Betrachtet man das Ranking der UEFA Fünfjahreswertung, lagen die österreichische und ukrainische Liga im Jahr 2005 noch auf Augenhöhe und kämpften um den 15.... Dank Dynamo, Shakhtar, Metalist und Dnipro: Der Aufstieg der ukrainischen Liga

Betrachtet man das Ranking der UEFA Fünfjahreswertung, lagen die österreichische und ukrainische Liga im Jahr 2005 noch auf Augenhöhe und kämpften um den 15. Platz, zudem konnte 2003 die Wiener Austria Shakhtar Donezk im UEFA Cup noch mit 5:1 besiegen. Seither hat sich jedoch einiges getan, Österreich befindet sich weiterhin im Bereich der Plätze 13 bis 20, die Ukraine hat sich aufgrund massiver Investitionen mittlerweile jedoch in den Top 10 festgesetzt.

Die ukrainische Premjer-Liha (Прем’єр-ліга) wurde nach dem Zusammenfall der Sowjetunion im Jahr 1991 gegründet und stellt seither eine eigenständige Meisterschaft dar, die derzeit 16 Mannschaften umfasst. Insgesamt drei ukrainische Vereine konnten den sowjetischen Meistertitel erringen, neben Rekordmeister Dynamo Kiew und Dnipro Dnipropetrowsk (zwei Titel) gelang dies im Jahr 1972 auch Zorya Woroschilowgrad (heute Zorya Luhansk).

Während von 1992 bis 2003/04 Dynamo Kiew elfmal ukrainischer Meister wurde, haben sich die Machtverhältnisse mittlerweile gewandelt und seit der Saison 2004/05 konnte Shakthar Donezk fünf Titel feiern. Dies ist auf enorme Investitionen in die Mannschaft zurückzuführen, die sich mittlerweile auch auf europäischer Bühne widerspiegeln. Weitere Mannschaften spielen bei der Titelvergabe keine Rolle, obwohl auch andernorts neuerdings viel Geld in den Fußball fließt, vor allem bei den Vereinen Metalist Kharkiv und Dnipro Dnipropetrowsk.

Dynamo Kiew (Динамо Київ)

Der Hauptstadtclub ist die Konstante im ukrainischen Vereinsfußball, noch unter sowjetischer Flagge konnten 1975 und 1986 der Cup der Cupsieger gewonnen werden, dazu gelang dem sowjetischen und ukrainischen Rekordmeister 1999 der Einzug ins Semifinale der Champions League, wo man knapp an Bayern München scheiterte. Zehn Jahre später kam erneut eine Runde vor dem Finale das Aus, diesmal jedoch in der letzten Auflage des UEFA Cups und gegen die Landsleute von Shakhtar Donezk.

Vereinslegenden sind Spieler wie Oleg Blochin, der rund 19 Jahre bei Dynamo spielte (und 1988 zu Vorwärts Steyr wechselte), Sergej Rebrov und natürlich Andrij Schewtschenko, der nach zehn Jahren bei Milan und Chelsea mittlerweile wieder für seinen Stammclub auf Torjagd geht. Auf Trainerebene gibt es kein Vorbeikommen am 2002 verstorbenen Walerij Lobanowskyj, unter dem beide Europacuptitel gewonnen wurden. Lobanowskyj, der parallel zu Dynamo auch mehrmals das sowjetische Nationalteam betreute, verstarb in seiner zweiten Amtszeit als Trainer der Hauptstädter, die 1997 begonnen hatte. Nach ihm ist auch mittlerweile Dynamos Heimstätte benannt, wobei aufgrund der geringen Kapazität von nur 17.000 Plätzen (die bei einem Zuschauerschnitt von nur 8.600 in der vergangenen Saison national jedoch ausreicht) bei großen internationalen Spielen zumeist das Olympiastadion von Kiew genutzt wird, welches derzeit für die Europameisterschaft umgebaut wird.

Dynamo Kiew ist in der Regel Stammgast in der Champions League, kommt dort aber nur selten über die Gruppenphase hinaus. Aktuell setzt sich der Kader der von Juri Sjomin betreuten Mannschaft aus Ukrainern und Südamerikanern zusammen, was durchaus typisch für eine ukrainische Spitzenmannschaft ist. Zudem stehen noch vier Nigerianer unter Vertrag, darunter Ideye Brown, der vor der Saison für neun Millionen Euro von Sochaux verpflichtet wurde.

Shakhtar Donezk (Шахтар Донецьк)

Während Dynamo Kiew den ukrainischen Fußball seit jeher prägt, muss sich Shakthar das Attribut „neureich“ gefallen lassen, spielt der Club aus dem Kohlerevier doch trotz dreier Vizemeistertitel und vier Pokalsiegen in der Sowjetunion erst so richtig eine Rolle, seit der Industrielle Rinat Achmetow, der über ein geschätztes Vermögen von 16 Milliarden US-Dollar verfügt, Präsident des Vereins ist und jede Menge Geld bereitstellt, was seit 1996 der Fall ist.

Dennoch dauerte es bis zum Jahr 2001, bis Shakhtar mit dem Einzug in die Champions League erstmals von sich reden machen konnte und erst in den letzten Jahren entwickelte man sich zum Stammgast in der Königsklasse, wo man in der vergangenen Saison erst im Viertelfinale am FC Barcelona scheiterte. Der größte internationale Erfolg ist jedoch der Gewinn des UEFA Cups im Jahr 2009, der damals zum letzten Mal ausgetragen wurde. Im Finale von Istanbul konnte Werder Bremen nach Verlängerung geschlagen werden.

Sehr eng verbunden mit Shakhtars Erfolgen ist der Rumäne Mircea Lucescu, der die Mannschaft als Trainer seit 2004 führt. Ihm gelang es, ein Team zu formen, das durch osteuropäische Defensive und südamerikanische Offensive geprägt ist und an guten Tagen nahezu jedem Gegner große Probleme bereiten kann.

In der Abwehr finden sich Spieler wie Răzvan Raț, Darijo Srna und Dmytro Chygrynsky, während offensives Mittelfeld und Sturm wegen Akteuren wie Jádson, Willian und Luiz Adriano glänzen, die teils um zweistellige Millionenbeträge aus Brasilien verpflichtet wurden und es sogar in die Nationalmannschaft des Rekordweltmeisters schafften.

Achmetov investiert jedoch nicht nur in den Kader, auch die Infrastruktur wurde ordentlich aufgebessert. Trug Shakhtar seine Spiele bis zum Jahr 2009 noch im örtlichen Zentralstadion, einer typischen „Ostblockschüssel“, aus, spielt man mittlerweile in der 51.000 Zuschauer fassenden Donbas Arena, die mit dem Gütesiegel von fünf Sternen seitens der UEFA aufwarten kann. Dies wirkte sich auch markant auf die Zuschauerzahlen aus, durchschnittlich durchschritten in der letzten Saison 36.000 Besucher die Drehkreuze bei Shakhtars Heimspielen.

Metalist Kharkiv (Металіст Харків)

Auch der 1925 gegründete Verein aus der ostukrainischen Millionenstadt verfügt mit Olexandr Jaroslawskyj über einen finanziell potenten Geldgeber. Der Mitbesitzer der UkrSibbank, die Teil der BNP Paribas Gruppe ist, steht dem Club seit 2004 vor und hat seither zahlreiche Investitionen in Infrastruktur und Mannschaft getätigt, so dass Metalist mittlerweile die dritte Kraft im ukrainischen Fußball darstellt.

Metalists aktueller Kader setzt sich in erster Linie aus ukrainischen, argentinischen und brasilianischen Spielern zusammen, wobei wie auch bei Shakhtar Donezk vor allem die Offensive südamerikanisch geprägt ist. Der Verein ist dabei auch durchaus gewillt, hohe Ablösesummen zu bezahlen, so überwies man für Taison im Jahr 2008 etwas mehr als sechs Millionen Euro an Internacional nach Brasilien.

Auf internationaler Ebene galt Metalist jahrelang als unbekannt, unter sowjetischer Flagge reichte es nur zu einer einzigen Teilnahme am Europacup im Jahr 1989, danach konnte man sich erst wieder 2008 qualifizieren, wo man jedoch Everton in der ersten Runde des UEFA-Cups unterlag. Das folgende Jahr sollte dann aber das bisher erfolgreichste der Vereinsgeschichte werden, mit einem 4:1 über Beşiktaş gelang die Qualifikation für die Gruppenphase des UEFA-Cups, wo man gegen Galatasaray, Olympiakos und Hertha BSC zehn Punkte bei einem Torverhältnis von 3:0 erringen konnte und ins Sechzehntelfinale aufstieg. Dort konnte Sampdoria Genua zweimal geschlagen werden, im Achtelfinale kam dann jedoch das Aus gegen Dynamo Kiew.

Die darauf folgende Saison lief deutlich weniger erfolgreich, Metalist scheiterte im Playoff zur Europa League überraschend an Sturm Graz. Heuer gelang hingegen wie im Vorjahr wieder die Qualifikation, nach einem 0:0 zuhause und einem 4:0 bei Sochaux steht Metalist in der Gruppenphase, wo am ersten Spieltag Austria Wien bezwungen werden konnte.

Das Metalist Stadion wurde bereits 1926 errichtet und verfügt über knapp 40.000 Plätze. Zur bevorstehenden Europameisterschaft wurde die Arena saniert, so dass sie mittlerweile den hohen UEFA-Ansprüchen genügt. In der vergangenen Saison besuchten durchschnittlich 25.000 Zuschauer die Heimspiele in der Meisterschaft.

Dnipro Dnipropetrowsk (Днiпро Днiпропетровськ)

Der sowjetische Meister von 1983 und 1988 verfügt derzeit über den wohl prominentesten Trainer der ukrainischen Liga, steht mit dem Spanier Juande Ramos doch der ehemalige Übungsleiter von Sevilla und Real Madrid an der Seitenlinie.
Der Verein, der nach dem größten Fluss der Ukraine benannt ist, wird derzeit von der PrivatBank Group geführt, die weltweit vor allem in der Energie- und Chemiebranche tätig ist und dem Club große finanzielle Mittel bereitstellt. Jedoch dominieren anders als bei der Konkurrenz im Kader zumeist heimische Spieler, die um wenige Akteure aus Südamerika und Osteuropa ergänzt werden. Zu nennen wären hier etwa der brasilianische Nationalspieler Giuliano (Ablöse elf Millionen Euro), der Kroate Nikola Kalinić (Ablöse sechs Millionen) oder Mateus vom letztjährigen Europa League Finalisten Braga.

Trotz der zahlreichen Investitionen blieb im Gegensatz zur heimischen Konkurrenz der internationale Erfolg bisher jedoch verwährt, lediglich 2004 und 2006 gelang die Qualifikation für die Gruppenphase des UEFA-Cups. Im ersten Jahr konnte noch das Sechzehntelfinale erreicht werden (Aus gegen Partizan Belgrad), 2006 blieb man in der Gruppe auf der Strecke. In den Jahren darauf scheiterte man schon in den frühen KO-Runden des Sommers und das an teils auf dem Papier deutlich schwächeren Gegnern wie Bellinzona, Aberdeen oder Lech Posen; heuer war im Europa League Playoff Fulham nicht zu besiegen. Somit bleibt das Erreichen des Viertelfinales im UEFA-Cup gegen Benfica im Jahr 1990 der vorerst größte Erfolg der Clubgeschichte.

Mit dem Dniprostadion verfügt der Verein seit 2008 über eine moderne Arena mit 31.000 Zuschauerplätzen, die in der Meisterschaft jedoch nur zur Hälfte besetzt sind. Ursprünglich hätten dort auch drei Spiele der Europameisterschaft stattfinden sollen, aufgrund der höheren Kapazität wurde die Arena zu Kharkiv jedoch vorgezogen.

Die weiteren Vereine

Neben den vier ausführlich thematisierten Vereinen, die finanziell in einer eigenen Liga spielen, gibt es noch weitere, die immer wieder für kleinere europäische Ausrufezeichen sorgen können und somit den Aufschwung der ukrainischen Liga unterstreichen. So verfügen etwa auch Karpaty Lwiw, Metalurg Donezk oder Vorskla Poltawa über schlagkräftige Mannschaften, hinter denen jedoch nicht ein dermaßen ausgeprägtes finanzielles Engagement steckt, wie etwa bei Shakhtar oder Metalist.

Insgesamt fußt der Aufstieg des ukrainischen Clubfußballs somit auf den großen Investitionen, die im letzten Jahrzehnt getätigt wurden. Objekt der Begierde sind hier zumeist südamerikanische Spieler, die aufgrund der guten Bezahlung und der Aussicht auf einen Transfer nach Westeuropa in die ehemalige Sowjetrepublik wechseln. Spieler aus dem Westen findet man in der Ukraine hingegen nur sehr selten, scheint für viele ein Wechsel in das arme Land trotz fürstlicher Bezahlung wohl weiterhin zu unattraktiv. Cristiano Lucarelli zog es im Jahr 2007 zum Beispiel vor, Shakhtar Doenzk nach nur wenigen Monaten wieder zu verlassen und in die italienische Heimat zurückzukehren.

Positiv zu bemerken ist, dass mit den Investitionen in die Infrastruktur auch die Nachhaltigkeit gefördert wird und man in der Regel nicht darauf aus ist, nur den schnellen Erfolg zu erkaufen.

OoK_PS, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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