Warum Spaniens Tiki-Taka auch in den nächsten Jahren der dominierende Spielstil der Iberer bleibt und welche Spieler den Fußball auf der Halbinsel wohl in... Gekommen um zu bleiben – die Vorzüge der spanischen Nachwuchsarbeit

Warum Spaniens Tiki-Taka auch in den nächsten Jahren der dominierende Spielstil der Iberer bleibt und welche Spieler den Fußball auf der Halbinsel wohl in den nächsten Jahren prägen werden. Eine Nachbetrachtung der U21-Europameisterschaft in Dänemark, eine Vorschau auf die U19-Europameisterschaft in Rumänien, die U20-WM in Kolumbien und die Zukunft des spanischen Nationalteams.

Überraschend war der Europameistertitel für den Nachwuchs der „Furia Roja“, wie das spanische Nationalteam genannt wird, nicht. Zu überlegen war das Auftreten in den Qualifikationsspielen – wenn auch die Dominanz durch die Ergebnisse oft verschleiert wurde – zu bekannt waren einige der involvierten Spieler. Um die beiden Weltmeister Juan Manuel Mata (Valencia) und Javi Martínez (Athletic Bilbao) hatte Trainer Luis Milla eine interessante Gruppe bestehend aus aufstrebenden Talenten und gestandenen Jungprofis einberufen, deren Ziel von Anfang an klar definiert war: den Titel zu holen um sich für höhere Weihen zu empfehlen.

TIKI-TAKA, SPANIENS UNVERKENNBARES PASSSYSTEM

Tiki-Taka, ein Begriff der dem österreichischen Fußballfan ob der inflationären Verwendung im österreichischen Rundfunk zumeist Schweißperlen ins Gesicht zaubert, ist ein seit 2006 von spanischen TV-Kommentatoren eingeführter Begriff der ein Spielsystem bezeichnet, das durch ständiges Kurzpassspiel, Ruhe im Ballbesitz und ständiger Bewegung ohne Ball gekennzeichnet ist. Vom FC Barcelona in den letzten Jahren an die Spitze der Perfektion getrieben fand das System, mit leichten Anpassungen, unter Luis Aragoñes und Vicente Del Bosque Einzug in die Nationalmannschaft und gilt als Ausgangspunkt für den Gewinn von Europa- und Weltmeisterschaft. Während die A-Mannschaft logischerweise um die Barcelona-Achse rund um Busquets, Xavi und Iniesta aufgebaut ist, war die hervorstechendste Entdeckung der Unter-21-Europameisterschaft die Erkenntnis, dass es Spanien gelungen ist diesen aufwändigen und technisch schwierigen Spielstil erfolgreich auf den Nachwuchsfußball zu übertragen. Mit dem kampfkräftigen und ruhigen Javi Martínez, für viele zu Unrecht nicht zum Spieler des Turniers gewählt, dem technisch genialen Barca-Jungstar Thiago Alcantara und Bilbaos wendiger Neuerwerbung Ander Herrera gelang es von der ersten Partie an die Gegner zu dominieren, was auch die Ballbesitzstatistik von durchschnittlich 71,3% eindrucksvoll zeigt. Mehr als das reine individuelle Talent, und das ist bei jedem der Drei in ausreichendem Maß gegeben, war es dem klugen Vorgehen der spanischen Fußballföderation zuzuschreiben, die in weiser Voraussicht die Umstellung der Spielweise bis in den Nachwuchsfußball perfekt vollzogen hat. Für das spanische Nationalteam bedeutet das einen schier unendlichen, dem System perfekt integrierbaren Überschwang an Talent. Mit einer Stammformation auf ihrem Zenit und Spielern wie Fabregas, Thiago, Martinez und Co. auf Abruf braucht man keine Glaskugel um dem spanischen Tiki-Taka noch eine lange rosige Zukunft zu prognostizieren.

EINE NEUE GOLDENE GENERATION

Doch es wäre gänzlich falsch den spanischen Nachwuchs nur auf dessen Mittelfeld beziehungsweise generell auf die Startformation dieses Turniers zu reduzieren. Mit Marseille-Verteidiger César Azpilicueta, einem modernen spielenden Außenverteidiger, Bojan Krkic, dessen Karriere beim AS Roma einen Neustart erfahren soll und Athletic Bilbaos Wunderkind und Stürmerhoffnung Iker Muniain scharren auch auf den übrigen Positionen hochtalentierte Junge in den Startlöchern und werden über kurz oder lang in den Kader Del Bosques hochgezogen werden.

Es bleibt abzuwarten wie sich demgegenüber Spaniens U19, in der am 20. Juli startenden EM in Rumänien, und die U20, Ende Juli in Kolumbien, präsentieren werden. Die Voraussetzungen für neuerliche Erfolge der Roten sind jedoch ein weiteres Mal gegeben. Mit dem Innenverteidiger Mark Muniesa und den Mittelfeldspielern Gerard Deulofeu und Sergi Roberto, nach dessen ersten 90 Minuten im Spiel gegen Malaga selbst der sonst so besonnene Pep Guardiola dazu hingerissen wurde zu verkünden, dass man diesen Namen noch öfter hören wird, warten schon die nächsten Hoffnungen aus Barcelonas berühmter Nachwuchsschmiede „La Masia“ auf ihren Aufstieg ins Rampenlicht. Doch auch anderswo wird gut für die Zukunft gearbeitet. So stellt Real Madrid nicht weniger als sechs Spieler des aktuellen U19-Kaders, am erwähnenswertesten sicherlich der offensive Mittelfeldspieler Pablo Sarabia und Sturmtank Álvaro Morata, der mit der beachtlichen Körpergröße von 183cm eine willkommene Abwechslung im Zwergenhaufen der Spanier darstellt. Abgerundet wird dieser herausragende Kader vom Abwehrriesen Igansi Miquel (193cm) von Englands Vorzeigeclub Arsenal und Valencias neuester Entdeckung Isco Alarcón, der in deren B-Mannschaft in bisher 63 Einsätzen 24 Tore verbuchen konnte und im kommenden Jahr, vor allem durch den wahrscheinlichen Abgang von Juan Manuel Mata, in „La Liga“ auflaufen wird und sich sogar gute Chancen auf einen Stammplatz ausrechnen kann.

Es sind diese beiden Punkte die den spanischen Fußball wohl auch in naher Zukunft ganz vorne mitspielen lassen werden. Einerseits die schier unendliche Flut an Talenten, ausgebildet in den modernen Nachwuchszentren der iberischen Halbinsel. Andererseits die perfekt geplanten Strukturen der RFEF (Real Federación Española de Fútbol), die die Förderung der jungen Talente unter Aufsicht von 15.000 UEFA-A- und Pro-Lizenztrainern in klare institutionelle Formen gegossen hat. So gibt es eine klare Kompetenzenverteilung zwischen Klubs, regionalen Auswahlen und Nationalteam, die mittels komplexem Reporting und einem strengen bottom-up Verfahren dafür sorgen, dass jeder Spieler in angemessener Geschwindigkeit diese Ebenen stufenweise durchläuft. Dieser Vorgang wiederholt sich auch im Trainerbereich, wo jeder abgehende Coach von dessen Assistenten ersetzt wird und dessen Posten wiederum durch den Trainer der untergeordneten Entität aufgefüllt wird. Diese stringente Verschiebung der Zuständigkeiten soll fortschrittliche Strukturen garantieren und neue moderne Methoden der Ausbildung zulassen. Es ist daher alles angerichtet für weiteren Fußball mit Markenzeichen, sehr zur Freude der Spanier und zum Leid der österreichischen Fernsehkonsumenten. Tiki-Taka, Tiki-Taka, Tiki-Taka, Herr Polzer, wir schauen auf sie.

MG, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen