Im Zuge einer eineinhalbwöchigen Kaukausreise im Frühjahr 2011 wurden einige Tage in Armenien verbracht, wobei an einem dieser Tage auch ein Spiel auf dem... Groundhopping in Armeniens zweiter Liga: Die Reise für abenteuerlustige Improvisationsfreunde!

Im Zuge einer eineinhalbwöchigen Kaukausreise im Frühjahr 2011 wurden einige Tage in Armenien verbracht, wobei an einem dieser Tage auch ein Spiel auf dem Programm stand. Über diesen Tag wird nun berichtet.

Armenien unterscheidet sich als eines der ersten christlichen Länder von der Mentalität der Bevölkerung eigentlich nicht besonders von jener der Kontinentaleuropäischen. Jedoch ist Armenien im Kaukasus von den Nachbarn Aserbaidschan und der Türkei völlig isoliert und zum Iran sind die Beziehungen auch nicht die besten. So sind die Georgier die einzigen Nachbarn, zu denen die Armenier normale diplomatische Verhältnisse pflegen. Jedoch gibt es zu den Georgiern auch eine Art Hassliebe, denn man mag sie nicht wirklich, weil sie in ihrer Geschichte die Hochkultur, wie sie die Armenier historisch aufweisen können, nicht haben. Immerhin entspannt sich aber langsam das diplomatische Verhältnis zur Türkei. Dass diese Entspannung erst am Anfang steht, zeigen die Zwistigkeiten um den Ararat. Ein durchaus ernstgemeinter, armenischer Witz fasst diese Stimmung ganz gut zusammen: Auf die Frage eines türkischen Gelehrten, warum man in Armenien den Ararat als Nationalsymbol sehe, obwohl dieser nicht in Armenien liegt. Ein armenischer Gelehrte antwortet schlagkräftig und in aller Kürze: Der sich auf der türkischen Flagge befindliche Halbmond würde auch nicht zum türkischen Staatsgebiet gehören, und dennoch fragt keiner nach, warum gerade Türkei ihn zu ihrem Nationalsymbol erkoren hat.

Da stand ich nun – mit einem Lonely-Planet-Reiseführer und einer Mineralwasserflasche – Mitten in der Hauptstadt Armeniens, Yerevan. Hier im europäischen Abseits oder geographisch gesehen doch schon in Asien. Die Dame an der Rezeption gab mir die Abfahrtszeiten zum Kloster nach Khor Virap bekannt und meinte, dass ich mich beeilen müsse, um die vom Hauptbahnhof abfahrende Marshrutka dorthin zu erwischen. Gerade in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist diese Art eines Minibus-Taxis mit einem einigermaßen fixen Fahrplan ein äußerst wichtiges Beförderungsmittel um dort seine mehr oder weniger weit entfernten Ziele zu erreichen. Vorab sei noch gesagt, dass die restlichen Mitreisenden nicht besonders begeistert waren über den Besuch des abendlichen armenischen Zweitligaspiels. Da ich dieses Spiel jedoch als Fixpunkt meiner Reise eingeplant hatte, konnte ich mich deren Programm nicht anschließen und so schlug ich mich an diesem Tag alleine in Armenien durch.

Den Hauptbahnhof Yerevans erreichte ich mit der innerstädtischen Marshrutka problemlos in kurzer Zeit. Doch dort war es, – ob der armenischen Schriftzeichen und meiner mangelnden Sprachkenntnisse der Landessprache oder des Russischen – für mich schon etwas schwieriger unter den zahlreichen Kleinbussen den Richtigen zu finden. Doch auch dies konnte binnen 15 Minuten abgeklärt werden, sodass noch Zeit blieb um etwas Verpflegung für die Fahrt in den Süden zu besorgen. Nach etwa 45 Minuten Fahrtzeit teilte man mir plötzlich mit, dass eine in der Einöde liegende Abzweigung auch als Orientierungspunkt für eine Haltestelle diene und von dieser aus das Kloster zu Fuß zu erreichen sei. Abschließend teilte man mir, unter hilfreichen Gebärden der Hände und Füße mit, dass man von hier wieder nach Yerevan zurückkomme und drückte mir einen kleinen Zettel mit den Abfahrtszeiten der Marshrutka in die Hand.

Nach 20 Minuten Fußweg war dann auch das Kloster Khor Virap erreicht. Bei der Besichtigung in der Mittagssonne konnte man die nur mehr einen Steinwurf entfernte türkische Grenze sehen und hatte einen schönen Ausblick auf das Nationalsymbol der Armenier, den Berg Ararat. Eigentlich sind es zwei auf türkischem Staatsgebiet liegende Berge namens Kleiner und Großer Ararat. Danach ging es wieder zurück zur Abzweigung, wo die Marshrutka nach Yerevan zwar ein wenig Verspätung hatte und etwas überbelegt war, sodass für mich und einige andere Mitreisende nur mehr einen Stehplatz gab. Der Minibus kam aber zuverlässig am Hauptbahnhof an, von wo aus ich die Stadt mit der Metro durchqueren konnte.

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Mein nächstes Ziel war das auf einem Hügel gelegene Naherholungsgebiet der armenischen Hauptstadt. Mein Interesse galt nicht nur dem Ausblick über die Stadt, sondern insbesondere dem Genozidmuseum samt dazugehörigem Mahnmal. Die Bilder des seitens der Türken noch immer bestrittenen Völkermordes stimmen nachdenklich, selbst wenn man den Hügel wieder verlassen hat und am Nationalstadion am Ufer des Flusses Harzdan vorbeischlendert. Mittlerweile ging der Nachmittag bereits in den Abend über und es wurde Zeit, den richtigen Bus für die Fahrt in die 20 Kilometer nordwestlich von Jerevan liegende Stadt Abovyan zu finden. In dieser Stadt befindet sich auch das Kotayk City Stadium, in dem an diesem Abend Mika-2 Ashtarak in einem Spiel der zweiten armenischen Liga auf Shriak-2 Gyumri treffen sollte.

Ohne größere Probleme habe ich zeitgerecht sowohl Abovyan als auch das Kotayk-Stadion erreicht. Erleichtert konnte ich schon in der Nähe des Stadions vernehmen, dass das Spiel auch wirklich stattfinden sollte, zumal die Mannschaften bereits aufwärmten. Im Stadion, das nebenbei auch Austragungsort der Spiele des armenischen Rugbynationalteams ist, fanden sich zu Spielbeginn bestenfalls 150 Besucher ein. Eintritt wurde nicht verlangt und als Verpflegung für die kommenden 90 Minuten konnte man sich lediglich mit Sonnenblumenkernen eindecken. Auf dem grünen Rasen gab es in den ersten 45 Minuten ebenfalls nur Schonkost, aber ein paar auf der Tribüne spielende Kinder und die Gedanken, dass man in Armenien ein Fußballspiel sieht, lenkten von der schwachen Darbietung auf dem Rasen ab.

In der zweiten Halbzeit änderte sich das Szenario ein wenig, denn Ashtarak ging überraschend in Führung, wobei dies der Weckruf für Gyumri war, um einen Gang zuzulegen. Zwölf Minuten vor dem Ende des Spiels gelang den Gästen der verdiente Ausgleich und zehn Minuten später machte ich mich wieder auf den Weg zur Busstation, die etwa 15 Gehminuten vom Stadion entfernt war. Glücklicherweise fuhren auch nach 21.00 Uhr noch Busse zurück nach Yerewan, sodass ich beruhigt die Heimfahrt antreten und dabei den Sonnenuntergang beobachten konnte. In Yerewan habe ich noch einen Blick ins Internet geworfen und in Erfahrung gebracht, dass Gyumri in der Nachspielzeit noch den Siegestreffer erzielt hat. Dies konnte jedoch die Erlebnisse dieses Tages in keiner Weise trüben.

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(Heffridge)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen