Red Bull Salzburg sammelt derzeit auch außerhalb der österreichischen Grenzen Punkte wie am Fließband. In der dritten Runde der UEFA Europa League besiegte der... Red Bull Salzburg weiter mit weißer Weste – Soriano knackt Standards Defensive

Jonathan Soriano - Red Bull SalzburgRed Bull Salzburg sammelt derzeit auch außerhalb der österreichischen Grenzen Punkte wie am Fließband. In der dritten Runde der UEFA Europa League besiegte der österreichische Tabellenführer im heimischen Stadion Standard Lüttich mit 2:1. Es war dies der dritte Sieg im dritten Spiel.

Vor 14.800 Zuschauern hatten die Bullen lange Zeit Probleme um ihr dominantes Spiel aufzuziehen. Sie hatten zwar klar mehr Ballbesitzanteile, konnten sich gegen defensiv sehr gut stehende Belgier zunächst aber kaum Torchancen erspielen. Erst in der zweiten Hälfte, als beide Teams nur mehr zu zehnt waren, knackte Jonathan Soriano den belgischen Defensivriegel. Nachdem in der 67. Minute ein weiterer Spieler der Gäste die rote Karte sah, ließ man sich den Sieg nicht mehr nehmen. Andre Ramalho erzielte kurz vor Schluss schließlich noch das 2:0, ehe Geoffrey Mujangi Bia per Elfmeter den Endstand fixierte.

Leitgeb erneut in der Startelf

Die Salzburger spielten in der gewohnten, nominellen 4-4-2-Grundordnung. Neben Soriano begann der formstarke Alan, wobei der Spanier etwas tiefer spielte um den Abstand ins Mittelfeld zu verkleinern. Generell ist bei der Interpretation der Formationsbezeichnung Vorsicht geboten, denn aufgrund der Tatsache, dass die Salzburger fast 70 Prozent Ballbesitz hatten, nahmen sie ihre Aufbauformation ein. Das markanteste Merkmal dabei war, dass die Außenverteidiger weit mit nach vorne gingen, während die beiden Sechser im Zentrum gestaffelt tiefer standen. Neben Stefan Ilsanker bildete dabei Christoph Leitgeb die Doppelsechs.

Der ÖFB-Teamspieler stand bei den Bullen lange Zeit auf dem Abstellgleis, kommt in den letzten Wochen aber wieder vermehrt zum Zug. In diesem Spiel sollte er vor allem für die Verbindungen nach vorne sorgen, was ihm aufgrund diverser Gründe erst in der zweiten Halbzeit gelang. Unterm Strich standen bei ihm bis zur Auswechslung nach 82 Minuten 77 Ballkontakte, 87 Prozent Passerfolgsquote und fünf aufgelegte Torschüsse – so viele wie bei keinem anderen Spieler.

Nur 50 Prozent des Traumsturms

Aufseiten von Standard sorgte in der bisherigen Spielzeit vor allem das Sturmduo für Begeisterung, wie bereits in der Teaminfo ausgeführt wurde. Anstelle der üblichen 4-4-2- setzte Trainer Guy Luzon in diesem Spiel aber auf eine 4-4-1-1-Grundformation. So stürmte nur der 20-jährige Imoh Ezekiel, während Michy Batshuayi zunächst auf der Bank platznehmen musste und erst kam nachdem Standard in Rückstand geriet. Ezekiel deutete in einzelnen Situationen sein großes Potenzial an, als er gut antizipierte, blieb aber im Großen und Ganzen offensiv blass, schoss kein einziges Mal, führte dafür aber die Foulstatistik an.

Hinter dem Nigerianer begann Mehdi Carcela-Gonzalez, der je nachdem ob sein Team den Ball hatte oder nicht zwischen Mittelfeld und Sturm pendelte. Nach einem taktischen Foul sah der Marokkaner vor der Pause jedoch Gelb-Rot.

Standard macht die Mitte dicht

Der Matchplan der Belgier war von Anfang an klar ersichtlich. Sie wären offenbar mit einem Unentschieden zufrieden gewesen und konzentrierten sich ausschließlich auf die Defensive. In ihrer 4-4-2-Defensivordnung wollten sie vor allem das Zentrum zumachen. Dabei übten sie noch nicht mal viel Druck aufs Aufbauspiel der Salzburger aus, sondern verschoben lediglich kompakt und attackierten den jeweiligen Gegenspieler sobald dieser an den Ball kam. Eine beispielhafte Szene sieht man im nachstehenden Bild.

Standard zieht vor dem Strafraum zwei enge Ketten auf, während die Stürmer weiterer davor den ballführenden Spieler auch nur sporadisch und alibimäßig anlaufen. So konzentriert sich hier der ballnahe Stürmer darauf den Weg ins Zentrum zu versperren, währen der zweite in großem Abstand davon wartet, anstatt schon jetzt auf einen der beiden anderen Aufbauspieler Salzburgs zu rücken. Liefen sich die Salzburger in diesem engmaschigen Netz fest, nahmen die Lütticher kaum Risiko und schlugen viele lange Bälle. Jeder fünfte Pass ging über eine Distanz von mindestens 25 Yards.

Salzburgs Flügel nicht im Spiel

Es ist also keine Überraschung, dass Standard die meisten Balleroberungen im Zentrum vor der Abwehr verbuchte – der Großteil ging dabei auf die Konten von Laurent Ciman (6) und Yoni Buyens (4). Überdies hinaus fingen die beiden auch die jeweils selbe Anzahl an Pässen ab. Spielten die Salzburger in den Zwischenlinien raum zogen sich Verteidigung und Mittelfeld zusammen, was vor allem Soriano zusetzte. Dem Spanier wurde sechsmal der Ball abgenommen.

Da im Zentrum kein Durchkommen war, mussten die Gastgeber vermehrt auf die außen Spielen. Allerdings verengte Standard gut und schnell den Raum, sodass immer wieder ein Pass nach hinten folgte. Besonders den formstarken Kevin Kampl hatten die Belgier gut in Griff. Wie man auch im obigen Bild erkennen kann, stand neben dem Außenverteidiger auch der linke Mittelfeldspieler von Standard stets beim Slowenen. In den ersten 30 Minuten konnte dieser nur zwölfmal den Ball berühren. So war Sadio Mane bis zu seinem Ausschluss noch einer der auffälligsten Spieler – nicht nur aufgrund seiner Schwalben.

Unterschiedliche Reaktionen auf Ausschlüsse

Den Wendepunkt stellten die beiden gelb-roten Karten vor dem Seitenwechsel dar, bzw. die Reaktionen auf diese. Salzburg-Coach Roger Schmidt behielt seine Grundordnung mit zwei Stürmern bei. Kampl rückte weiter ins Zentrum und Leitgeb ging weiter nach links. Es entstand dadurch ein asymmetrisches 4-3-2, in dem Kampl immer wieder hin- und herpendelte, dem Spiel seinen Stempel aufdrücken konnte. Das lag aber auch an der erwartungsmäßigen Reaktion von Luzon, der auf ein vorsichtigeres 4-4-1 setzte. In diesem konnte Standard aufgrund der Tatsache, dass ein Stürmer fehlte, die Passwege ins Zentrum nicht mehr zustellen.

Andererseits hatte Salzburg dort einen weiteren technisch starken Spieler mehr. Dafür, dass die beiden äußeren Standard-Mittelfeldspieler nicht enger stehen konnten, sorgten die beiden Außenverteidiger, die weiter konsequent hoch standen. Aufgrund des geringen Drucks im Zentrum konnten so schnelle Seitenwechsel durchgeführt werden und auf Lücken gewartet werden. Vor allem beim vorentscheidenden ersten Tor konnte man diese Abläufe sehen. Mit dem Ausschluss von Kanu übernahm Salzburg dann die volle Kontrolle über das Spiel und ließ Standard keine Chance mehr um ins Spiel zurückzufinden.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem