oft für frischen Wind sorgt und Ausfälle seiner Mitspieler nahtlos auffangen kann.

Die offensiven Außenbahnen

Großen Aderlass hatte Villarreal auf den Flügel, wo mit Denis Cheryshev einer der besten Spieler zu Real Madrid zurückwechselte. Die Rolle des Russen auf der linken Außenbahn übernahm in den bisherigen Spielen Samu Castillejo, 20-jähriger Neuzugang von Malaga. Dieser ist ein ähnlicher Spielertyp: im Wesentlichen kein spektakulärer Spieler, der aber technisch gut ist, sich im Zwischenlinienraum und auf beiden Seiten bewegen kann, und ab und zu für Überraschungsmomente sorgen kann. In seinen Leistungen ist er jedoch noch nicht konstant.

Ein weiterer Vertreter dieses Spielertyps ist Samuel. Der 25-Jährige bildete letzte Saison mit Castillejo die Flügelzange bei Malaga. Im Gegensatz zu diesem spielt er jedoch etwas tororientier und wirkt manchmal weniger dominant, ist aber in den entscheidenden Momenten zur Stelle. In allen drei Ligaspielen wurde er bisher eingewechselt – Ausbeute: ein Tor und ein Assist. Es wird interessant zu beobachten sein, ob Samuel über die Jokerrolle hinauskommen wird, denn Villarreal hat noch zwei hochtalentierte Flügelspieler im Kader.

Kurz vor Ende der Transferzeit holte man Denis Suarez vom FC Barcelona. Der 21-Jährige kickte letzte Saison bei Sevilla und gilt als großes spanisches Talent. Von allen Flügelspielern ist er wohl am vielseitigsten. Suarez ist ein toller Dribbler, der nur schwer vom Ball zu trennen ist und zielstrebig Richtung Tor zieht. Außerdem ist er ein guter Kombinationsspieler und hat ein Auge für seine Mitspieler, kann auf beiden Seiten und unter Umständen auch als hängende Spitze eingesetzt werden.

Ähnliche Charakteristiken hat das Spiel von Matias Nahuel. Der 18-Jährige wurde erst im Sommer zu den Profis raufgezogen, stand aber in allen bisherigen Ligaspielen in der Startelf. Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass er eine gute Technik hat und daher im Zwischenlinienraum eine sichere Anspielstation darstellt, die schnell in die Tiefe spielt. Andererseits hatte Nahuel in den drei Spielen auch längere Leerlaufphasen drinnen, in denen er aber mit einer disziplinierten Arbeit gegen den Ball punkten konnte.

Der Angriff

Der große Star des Teams ist Roberto Soldado, der den Abgang von Supertalent Luciano Vietto kompensieren soll. Dabei ist der 30-Jährige ein komplett anderer Stürmertyp als der Argentinier – nämlich ein klassischer Mittelstürmer. Soldado ist physisch wuchtiger, bewegt sich im Angriffszentrum sehr gut, kann durch kurzes Zurückfallen das Kombinationsspiel unterstützen, Bälle halten und sichern und hat die Fähigkeiten aus dem Nichts Tore zu erzielen. Die Rückkehr in die Primera Division ist dem ehemaligen Real- und Valencia-Angreifer nach seinem verpatzten Gastspiel bei Tottenham gelungen: zwei Tore und zwei Assists in drei Spielen. Dass er in Wien nicht dabei, dürfte bei Grün-Weiß wohl für etwas Erleichterung sorgen.

Neben dem 17-maligen spanischen Teamspieler gibt es drei Kandidaten, die an und für sich auf einer Ebene zu sehen sind. Gute Karten auf einen Einsatz dürfte mit Cedric Bakambu der unbekannteste Spieler haben. Der 24-Jährige kam von Bursaspor, wo er letzte Saison 21 Pflichtspieltreffer erzielte. Er ist mit drei Toren bislang der beste Torschütze im Team. Von der Statur her ähnelt auch er einem klassischen Mittelstürmer, er bewegt sich jedoch weiträumiger als Soldado.

Leo Baptistao ist hingegen ein technisch guter Angreifer. Während Bakambu sich meist nach hinten zurückfallen lässt und im Aufbauspiel so ein 4-2-3-1 entstehen lässt, bewegt sich der Brasilianer häufiger auf die Seiten. Baptistao wurde von Atletico ausgeliehen, wo er sich nicht durchsetzen konnte. Auch sein Gastspiel bei Betis war durchwachsen, wogegen er bei Rayo letzte Saison wieder aufzeigen konnte. Er kickte übrigens bereits vor seinem Wechsel in die Hauptstadt für die Vallecanos.

Ebenfalls mit Atletico-Vergangenheit ausgestattet und auf Leihbasis verpflichtet ist Adrian Lopez. Der ehemalige U21-EM-Torschützenkönig konnte sich bei den Colchoneros ebenfalls nicht durchsetzen, wurde letzte Saison an Porto verkauft. Dort brachte er es nur auf neun Einsätze in der Liga. Für Villarreal könnte sich Lopez dennoch als Glücksgriff herausstellen. Wie Vietto ist er nämlich ein arbeitsamer, schneller Spieler, der auf dem Papier zum Konterspiel passt. Außerdem kann er auch am Flügel aushelfen.

Größter Prüfstein für Rapids Ballbesitzspiel

Villarreal reiht sich nahtlos in die Liste großer Herausforderungen für Rapid in dieser Saison ein, stellt nach dem ballbesitzorientierten Ajax und dem Umschaltmonster Shakhtar die dritte verschiedene Facette im Spielphilosophie-Spektrum dar. Gerade weil die Spanier in aller Regel kompakt stehen und dem Gegner das Spiel überlassen, dürfte es der bisher größte Prüfstein für das Ballbesitzspiel der Hütteldorfer werden. Auf den ersten Blick scheint der Umbruch bei Villarreal ein großer Vorteil zu sein, schließlich konnte man selbst den Kader weitestgehend zusammenhalten, während der Gegner noch nicht am Zenit sein dürfte.

Andererseits sind dessen Defensivabläufe nach wie vor unglaublich sauber und gut. In der Offensive hat man die Möglichkeit, vorübergehende taktische Probleme mit individuellen Fähigkeiten zu überbrücken. Gleichzeitig ist Rapid nach dem Abgang von Robert Beric selbst nicht mehr am spielerischen Höhepunkt vom Saisonbeginn. Zudem wirkt nach zwei Ligapleiten in Serie und dem Verlust der Tabellenführung das Selbstvertrauen, das die Überraschungen gegen Ajax und Shakhtar ermöglichte, angeknackst.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem