In der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League bekommt es die SV Ried mit dem weißrussischen Vertreter Schachzjor Salihorsk zu tun. Wie der kleine Kader... Unangenehm und fluid – das ist der Kader von Ried-Gegner Schachzjor Salihorsk!

In der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League bekommt es die SV Ried mit dem weißrussischen Vertreter Schachzjor Salihorsk zu tun. Wie der kleine Kader der Weißrussen beschaffen ist und auf welche Spieler die SV Ried achten muss, könnt ihr auf den nächsten Zeilen nachlesen!

Das Team des jungen Trainers Vladimir Zhuravel (41) spielt normalerweise in einer 4-2-3-1-Formation, die jedoch aufgrund des oft verschwimmenden Mittelfelds wie ein 4-1-4-1 anmutet. Wie bei vielen weißrussischen Teams ist auch bei Schachzjor die Positionstreue im Mittelfeld sehr gering. Die Spieler sind allgemein kampf- und laufstark, nicht selten auch überhart. Vor allem in Auswärtsspielen ist das Team auf Konter bedacht, allerdings ist man umgekehrt selbst auf Konter anfällig. Das Team ist bereits seit längerer Zeit im Stamm unverändert – man kennt sich. Mit drei Russen und einem Litauer hat der aktuelle Tabellenzweite nur vier Legionäre.

Keeper mit guten Reflexen

Bereits seit 2 ½ Jahren ist Yuri Tsygalko (29) Stammkeeper von Schachzjor Salihorsk. Nach der Jahrtausendwende galt er als eines der größten weißrussischen Torhütertalente und wechselte 2003 zu Torpedo Moskau, was ihm auch einen Platz im Nationalteam sicherte. Zuvor war er im Alter von 18 Jahren zum Stammtorhüter von Dinamo Minsk geworden. Doch der Wechsel nach Russland warf ihn zurück und so wurde er nie über die Grenzen Weißrusslands hinaus erfolgreich. Er spielte später in Kasachstan und Rumänien, war aber hauptsächlich in der weißrussischen Liga beschäftigt (Dinamo Minsk, Brest, Schachzjor Salihorsk). Er gilt als sicherer Rückhalt, der vor allem tolle Reflexe zeigen kann. Probleme sind in der Strafraumbeherrschung zu orten. Sein Ersatzmann ist der Litauer Paulius Grybauskas (28), der zuvor in Polen, Aserbaidschan und Rumänien spielte.

Hölzerne Innenverteidigung

Die Rolle des Abwehrchefs ist bei Salihorsk nicht klar vergeben. Der Russe Evgeni Postnikov (26) ist aber „eher der Chef“. Der 191cm große Innenverteidiger kam vor der Saison von Ventspils aus Lettland, nachdem er in der Europa League Qualifikation gegen Schachzjor Salihorsk eine gute Partie ablieferte und das Interesse der Weißrussen auf sich zog. Postnikov ist ein zweikampf- und sehr kopfballstarker Verteidiger, der jedoch nicht gut rausspielt und technisch allgemein limitiert ist.

Der etwas schnellere der beiden Innenverteidiger heißt Aleksei Yanushkevich (26), der technisch jedoch ebenfalls kein Mann zum Fürchten ist. Yanushkevich spielt aktuell seine vierte Saison für Schachzjor und ist bei einer Körpergröße von 191cm ebenfalls ein Verteidiger, der seine Stärken im Zweikampf- und Kopfballspiel hat. Auch wenn Postnikov reifer und abgebrühter wirkt, ist Yanushkevich wohl der komplettere der beiden Innenverteidiger. Der Ersatzmann für die Innenverteidigung ist Roman Kirenkin (31), der in den letzten Jahren auch zum Stamm zählte, allerdings nach einer Verletzung vor etwa elf Monaten zu keinem einzigen Spiel mehr kam.

Routinierte Außenverteidiger mit Hang zur Unfairneß

In der linken Verteidigung ist der Russe Yuri Kolomyts (33) gesetzt. Anders als man es erwarten könnte, ist der ehemalige Kasachstan-Legionär offensiv stark, versucht sich häufig ins Offensivspiel seines Teams einzubringen. Er ist allerdings auch einer der angesprochenen Spieler, die immer an der Schwelle zur Rotgefährdung wandeln.

Auch auf der rechten Seite spielt ein Linksfuß: Igor Rozhkov (31) ist eigentlich linker Mittelfeldspieler, spielt bei Schachzjor aber seit nunmehr über drei Jahren in der rechten Verteidigung. Der 182cm große Abwehrspieler galt lange Zeit als eines der verkannten Talente des weißrussischen Fußballs, wechselte im Frühling 2007 für 2 ½ Jahre in die Ukraine zu Krivoj Kryvbas Rig. Von seiner Zeit in der Ukraine profitierte er ungemein und als er 2009 nach Weißrussland zurückkehrte, half er Salihorsk auf Anhieb und ließ sich seitdem nicht mehr aus der Mannschaft spielen.

Yin und Yang im defensiven Mittelfeld

Auf der Position des klassischen „6ers“ ist Ersatzkapitän Aleksandr Grenkov (34) gesetzt. Er trägt allerdings etatmäßig die Kapitänsbinde, weil er sich auf dieser Position dauerhaft gegen den eigentlichen Kapitän des Teams, Andrei Leonchik (35) durchsetzte. Grenkov trägt zwar die Rückennummer 9, ist aber ein durchwegs defensiver Akteur. Er dient als häufigste Anspielstation im Spiel von Schachzjor Salihorsk und beweist immer wieder gutes Stellungsspiel. Allerdings ist er nicht mehr der Schnellste und auch kein besonders guter Zweikämpfer.

Einen sehr beweglichen „8er“ gibt neben bzw. vor ihm Andrei Khachaturyan (24) ab. Er wechselte vor einem Jahr zu Schachzjor und fügte sich sofort perfekt in die Mannschaft ein. Er ist einer der Gründe dafür, dass das Team derzeit so stark spielt. Eigentlich ist Khachaturyan rechter Verteidiger, aber bei Schachzjor spielt er ausschließlich im Mittelfeld. Er ist laufstark und gut mit dem Ball, zudem äußerst positionsuntreu. Er hat in seinem Spiel eine leichte Rechtslastigkeit und hat Probleme beim defensiven Umschalten, wenn er sich bei Angriff Salihorsk zu weit nach vorne wagte. Allerdings sorgt er in der Offensive immer wieder für eine Überzahl in der unmittelbaren Gefahrenzone.

Starke Flügel, die keine echten Flügel sind

Die Flügelspieler stellen derzeit wohl mit die stärksten Waffen von Schachzjor Salihorsk dar. Auf der linken Seite spielt Pavel Sitko (24), ein aktueller weißrussischer Teamspieler. Er ist schnell und technisch stark, gilt aber nicht als typischer Flügel. Er ist eher ein Mittelfeldspieler, wie man sie aus älteren Systemen kennt. Sitko zieht gerne zur Mitte, sucht nicht zwingend den Weg zur Grundlinie. Darüber hinaus verfügt er über einen guten Schuss und ist sicher im Abschluss. Wie die meisten seiner Mittelfeldkollegen hat er jedoch Probleme beim defensiven Umschalten, wodurch Schachzjor durch Diagonalpässe anfällig auf Konter ist. In der laufenden Saison erzielte er zwei Tore und bereitete zwei weitere vor.

Der bessere und variablere der beiden Flügelspieler ist Sergei Balanovich (24), der im Juni sein Debüt im weißrussischen Team gab. Er spielt bereits seit 2008 für Schachzjor, zeigt aktuell aber seine bisher beste Saison. Mit drei Toren und fünf Assists spielte er sich in den Notizblock des weißrussischen Teamtrainers und der Mann mit der Rückennummer 2 spielt derzeit auf dem Gipfel seiner Leistungsfähigkeit. Angesichts von Balanovichs guter Form dürfte Ried besser beraten sein, ihre Angriffe vermehrt über die rechte Angriffsseite zu fahren – auch weil der linke Außenverteidiger der Weißrussen einen nicht immer gesunden Offensivdrang an den Tag legt.

Der Ersatzmann für beide Positionen ist Aleksei Rios (25), ein Weißrusse mit peruanischen Wurzeln. Er gilt als einer der technisch besten Spieler im Kader, jedoch kam er aufgrund seines Mangels an Kampfkraft und seiner Leichtfüßigkeit nie über die Rolle als Ergänzungsspieler hinaus.

Offensiver Star auf der „10“

Spielmacher des Teams ist der gelernte Stürmer Dmitri Komarovsky (26), der wie Balanovich erst in diesem Jahr im Nationalteam debütierte. Komarovsky ist ein technisch guter, durchschlagskräftiger Spieler, der zudem gute Freistöße schießt. Der 26-Jährige kommt aus der BATE-Schule, stand zwei Jahre erfolglos in Russland bei Torpedo Moskau unter Vertrag und ist seit 2010 der Spielmacher von Schachzjor Salihorsk. In den letzten beiden Saisonen erzielte er 15 Treffer – in der aktuellen Spielzeit machte er bereits fünf und servierte seinen Mitspielern sieben Tore.  Im Offensivspiel ist er zweifelsfrei der wichtigste Mann des Teams – für die Defensive interessiert er sich allerdings kaum…

Sein Ersatzmann ist Neuverpflichtung Andrei Tsevan (26), der bis zum Winter für Dinamo Brest spielte und gute Leistungen abrief. Bei Schachzjor ist er allerdings noch nicht angekommen und ins durchaus funktionierende Mannschaftsgefüge des Ried-Gegners ist Tsevan, der als Heißsporn gilt, noch nicht hundertprozentig integriert.

Wieselflinker Konterstürmer

Zu Beginn der Saison holte man Dmitri Osipenko (29) aus der Ukraine. Der wendige, pfeilschnelle Stürmer lebte sich bei seinem neuen Klub perfekt ein und erzielte bisher in 18 Spielen 8 Tore. Er ist kein Stürmer, der perfekt antizipiert, dafür aber einsam und kraftaufwändig auf Pressing-Tour in der gegnerischen Abwehr geht. Osipenko erzielt als prädestinierter Konterstürmer seine Treffer gerne auswärts. Vor Kopfballtreffern braucht man beim 170cm großen Weißrussen keine Angst haben. Allerdings operiert Salihorsk  außer bei Standards auch selten mit Flanken.

Die Ersatzstürmer heißen Aleksandr Alumona (28) und Kirill Vergeichik (20). Während Vergeichik vorerst nur in der Kampfmannschaft schnuppern darf, hatte der aus Nigeria stammende Russe Alumona bereits gute Zeiten bei Schachzjor. 2011 erzielte er 9 Saisontore, 2010 waren es 8. In der letzten Saison wurde er jedoch zum Ersatzmann degradiert und auch an Osipenko gibt es für ihn derzeit kein Vorbeikommen.

Salihorsk muss auf Augenhöhe sein

Eine technisch insgesamt eher schwache Defensive, ein lauffreudiges und durchwegs gefährliches Mittelfeld und ein lästiger Angreifer, der Lücken für sein intensives Laufspiel sucht. Alles in allem ist Schachzjor Salihorsk eine interessante Truppe mit einigen Spielern, der auch in der tipp3 Bundesliga beim einen oder anderen Klub ein Leiberl hätten. Insgesamt sollte Ried aber mindestens auf Augenhöhe sein. Wenn man es schafft im zweiten Drittel defensiv gut zu stehen und bei Ballgewinn mit genügend Spielern auf Offensive umschalten kann, wird man dem weißrussischen Vizemeister weh tun. Zu empfehlen ist außerdem ein Angreifer, der auch in die Breite arbeiten kann und sich läuferisch nicht schont. Angesichts der fehlenden europäischen Routine von Schachzjor Salihorsk und der Europacup-Vorgeschichte der letzten Jahre, darf man einen Aufstieg der durchaus Europa-geeichten SV Ried erwarten…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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