Für die Wiener Austria wird es heute Abend gegen Malmö FF noch einmal ernst. Mit einem Sieg gegen die Schweden und einer gleichzeitigen Heimniederlage... Showdown in Gruppe G: Gelingt der Austria mit Hilfe von Metalist Kharkiv das kleine Fußballwunder?

Für die Wiener Austria wird es heute Abend gegen Malmö FF noch einmal ernst. Mit einem Sieg gegen die Schweden und einer gleichzeitigen Heimniederlage von AZ Alkmaar gegen Metalist Kharkiv, würden die Wiener auch über den Winter hinaus im Europacup verbleiben. Es ist ein sehr kurzer Strohhalm, an den sich Violett klammern kann, aber immerhin irgendetwas!

Die zweite Variante, die der Austria zum Aufstieg verhelfen würde, mutet hingegen praktisch unmöglich an. Bei einem Remis von Alkmaar gegen Kharkiv bräuchte die Austria einen Sieg mit mindestens sechs Toren Differenz, um an den Niederländern vorbeizuziehen. Die Hoffnungen der Veilchen liegen also auf Metalist Kharkiv, das jedoch in Alkmaar nicht in Bestbesetzung antreten wird. Die Ukrainer haben in der Liga fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenführer aus Kiev, liegen auch hinter Shakhtar Donetsk auf Platz drei. Die ukrainische Meisterschaft befindet sich zudem bereits in der Winterpause, geht erst am 3.März 2012 wieder weiter. Der lange Urlaub hat für die Mannen von Myron Markevich also bereits begonnen.

Die letzten vier Ligaspiele gewann Kharkiv allesamt souverän, trat dabei stets in Bestbesetzung an. Gegen PFC Oleksandriya, das vergangenes Wochenende auswärts mit 3:1 besiegt wurde, spielte Metalist mit folgender Aufstellung:

Der Kader der Ukrainer ist nicht nur sehr groß, sondern auch in der Breite enorm stark. Trainer Myron Markevich bestätigte bei der gestrigen Pressekonferenz, dass er heute eine B-Elf aufs Feld schicken wird. Metalist kann sich dennoch auf Spieler wie Sebastián Blanco, einen zweifachen argentinischen Teamspieler, der nach einer langwierigen Verletzung derzeit nur zweite Wahl ist, verlassen. Weitere Kandidaten für Einsatzminuten sind der brasilianische Rechtsfuß Fininho, die Mittelfeld-Routiniers Oleg Shelayev und Sergey Valyayev, sowie der argentinische Stürmer Jonathan Cristaldo, der zwar in der laufenden Saison bereits zehn Pflichtspieltore erzielte, dann aber dem treffsicheren Marko Devic weichen musste. Cristaldo ist ein klassisches Opfer des 4-2-3-1-Systems.

Bei AZ Alkmaar ist die Situation eine andere: Die Meisterschaft wird erst am 18.Dezember bei NAC Breda beendet, danach folgt das Cup-Spiel auswärts bei Ajax Amsterdam. Die Winterpause dauert schließlich keine fünf Wochen und am 22.Jänner geht es bereits in der Liga weiter – diesmal mit einem Heimspiel gegen Ajax. Alkmaar muss also „on fire“ bleiben und gerade nach den schwierigen letzten Wochen erwarten die Fans den Aufstieg in die K.O.-Phase. Das 4:0 am vergangenen Wochenende gegen De Graafschap war ein kleiner Befreiungsschlag, zumal die Ergebnisse davor zu wünschen übrig ließen: 0:0 beim Abstiegskandidaten Excelsior Rotterdam, ein peinliches 1:5 in Heerenveen und davor das 0:0 bei Malmö.

Alkmaar-Coach Gert-Jan Verbeek praktizierte stets sein bekanntes 4-3-3-System, wechselte aber in den letzten Wochen mehrmals Abwehr- und Mittelfeldspieler durch. Einzig seine drei gesetzten Angreifer – Beerens, Altidore und Holman – waren eine Bank. Was sich allerdings gegen Metalist ändern wird: Holman ist weiterhin nicht 100%ig fit und wird gegen die Ukrainer durch den Isländer Johann Berg Gudmundsson ersetzt werden. Ansonsten wird Verbeek die Siegermannschaft vom Spiel gegen De Graafschap aufbieten. Auf Metalist Kharkiv warten also folgende Spieler:

Sofern Metalist Kharkiv in Alkmaar keinen Sieg einfahren kann, ist alles bisher Geschriebene Makulatur – dann ist es egal, wie die Austria zu Hause gegen Malmö FF spielt. Das Team von Rikard Norling spielte seine letzte Pflichtpartie vor 16 Tagen: AZ Alkmaar wurde zu Hause ein 0:0 abgetrotzt. Der Ligabetrieb endete bereits am 23.Oktober, das Team befindet sich quasi bereits in Ferien, trainierte die letzten beiden Wochen nur noch für das Spiel gegen die Austria, das maximal finanziellen Wert für die Schweden haben könnte. Dennoch spielte der vierte der abgelaufenen schwedischen Meisterschaft in den Spielen nach Saisonende (etwa beim 0:0 gegen AZ oder beim 1:3 bei Metalist Kharkiv Anfang November) in Bestbesetzung. Das klassische 4-4-2, das Trainer Norling heute aufbieten könnte, sieht wie folgt aus:

Personalsorgen hat Austria-Trainer Karl Daxbacher vor allem in der Defensive. Weiterhin fehlen die Innenverteidiger Manuel Ortlechner und Kaja Rogulj – auch der Einsatz von Georg Margreitter, der auch bei offensiven Standardsituationen zu einer wertvollen Waffe im Spiel gegen die kopfballstarke Elf aus Malmö werden könnte, ist weiterhin fraglich. Weiters fehlen Pascal Grünwald und Florian Mader. Dadurch rutscht Peter Hlinka wieder ins defensive Mittelfeld – auch weil Emir Dilaver in der Innenverteidigung benötigt wird. Roland Linz muss an vorderster Front erneut Nacer Barazite weichen. Eine Systemumstellung, die es ermöglichen würde Barazite und Linz zu bringen, gleichzeitig aber mit Gorgon, Jun und Junuzovic zu spielen, ist auszuschließen. Karl Daxbacher weiß über die Konterstärke der Schweden Bescheid und ein 4-1-3-2 oder ein 4-1-4-1-System könnte in diesem Heimspiel schlimme Folgen für die Wiener Austria haben. Es gilt das Spiel aus einem kompakten Mittelfeld aufzubauen, die berühmte „kontrollierte Offensive“ zu forcieren. Hauruck bzw. Hollywood wird es heute Abend in Wien-Favoriten nicht geben. Die folgende Aufstellung ist aufgrund der Möglichkeit, dass Margreitter doch ausfällt, optimistisch:

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen