Die Wiener Austria trifft in ihrem ersten Europa-League-Spiel dieser Saison auf Astra Giurgiu aus Rumänien. Wir haben den Gegner für euch genauer analysiert. Die... Stabile Defensive, Verbindungsprobleme im Spielaufbau: Das ist Astra Giurgiu

Taktikboard grün_abseits.atDie Wiener Austria trifft in ihrem ersten Europa-League-Spiel dieser Saison auf Astra Giurgiu aus Rumänien. Wir haben den Gegner für euch genauer analysiert.

Die Grundordnung

Die Rumänen agieren meist in einer 4-2-3-1 Grundordnung. Im Tor steht der Rumäne Silviu Lung Jr., der selten in den Spielaufbau eingebunden wird und eher ein reaktiver Torhüter ist.

Die Verteidigung bilden meist drei Brasilianer und ein Rumäne. Kapitän und Linksverteidiger Junior Moraes ist offensiv sehr aktiv, der Linksfuß überzeugt mit Dynamik und vereinzelten Dribblings. Seine Flankenläufe sind ein wichtiger Bestandteil der Offensive von Astra. Fabricio und Ricardo Alves haben in der Innenverteidigung eine klare Aufgabeverteilung: Der ältere Alves, 35 Jahre alt, sichert meist das aggressive Herausrücken vom 27-Jährigen Fabricio ab. Auch auf der rechten Seite rückt Außenverteidiger Cristian Sapunaru immer wieder auf, besitzt jedoch nicht die Dribblingfähigkeiten seines Gegenübers.

Im zentralen Mittefeld spielen meist Takayuki Seto und Florin Lovin als Doppelsechs, beide wechseln sich ab in der Rolle des tieferen Akteurs im Aufbau. Dies kommt meist auf die Bewegung des ballnahen Sechsers an, ob er entscheidet sich in der Tiefe anzubieten oder entgegenzukommen. In der Defensive versuchen beide dicht nebeneinander die eigenen Innenverteidiger zu unterstützen. In der offensiven Dreierreihe wird sehr viel rochiert, auch der Stürmer und der Zehner tauschen oft Positionen. Alexandru Ionita und Filipe Texeira spielen meist auf den Flügeln, Daniel Niculae und Denis Alibec tauschen im Zentrum immer wieder die Positionen.

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Die Defensive

Meist richtet Trainer Marius Sumudica seine Mannen mit einem 4-4-2 Mittelfeldpressing aus. Die Rumänen verteidigen sehr kompakt und diszipliniert, sind überraschend optionsorientiert, können flexibel zwischen Raum-, Mann- und Mitspielerorientierung wechseln. Der Zwischenlinienraum ist meist dicht, Schnittstellen sind schwierig zu finden. Die beiden Stürmer stellen das Zentrum meist effektiv zu und stellen die Sechser in den Deckungsschatten, manchmal nimmt der ballferne Stürmer auch Manndeckungen auf, falls dies nötig ist.

Die beiden Viererketten verschieben sehr kompakt und ballorientiert, einzig der ballferne Flügelstürmer bleibt öfters etwas hängen, um für Verlagerungen bereit zu stehen. Dies lässt ein Loch im Halbraum offen, das bei guten Staffelungen im Positionsspiel mit schnellen Halbraumverlagerungen bespielt werden kann.

Das Gegenpressing der Rumänen ist nicht kollektiv, meist sind es höchstens zwei ballnahe Spieler die nachsetzen, während die anderen sich auf die Tiefensicherung konzentrieren und meist zurück Richtung eigenes Tor rücken.

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Die Offensive

Im Aufbauspiel haben die Rumänen vor allem in der ersten Linie technisch begabte Spieler. Dennoch haben sie einige Staffelungsprobleme, zu oft fehlen die Verbindungen in die letzte Linie, das Abkippen von gewissen Spielern wird nicht ausbalanciert, sodass die Offensivreihe oft in der Luft hängt und man sich nur mit hohen Bällen helfen kann. Nach dem Match werden Finks und Sumudicas Trainerteams sich sicher ausgiebig darüber austauschen können.

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Würde man die Trikotfarben tauschen, könnte man meinen es wäre die Austria am Ball.

Trainer Sumudica scheint sehr auf Stabilität bedacht zu sein. Denn selbst wenn seine Spieler aufgrund ihrer Fähigkeiten ab und an den Weg durchs Zentrum nach vorne finden, so werden doch eindeutig Flügelangriffe forciert. Diese sind risikoärmer und leichter nach Ballverlust zu verteidigen. Er scheint auf die individuelle Qualität seiner Offensivreihe zu vertrauen, dass sie instinktiv gefährliche Situationen kreiert. Durch die vielen Rochaden und raumöffnenden Bewegungen sind die vier Angreifer definitiv nicht leicht auszurechnen, zu oft fehlen jedoch auch hier die Verbindungen und richtigen Staffelungen, um Chancen effektiv herausspielen zu können. Am gefährlichsten sind die kommenden Gegner der Austria über Konter, wo die Spieler immer wieder gut für einander Räume öffnen können und im Abschluss sind gleich mehrere Spieler begabt.

Durch einen diagonalen Lauf zieht Budescu seinen Gegner weg und öffnet Raum für den nachrückenden Teixeira.

Fazit

Die Rumänen sind auf jeden Fall defensiv stabiler als die Austria. Sollte es der Austria jedoch gelingen am eigenen Pressing zu arbeiten, sich prinzipiell etwas tiefer auszurichten und mit den Stürmern stets genug Druck auszuüben um Verbindungsprobleme zu provozieren, dann können sich die Veilchen auf jeden Fall etwas ausrechnen.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer