Ende Mai vergangenen Jahres scheiterten die Verhandlungen zwischen Branko Bošković und dem SK Rapid Wien. Zdenko Ilicic, der Manager des Montenegriners, forderte zusätzlich zu... Branko Bošković (oder andere Spielmacher) und die MLS – das passt nicht zusammen!

Ende Mai vergangenen Jahres scheiterten die Verhandlungen zwischen Branko Bošković und dem SK Rapid Wien. Zdenko Ilicic, der Manager des Montenegriners, forderte zusätzlich zu den Gehaltsforderungen für seinen Schützling, 100.000€ für seine Unterschrift, was der SK Rapid strikt ablehnte. Bošković wechselte daraufhin in die Major League Soccer zu Washington D.C. United.

Kurz nachdem die Vertragsverlängerung in Wien platzte, gestand Bošković dem damaligen Pressesprecher Sharif Shoukry, dass er eigentlich viel lieber bei Rapid Wien geblieben wäre. Die Abhängigkeit von seinem Management, das vermutlich nicht nur das Beste für seinen Klienten, sondern auch für sich selbst im Sinn hatte, war aber schlussendlich zu groß, sodass der montenegrinische Nationalspieler dem Wechsel in die USA zustimmte, obwohl er sich dort Woche für Woche seiner Flugangst stellen muss.

FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR

In der MLS gibt es eine knapp bemessene Gehaltsobergrenze, die im Jahr 2010 2,55 Millionen Dollar betrug – wohl gemerkt für die gesamte Mannschaft! 2007 wurde allerdings eine Regel eingeführt, die es ermöglichte Stars wie David Beckham in die Liga zu holen, um den Sport in den USA populärer zu machen. Jede Mannschaft durfte einen Spieler nennen (designated player), dessen Gehalt außerhalb dieser Regelung stand. Drei Jahre später durfte jede Mannschaft zwei „designated players“ verpflichten. Gegen eine Luxussteuer von 250.000$, die unter den übrigen Vereinen aufgeteilt wird, darf nun auch ein dritter Spieler verpflichtet werden, dessen Einkommen nicht zur Gehaltsobergrenze hinzugefügt wird.

David Beckham ist noch immer der Bestverdiener der Liga (6.5 Mio $). Hinter dem Engländer liegt der Franzose Thierry Henry ($5.6 Mio) und der ehemalige Barcelona-Spieler Rafael Márquez ($4.6 Mio). David Beckhams Teamkollege Robbie Keane liegt an der vierten Stelle ($3.4 Mio), vier weitere Spieler verdienen mehr als eine Million.

Branko Boskovic muss sich hingegen als „designated player“ mit bescheidenen 525.367 Dollar pro Jahr (382.467 Euro) zufrieden geben, ein Gehalt, das ihm der SK Rapid sicherlich auch bezahlt hätte. Das Management und der Spieler hatten sich schlichtweg verspekuliert, als sie von den Hütteldorfern 800.000 Euro pro Jahr forderten.

EIN BLUFF MIT ZWEI VERLIERERN

Rapid Wien konnte Branko Bošković bis heute nicht gleichwertig ersetzen. Der Montenegriner entlastete Steffen Hofmann, brachte kreative Momente ins Spiel, war torgefährlich und spulte regelmäßig die meisten Kilometer aller Rapid-Spieler ab. Das 4-4-2-System Rapids ohne den Montenegriner war über weite Strecken nicht mit anzusehen, da mit Steffen Hofmann der einzige kreative Spieler auf dem rechten Flügel zu finden war. Im Zentrum befand sich Markus Heikkinen lange Zeit in einer Unform, während die beiden klassischen Zerstörer Stefan Kulovits und Yasin Pehlivan ohnehin nicht einmal ansatzweise an die Spielintelligenz des Montenegriners herankamen.

Bošković wiederum wurde in Washington mit hohen Erwartungen empfangen. Auch wenn er vom Gehalt her nicht mit den Spitzenverdienern der Liga mithalten konnte, so verdiente er dennoch doppelt so viel, als seine besten Mannschaftskollegen. Umso enttäuschter waren die Fans, als der Verein mitteilte, dass Bošković im Training zwar gut arbeiten würde, aber körperlich noch nicht in der gewünschten Verfassung sei.

EIN KREUZBANDRISS ALS NEGATIVER HÖHEPUNKT

Als Bošković nach Washington übersiedelte waren in der MLS zehn Meisterschaftsrunden absolviert. Von 20 möglichen Partien spielte der „designated player“ nur acht Mal von Beginn an, fünf Mal kam er als Joker in die Partie. In diesen 13 Auftritten erzielte er keinen Treffer und kam allgemein mit dem körperbetonten Spielstil schlecht zurecht. Ein paar Mal musste der Montenegriner sogar in der zweiten Mannschaft des Teams spielen.

In der kommenden Saison lief es noch weitaus schlechter für den ehemaligen Rapid-Spieler. In den ersten drei Spieltagen absolvierte er keine Minute. Erst in der vierten Runde stand er von Beginn an auf dem Platz, wurde aber nach einer enttäuschenden Leistung nach 53 Minuten ausgewechselt. Danach kam er bis zu seiner Verletzung lediglich drei Mal von der Bank ins Spiel. Der General Manager des Vereins, Dave Kasper, sagte zu einem Journalisten des Washington Examiners, dass Boskovic nicht den Eindruck mache, als ob es ihn stören würde, dass er wenig Spielzeit bekommt. Trainer Ben Olsen wiederum meinte, dass Bošković ein wertvoller Spieler sei, der hart im Training arbeitet und sicher seine Chancen bekommen wird. Bošković selbst meinte dazu, dass der Verein ihn bezahle und er das mache, was der Verein ihm aufträgt: „“I’m contracted here, and I must work. If they think like this (Anm.: Dass er in der zweiten Mannschaft spielen soll), for me, it’s okay. I must keep working and be here.”

Am 27. April 2011 bekam er wieder einmal eine Chance. Beim Lamar Hunt U.S. Open Cup, dem nationalen Cup-Bewerb in den USA, zeigte er seine bislang beste Leistung, erzielte zwei Tore, riss sich gegen Ende der Partie allerdings das Kreuzband. Kurz nach dem Spiel sagte er noch, dass er nicht glaube, dass die Verletzung sehr schlimm sei. Eine Magnetresonanzuntersuchung bestätigte allerdings die schlimmsten Befürchtungen. Bošković musste operiert werden und arbeitet zurzeit an seinem Comeback. Mittlerweile kann er schon die ersten Übungen mit dem Ball machen, allerdings wird es noch ein paar Wochen dauern, bis er das Knie wieder voll belasten wird können.


Hier könnt ihr euch seine beiden Tore, ein Interview mit ihm und den Kreuzbandriss ansehen.

HORRORFOULS IN DER MLS – SPIELMACHER HABEN ES SCHWER

In den USA herrscht derzeit eine große Diskussion, ob die Richtung stimmt, in die sich die MLS gegenwärtig entwickelt. Kreative Spielmacher und dribbelstarke Flügelspieler erleiden immer öfter schwere Verletzungen, die sie zu langen Pausen zwingen. Alleine in letzter Zeit verletzten sich neben dem Montenegriner einige Topspieler, wie etwa Steve Zakuani (Beinbruch), Javier Morales und David Ferreira (beide Knöchelbruch). Insbesondere das Foul von Brian Mullan an Zakuani war so heftig, dass wir von einer direkten Verlinkung Abstand nehmen. Wer es sich dennoch anschauen will, der findet das Video auf YouTube, wenn er die beiden Nachnamen der Spieler eintippt.

Während manche behaupten, dass die jüngste Verletzungsserie bloß Pech sei, befürchten einige, wie etwa der kanadische Journalist James Grossi, dass andere Faktoren für die schweren Fouls verantwortlich sind: Dadurch dass die Vereine eine Gehaltsobergrenze haben, treffen Spieler mit großen Klasseunterschieden aufeinander. Wenn man die Spiel er in Europa je nach Klasse in “A-B-C-D- und E-Spieler“ aufteilt, dann meint Grossi, dass in Europa in einer höchsten Spielklasse bloß “A-und B-Spieler“ zum Zug kommen würden. In der zweithöchsten Klasse befinden sich dann die “B- und C-Spieler“. In der MLS müssen die Vereine viele Plätze im Kader mit billigen Spielern auffüllen, damit die Gehaltsobergrenze nicht gesprengt wird. Im Laufe einer Saison kommen dann selbst die “D- und E-Spieler“ zum Zug, die ihre technischen Unzulänglichkeiten mit hartem, einsatzbetontem Spiel wettmachen müssen. Dazu kommt, dass der US-amerikanische Fußball allgemein stark von Athletik geprägt ist. Nicht die besten Voraussetzungen für Branko Bošković, der seinen Wechsel in die MLS heute sicher gerne rückgängig machen würde.

Stefan Karger, www.abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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