Red Bull Salzburg brannte im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League auswärts bei Ajax Amsterdam ein Feuerwerk ab und gewann in beeindruckender Art und Weise... Red Bull Salzburgs neues Gesicht: Eine Analyse des Pressings gegen Ajax Amsterdam

Roger Schmidt - Red Bull SalzburgRed Bull Salzburg brannte im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League auswärts bei Ajax Amsterdam ein Feuerwerk ab und gewann in beeindruckender Art und Weise mit 3:0. Nachdem wir uns bereits mit dem allgemeinen Spielcharakter auseinandergesetzt haben, nehmen wir in diesem Artikel das Pressing der Bullen genauer unter die Lupe.

Dass man nicht unbedingt in Ballbesitz sein muss, um ein Spiel zu kontrollieren, ist mittlerweile weitestgehend bekannt. Gegen Ajax hatte Salzburg beispielsweise mit 38% ziemlich wenig davon, dennoch gab das Team von Roger Schmidt in der Amsterdam Arena mehr Schüsse ab als etwa der FC Barcelona, der AC Milan oder Celtic. Der Deutsche verpasste den Bullen ein neues Gesicht und etablierte ein außerordentlich gutes Spiel gegen den Ball. Anhand einiger Beispielszene sei dieses nun erläutert.

Erkennen der Spielrichtung und Trigger

Das Pressing ist eine kollektive Spielstrategie, weshalb es wichtig ist, dass die einzelnen Spieler möglichst gut aufeinander abgestimmt agieren. Am wichtigsten sind dabei die Laufwege und der Zeitpunkt, zu dem man ins Pressing geht. Es gibt dafür im Allgemeinen mehrerer Situationen, die als Trigger dienen können. Beispielsweise kann es sich um ein simples Kommando eines Spielers handeln, oder sich nach den Bewegungen und Aktionen der Gegenspieler richten. Gegen Ajax richteten sich die Bullen vor allem danach, wann ein Spieler sein Sichtfeld drehte.

Ajax wurde hier nach hinten gezwungen, sodass der rechte Innenverteidiger am Ball ist, der sich diesen so annimmt, dass er sich nach innen dreht. In dieser Position ist ein Pass auf den scheinbar freien Außenverteidiger sehr unwahrscheinlich, weil schwierig zu bewerkstelligen. Zudem würde dieser wohl umgehend vom rechten Flügelspieler attackiert werden. Die Salzburger erkennen das und orientieren sich ebenfalls in Richtung des linken Innenverteidigers und attackieren diesen geschlossen. Der versuchte lange Ball wird geblockt.

Das Leiten auf Ajax‘ linke Abwehrseite

Dieses Verhalten machte sich Salzburg auch beim Steuern des Gegners zunutze. Insbesondere auf die linke Seite des Gegners wollte man das Spiel leiten, da dort Lerin Duarte auf einer für ihn ungewohnten Position spielte. Die Vorgehensweise sehen wir uns nun im Detail an.

Ajax hat den Ball auf der rechten Seite, muss dort aufgrund des guten Pressings nach hinten zum Torhüter spielen. Entscheidend ist hierbei, dass Kevin Kampl vom rechten Flügel zunächst weit eingerückt ist. Er orientiert sich nicht zum Außen- sondern zum Innenverteidiger, wodurch einerseits der Druck auf den Ballführenden erhöht wird und andererseits dem Gegner der Raum, in den man ihn leiten will, geöffnet wird.

Danach löst sich Kampl vom Innenverteidiger, welcher dann vom zweiten Stürmer übernommen wird, und läuft den Torhüter in hohem Tempo an. Wieder lässt er den Passweg nach außen bewusst offen. Allerdings bewegt er sich so, dass er beim Pass bogenförmig ohne viel Tempo zu verlieren auf den Linksverteidiger weiterlaufen kann. Als dieser an den Ball kommt ist die Distanz nur mehr gering und der Druck enorm groß, da auch Salzburgs Rechtsverteidiger aufgerückt ist.

In der zweiten Szene erkennt man diese Abläufe erneut. Der Innenverteidiger wird bogenförmig und in hohem Tempo angelaufen und der Passweg nach außen angeboten, während das Zentrum zugestellt ist. Kommt das Zuspiel attackiert zusätzlich zu einem Spieler aus der ersten Pressingreihe der Außenverteidiger.

Die Rollen von Leitgeb und Ilsanker

Neben den Außenverteidigern spielen auch die beiden Sechser im Pressing eine wesentliche Rolle. Sie sind für die Rückendeckung der Stürmer und Flügelspieler verantwortlich. Wird einer von ihnen überspielt, müssen sie sofort attackieren – ebenso falls ein Pass zwischen die Linien kommt. Die Rolle von Stefan Ilsanker wurde in einem früheren Artikel bereits ausführlich behandelt, weshalb wir uns hier auf seinen Nebenmann Christoph Leitgeb beschränken wollen.

Die Stürmer gehen in dieser Situation wie gewohnt auf die Innenverteidiger und die Flügelspieler orientieren sich an den Außenverteidigern, was potenziellen Raum für Danny Blind, Ajax‘ Sechser und wichtigsten Bestandteil in diesem Stadium, bedeutet. Leitgeb rückt hier gedankenschnell nach vorne, während sich der linke Flügelspieler so positioniert, dass er sowohl ins Zentrum als auch nach außen reagieren kann.

Es folgt ein Pass zum rechten Innenverteidiger, woraufhin sich die Zuständigkeiten und Aufgaben verschieben. So geht Sadio Mane auf seinen nominellen Gegenspieler auf der Außenbahn, Leitgeb übernimmt den ballnahen Achter und der ballferne Stürmer geht auf den Sechser. Dadurch wird, wie man im obigen Bild sieht, zwar der linke Innenverteidiger frei, allerdings befindet sich nicht im Sichtfeld des ballführenden Mitspielers.

Gegenpressing sorgt für permanenten Druck

Zum Abschluss wollen wir uns noch dem Gegenpressing widmen. In der Bundesliga müssen die Salzburger aufgrund dessen, dass sie dort häufiger in Ballbesitz sind, auf dieses naturgemäß öfter zurückgreifen. Doch auch im Rahmen des Ajax-Spiels erkannte man in einzelnen Situationen, dass Salzburg in der Lage ist, nach Ballverlusten sofort Druck auf den Gegner ausüben kann. Nachstehend sieht man eine beispielhafte Szene.

Wieder erkennt man den Einfluss der beiden Sechser. Sie sind ständig bemüht in der Nähe des Balls zu sein um möglichst schnell eingreifen zu können. Das Risiko, das diese Spielweise mit sich bringt, ist die hohe Anfälligkeit bei Kontern, wenn es der Gegner schafft in den Rücken der Sechser zu kommen. Auch der FC Barcelona kämpft aktuell mit diesem Problem. Ajax Amsterdam war in diesem Spiel im Aufbau aber schlicht zu unstrukturiert und kam meist gar nicht in die Nähe dieser Zonen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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