Gareth Bale für 100 Millionen Euro zu Real, Cristiano Ronaldo für die gleiche Summe zu Moncao? Während am internationalen Transfermarkt einmal mehr die Post... Kaufe billig, verkaufe teuer: Der FC Porto ist weiterhin der Transferkönig Europas!

FC PortoGareth Bale für 100 Millionen Euro zu Real, Cristiano Ronaldo für die gleiche Summe zu Moncao? Während am internationalen Transfermarkt einmal mehr die Post abgeht und vor allem die neureichen Klubs aus Frankreich und England ordentlich Kohle an den Mann bringen, gibt es im Osten der iberischen Halbinsel einen Verein, der seit Jahren vernünftig mit Transfers wirtschaftet, ohne dabei auf Erfolg verzichten zu müssen: Der FC Porto ist der Transferkönig Europas.

In den letzten zehn Jahren nahm der aktuelle portugiesische Meister über 500 Millionen Euro ein – alleine aus Spielerverkäufen. Dennoch holte man in der gleichen Zeit neun Meistertitel, fünf Cup-Siege, zwei Europa-League-Titel und 2004 sogar den Champions-League-Sieg.

Die Taktik des FC Porto ist denkbar einfach und wirtschaftlich äußerst logisch: Kaufe billig, verkaufe teuer.

Durch ausgezeichnetes Scouting werden immer wieder junge, talentierte Spieler, bevorzugt aus Südamerika, in den Norden Portugals geholt, dort weiter ausgebildet und zu Weltstars geformt. Die portugiesische Liga bietet dazu die ideale Plattform, diesen Talenten ausreichend Spielzeit und Praxiserfahrung zu geben. Außerdem ergibt sich in Porto aufgrund der anhaltenden Erfolge in der Liga zwangsläufig die Möglichkeit, sich auch auf internationalem Niveau zu messen. Natürlich wird schließlich versucht, die gereiften Stars so lang wie möglich im Verein zu halten, kommt allerdings ein gutes Angebot, kann man sich fast sicher sein, dass verkauft wird – was zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit beweisen.

James Rodriguez als aktuelles Musterbeispiel

Ende Mai dieses Jahres wurde bekannt, dass der Kolumbianer James Rodriguez für 45 Millionen Euro sowie der Portugiese Joao Moutinho für 25 Millionen Euro zum AS Monaco verkauft wurden. Vor allem Rodriguez ist ein Musterbeispiel für das Konzept des FC Porto: Im Sommer 2010 holte man das Talent nach intensiver Beobachtung für 7,5 Millionen Euro aus Argentinien und gab ihm in seiner ersten Saison in Portugal vermehrt Einsatzzeit. Bereits in Saison zwei schaffte der linke Außenstürmer den Durchbruch, glänzte sowohl als Vorlagengeber, als auch als Torschütze. Als Rodriguez diese Leistungen auch in der abgelaufenen Saison bestätigte, riss sich bald halb Europa um den flinken, technisch versierten Linksaußen. Mit einem Angebot von 45 Millionen Euro machte schließlich der französische Aufsteiger aus Monaco das Rennen – wieder hatte der FC Porto 37,5 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Die Liste der Spieler, die Porto auf diese Weise zu Barem machte, ist lang und enthält unter anderem Namen wie Hulk, Falcao, Raul Meireles, Bruno Alves, Lisandro Lopez, Aly Cissokho, Quaresma, Bosingwa, Pepe, Anderson, Maniche, Ricardo Carvalho, Deco, Paulo Ferreira und Helder Postiga, der der Erste im letzten Jahrzehnt war, mit dem Porto eine Stange Geld machte.

Marktwert in sechs Monaten um ein 54-Faches erhöht

Portos teuerster Verkauf war übrigens Hulk, den man im letzten Sommer für 55 Millionen Euro nach St. Petersburg transferierte. Da man den Brasilianer aber für rund 19 Millionen Euro aus Japan geholt hatte, ist der wuchtige Stürmer nicht gleichzeitig auch der Transfer mit der größten Gewinnspanne für den portugiesischen Meister. Dies ist auch trotz des Verkaufes Rodriguez‘ weiterhin der Transfer dessen Landsmannes Falcao, den man im Sommer 2009 um 6,5 Millionen Euro von River Plate holte und ihn zwei Jahre später um 47 Millionen Euro an Atletico Madrid weiterverkaufte, was also einen Gewinn von 40,5 Millionen Euro bedeutete.

Der prozentmäßig klügste Transfer des letzten Jahrzehnts war indes jener des Franzosen Aly Cissokho, der im Jänner 2009 um rund 300.000 Euro Ablöse von Vitoria Setubal kam und noch im selben Jahr um 16,2 Millionen Euro zu Lyon verkauft wurde – ein weiteres Musterbeispiel.

Und das Rad dreht sich und dreht sich…

Trotz all dieser Spielerverkäufe gelang es dem FC Porto dennoch, erfolgreich zu bleiben. Acht der letzten zehn Meistertitel Portugals gingen in den Norden, und das trotz starker nationaler Konkurrenz wie Benfica oder Sporting Lissabon. Daran merkt man, dass sich das Rad immer weiter dreht – mit Jackson Martinez, der den abgewanderten Star Falcao im Sturm ersetzen sollte und dies auch mustergültig tat, steht bereits der nächste Spieler vor dem teurem Absprung. Geht Martinez, wird der Nächste kommen.

Natürlich profitiert der FC Porto auch von diversen finanzkräftigen Klubs, die bereit sind, die hohen Ablösesummen zu bezahlen. Gäbe es den AS Monaco, Manchester City oder Chelsea London nicht, würde dieses System nicht funktionieren. Aber es gibt sie – und der FC Porto ist jener Verein, der dies am klügsten ausnützt.

Michael Pinter, abseits.at

Michael Pinter

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