Nach dem tollen Aufstieg gegen Lazio wartet heute das EL-Semifinalhinspiel gegen Olympique Marseille auf die Salzburger. Nachdem wir uns angesehen haben was die Fans... Was sich seit den Gruppenspielen gegen Salzburg in Marseille änderte

Nach dem tollen Aufstieg gegen Lazio wartet heute das EL-Semifinalhinspiel gegen Olympique Marseille auf die Salzburger. Nachdem wir uns angesehen haben was die Fans von diesem Spiel erwarten wollen wir nun herausfinden, was sich seit dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams verändert hat.

Wir sahen uns den heutigen Gegner der Salzburger bereits vor einem halben Jahr genauer an und verweisen auf die bestehenden Artikel. Hier findet ihr zahlreiche Infos zur Vereinsgeschichte, während ihr hier das Spielsystem und eine Kaderanalyse der Franzosen findet. Im Folgenden wollen wir beleuchten, was sich seitdem in Marseille veränderte. Wie ist die aktuelle Form der Mannschaft, auf wen muss man besonders gut aufpassen und welche Stammkräfte fehlen?

Ein kurzer Rückblick

In den beiden Aufeinandertreffen der Gruppenphase schossen die Franzosen in 180 Minuten keinen Treffer gegen die Salzburger. Zunächst setzte es für Olympique Marseille eine 0:1-Niederlage in Salzburg, das Rückspiel im Stade Vélodrome endete torlos. Bei der 0:1-Niederlage setzte Trainer Rudi Garcia auf ein 4-2-3-1-Grundsystem, das sich gegen den Ball als 4-4-2-Formation präsentierte. OM verzichtete auf ein hohes Pressing, agierte aber über die meiste Zeit sehr kompakt und aufmerksam. Man sah in den beiden bisherigen Begegnungen nicht allzu viele Torraumszenen, da beide Teams konzentriert verteidigten und physische Aspekte im Vordergrund standen. Speziell im Heimspiel lieferten die Salzburger einen wirklichen Kraftakt ab, da Trainer Marco Rose auf zahlreiche Leistungsträger verletzungsbedingt verzichten musste und nicht einmal die Ersatzbank vollständig aufgefüllt werden konnte.

Was danach geschah

Olympique Marseille qualifizierte sich als Gruppenzweiter hinter Salzburg für die K.o.-Runde und schaltete zunächst Braga mit einem Gesamtscore von 3:1 (3:0 & 0:1) aus. Im Achtelfinale gewann die Mannschaft von Coach Garcia zweimal gegen Athletic Bilbao (3:1 & 2:1), ehe auch RB Leipzig nach einer 0:1-Niederlage im Auswärtsspiel zuhause mit 5:2 besiegt wurde. In den Spielen gegen Leipzig setzte OM zum ersten Mal in der diesjährigen Europa-League-Saison auf ein 3-4-2-1-System, allerdings erwartet man in Frankreich gegen Salzburg die Rückkehr zur Viererkette.

Interessant ist aber auch die Situation in der Ligue1. Paris Saint-Germain steht seit geraumer Zeit als Meister fest, dahinter wird es allerdings eng und Salzburgs Gegner ist mittendrin im Kampf um die so wichtigen Champions-League-Plätze. Momentan steht die AS Monaco mit 70 Punkten auf Platz 2, knapp vor Olympique Lyon und Marseille, die beide 69 Punkte auf dem Konto haben. Der Tabellenzweite qualifiziert sich fix für die Champions League, der Drittplatzierte startet in der CL-Qualifikation. Die Plätze 4 und 5 müssen sich mit der Europa League begnügen. Im Gegensatz zu den Salzburgern, die in Österreich schon so gut wie durch sind, kann es sich Marseille also keineswegs leisten am Wochenende zwischen den EL-Partien einen Gang hinunterzuschalten, was ein kleiner Vorteil für Roses Team sein könnte.

Aktuelle Form

Im Herbst tat sich Marseille nicht nur gegen Salzburg mit dem Toreschießen schwer, aktuell sind die Kreativspieler der Franzosen allerdings in einer weitaus besseren Form. Dreizehn Treffer in den letzten drei Pflichtspielen unterstreichen die aktuelle Torgefahr, die von Garcias Mannschaft ausgeht. Besonders die Schlüsselspieler und Stars können starke Bilanzen aufweisen und entscheiden regelmäßig Spiele zugunsten ihres Vereins. Florian Thauvin steht in der Ligue 1 bei 19 Treffern und 10 Assists, Dimitri Payet bei 5 Toren und 12 Vorlagen! Der Argentinier Lucas Ocampos ist in der Meisterschaft mannschaftsintern mit neun Treffern der zweitbeste Torschütze und traf auch in der laufenden Europa-League-Saison bereits vier Mal ins Schwarze. Ebenfalls erwähnenswert sind die sieben Scorerpunkte von Payet in der Europa League (3 Tore & 4 Vorlagen).

Das Personal: Ein Schlüsselspieler fehlt

Während in der Offensivabteilung alle Leistungsträger fit und in starker Form sind, fällt in der Viererkette ein ganz wichtiger Spieler. Rechtsverteidiger Hiroki Sakai wird aller Voraussicht nach verletzungsbedingt passen müssen, was für OM ein großer Verlust ist. Der Japaner mit dem unbändigen Offensivdrang, der auch die meisten Flanken in der französischen Liga schlug und im Zusammenspiel mit Thauvin regelmäßig glänzt, kann nicht gleichwertig von Bouna Sarr ersetzt werden, auch wenn dieser natürlich ebenfalls ein toller Fußballer ist, an dem beispielsweise der BVB Interesse zeigt. Sarr ist eigentlich ein gelernter Flügelstürmer, wurde aber zum Rechtsverteidiger umgeschult und erwischte im Rückspiel gegen RB Leipzig einen tollen Tag. Linksverteidiger Patrice Evra wird man vergebens im Kader der Franzosen suchen, denn der 36-Jährige wurde nach einer Tätlichkeit gegen einen Marseille-Anhänger von seinem Klub suspendiert und unterschrieb Anfang Februar bei West Ham United. Dass Jordan Amavi nun auf der linken Abwehrseite eingesetzt wird ist sicher kein Vorteil für die Salzburger, da Evra doch schon länger seinen Zenit überschritten hat.

Statt dem verletzten Stammtormann Steve Mandanda wird Yohann Pelé das Tor hüten. Ansonsten ist insbesondere der Platz der Solo-Sturmspitze hart umkämpft. Valère Germain, Kostas Mitroglou und Clinton N’Jie hoffen auf eine Nominierung, wobei die beiden Erstgenannten die besseren Chancen haben. Ebenfalls offen ist wer neben Luiz Gustavo auf der Doppelsechs agieren wird. Morgan Sanson und Maxime Lopez sind nach der Verletzung von Boubacar Kamara hier die ersten Optionen.

Man darf gespannt sein wie gut die Salzburger die offensive Dreierkette hinter der Solospitze in den Griff bekommen, denn Thauvin, Payet und befinden sich aktuell in einer bestechenden Form. Zudem müssen die Salzburg-Akteure mit einer entfesselten Stimmung im Stade Vélodrome rechnen – schon gegen die Leipziger überzeugten die Heimfans mit einer einzigartige Atmosphäre. Allerdings hat sich nicht nur die Form von Olympique Marseille verbessert, auch die Salzburger sind ein anderes Team als beim ersten Aufeinandertreffen. Einerseits hat Rose mehr Optionen als damals, andererseits ist die Mannschaft aufgrund der EL-Erfolge gegen Real Sociedad, Dortmund und Lazio Rom sicherlich gewachsen.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger