Die armenische Nationalmannschaft verlor gestern Abend in Dublin das entscheidende Gruppenspiel gegen die Republik Irland mit 2:1. Auch wenn die Qualifikation für die Europameisterschaft... Keine Sensation in Dublin: Armenien von glücklichen Iren gestoppt

Die armenische Nationalmannschaft verlor gestern Abend in Dublin das entscheidende Gruppenspiel gegen die Republik Irland mit 2:1. Auch wenn die Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 nicht glückte, ist der Kaukasusstaat die größte positive Überraschung der abgelaufenen Qualifikation.

Die irische Nationalmannschaft profitierte von einer Fehlentscheidung des spanischen Unparteiischen Eduardo Iturralde Gonzalez, der in der 26. Minute ausgerechnet dem routiniertesten Spieler der Armenier die rote Karte zeigte. Torhüter Roman Beresowski wurde vorzeitig unter die Dusche geschickt, weil er außerhalb des Strafraums angeblich seinen Oberarm benutzte, um einen Schuss von Simon Cox abzuwehren. In der Zeitlupe sah man allerdings, dass der Schlussmann den Ball mit der Brust abwehrte. Für den Schiedsrichter war diese Szene schwer zu beurteilen – eine Tatsache die den Armeniern allerdings nicht hilft.

EIN KURIOSES EIGENTOR

Armenien geriet mit einem Mann weniger in Bedrängnis, wehrte sich allerdings mutig gegen die anstürmenden Iren. Die Überraschungsmannschaft aus dem Kaukasus ist jedoch kein Team, das sich mit allen Spielern hinter den Ball stellt und nur auf Konterchancen wartet. Die Armenier spielen im Normalfall einen äußerst attraktiven, direkten Offensivfußball. Insofern hatte das Team in der Unterzahlsituation große Schwierigkeiten, da sie mit einem Mann weniger nicht mehr ihren ungehemmten Angriffsfußball vortragen konnten. Zu allem Überfluss erzielten sie knapp vor der Pause ein kurioses Eigentor: Der irische Stürmer Kevin Doyle wollte einen Querpass mit der Ferse ins Tor schießen, verpasste aber den Ball. Einige Meter hinter ihm stand Unglücksrabe Valerie Alexanjan, der die Kugel völlig unbedrängt in das eigene Tor schoss. Der Armenier wollte den Ball zur Ecke klären, schloss aber im Stile eines Torjägers ab.

ANSCHLUSSTREFFER TROTZ UNTERZAHL

Der Aston-Villa-Innenverteidiger Richard Dunne sorgte in der 59. Minute für das 2:0, als er nach einer Flanke von den armenischen Verteidigern komplett übersehen wurde. Die TV-Kommentatoren waren sich zu diesem Zeitpunkt einig, dass das Spiel nun entschieden sei, aber Henrikh Mkhitaryan erzielte nur drei Minuten später den Anschlusstreffer und hielt die Partie weiterhin offen. In der Schlussphase wurde die Partie noch ein wenig hektisch und Kevin Doyle wurde in der 81. Minute nach einem Ellbogenschlag ebenfalls vom Platz gestellt, sodass in den letzten zehn Minuten beide Mannschaften wieder gleich viele Spieler auf dem Platz hatten. Am Ergebnis änderte sich allerdings nichts mehr, sodass Armenien etwas glücklos, aber mit einer ordentlichen Leistung die Qualifikation auf dem dritten Platz abschloss.

WARUM IST ARMENIEN SO STARK?

Armenien gewann fünf Spiele, spielte zwei Mal unentschieden und ging drei Mal als Verlierer vom Platz. In einer recht ausgeglichen Gruppe bedeutete dieses Resultat den dritten Tabellenplatz hinter Russland und Irland, aber noch vor der Slowakei. Auf Mazedonien, den Vorletzten der Tabelle, haben die Armenier neun Punkte Vorsprung. Dabei ist auf den ersten Blick die mazedonische Nationalauswahl von den Namen her stärker einzuschätzen. Während bei den Armeniern lediglich Shakhtar-Donetsk-Spieler Henrikh Mkhitaryan bei einem Verein mit höheren internationalen Ansprüchen spielt, verfügen die Mazedonier über einige Spieler, die bei bekannten Klubs ihr Geld verdienen: Star der Mannschaft ist Stürmer Goran Pandev, der letzte Saison 27 Meisterschaftsspiele für Inter Mailand absolvierte und momentan mit Napoli in der Champions League spielt. Dazu kommen routinierte Aktive wie der Innenverteidiger Nikolce Noveski (Mainz 05), Partizan-Belgrad-Außenverteidiger Alexander Lazevski und Spieler die in der Ukraine, Belgien, Dänemark, Bulgarien, Österreich und der Schweiz ihr Geld verdienen.

Im Gegensatz zu Mazedonien spielen die meisten Kicker des armenischen Nationalteams in ihrem Heimatland, was auch daran liegt, dass viele Spieler noch recht jung sind und ihre Karriere vor sich haben. Henrikh Mkhitaryan sagt, dass der Erfolg nur möglich ist, da das Team in den letzten Jahren eine starke Einheit geworden ist. Jeder Spieler ist für den anderen da und weiß, welche Aufgaben er am Platz zu erledigen hat. Mkhitaryan betont den einmaligen Zusammenhalt innerhalb der hungrigen Mannschaft und die perfekte Zusammenarbeit mit dem gesamten Betreuerstab. Auch das Verhältnis zum armenischen Fußballverband soll laut Mkhitaryan absolut einzigartig sein. Es wird an einem Strang gezogen, wichtige Entscheidungen werden in Absprache mit den Spielern getroffen.

IAN PORTERFIELD – DER WICHTIGSTE MANN FÜR DEN ARMENISCHEN FUSSBALL

Der schottische Trainer Ian Porterfield übernahm im April 2006 die armenische Nationalmannschaft und konnte in der relativ kurzen Zeit, die ihm bis zu seinem Tod im September 2007 blieb, viel bewirken. Er fand eine Mannschaft vor, die aus technisch starken Spielern bestand, die in der Defensive jedoch unorganisiert war und taktische Fehler beging. Dem Schotten gelang es Ordnung in die Defensive zu bringen, ohne die Kreativität und die Spielfreude in der Offensive zu beschneiden. Der jetzige Trainer Vardan Minasyan war Porterfields Assistent und setzt die Philosophie des Schotten weiter um. Dazu kommt, dass das Land in den letzten Jahren erstaunlich viele junge Talente hervorbrachte. Ausländische Vereine sollten sich diese Spieler gut ansehen, denn die meisten von ihnen sind noch recht günstig zu haben. NOCH, denn aufgrund der starken internationalen Auftritte werden die Namen der Spieler wohl schon auf den Notizzetteln einiger Vereine stehen.


Hier die Tore vom 2:1-Sieg der Iren gegen Armenien

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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